Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Sturmannshöhle bei Obermaiselstein, Allgäu, D



Das Siegerfoto im Höhlenfotowettwerb 1988 - von wem wohl?


 

Postkarten der Höhle aus dem Jahre 1906

 


2. Oktober 2003

"Grandios", mit diesem Kommentar auf der Lippen kam ein etwa 60jähriger "Preiß" am Donnerstagmorgen, den 2. Oktober 2003, zurück von einer Führung in die einzige Schauhöhle des Allgäus. Naja, wenn man keine anderen Höhlen kennt, dann kommt man vielleicht zu diesem Schluß. Aber besuchenswert ist sie auf jeden Fall.

Man muß von der Straße Kempten - Oberstdorf rechts Richtung Obermaiselstein abbiegen. Ein einspuriges Fahrsträßlein führt bis zu einigen Parkplätzen direkt bei einem Holzhaus, in dem sich jetzt die Höhlenkasse befindet. Hat man dort seine EUROs zurückgelassen, dann kann man sich auf den kurzen Aufstieg zum Eingang in der Flanke des Schwarzenbergs machen. Offenbar ist der Zugang ziemlich steinschlaggefährdet, so daß man heute unter einer massiven Holzkonstruktion die Treppen hinaufsteigt. Dort ist auf das kleine Häuschen des Höhlenführers. Recht lesenswert sind die offenbar selbstgefertigten Anweisungen für die Höhlenbesucher. Was man da nicht alles kleinweis aufgezählt hat. Der Besucher darf keine Haustiere mitnehmen, also Hunde, Katzen, Schweine usw. sind verboten. Er darf ausschließlich gehen in der Höhle, das "Springen", "Hüpfen" etc. ist untersagt. Auch das Erzeugen von Lärm ist ausdrücklich untersagt, also das "Pfeifen, Schreien, Schlagen". Ob das alles wegen tatsächlicher Vorkommisse während der Führung verboten worden ist?
Gleich daneben steht auch eine rot angestrichene, einfach nicht zu übersehende Geldkassette mit dem dezenten Hinweis "Der Höhlen-Führer dankt". Das gibts wo anders auch.

Hat man den Eingang erreicht, dann lohnt sich auch der Blick nach draußen über die grünen Wiesen des Allgäus hinweg bis zum antennengekrönten Grünten. Eine prachtvolle Jugendstiltafel prangt an der Wand und auf ihr wird den "furchtlosen Männern" gedankt, die durch ihre "uneigennützigen Bestrebungen" die Höhle 1904 durchforscht hätten. Sie hatten schon Vorgänger. Der älteste schriftliche Bericht stammt aus dem Jahre 1815 von dem Allgäuer Heimatforscher Geiger, der aber nicht tief eindringen konnte. Bekannt war der Eingang sicherlich schon früher und er war der Auslöser für die verschiedenen Sagen, die man von der Höhle erzählt. Besonders gern werden die Höhlenfräulein mit ihren unaussprechlichen Namen erwähnt, Maringaa, Tschudre Mudre und Stuzze Muzz. Auch von Geistern und einem Höhlendrachen wurde berichtet.

In dem "Handbuch für Reisende im Algäu, Lechthal und Bregenzerwald" von Josef Buck aus dem Jahre1856 steht folgendes: "In der Nähe befindet sich auch die Höhle Sturmannsloch; ein circa 12 F. hoher, am Eingange ziemlich weiter, natürlicher Stollen führt mehrere Hundert Fuß in das Innere des Schwarzesberges; an den Wänden zeigt sich hie und da etwas Kalksinter, jedoch nirgends erhebliche Formen bildend. Der Stollen endet an einem engen Schlunde; hier scheint sich die Höhle fortzusetzen, ist aber noch nie genau untersucht worden. Einige Hundert Schritte von der Höhle ostwärts kommt man an einen kleinen Wasserfall, der hoch oben an einer senkrechten Felsenwand mit ziemlicher Wasserfülle hervorbricht und mit dem Innern der Höhle Sturmannsloch in Verbindung sehen soll". 

Im Kern ist die spaltenförmige Höhle entlang einer Schichtfuge entwickelt. Bei der Auffaltung der Alpen wurden die Schrattenkalkschichten um fast 90 Grad gekippt und stehen fast senkrecht heute. An verschiedenen Stellen in der Höhle sieht man sehr deutlich, wie sich die Gesteinspakete weiter verschieben und machen so die ganze Dynamik der Gebirgsbildung sehr anschaulich. Anfangs geht es nahezu horizontal in einer Art Stollen bis zum "Drachentor". An einer Stelle geht der Besucher über einen Gitterboden, der einen nach unten führenden Schacht abdeckt und in den man nur hinunterblicken kann. Der anstrengendsten Hauptteil des Höhlenbesuchs ist der Abstieg in den "Höhlenrachen", der unterhalb des "Adlerschachts" ansetzt. Über viele Stufen geht es hinunter um Höhlenbach, den man schon lange vorher in der Tiefe rauschen hört. Bemerkenswert sind die verschiedenen Markierungen von Rekordhochwasserständen an den Wänden, die ahnen lassen, was hier los war, wenn sich riesige Massenmassen auf einmal durch den Berg zwängen. Beim Höhlenkessel erreicht man den Bachlauf, der mit einer Leichtmetallkonstruktion überbaut ist, die den trockenen Besuch des kurzen Horizontalteils hier unten ermöglicht. Am Ende ist noch ein Blick auf einen Höhlensiphon möglich, wo die Führung zu Ende ist. Verschiedene Taucher haben ihn schon gründlich untersucht. Wegen der großen Schwierigkeiten unter Wasser konnte bislang noch nicht in die sicherlich vorhandene große Höhle dahinter vorgestoßen werden. Ein kurzes Stück konnten Höhlenforscher auch schon bachabwärts kommen. Dann ist auch da ein Ende erreicht. Das Wasser kommt in der nahe gelegenen Fallbachhöhle mit 75 Gesamtlänge wieder zum Vorschein.

 
Der Höhleneingang  
 
 
Der Drache im Drachentor  
 
In der aktiven Etage

der Bach und der Endsiphon

Oberhalb der Höhle im Gebiet Schwarzenberg-Geißwiedenkopf-Besler

Eingang Gaiswidenkopfbläser
Der ganze Bergzug bis hinauf zum Besler, 3. Juli 2005

 


Juni 2009

Ein kleiner Streifzug vom Hirschsprung bis zum Kartenhäusl von der Schauhöhle. Inzwischen ist da ja ein Sagenwanderweg angelegt worden, der an einigen Plätzen unterwegs auf die alten Sagen Bezug nimmt und sie ein wenig bildlich und inhaltsmäßig vorstellt.

Am Parkplatz unterhalb der Höhle
Ein modernes "Höhlenfräulein"
Souvenirs von der Höhle

- hat das noch irgend etwas mit "Höhle"
zu tun? Wohl die Idee auf irgendeine
Weise Geld zu verdienen!

 
- Drache

und Venedigermännchen


Literatur:

Oertel, Dr. J. Die Sturmannshöhle bei Ober-Maiselstein, Zeitschrift des Dt.u.Österr.Alpenver., Jg. 1877.-Bd.VIII.-404+285 (Lit.-Verz.), 14. Taf., München 1877
Seitz, Helmut Besuch in der Unterwelt: Im Unterschlupf der Tschudre Mudre, Süddeutsche Zeitung vom 27.7.1991
Manz, Peter C. Die Sturmannshöhle bei Obermaiselstein/Allgäu, herausgegeben vom Sturmannshöhlen-Verein, Obermaiselstein 1985
Endrös, H., Weitnauer, A. Allgäuer Sagen, Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, 3. Auflage, Kempten 1956
Tauser, Josef Die Wilden im Sturmatzarloch, Sturmmann-Verlag am Schwarzenberg über Oberstdorf 1961
Kittel Naturdenkmale in Bayern, Hannover 1993
Lindenmayr, Franz Der Geißwiedenkopfbläser, Der Schlaz 81, 1997, S. 29ff.
Tauser, Josef Sturmannshöhle. Der Schwarzenberg. Obermaiselstein. Landschaft und Geschichte. Oberstdorf, Sturmmann-Verlag, 1955. M.4 Bildtaf.u.1 Kte.v.Obermaiselstein im Jahre 1808 82 S.
Ippen Prof.Dr.J.A. (Hrsg.): Mitteilungen für Höhlenkunde - Heft 2, 1909, 2.Jahrgang - Herausgegeben vom Verein für Höhlenkunde in Graz, Graz, Eigenverlag 1909 1.Auflage, 8 Seiten mit einigen Abbildungen und Karten, u.a.: Die Durchforschung der Sturmannshöhle bei Obermaiselstein im bayrischen Allgäu
Binder, Hans, Luz, Hans Martin Schauhöhlen in Deutschland, Ulm 1993
Laferton, Siegfried Höhlen im Schwarzenberg, Das schöne Allgäu 10/85, S. 61ff.
Buck, Josef Handbuch für Reisende im Algäu, Lechthal und Bregenzerwald, Verlag von Tobias Dannheimer, Kempten 1856
Mayr, Stefan Zu Besuch bei Stuzzemuzz und Maringaa, Süddeutsche Zeitung Nr. 183, 11.08.2015, Bayern, R12

Links:


Der Schwarzenberg von der Straße zum Hirschsprung aus

 


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