Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem
Totes Gebirge, A


Am Weg durch die Latschenwildnis

"off the Nipple path"...


Jubiläumsphototour in die SMK 2018


Wenn es stimmt, was in dem Bericht von Ing. W. v. Czoernig geschrieben steht, dann wurde die damals noch "Große Eishöhle im Schwarzmooskogel" genannte Höhle 1938 im Toten Gebirge entdeckt (Nach einem mündlichen Bericht sei sie bereits früher von Hubert Heiler und Willibald Fischer gefunden worden). In dem Bericht darüber von Ing. O. Schauberger heißt es: "Anfangs geht es, spiralförmig immer größer werdend, hinab in die Tiefe und dann tut sich ein großes Höhlensystem auf, Gänge gehen nach allen Seiten und führen in große Hallen. In den tieferen Teilen der Höhle ist viel Eis vorhanden, der Eisstrom, den die Alt-Ausseer bereits begangen haben, ist rund 300 bis 400 Meter lang und mit den schönsten Eisformen ausgestattet - mit einem Wort wunderbar - und noch viele Fortsetzungen sind zu erforschen."

An Ostern 1938 wurde eine Höhlentour mit Skiern dorthin unternommen und Czoernig beschreibt diese Fahrt in eindrücklichen Bildern. Besonders der letzte Absatz ist mir immer in Erinnerung geblieben. "Unvergeßlich wird mir der Anblick bleiben, wie die nachfolgenden Forscher heraufgesichert wurden. In dem flackernden Licht der Karbidlampen, überragt von den ins Dunkel der Nacht verlaufenden Schneehängen des Berges, stehen die drei Mann und sichern und sorgen. Hinter ihnen sind zwei Skier und ein Pickel in den Schnee gesteckt und die Strickleiter daran befestigt. Noch ein Schcht liegt daneben, durch dessen Bogen der Lichtschimmer der Kletternden heraufleuchtet. Und oben, beim früheren Einstiegsschacht, brennt im Schnee ein Latschenfeuer wie ein olympisches Fanal, das der Höhlenforscher glückliche Rückkunft kündet."

Da wollte ich unbedingt einmal selber hin, und diese große Eishöhle sehen, wo "Gänge nach allen Seiten gehen". Es mußten erst ein paar Jahre ins Land gehen, ehe ich mit Wilfried Lorenz von der FHKF einem Menschen begegnete, mit dem ich in dieses Gebiet vorstoßen konnte .......

Für einige Zeit Ende des letzten Jahrhunderts schien die riesige alpine Wildnis dort oben ernsthaft bedroht. Naturzerstörer planten den Ausbau dieses sehr einsamen und weitgehend unberührten Gebiets zu einem riesigen "alpinen Freizeitpark". Dabei war das alles ja erklärtes "Naturschutzgebiet",  Und dann plante man eine Fahrstraße bis zu den Almen im Herzen des Toten Gebirges und sogar einen Helikopterlandeplatz. Im Herbst 2000 war dieses Thema besonders hochgekocht. Damals waren gerade Wahlen zum Landeshauptmann und der damalige Amtsinhaber wollte wohl Wählerstimmen gewinnen, in dem er solche Ausbaupläne groß in die Öffentlichkeit brachte. Er hat aber die Wahlen nicht gewonnen und der Neue war kein Fan dieses Projekts. Heute ist wieder Ruhe dort oben. 

Heute wissen wir, daß im Innern des Schwarzmooskogels, auch wenn man von außen praktisch nichts sieht, eines der größten alpinen Höhlensysteme verbirgt. Unter der Katasternummer 1623/40 weist die aktuelle Liste (1018) der längsten und tiefsten Höhlen Österreichs eine Länge von 122919 m und einen Gesamthöhenunterschied von 1104 m aus. Nicht weit entfernt liegt das längste System Österreichs, das Schönberghöhlensystem. Da wurde schon spekuliert, ob es nicht vielleicht eine Verbindung damit gibt. Ausgeschlossen scheint das nicht.

Mit der Eröffnung der Loserstraße 1971 begann eine neue Forschungsphase, nachdem vorher Mitglieder der Sektion Ausseerland immer wieder Forschungsfahrten zu den Höhlen im Schwarzmooskogel unternommen hatten. Auf einmal kamen Höhlenforscher aus Cambridge vom CUCC regelmäßig hierher und damit begann eine gloriose Forschungszeit, die bis heute anhält. Eine Gruppe aus Schwaben, die HAG Schwaben, kam auch wegen des günstigen Anmarschwegs nun hierher, gefolgt dann von der Arge Grabenstetten, die noch immer weitermachen. In der Zeit von 1981 bis Ende der 80er Jahre war eine Gruppe von Höhlenforschern aus München und Nürnberg in dem Gebiet aktiv, wobei zum Höhepunkt die Entdeckung der Schneevulkanhalle wurde. Danach machte die "Gruppe Kieselbach" mit der Erforschung des Lärchenschachtes für ein paar Jahre weiter. 
Die Forscher aus Schwaben und Cambridge setzten ihr Höhlenpuzzlespiel fort und es gelangen immer neue Höhlenzusammenschlüsse. So passierte im August 2012, zwei Tage vor der gemeinsamen Verbandstagung des deutschen und österreichischen Höhlenforscherverbands in Bad Mitterndorf, ein neuer Größensprung. Seit Jahren forschten die englischen Höhlenforscher in der Steinbrückenhöhle. 30 km war sie schon lang und der vermutete Zusammenhang wurde gerade da gefunden. 97,4 km Gesamtganglänge - eigentlich unglaublich, denkt man 20 Jahre zurück, wo das Gesamtsystem gerade einmal 5 km zusammenbrachte. 

 


Am Fuß des Schwarzmooskogels liegt eine altbekannte Wasserhöhle, die Liager. Ihre Eingänge sind normalerweise nicht sichtbar, normalerweise. Bei extrem Hochwasser aber schon. Dann schießen aus den beiden Pforten riesige Wassermengen ins Tal. In der Regel überquert man nur auf einem kleinen Holzbrückerl ein Trockenbachbett. Hier liegt das Quellgebiet des Wassers aus dem SMK-System.

Altausseer See mit Schwarzmooskogelwänden
links

Das Gasthaus bei der Seebühne mit
Schwarzmooskogelwänden im Hintergrund

Das Trockenbachbett
D'Liager

 


August 2013 Die Höhlenforscher aus Cambridge feiern das 30jährige Wiederkommen ins Ausseer Land und in die Schwarzmooskogel-Eishöhle und zum Staudnwirt, ihrem Basecamp, insbesondere. Die stellvertretende Bürgermeisterin gibt sich die Ehre und verleiht eine Anerkennung.

 
     
 
     
 

Literatur:

Crochet, Philippe Classique Autriche Sharzmooskogel-Eishöhle, Spéléo 92-Dec 2015
Czoernig, W.v. Die große Eishöhle im Schwarzmooskogel, Mitteilungen für Höhlen- und Karstforschung 1939, S. s90ff.
Haußmann, Jörg, Winkler, Robert Durch neu entdeckte Verbindung: Höhlensystem mit über 50 km Länge im Toten Gebirge, Mitt. Verb. dt. Höhlen- und Karstforsch. 48 (4) München 2002, S. 90-92
Lawson, Rebecca, Todd, Julian The große Loser-Traverse - ein Abstieg durch die Zeiten, in: Winkler, Robert, herausgegeben von, Die Höhlen des Toten Gebirges, Leykam-Verlag, Graz 2012
Lindenmayr, Franz Vom Loser zum Almberg - oder 1 Woche in den Höhlen des Toten Gebirges, DER SCHLAZ 38, Oktober 1982, S. 18ff.
Lindenmayr, Franz Eine Phototour in die Schwarzmooskogeleishöhle, DER SCHLAZ 41, Oktober 1983, S. 24ff.
Lindenmayr, Franz Schwarzmooskogelforschungen 1985, Der Schlaz 48, Februar 1986, S. 31ff.
Lindenmayr, Franz Bedenkliche Erschließungspläne, Der Bergsteiger April 2001, S. 12
Lindenmayr, Franz Die Entdeckungsgeschichte der Schneevulkanhalle in der Schwarzmooskogelhöhle/Totes Gebirge, in: 125 Jahre Tiefenhöhle 70 Jahre Höhlen- und Heimatverein, Laichingen 2017
Lorenz, Wilfried Die Fahrt zur Schwarzmooskogel-Eishöhle 1. bis 3. August 2003, Der Fränkische Höhlenspiegel Heft 51, Dezember 2003, S. 46ff
Lorenz, Wilfried Wie die Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken ins Tote Gebirge kam, in: Verein für Höhlenkunde in Obersteier, SPELEO-AUSTRIA 2012, Bad Mitterndorf 2012
Lorenz, Wilfried Die Eishöhle im Schwarzmooskogel, Der Fränkische Höhlenspiegel 16-1982 25-27
Macleod, Ruairidh 2018 CUCC Explorations on Loser,  in: Mattes J., Christian E. & Plan L. (eds), Proc. 12th EuroSpeleo Forum, Ebensee: 33
Maier, Franz Aktuelle Naturschutzfragen rund um Dachstein und Totes Gebirge (Steiermark) im Lichte neuer Naturschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien, in: ALPEN Festschrift 25 Jahre ANISA Verein für alpine Forschung, Haus i.E. 2006, S. 122f.
Pavuza, Dr. Rudolf Naturschutz auf "Steirisch", VÖH-Nachrichten 1-2001, S. 10
Seebacher, Robert Forschungsgeschichte der Schwarzmooskogel-Eishöhle bis 1981, Höhlenkundliche Berichte, Verein für Höhlenkunde in Obersteier 2003, S. 122ff.
Trimmel, Dr. Hubert Eine neue Initiative zum Schutz der Schwarzmooskogel-Eishöhle im Toten Gebirge, VÖH-Nachrichten 1-2001, S. 10/11
Trimmel, Hubert Höhlenschutz in Österreich im Jahre 1970, Die Höhle 1-1971, S. 30
Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, hrsg. vom Der Schwarzmooskogel - Höhlen- und Karstforschung im westlichen Toten Gebirge, Karst und Höhle 2002/2003, München 2004
Vogel, Werner Totes Gebirge - Bedenkliche Erschließungspläne, Bergsteiger April 2001, S. 12 (Als Autor bin ich irrtümlicherweise genannt)
Vogel, Werner ERSCHLIESSUNGSWAHN Totes Gebirge - noch töter?, Alpin März 2001
Vogel, Werner Erschließungsprojekte gefährden das Tote Gebirge, Alpinwelt (Oberland, München) 1/2001, S. 31
Vogel, Werner Erschließungswahn - Totes Gebirge - noch töter? Alpin, März 2001
Winkler, Robert Höhlenforschung im Schwarzmooskogelmassiv, in: Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten, Das Jahresheft 1995, S. 58
Winkler, Robert Schwabenschachtexpedition '95, in: Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten, Das Jahresheft 1995, S. 239
Winkler, Robert, Haußmann, Jörg Schwarzmooskogel-Höhlensystem über 50 km lang, Höhlenkundliche Berichte, Verein für Höhlenkunde in Obersteier 2003, S. 116ff.
Winkler, Robert Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem, in: Winkler, Robert, herausgegeben von, Die Höhlen des Toten Gebirges, Leykam-Verlag, Graz 2012
Winkler, Robert, Day, Anthony Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem - jetzt drittlängste Höhle Österreichs, DIE HÖHLE 2013, S. 62
Wookey 42 years of Expo: The English on Loser in SMK-System, in: Mattes J., Christian E. & Plan L. (eds), Proc. 12th EuroSpeleo Forum, Ebensee: 32
Zagler, Werner Totes Gebirge in Gefahr, DAV Panorama 2/2001, S. 63

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