Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Künstliche und natürliche Höhlen und ein wenig Landschaft entlang der Ammer, Bayerische Alpen


Die Grotte im Park von Schloß Linderhof
Höhlen um Oberammergau
Die Schleierwasserfälle und ihre Höhlenhleier
Das Schatzloch bei Dießen
Die Bärenhöhle bei Oberammergau


Als "landschaftlich schönster Wildfluß Deutschlands" wird die Ammer auf einer Internetseite für Kanufahrer bezeichnet. Ihr Ursprung liegt an den Flanken des Ammergebirges. Von dort fließt sie nordostwärts, an Oberammergau vorbei durch das Ammer-Loisach-Hügelland bis sie östlich von Dießen in den Ammersee mündet. Ein landschaftliches Highlight ist die bis zu 80 m tief in die eiszeitlichen Moränen und die Molasse eingeschnittene Schlucht, die besonders von der Echelsbacher Brücke aus gut einsehbar ist.

Entlang der gut 50 km langen Strecke gibt es für den speläologisch interessierten Zeitgenossen einiges zu sehen. An natürlichen Höhlen finden sich insbesondere um Oberammergau einige kleine Höhlen, die wegen ihrer Nähe zu menschlichen Siedlungen etliche Umgestaltungen mitgemacht haben. Erwähnenswert sind auch die Höhlen bei den Schleierwasserfällen, die zum Typus der Tuffhöhlen gehören, und in allen Wanderführern erwähnt werden.

Mit der Grotte im Schloßpark von Linderhof haben wir eine besondere Rarität der Anthropospeläologie vor uns. Das kann rauskommen, wenn die menschliche Phantasie durch Höhlengedanken angeregt wird und genug Geld und Macht da ist, sie zu einem physischen Gebilde werden zu lassen, zumindest für relativ kurze Zeit.

Um seinen Lebensunterhalt auf diesem kleinen Planeten im Weltraum sichern zu können, muß er Mensch nicht nur die Oberfläche und den Luftraum darüber nutzen. Auch der Raum unter seinen Füßen liefert ihm wertvolle Stoffe. Bergwerke und unterirdische Steinbrüche bleiben als Spuren dieser Tätigkeiten dann zurück und werden so zu einer Art "künstlicher Höhle". Da sind die ehemaligen Kohlebergwerke bei Peißenberg und die Sandsteinbrüche um die Echelsbacher Brücke und die Schmalz zu nennen.

Echelsbacher Brücke
 
 
 
 
 
Schnalzgebiet
 
 
 
Unten in der Schlucht

Früher hat man auch das Gesteinsmaterial der Tuffhöhlen zum Bau einer besonderen Art von künstlicher Höhle verwendet, den Lourdesgrotten. In Böbing findet sich noch heute ein schönes Beispiel dafür:

 

Das Ende der Ammer - im Ammersee

Ein wenig vorher

Bei Peissenberg kommt man dem ehemaligen Kohlebergwerk sehr nahe. Es ist ja eine künstliche "Höhle" der Extraklasse. Rund 1.000 Meter ging es da früher in die Tiefe, um an die umfangreichen Kohlevorkommen zu gelangen und sie auszubeuten. Was hier einstmals geleistet und gelitten worden ist, das können wir uns heute kaum mehr vorstellen. Einen kleine Einblick bekommt man in dem liebevoll gepflegten Bergbaumusem, das an Wochenenden und im Sommer an Mittwochnachmittagen geöffnet hat. Wenn man da als Höhlenforscher reingeht, dann kann man schon richtig  mitfühlen, wenn da in einem schmalen Felsspalt ein Mensch liegt, kaum Platz zum Umdrehen hat und dann noch das schwarze Gestein aus dem Berg kratzt. Man hat einen echten Ereignishöhepunkt bei der Führung eingebaut, der wirklich nachfühlen läßt, wie eigentlich "höllisch" diese schwerste Arbeit für den Menschen früher gewesen ist. Bei uns ist so etwas "a thing of the past", aber z.B. in Meghalaya noch heute Alltag! Dort kratzt noch heute in kleinsten Mengen den schwarzen Stoff aus der Erde, um zu überleben! 

http://www.peissenberg.de/bergbaumuseum

 

Literatur:

Bogner, Franz X. Ammer und Amper aus der Luft - Porträt einer Flusslandschaft, Bayerland-Verlag, Dachau 2009
Listl, Martha, Listl, Werner, Mayr, Herbert Pfaffenwinkel - 44 Radtouren für Genießer, Rother Radführer, München, 3. Auflage 2010
ohne Verfasserangabe Stilichos Reiseabenteuer und seiner Gesippen wunderbare Thaten und Schicksale XXXV. Die Höhlenforschung, in: Deutsche Gaue IV, 1902, Anhang Schnalzhöhlen

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