Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Der unterirdische See von St-Léonard, Wallis, CH
und seine Umgebung


Auf das Jahr 1943 wird die Entdeckung dieser ungewöhnlichen Höhle datiert. Jean-Jacques Pittard sei der erste Mensch gewesen, der sich tiefer in die Erdöffnung gewagt hatte, die schon länger bekannt gewesen sei. 1946 gab es ein starkes Erdbeben, das zu einem Absinken des Wasserspiegels führte. Ein gewaltiger See tat sich dahinter auf, 300 Meter lang ist er, bis zu 20 m breit, 10 m tief und er hat eine Oberfläche von 6.000 m². Es dauerte nicht lange, dann wurde sie schon für den Tourismus erschlossen und wird auch heute noch erfolgreich geführt. Immerhin sind es etwa 100.000 Besucher jährlich. 1950 weihte der Ortspriester die Höhle der "Notre-Dames des Gouffres" und eine Statue von ihr wurde am Höhlenende aufgestellt. Im Jahre 2000 schloß man sie wegen Renovierungsarbeiten, weil man wohl Angst hatte, daß eines Tages die Höhlendecke plötzlich herunterkrachen könnte. Man brachte viele viele Betonanker an der Decke an, viele kleine, aber auch bei paar ziemlich große.

Mit drei großen Booten werden die Besucher über den See von der Muskelkraft der Bootsführer bewegt, die einem dann auch geduldig erklären in mehreren Sprachen, was man gerade sieht. Die Geologie ist schon eine ganz besondere, denn eine Wandseite bildet der unlösliche dunkle Schiefer, die andere weißer Marmor und die Decke besteht aus Gipsgestein. Im Wasser tummeln sich heute Forellen, die ausgesetzt wurden, angeblich um die Wasserqualität zu testen. In der Höhle soll es auch eine richtige Höhlentierart geben, "speolepta leptogaster", eine Pilzmücke, die ihre Larven kopfüber an die Höhlenwände hängt.

Am Seeende ist eine große Halle, den die Höhlenverwaltung zur Nutzung als Raum z.B. für Geschäftstreffen, Vereinsversammlungen oder Geburtstagsfeiern anbietet. Nach Schließung der Schauhöhle ab 18.30 Uhr könnte man sich ein typisches Walliser Essen dort servieren lassen oder ein Raclette zum Preis von 45 Fr. pro Person. Wer einen Alphornbläser dazu haben möchte, bitte sehr, für 150 Fr. ist auch der zu haben.

In einem Bericht aus dem Jahre 1967 wurde damals den Besuchern noch von einer Fortsetzung der Höhle erzählt. Jenseits der Barriere würde es noch 1.700 m weitergehen! Ob das stimmt?

 
 
   
Mit allem werden Geschäfts gemacht
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der Höhlensee liegt in den bedeutendsten Gipszone der Schweiz zwischen Sion und Sierre im Rhonetal. Der Gips stammt aus der Triaszeit und wird an zahlreichen Stellen in Steinbrüchen abgebaut. Wo dies nicht der Fall ist, da wächst Wein.

 
 
 
 


Direkt an der Straße, die am Fuß der Gipsvorkommen entlang führt, liegen mehrere Stollen. Manche sind verschlossen, andere offen. Ein Blick hinein..

 
 

Literatur:

Wildberger, Andres, Preiswerk, Christian Karst und Höhlen der Schweiz, Speleo Projects, 1997
André-H Grobert The subterranean lake of Saint-Léonard (Valais-Swiss), 1987
G.W. Die unterirdische Kahnpartie, ADAC Mitgliederzeitschrift, April 1967, S. 82f.
SISKA & GSR Die Höhle der Crête de Vaas, Stalactite 56,2,2006, S. 26ff.

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