Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Alpeltal / Hoher Göll


Blick aus dem Kehlsteinhaus aufs Alpeltal, Mai 2009


Teewasserschacht


Wer von Salzburg auf der Feste südwärts schaut, der sieht ihn sofort, den zerfurchten Kamm des Göllmassivs mit dem 2.522 m Gipfel, rechts vom Salzachtal liegend. Er ist eine Art "Vorposten vor der Kette der Kalkhochalpen" (SHB, S. 351).

Vermutlich waren einheimische Jäger die ersten, die auf dem Gipfel standen, nachweislich war ein Slowene, Valentin Stanic, am 4. September 1800 auf dem Gipfel des Bergkamms, über den die deutsch-österreichisches Grenze verläuft.

Der Gebirgskörper des Hohen Göll hat eine Grundfläche von ca. 25 km". Zwei größere Störungen, die West-Ost verlaufen, trennen den Göll von der Umgebung ab. In ihnen haben sich das Bluntautal im Süden und das Weißenbachtal im Norden gebildet. Die steilen Riffkalkmauern des Kuchler Kammes wirken einfach abweisend. Nach Westen zu ins Berchtesgadener Land hinein gibt es weichere Sockelgesteine, so daß dort nicht gleich der harte Eindruck des unvermittelt aus der Tallandschaft aufsteigenden Hochgebirges" entsteht.

Zwei Schutzhütten gibt es. Im Norden ist das das Purtschellerhaus, von dem aus man auf dem "Salzburger Steig" über die Schuster-Route und den Kamin, die mehrere ausgesetzte Stellen haben, in ca. 2,5 Stunden zum Gipfel des Gölls gelangt. Südwestlich des Gölls liegen Schneibsteinhaus bzw. Carl-von-Stahl-Haus. Auch von dort aus läßt sich der Göllgipfel erreichen, wenn man über das Jägerkreuz und das Hohe Brett (2.340 m) und den Großen Archenkopf (2.391 m) einem Pfad folgt, wobei man immerhin mit 4,5 Stunden Zeit rechnen darf.

Zum Gipfel führt noch ein "interessanter Klettersteig" auf dem Manndlgrat vom Kehlsteinhaus aus, das leicht mit dem Bus vom Tal aus erreichbar ist, und der weite lange Weg auf dem Alpeltalsteig von Vorderbrand durch die Umgänge bis ganz hinauf. Im Winter ist dieser Weg eine viel begangene Skitour.

Speläologisch gesehen war der Göll lange Zeit ziemlich wenig nur beachtet worden. Die Ausnahme war die Quellhöhle des Schwarzbaches, die auf 580 m Seehöhe liegt und immer schon bekannt war. In ihr treten beinahe die gesamten Wässer des Gebiets wieder zu Tage. Die Schüttungsschwankungen sind gewaltig. Im Winter können es in kleinen Nebenaustritten gerade mal 30 l/s sein, aber bei Hochwasser, da konnten es schon mal 17 m³/s, gemessen von einem Schreibpegel am 8. September 1978, sein.
1798 wurde der Wasserfall für die Öffentlichkeit "entdeckt": Der Fürst Schwarzenberg und Herr von Mayer, Pfleger zu Golling, fanden den Zustieg sehr beschwerlich und nur mit "Steigeisen" durchzuführen. Deshalb unternahm man umfangreiche Wegbauten und erbaute dafür extra eine Brücke über die Salzach. 1954 erfolgte erstmals ein Versuch, das Wasser der Quelle auszupumpen, den Mitglieder des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg unternahmen. Anfangs sank zwar der Wasserspiegel schnell ab, aber dann ging gar nichts mehr weiter. 1962 begannen erste Tauchversuche, wobei die "Trümmerhalle" erreicht wurde. 1973 unternahm Jochen Hasenmayer einen Vorstoß im Alleingang. 1994/95 fanden weitere Tauchvorstöße durch Meyberg-Rinne statt.

Wenige weitere Höhlen waren in dem ziemlich unzugänglichen Gebirgsstock noch gefunden worden. Bis 1960 zählt der Kataster gerade mal 20 Höhlen auf, darunter u.a. die Polypenhöhle im Alpeltalgebiet und "Bärenstuhl-Höhle". Keiner hat sich darum mehr gekümmert. Erst viel später wurde dann deren wahres Potential erkannt.

Im Jahre 1960 begannen Salzburger Höhlenforscher, sich die sehr steilen Hänge des Gruberhorns hinaufzuquälen und die vom Hagengebirge aus gut auszumachenden Höhlenportale in der Flanke des Berges zu erforschen. "Eine neue große Periode der Salzburger Höhlenforschung begann." (SHB3, S. 388). Momentan (2009) ist die Höhle 6,7 km lang und weist einen Höhenunterschied von 854 m auf.

Blick aus dem Bluntautal Richtung Gruberhorn

Im Jahre 1972 sollte ein Deutsch-Französisches Jugendforschungslager im Berchtesgadener Land stattfinden und der Verein für Höhlenkunde in München sollte es ausrichten. Das war noch eine Zeit, als man wohlwollende persönliche Beziehungen zwischen Deutschen und Franzosen nicht für selbstverständlich gehalten hat! Kein Wunder war das ja, nach den tiefen Wunden, die der 2. Weltkrieg auf allen Seiten geschlagen hatte. Ein paar Münchner waren mal an der Ardèche im Süden Frankreichs dabei gewesen, haben z.B. den Aven Rochas dabei besucht. Nun waren wir dran. Eine Vortour im Herbst 1971 ergab, daß wir Münchner das Berchtesgadener Land in speläologischer Sicht noch kaum kannten. Wir besuchten gerade mal die Malerwinkelhöhle und das Schwarzbachloch.

Letztendlich fand dann vom 8. bis 16. August 1972 dann tatsächlich ein "Internationales Höhlenforscherjugendlager" im Schnitzhof bei Markt Schellenberg statt, wobei 4 Münchener dabei waren (Lefranc, Müller, Spieler, Triller) bei insgesamt fast 40 jungen Teilnehmern. Es passierte forschungsmäßig etwas Entscheidendes. Es fand eine Karstwanderung in das noch vollkommen "jungfräuliche" Gebiet der Umgänge statt. Auf einmal waren da viele Schachtöffnungen und "verdächtige" Karsterscheinungen, die einen Zugang in die Innenräume des Gölls verhießen. Und Toni Müller war auch dabei. Der hatte ausgerechnet an diesem Tag Geburtstag. Deshalb bekam eine Höhle den Namen "Geburtstagsschacht", der dann für viele Jahre tiefste Höhle Deutschlands war.

Erst im August 1979 wurde dann weiter gemacht. Dolfi Triller ergriff die Initiative und organisierte eine Forschungswoche. Insgesamt waren 10 Teilnehmer dabei. Am 5. August 1979 erfolgte dabei der erste Abstieg in den Geburtstagsschacht bis zur 1. Stufe in 32 m Tiefe. Und es ging weiter hinunter. Das Titelblatt des SCHLAZES Heft 29 aus dem Jahre 1979 zierte bereits ein Plan der Höhle von Christian Deubner, der bereits bis - 200 m reicht und mit 3 großen Fragezeichen auf unbekannte Fortsetzungen hinweist.

Die Geschichte der höhlenkundlichen Erforschung der "Umgänge" wird immer noch geschrieben. Keiner war und ist bei allen Unternehmungen dabei gewesen. Jeder hat seinen Blick darauf. Da hat es Euphorie und halbe Katastrophen gegeben, Gottseidank nur "halbe". Lebensverläufe wurden neu graviert, auch durch dramatische Unfälle.

Die Protagonisten der 70er Jahre haben sich zurückgezogen, aber Junge sind nachgekommen. Seit 1988 haben fast jährlich Forschungslager stattgefunden, wobei die Teilnehmer keineswegs nur aus München kamen, sondern auch aus Köln oder Bielefeld. Die mühen sich heute im "Tabellenführer" oder "Helmhänger" ab, Höhlen mit Namen erst einmal nicht als "Höhle" erkennbar sind. Als eine große Beschränkung haben sich die engen Verhältnisse in einigen dieser Höhlen herausgestellt. Selektive Engstellen zuhauf und oft Meßzuglängen von 1 m und weniger. Das spricht Bände.

Wo kann alles letztlich enden? Die Färbeversuche haben ergeben, daß das Wasser aus dem Alpeltal im Schwarzbachfall wieder zu Tage tritt. Das wäre eine Riesenstrecke und würde bedeuten, daß es ein riesiges Höhlensystem noch zu entdecken gibt.

Das Wasser würde in einer Art Wasserrinne von West nach Ost fließen. Inzwischen ist von polnischen Höhlenforscher sehr fleißig auf der Kammlinie und darunter weitergeforscht worden. Eine der tiefsten Höhlen Österreichs wurde dabei gefunden, der 1.173 m tiefe Jubiläumsschacht mit 2,3 km Länge. Weitere große Höhlen wurden entdeckt, das Gutredsystem, die Kammerschartenhöhle.... Ein großes Puzzlespiel?


Landschaft

In der Nähe des Eingangs zum "Eisstadel"
17. Juni 1983

- biwakiert haben wir in diesem kleinen Zelt
im Schnee

Naturbrücke in der Umgebung des Eingangs
zum Geburtstagsschacht
Eine Höhlenruinenlandschaft mit vielen
kleinen Durchgängen
 
Auf dem Weg zum Göllgipfel
 
 
 
 
 
 
  Der Göll und die Umgäng aus der Ferne
     

Höhleneingänge

Biwakhöhlen
  So versteckt liegen dort manchmal die
Höhleneingänge - hier markiert durch einen
roten Rucksack
  Ein Klassiker:

der erste Einstieg in die "Canyonhöhle", die später mit der Polypenhöhle zum PolCa-System verbunden werden konnte

Peter Lammerer, 9. Oktober 1982

 
Geburtstagsschacht - viele Jahre hindurch Deutschlands tiefste Höhle

20. September 1980

  Schneepfropfenhöhle

19. September 1981

Höhlen

Eisstadel, 13. November 1982
   
17-Juni-Canyon

17. Juni 1983

  Latschenloch

5. Juli 1986

  Jean-Paul Concari,Umgängforschungsurgestein,
beim Abstieg in den ersten Schacht des
Geburtstagsschacht

Der Göll von allen Seiten

  Blick von Osten bei Golling auf den Göllgipfel
Im Kühschwalbgebiet auf der Nordseite des Göll, Dezember 2013
  In Gasteig auf der Nordseite des Göll im Dezember 2013
  Blick aus dem Hagengebirge nach Norden:

das Gruberhorn

  Der Göll von der Straße Salzburg - Grödig aus
im Dezember 2013
  In der Umgebung von Schloß Hellbrunn südwärts Richtung Göll geschaut

2009 Ein Besuch des Kehlsteinhauses und sehnsüchtige Blicke hinüber ins Alpeltal

   

 


Durch Zufall entdeckt: Bei You Tube gibt es einen richtigen Film aus einer große Umgänghöhle! Um das Herumsuchen nicht unnötig zu erschweren, hier der Link:

 


Ein guter Ausgangspunkt für Touren ins Alpeltal - das Vorderbrand-Gasthaus


 

Literatur:

Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg,
Gesamtredaktion Walter Klappacher und Harald Knapczyk
Salzburger Höhlenbuch, Band 3, Salzburg 1979
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch, Band 6, Salzburg 1996
Meyer, Ulrich Entdeckung in den Umgängen, DER SCHLAZ 106/107 - 2005, S. 31ff.
Meidinger, G. Göll 2003, DER SCHLAZ 100 - 2003, S. 10ff
Keim, Gertrud Überblick über die Forschungen am Hohen Göll, DER SCHLAZ 102 - 2004, S. 46ff.
Beißwenger, J. Höhlenforschen in den Umgäng, DER SCHLAZ 97 - 2002, S. 8ff.
Triller, A. Vermessungsarbeiten in den Umgäng / Hoher Göll bis 1986, DER SCHLAZ 103 - 2004, S. 54ff.
Verein für Höhlenkunde in München Münchner Höhlengeschichte, München 1982
Lindenmayr, Franz Zwei Biwakhöhlen im Alpeltal/Hoher Göll entdeckt, DER SCHLAZ 30-1980, S. 1
Heinrichs, D. Die Forschungswoche am Hohen Göll, DER SCHLAZ 32-1980, S. 3ff.
Walter, Uwe Polypenhöhle wird Großhöhle, DER SCHLAZ 32-1980, S. 13f.
Triller, Dolfi Geburtstagsschacht - Nachlese, DER SCHLAZ 33-1981, S. 5
Walter, Uwe Geburtstagsschacht 1980, DER SCHLAZ 34-1981, S. 14ff.
Becker, Jürgen Geburtstagsschacht 1980, DER SCHLAZ 34-1981, S. 19ff.
Triller, Dolfi Polypenhöhle, DER SCHLAZ 35-1981, S. 6
Triller, Dolfi Deutschlands tiefste Höhle, DER SCHLAZ 35-1981, S. 7f.
Lefranc, Guy Alpeltal: die Canyonhöhle, DER SCHLAZ 35-1981, S. 26
Walter, Uwe Geburtstagsschacht, DER SCHLAZ 38-1982, S. 15ff
Lindenmayr, Franz Der Eisstadel in den Umgängen, DER SCHLAZ-39-1983, S. 24ff.
Walter, Uwe Polypenhöhle, DER SCHLAZ 40-1983, S. 14ff.
Triller, Dolfi Polypenhöhle, DER SCHLAZ 40-1983, S. 17ff.
Triller, Dolfi Geburtstagsschacht/Umgäng - Hoher Göll, DER SCHLAZ 41-1983, S. 8ff.
Glaser, Stefan Und es geht doch weiter, DER SCHLAZ 41-1983, S. 14ff.
Schätzl, Manfred Erlebnisse im Geburtstagsschacht, DER SCHLAZ 41-1983, S. 16ff.
Lammerer, Peter Neue Höhlen im Alpeltal, DER SCHLAZ 41-1983, S. 20f.
Triller, Dolfi Geburtstagsschacht, DER SCHLAZ 42-1984, S. 29ff.
Lammerer, Peter Alpeltal 83, DER SCHLAZ 42-1984, S. 33ff.
Walter-Rott, Uwe Polypenhöhle, DER SCHLAZ 43-1984, S. 11
Triller, Dolfi Geburtstagsschacht, DER SCHLAZ 44-1984, S. 13f.
Schätzl, Manfred Polypenhöhle, DER SCHLAZ 44-1984, S. 15f.
Lammerer, Peter Alpeltal 1984, DER SCHLAZ 45-1985, S. 19ff.
Triller, Dolfi Medizinerschacht, DER SCHLAZ 45-1985, S. 21f.
Triller, Dolfi Eissaalschacht, DER SCHLAZ 45-1985, S. 23ff.
Lammerer, Peter Canyon-Polypen-System Erforschungsgeschichte, DER SCHLAZ 48-1986, S. 13ff.
Triller, Dolfi Canyon-Polypen-System: Vermessung, DER SCHLAZ 48-1986, S. 17ff.
Walter-Rott, Uwe Umgäng', DER SCHLAZ 50-1986, S. 41ff.
Triller, Dolfi Canyonhöhle, DER SCHLAZ 50-1986, S. 46ff
Lammerer, Peter Göll... Nachträge 1986, DER SCHLAZ 51-1987, S. 45f.
Lammerer, Peter Neujahrs Pol-Ca, DER SCHLAZ 54-1987, S. 36f.
Schätzl, Manfred Beobachtungen in der Polypenhöhle, DER SCHLAZ 54-1987, S. 38
Wolf, Andreas Polypenhöhle im Pflugtal / Hoher Göll, DER SCHLAZ 59-1989, S. 17ff.
Walter, Uwe Forschungslager Umgäng 1991, DER SCHLAZ 66-1992, S. 20ff.
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Triller, Dolfi Forschungswoche HOHER Göll 11.-19. August 1979, DER SCHLAZ 27-1979, S.44
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Beisswenger, J. Höhlenforschen in den Umgäng am Hohen Göll 1336, in: Münchner Höhlengeschichte II - 50 Jahre Verein für Höhlenkunde in München e.V., München 2004, S. 237-242
Heinrichs, D. Höhlenforschen am Hohen Göll und im Hagengebirge 1335-1336, in: in: Münchner Höhlengeschichte II - 50 Jahre Verein für Höhlenkunde in München e.V., München 2004, S. 2005-211
Triller, Dolfi Vermessungsarbeiten in den Umgäng / Hoher Göll bis 1986, DER SCHLAZ 103, August 2004, S. 54f.
Meyer, Ulrich Entdeckung in den Umgängen, DER SCHLAZ 106/107, 2005, S. 31ff.
Beisswenger, J. Forschung von KHFM und VHM am Hohen Göll. DER SCHLAZ 90 - 2000, S. 8ff.
Walter, Uwe Forschung 2000 am Hohen Göll, DER SCHLAZ 92-2000, S. 15ff
Keim, Gertrud Zweimal Helmhänger und zurück, DER SCHLAZ 92-2000, S. 20ff.
Walter, Uwe Umgänge 2001, DER SCHLAZ 95-2001, S. 23ff.
Beißwenger, J. Höhlenforschen in den Umgäng, DER SCHLAZ 97-2002, S. 8
Dittrich, A., Meszaros, S. Die Gollinger-Wasserfall-Höhle, DER SCHLAZ 99, 2003, S. 23ff.
Meidinger, G. Göll 2003, DER SCHLAZ 100-2003, S. 10ff.
Meyberg, M, Rinne, B. Höhlentauchen mit Mischgas am Beispiel des Gollinger Wasserfalls,  Das Jahresheft 1995 - Ausgabe zum VDHK-Jahrestreffen 1996 in Blaubeuren, Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten, Grabenstetten 1996, S. 36ff.
Klappacher, Walter, Völkl, Gerhard Hoher Göll, in: Spötl, C., Plan, L., E. Christian (Hrsg.), Höhlen und Karst in Österreich. - Linz 2016 (Oberösterreichisches Landesmuseum): 531-540

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