Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem
Totes Gebirge, A


Am Weg durch die Latschenwildnis


"off the Nipple path"...


Wenn es stimmt, was in dem Bericht von Ing. W. v. Czoernig geschrieben steht, dann wurde die damals noch "Große Eishöhle im Schwarzmooskogel" 1938 im Toten Gebirge entdeckt. In dem ersten Bericht darüber von Ing. O. Schauberger heißt es: "Anfangs geht es, spiralförmig immer größer werdend, hinab in die Tiefe und dann tut sich ein großes Höhlensystem auf, Gänge gehen nach allen Seiten und führen in große Hallen. In den tieferen Teilen der Höhle ist viel Eis vorhanden, der Eisstrom, den die Alt-Ausseer bereits begangen haben, ist rund 300 bis 400 Meter lang und mit den schönsten Eisformen ausgestattet - mit einem Wort wunderbar - und noch viel Fortsetzungen sind zu erforschen."

An Ostern 1938 wurde eine Höhlentour mit Skiern dorthin unternommen und Czoernig beschreibt diese Fahrt in eindrücklichen Bildern. Besonders der letzte Absatz ist mir immer in Erinnerung geblieben. "Unvergeßlich wird mir der Anblick bleiben, wie die nachfolgenden Forscher heraufgesichert wurden. In dem flackernden Licht der Karbidlampen, überragt von den ins Dunkel der Nacht verlaufenden Schneehängen des Berges, stehen die drei Mann und sichern und sorgen. Hinter ihnen sind zwei Skier und ein Pickel in den Schnee gesteckt und die Strickleiter daran befestigt. Noch ein Schcht liegt daneben, durch dessen Bogen der Lichtschimmer der Kletternden heraufleuchtet. Und oben, beim früheren Einstiegsschacht, brennt im Schnee ein Latschenfeuer wie ein olympisches Fanal, das der Höhlenforscher glückliche Rückkunft kündet."

Da wollte ich unbedingt einmal selber hin, und diese große Eishöhle sehen, wo "Gänge nach allen Seiten gehen". Es mußten erst ein paar Jahre ins Land gehen, ehe ich mit Wilfried Lorenz von der FHKF einem Menschen begegnete, mit dem ich in dieses Gebiet vorstoßen konnte.

.......


Leider ist das alles heute ernsthaft bedroht. Naturzerstörer planen den Ausbau dieses noch heute sehr einsamen Gebiets zu einem riesigen "alpinen Freizeitpark".

Dabei ist das alles ja längst erklärtes "Naturschutzgebiet", und wenn ich zurückdenke, daß wir früher sogar offizielle Ansuchen um Genehmigung an die Behörden richten mußten, gebührenbewehrt, daß wir die Höhle überhaupt besuchen durften, dann dreht sich bei mir sofort der Magen um. Und jetzt planen sie eine Fahrstraße und sogar einen Helikopterlandeplatz!

Im Herbst 2000 war dieses Thema besonders hochgekocht. Damals waren gerade Wahlen zum Landeshauptmann und der damalige Amtsinhaber wollte wohl Wählerstimmen gewinnen, in dem er solche Ausbaupläne groß in die Öffentlichkeit brachte. Er hat aber die Wahlen nicht gewonnen und der Neue soll kein Fan dieses Projekts sein. Entwarnung?


 


Im Sommer 2002 plötzlich eine Spitzenmeldung: Am 21. August um 16.45 Uhr wurde von 3 Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten ( Jörg Haußmann, Jens Römer, Aiko Schütz) die Verbindung der SMK mit der Kaninchenhhöhle gefunden. Damit ist ein Höhlensystem entstanden, das im Augenblick eine Länge von 54 km aufweist und eine Gesamttiefe von 1030 m.

Am Fuß des Schwarzmooskogels liegt eine altbekannte Wasserhöhle, die Liager. Ihre Eingänge sind normalerweise nicht sichtbar, normalerweise. Bei extrem Hochwasser aber schon. Dann schießen aus den beiden Pforten riesige Wassermengen ins Tal. In der Regel überquert man nur auf einem kleinen Holzbrückerl ein Trockenbachbett..

Altausseer See mit Schwarzmooskogelwänden
links
Das Gasthaus bei der Seebühne mit
Schwarzmooskogelwänden im Hintergrund

Das Trockenbachbett
D'Liager

Im August 2012, zwei Tage vor der gemeinsamen Verbandstagung des deutschen und österreichischen Höhlenforscherverbands in Bad Mitterndorf, passiert ein neuer Größensprung. Seit Jahren forschen schon englische Höhlenforscher in der Steinbrückenhöhle. 30 km ist sie schon lang und der vermutete Zusammenhang wird gerade da gefunden. 97,4 km Gesamtganglänge - eigentlich unglaublich ist das. Wo führt das denn noch hin?


August 2013 Die Höhlenforscher aus Cambridge feiern das 30jährige Wiederkommen ins Ausseer Land und in die Schwarzmooskogel-Eishöhle und zum Staudnwirt, ihrem Basecamp, insbesondere. Die stellvertretende Bürgermeisterin gibt sich die Ehre und verleiht eine Anerkennung.

 
     
 
     
 

Literatur:

Czoernig, W.v. Die große Eishöhle im Schwarzmooskogel, Mitteilungen für Höhlen- und Karstforschung 1939, S. s90ff.
Trimmel, Dr. Hubert Eine neue Initiative zum Schutz der Schwarzmooskogel-Eishöhle im Toten Gebirge, VÖH-Nachrichten 1-2001, S. 10/11
Pavuza, Dr. Rudolf Naturschutz auf "Steirisch", VÖH-Nachrichten 1-2001, S. 10
Zagler, Werner Totes Gebirge in Gefahr, DAV Panorama 2/2001, S. 63
Vogel, Werner Totes Gebirge - Bedenkliche Erschließungspläne, Bergsteiger April 2001, S. 12 (Als Autor bin ich irrtümlicherweise genannt)
Vogel, Werner ERSCHLIESSUNGSWAHN Totes Gebirge - noch töter?, Alpin März 2001
Vogel, Werner Erschließungsprojekte gefährden das Tote Gebirge, Alpinwelt (Oberland, München) 1/2001, S. 31
Trimmel, Hubert Höhlenschutz in Österreich im Jahre 1970, Die Höhle 1-1971, S. 30
Haußmann, Jörg, Winkler, Robert Durch neu entdeckte Verbindung: Höhlensystem mit über 50 km Länge im Toten Gebirge, Mitt. Verb. dt. Höhlen- und Karstforsch. 48 (4) München 2002, S. 90-92
Winkler, Robert Höhlenforschung im Schwarzmooskogelmassiv, in: Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten, Das Jahresheft 1995, S. 58
Winkler, Robert Schwabenschachtexpedition '95, in: Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten, Das Jahresheft 1995, S. 239
Lorenz, Wilfried Die Fahrt zur Schwarzmooskogel-Eishöhle 1. bis 3. August 2003, Der Fränkische Höhlenspiegel Heft 51, Dezember 2003, S. 46ff
Seebacher, Robert Forschungsgeschichte der Schwarzmooskogel-Eishöhle bis 1981, Höhlenkundliche Berichte, Verein für Höhlenkunde in Obersteier 2003, S. 122ff.
Winkler, Robert, Haußmann, Jörg Schwarzmooskogel-Höhlensystem über 50 km lang, Höhlenkundliche Berichte, Verein für Höhlenkunde in Obersteier 2003, S. 116ff.
Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, hrsg. vom Der Schwarzmooskogel - Höhlen- und Karstforschung im westlichen Toten Gebirge, Karst und Höhle 2002/2003, München 2004
Maier, Franz Aktuelle Naturschutzfragen rund um Dachstein und Totes Gebirge (Steiermark) im Lichte neuer Naturschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien, in: ALPEN Festschrift 25 Jahre ANISA Verein für alpine Forschung, Haus i.E. 2006, S. 122f.
Lindenmayr, Franz Vom Loser zum Almberg - oder 1 Woche in den Höhlen des Toten Gebirges, DER SCHLAZ 38, Oktober 1982, S. 18ff.
Lindenmayr, Franz Eine Phototour in die Schwarzmooskogeleishöhle, DER SCHLAZ 41, Oktober 1983, S. 24ff.
Lindenmayr, Franz Schwarzmooskogelforschungen 1985, Der Schlaz 48, Februar 1986, S. 31ff.
Winkler, Robert Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem, in: Winkler, Robert, herausgegeben von, Die Höhlen des Toten Gebirges, Leykam-Verlag, Graz 2012
Lawson, Rebecca, Todd, Julian The große Loser-Traverse - ein Abstieg durch die Zeiten, in: Winkler, Robert, herausgegeben von, Die Höhlen des Toten Gebirges, Leykam-Verlag, Graz 2012
Lorenz, Wilfried Wie die Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken ins Tote Gebirge kam, in: Verein für Höhlenkunde in Obersteier, SPELEO-AUSTRIA 2012, Bad Mitterndorf 2012
Winkler, Robert, Day, Anthony Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem - jetzt drittlängste Höhle Österreichs, DIE HÖHLE 2013, S. 62

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