Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf der bayrischen Seite des Untersbergs


Aktuell: Video - Video aus der Riesending-Höhle: Das sind die ersten Bilder der schwierigen Bergung - Panorama | STERN.DE


> Cannstätter Schacht

> Schellenberger Eishöhle

> Nixloch bei Hallthurm


Der Untersberg, der "Hausberg" Salzburgs, sagenumwoben und heute viel besucht, war/ist "zweigeteilt". Es gibt richtige Grenzsteine, die die beiden Seiten teilen. Hi Bayern, dort Salzburg. Es ist gar nicht so lange her, da waren das noch gewaltige Staatsgrenzen und Weltanschauungslager, Deutschland/Österreich, der "Westen"/die "Neutralen", dann gab es Zeiten, da war das Eines, als "Österreich" heimgekehrt war zu Deutschland (Stichwort BRAUNAU), dann gab es da auch religiöse Gebietsabgrenzungen: Berchtesgaden - Salzburg, irgend jemand soll auf dem Wiener Kongress nicht richtig aufgepaßt haben, schwups, schon war das Berchtesgadener Land drüben bei Bayern. Wie spannend Geschichte doch sein kann.

Als unsere Vorvorhöhlenforscherväter sich mit den Höhlen südlich von Salzburg erstmals beschäftigt haben, da waren sie einfach in den Bergen, am Untersberg und anderswo. Es gibt z.B. uralte, allmählich sich schon selbst zerstörende Bilder etwa von der Schellenberger Eishöhle, die im Bildarchiv des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg aufbewahrt werden. Man ging da hin, wo man von Höhlen wußte, egal, wo sie lagen.

Tatsächlich stellt sich heute ja heraus, daß alle Grenzziehungen, die Menschen vornehmen, im Grunde nur so etwas sind, wie ein "Schoaß" der Geschichte. Momentan haben sie gelegentlich sogar ihren guten Sinn, aber, "in the long run", da zerbröselt alles, löst sich auch chemisch auf, stürzt zu Tale und was noch alles für geologische Metaphern möglich sind.
Wir würden Steine auf Friedhöfen verwenden, weil sie uns Menschen immer noch am ehesten die Vorstellung von "Ewigkeit" vermitteln würden auf dieser Erde, so ein Professor für Geologie auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing zum Thema "Der Klang der Steine" im Frühjahr 2002 in Salzburg. Ist es so untröstlich, daß auch der "Stein" vergeht? Auch der Stein, aus dem der Untersberg gebaut ist?

Höhlenforscher "freuen" sich eher darüber. Denn da gibt es plötzlich Möglichkeiten, in den geschichteten, gehobenen, gefalteten, "aufgefressenen" Stein auch physisch einzudringen. Da öffnet sich auf einmal ein Loch im Plateau, das nur noch runter, runter, runter geht. Selbst 170 m Seil reichen nicht, und drei Forscher, die sich diesem Loch widmen. Das Seilende baumelt im Leeren, in der Schwärze, weit unten hört man das Wasser rauschen..

So habe ich diiee Situation erlebt, als ich am 10. August 2002 mal mich "Cannstätter Höhlenforschern" anschließen konnte. Eine außergewöhnliche Situation. Da sind die ersten Bilder eines seltenen Moments entstanden. Das "RIESENDING" ist gerade im Stande des Erforschtwerdens. Als die Bilder gemacht wurden, wußte noch niemand auf dieser Erde, wie tief es ist.

(All die Leute, die in Bibliotheken rauf und runter gelesen haben, Experimente gemacht haben, wo man die "Natur" auf die äußerste "Folter" gespannt hat, um endlich herauszufinden, was sie dazu bringt, so zu tun, wie sie halt tut, all die Leute, die ihre "Prüfungen" "erfolgreich" hinter sich gebracht haben, die "befördert" worden sind, wohin auch immer, all die, wissen auch, noch, nichts. Bis es halt herausgefunden worden ist durch Menschen, die bereit waren und sind, ihr Äußerstes zu geben, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. "Spiel" - Ist das wirklich das richtige Wort? Nicht immer, aber manchmal ja. Ohne die Bereitschaft zum äußersten Einsatz, sich auch in besonderen Situationen loslösen zu können von allen Bindungen, die "Draußen" uns binden, Partner, Frau, Kinder, Familie, würde noch heute mancher Fleck auf dieser Erde ein Schwarzer sein. Wir arbeiten aktiv daran, sie "Weiß" zu machen. Ob unser Plantet dadurch ein "besserer" wird - wer möchte das unhinterfragt sofort unterschreiben?)

Diese Zeilen wurden unter dem Eindruck des großen Unfalls im Riesending im Juni 2014 von mir geschrieben. Warum gehen wir nur immer wieder rein? Keiner kennt wirklich die Antwort. Auch alle "Gescheiten" nicht. Du vielleicht?

Life goes on. Ein Trost?


Ein paar Bilder

 
 
Am Grund der Eingangsdoline
Johann kommt an
Ulrich bei den Vorbereitungen zum Abstieg in
das "Riesending": 170 m Seil im blauen Sack.
ein guter Knoten für die Befestigung, Wasser für
die Karbidlampe
Der erste Abstieg
Downwards

Jetzt, da ich das schreibe, weiß ich noch nicht, wie der Stand der Dinge ist. Ulrich, Marcus und Johann wissen schon viel mehr. Ich nicht. Ich stieg ins Tal, sie gingen ins Loch. 21.55 Uhr / 11.08.2002.


Bericht von Ulrich Meyer über die Tour vom Juli 2002 auf den Untersberg:

"... wovon man bisher nur mit Grauen las ...

Eigentlich war nichts geplant am Untersberg. In die Salzgrabenhoehle
wollten wir, als Taucherscherpas, und ein bisschen rumgucken. Dass wir
mal wieder am Untersberg gelandet sind, daran waren nur die
sintflutartigen Regenfaelle Schuld, die diesen August zu einem
Jahrhundertereignis zu machen versprechen.

Freitagmorgen steigen also Johann, Marcus, Franz und ich zum Stoehrhaus
auf, erstaunlich schwer bepackt fürr 3 Tage, aber Bohrmaschine und Akkus
wollten wir mal vorsichtigerweise mitnehmen, und die Photoausruestung
von Franz ist auch nicht von Pappe. Nach einer kurzen Mittagsrast gehts
gleich noch weiter ins Riesending (so benannt nach dem ersten Ausruf der
Entdecker bei einer Aussenvermessungstour).

Vor einer Woche hatten wir mal reingeschaut und in 55m Tiefe an einem
grossen Schacht aus Seilmangel umgedreht. Steine polterten, bis wir
nicht mehr sicher waren, ob sie aufgeschlagen, oder einfach nur zu weit
entfernt waren. Nun haben wir das 170m-Seil, welches bei unserer
Pfingsttour für den Zustieg zur Naturfreundehoehle hochgetragen wurde,
eingepackt und befestigen es optimistisch am Einstieg. Den schoenen
Eingangsschacht gehts gut 20m frei hinab auf einen Schneekegel, dann
kommt eine enge, stark bewetterte Spalte, noch eine kurze Abseilstelle
und wir stehen an unserem letzten Umkehrpunkt.

Die Spits hatten wir schon gebohrt, also schwinge ich mich gleich in den
Schacht und beginne den Abstieg. Nach unten macht er ordentlich auf und
angespannte Begeisterung befaellt mich. 15m unter dem Einstieg gelingt
es mir muehsam, an einem exponierten Vorsprung einen Spit zu bohren, Von
nun an geht es frei schweben ins Dunkle. Gute 5m Durchmesser hat der
schoene, runde Schacht. Da, nach knapp 30m kommt unter mir die Wand
naeher und ich kann um eine Zacke eine Schlinge legen. Wenig drunter
noch ein Spit, dann erreiche ich den Boden.

Mir kam die Abseilfahrt unendlich lang vor, doch bei der Vermessung
stellen wir dann fest, dass der Schacht nur 60m tief ist. Was heisst
hier "nur"? Wir sind jedenfalls erstmal euphorisch. Marcus und Johann
kommen nach und wir werfen erstmal einen Stein in ein kleines Loch,
welches seitlich an der Wand weiter in die Tiefe fuehrt. Wieder hoeren
wir lange nichts, dann leiser werdendes Poltern. Wir schauen uns an ...
hier wird heut auch unser langes Seil nicht reichen! Marcus faehrt noch
ein Stueck hinab, erreicht aber nach gut 20m das Seilende, wir haben im
Eingangsteil schon zuviel davon verbraucht. 30m unter sich meint er
einen Boden zu erkennen und so beschliessen wir, am Sonntag nochmal
herzukommen und steigen auf. Das Seil verbleibt im Schacht und Marcus
bohrt noch ein paar Zwischenspits, um an einigen Stellen die
Seilfuehrung zu verbessern.

Bis wir an der Huette sind, ist es spaet. Franz, der nur bis zum Eingang
mitgekommen ist, schlaeft schon und wir fallen auch bald ins Bett. Am
naechsten Tag ist eine Befahrung des Cannstatter Schachtes angesagt.
Franz will Bilder der schoenen Gletscherhalle machen und ich habe den
alten Plan dabei, um Raumfuellungen zu ergaenzen. Eine spektakulaere
Schikane bildet ein Eissee, welcher zwischen 30m-Schacht und
Gletscherhalle den Gang vollstaendig ausfuellt und den wir barfuss
durchwaaten. Doch die Muehe lohnt sich und wir machen drueben eine Reihe
Bilder. Tiefer unten dann, am Rande der Hurgelschraege, werden noch zwei
kurze Seitenschaechte befahren und ich zeichne fleissig im Plan rum. Bis
kurz vor den Kristallsaal kommt Franz noch mit, dann steigt er wieder
auf, waehrend wir noch die Fortsetzung bis zum Brillenschacht suchen.
Der Plan, welcher bis zum Kristallsaal sehr gut war, laesst uns nun
leider im Stich. Die Raumlichkeiten entsprechen ihm kaum noch und ich
skizziere voellig neu. Fuer eine Nachvermessung dieser Teile, fehlt uns
heute leider die Zeit, doch fahren wir noch bis zum Grund des
Brillenschachtes ab und schauen in die weiterfuehrenden Maeander.
Vielleicht kommen wir bei Gelegenheit nocheinmal hierher und arbeiten
die Fortsetzungen sorgfaeltiger auf. Doch heute wird es Zeit fuer den
Rueckweg, immerhin erhoffen wir uns noch ein warmes Mahl von Berti.

Sonntag erwachen wir bei Regen und trueber Nebelsuppe. Franz will
absteigen, waehrend Johann, Marcus und ich nochmal ins Riesending
muessen, unser Seil haengt ja noch drin. Wir pluendern das Materiallager
und finden noch 25m + 30m + 115m Seil. Die beiden kurzen kommen in den
Eingangsteil, die 170m werden umgehaengt und weiter gehts vom Grund des
60m-Schachtes ins Unbekannte. Wieder ein schoener, runder Schacht. In
20m Tiefe macht er weiter auf, Wasserrauschen dringt aus der Tiefe
herauf. Den von Marcus erahnten Grund kann ich nicht ausmachen. Noch 2
Spits muss ich bohren, da die Wand leicht ausbaucht, dann lande ich etwa
50m unter dem Schachteinstieg auf einem kleinen Balkon. Um mich herum
nur Schwaerze. Um die Nerven zu beruhigen, setze ich erstmal noch einen
Spit, dann duerfen die anderen nachkommen.

Als Marcus da ist, werfen wir gemeinsam einen Stein und zaehlen 6
Sekunden, bevor er mit einem einzelnen, dumpfen Geraeusch aufschlaegt.
Mich graust es. Ich bereite das noch verbleibende 115m-Seil vor, lege
Eine Schlinge ueber eine Felszacke, und gleite am Rest des 170m-Seils
vorsichtig ueber die Kante des Balkons. Zur Ruecksicherung erstmal noch
ein Spit unter die Schlinge, dann gehts 10m hinab. Hier baucht sich ein
letztes Mal die Wand aus, bevor sich unter mir alles in der Schwaerze
verliert. Ich bohre 2 Spits, haenge das neue Seil ein, lasse die
Bohrmaschine und alles ueberfluessige Gewicht am Spit zurueck und
beginne die Fahrt. Mein Adrenalinspiegel ist am oberen Limit, doch etwa
30m unter mir meine ich eine weitere Auswoelbung zu erkennen, die sich
vielleicht als Standplatz anbietet ... unerreichbar gleitet sie an mir
vorbei.

Schwaerze, Nebel, das Rauschen von fallendem Wasser. Ab und zu macht
mein Abseiler einen kurzen Satz am Seil und kommt zischend und dampfend
wieder zur Ruhe. Ich werde immer nervoeser. Die Vorstellung, im
bodenlosen Nichts ans Seilende zu gelangen und den zischend heissen
Abseiler blockieren zu muessen, um umsteigen zu koennen, loesen
panikartige Vorstellungen von schmorendem Seil in mir aus. Doch da, nach
endlosen Minuten, taucht schemenhaft eine Blockhalde unter mir aus. Die
letzten Meter kaempfe ich noch mit Seilkrangeln, dann erreiche ich mit
der letzten Seildehnung nach gut 115m absolut freier Fahrt den Boden. So
komm ich nicht aus dem Seil raus, doch seitlich kann ich 5m aufklettern,
bis das Seil entlastet ist. Um spaeter wieder dranzukommen, benutz ich
meinen mit Steinen gefuellten Schleifsack als Anker und verkeile ihn
hinter einem Block. Neben mir rauscht ein kraeftiger Bach als Wasserfall
hinab und erfuellt alles mit Gischt. Die Lichter der anderen sind oben
nur zu erahnen. Vom Einstieg bis zum Grund sind es gut 170m, die nur
durch einen 1m breiten Balkon, knapp 50m unter dem Einstieg unterbrochen
werden!

Langsam schweben auch Marcus und Johann zu mir hinunter. Am Schachtgrund
fuehrt eine Blockhalde fallend bis zu einer weiteren, kurzen Stufe.
Dahinter laesst sich der Weiterweg in einem grossen Canyon erahnen. Wir
muessen jedoch aus Seilmangel umkehren. Unser tiefster Punkt liegt auf
etwa -300m, wovon nur die letzten 10m seilfrei abzusteigen sind!

Ueber den Aufstieg bewahre ich Schweigen ... wenn ich die Augen
schliesse, sehe ich noch die winzigen Lichtlein irgendwo tief unter mir
... und oeffne die Augen lieber schnell wieder!

Ulrich Meyer
08153/281578
G. 126, R. 105
GFZ Oberpfaffenhofen -GRACE-


Unsere Tour vom 9. bis 11. August 2002 spiegelte, wie alles andere auch, unsere Zeit. Um 7 Uhr früh sollte ich Ulrich in München-Sendling schon abholen, eine Zeit, zu der ich in den Ferien überhaupt noch nicht aufgestanden bin. Aber wir wollten ja zu viert die Tour machen, deshalb kroch ich schon einige Minuten vorher unter der Bettdecke in Gröbenzell hervor. Seltsam, aber als wir kurz nach 7 Uhr in der Boschetsrieder Straße in München waren, da gab es einen "Blechschaden". Ein junger Mann im silbergrauen BMW seiner Freundin wollte uns überholen, einer kam entgegen. Um dem Frontalzusammenstoß zu entgehen, "touchte" er meinen roten Passat. Verkehrsunfall. Abwicklung...

Markus trafen wir am BURGER KING nahe der Ausfahrt in Reichenhall. Mühelos arrangiert. Die hohen Niederschlagsmengen machten uns interessiert für den momentanen Zustand des Mauslochs. Wir fuhren Richtung Berchtesgaden, durften auf dem Hof des "Kraft Hansels" unsere Autos stehen lassen,

marschierten los, der Wasserstand des Mauslochs war absolut normal, stiegen dann 1200 Höhenmeter bergan.

Das Mausloch am Fuß des Untersbergs

- falls uns mal wieder jemand "frägt", was ein "Siphon" ist

9. August 2002, der Tag als in Sachsen die
Flüsse über die Ufer traten / die "Jahrhundertkatastrophe"?
oder der Beginn einer neuen Zeitrechnung - wenn nämlich
die "Katastrophen" normal werden, weil vielleicht die Herren
Ökonomen einer Theorie anhingen, die nicht diese "Welt"
beschrieben hatte, sondern nur ihre verworrene "logische".

Ulrich und Marcus halfen mir, den Aufstieg zu "packen". Ohne sie hätte ich unterwegs einfach aufgegeben. Das Gewicht des Gepäcks war schon oberhalb meiner "Grenzen". Danke.

Beim Reisenkaser
Ein Blick auf die Südwände
des Berchtsgadener Hochthrons
Hier gab es frische Milch!
Bei der Mündung des Leiterlsteiges

Sie haben mir geholfen, das Stöhrhaus zu erreichen. Nach dem Genuß einer Radlermaß zum Preis von 6 € war ich einigermaßen gerettet, irgendwann kam die Lust zurück, mal zu schauen, wo ich war.

 

Die "Tiger" brachen auf, um das "Riesending" zu erkunden. Ich machte Fotos vom ersten Abstieg und genoß es, nicht mit da hinunter zu gehen.
Was für eine göttliche Ruhe dort oben auf dem Plateau herrschte. Niemand war da mehr unterwegs. Die Dividende des schlechten Wetters. Ein Armaggedon für den Hüttenwirts, aber ein heaven's haven für ruhesüchtige Zeitgenossen. Früh ging ich ins Bett, die Kameraden kamen erst viel später zurück, als mich längst Morpheus Komplizen schon geholt hatten.

Auf dem Plateauweg

querfeldein

überall Höhlenöffnungen

Samstagmorgen. Wir wollten in den Cannstätter Schacht. Ein "33m-Schacht" war das einzige Hindernis, um in den Berg wirklich tiefer einzudringen. "33m"? Ich bin reingegangen und wieder herausgekommen. Darüber bin ich froh. Es ist nicht selbstverständlich. Und es ist "was" rausgekommen. Alles und mehr.

Sonntagmorgen. Regenwolken. Nebel. Himmelsduschen zeitweise. Ulrich, Marcus und Johann wollen zurück zum Riesending. Ursprünglich war geplant, zum Rauchkopf zu gehen. "Rome wasn't built in a day". Unsere Wege trennen sich. Ich gehe zurück nach Salzburg, zur Maximushöhle. Ulrich, Marcus und Johann zieht es wieder hinein in die Nebelwelt des Plateaus. Als ich meinen Wunsch äußere, ein paar "Personenfotos" zu machen, kommt durchaus durch, daß "man" hoffe, daß das nicht das letzte Mal sei. You never know, sagt man in "Albion". Was für eine Erleichterung, sie sind alle wieder "hoch" gekommen.


Insider wußten es schon lange, aber nun ist es auf öffentlich: Das RIESENDING ist momentan Deutschlands tiefste Höhle! Wer mehr darüber erfahren will, der sollte die Webseite der Cannstätter öffnen!
Im August 2008 ging es durch alle Zeitungen in Deutschland: Das RIESENDING ist nun 1056 m tief! "Es könnte noch 150 m tiefer gehen." Dazu der Kommentator der TZ: "...aber gefunden hat man, natürlich, nichts. Und was beweist das? Eigentlich nur, wie dumm wir Menschen sind...."

Dezember 2009 / Im Internet ist zu erfahren, daß das RIESENDING inzwischen Deutschlands längste und tiefste Höhle ist: .... km lang und ...  ist. Die Forschung geht weiter. Im Juli 2011 ist zu lesen, daß sich die Gesamttiefe um 1 m erhöht hat, also nun 1.059 m stimmt, die Länge beträgt 15,2 km. Eines Tages wird vielleicht alles zusammenhängen im Untersberg - insbesondere mit dem Gamslöcher-Kolowrath-System und weiteren potentiellen Löchern in der Umgebung.

2012 - Und, so zeigen die allerneuesten Forschungen: Die Richtung des Hauptgangs des Riesendings geht direkt zu den Windlöchern! Das ist die Höhle in der wir in 80ern schon einmal sehr aktiv waren. Vielleicht ist es dann eines Tages einfacher und weniger kräfteraubend in die "tiefsten" Teile des Riesendings zu kommen, wenn man über die Windlöcher hineingeht. Dann hätte die ganze Anstrengung nur dazu geführt, daß man am Ende dort ankommt, wo man früher und längst schon einmal gewesen ist.

Walking round in circles.

2013: Das "Barbarossasystem" wird längst angepeilt. Ziel ist, alle drei Riesenhöhlen des Untersberges eines Tages zusammenzuschließen. An diesem gigantischen Projekts arbeiten von allen Seiten engagierte Höhlenforscher. Alle werden ihren Teilbeitrag leisten. Am Ende wird wohl das Zusammenkommen stehen. Über und unter der Erde. Und das wird wohl nur gehen, wenn alle zählen, nicht nur der Oberste, der Guru, der Chef, der "Barbarossa"!

Viele Jahre hindurch versuchten die "Cannstädter" Informationen über das Karstgebiet low-key ("not intended to attract a lot of attention" / Cambridge International Dictionary of Idioms) zu halten. Über die genaue Lage der Höhle wurde nichts verbreitet. Man wollte wohl keine unliebsame Konkurrenz anlocken, keinen Höhlentourismusrummel einleiten, in Ruhe einfach forschen und wenn es etwas zu berichten gab, das dann zu veröffentlichen mit einem Standard, der wirklich state-of-the-art ist.

Damit war es mit einem Schlag vorbei. Am Samstag, den 7. Juni 2014 stieg eine dreiköpfige Höhlenforschergruppe ein. Gegen 1 Uhr 30 in der Nacht zum Sonntag kam es durch Steinschlag zu einem schweren Unfall. Ein Höhlenforscher blieb bei dem Verletzten Johann Westhauser, der dritte, Ulrich Meier, schaffte den Ausstieg in ca. 12 Stunden und konnte die Bergrettung benachrichtigen.

Eine große Rettungsaktion begann und mobilisierte Hunderte von Rettern aus dem In- und auch Ausland. Am Donnerstag, den 19. Juni 2014 konnte er um 11.44 Uhr erstmals wieder das Tageslicht sehen. Mit dem Hubschrauber wurde er sofort ins Unfallkrankenhaus Murnau gebraucht. Laut Süddeutscher Zeitung bat er im Flugzeug, "herausschauen zu dürfen. Er wolle noch einmal um den Untersberg herumfliegen." Das zeigt wohl, daß er wohl noch immer "guter Dinge" ist.

Drei Dinge scheint die Menschen an meisten bewegt zu haben, jedenfalls spiegelt sich das so in den Mitteilungen der Presse:

1) Wird er wieder lebendig an die Erdoberfläche zurückkehren - die Rettungsfrage

2) Wer bezahlt die Rettung - die Kostenfrage

3) Wie erhöht man die "Sicherheit" - die Verschlußfrage ("Hintergrund sind die Befürchtungen, Ungeübte könnten aus Neugier in die Höhle einsteigen", SZ 25.6.2014)

 


Blick auf die Südseite des Untersbergs von der Straße nach Königsee aus, Dezember 2013


Literatur:

Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch Band 1, Salzburg 1975
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Gesamtredaktion Walter Klappacher Salzburger Höhlenbuch Band 6, Salzburg 1996
Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt e.V., Redaktion Fred Kösling Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift "Der Lehmpfuhl" Sonderheft 1, Stuttgart 1988
Pohlenz, Steffen "Es ist hoffentlich klar... oder Babsi's Brainstorm", Der Schlaz 75-1995, S. 38ff.
Meyer, Ulrich Neue Höhlen am Untersberg 1339, Münchner Höhlengeschichte, hrsg. vom Verein für Höhlenkunde in München, 2004, S. 257ff.
Christandl, Markus Abstieg ins Ungewisse, TZ 5. August 2008, Seite 9
May, Rolf Höhlenforscher im Untersberg - Lasst doch die Kaiser schlafen!, TZ 5. August 2008, S. 2
ohne Verfasserangabe Ein Riesending, diese Höhle! Forschung Sie ist die längste Deutschlands, Allgäuer Zeitung 19./20. Dezember 2009, S. 4
Matthalm, Thomas, Meyer, Ulrich Die Riesending-Schachthöhle im Untersberg, Die Höhle 2009
Ambromeit, Lars, Peter, Carsten An diesem geschundenen Strick seilten wir uns ab, GEO Nr. 01/10, S. 100-114
Meyer, Ulrich Der Fledermauscanyon im Untersberg - die zweittiefste Höhle Deutschlands, DIE HÖHLE 2013, S. 79ff.
Weidner, Christopher Mystische Orte in Oberbayern, München 2013

Literatur über den Höhlenunfall im Juni 2014 und seine Folgen in der Süddeutschen Zeitung:

Beck, Sebastian, Scherf, Martina Gefangen in der Tiefe, Süddeutsche Zeitung Nr. 131, 10. Juni 2014, S. 2
Scherf, Martina Die tiefste Höhle Deutschlands, Süddeutsche Zeitung Nr. 131, 10. Juni 2014, S. 2
Beck, Sebastian In der Unterwelt, Süddeutsche Zeitung Nr. 134, 13. Juni 2014, S. 3
Kanning, Sarah "Ein einmaliger Einsatz", Süddeutsche Zeitung Nr. 134, 13. Juni 2014, R 13
DPA Der Transport hat begonnen, Süddeutsche Zeitung Nr. 135, 14./15. Juni 2014, R 13
Kanning, Sarah 1000 Meter senkrecht nach oben, Süddeutsche Zeitung Nr. 136, 16. Juni 2014, R13
Kanning, Sarah Schwerstarbeit im Bauch des Untersberges, Süddeutsche Zeitung Nr. 137, 17. Juni 2014, R13
Kanning, Sarah Der Lichtblick in der Finsternis, Süddeutsche Zeitung Nr. 138, 18./19. Juni 2014, R17
Kanning, Sarah Einsatz ohne Beispiel, Süddeutsche Zeitung Nr. 139, 20. Juni, Seite 2
Kanning, Sarah Raus aus dem Riesending, Süddeutsche Zeitung Nr. 139, 20. Juni, Seite 2
Beck, Sebastian Ein kleines Wunder, Süddeutsche Zeitung Nr. 140, 21./22. Juni, Seite R13
DPA Höhlenforscher am Auge operiert, Süddeutsche Zeitung Nr. 142, 24. Juni 2014, R13
Ehrlinger, Rainer Geld oder Leben, Süddeutsche Zeitung Nr. 143, 25. Juni 2014, S. 11
DPA Riesending-Höhle wird vergittert, Süddeutsche Zeitung Nr. 143, 25. Juni 2014, R16
DPA Höhlenforscher kann bald aus der Klinik raus, Süddeutsche Zeitung Nr. 149, 2. Juli 2014, R13
DPA Höhlenforscher entlassen, Süddeutsche Zeitung Nr. 150, 3. Juli 2014, R14
Kanning, Sarah Freistaat übernimmt Kosten für Höhlenrettung, Süddeutsche Zeitung Nr. 154, 8. Juli 2014, R13
Paschen, Dr. Ulrich Das Riesending, das helfen läßt, Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung Nr. 156, 10. Juli 2014, S.8
DPA Höhlenrettung kostete knapp eine Million Euro, Süddeutsche Zeitung Nr. 193, 24. August 2015, R15
Wedemeyer, Juliane von, Protokoll:  Tief im Berg - Johann Westhauser hat die längste Höhle Deutschlands erforscht - und war elf Tage lang darin gefangen. Leser der "SZ für Kinder" haben ihm Fragen gestellt, Süddeutsche Zeitung für Kinder, 9./10. Januar 2016, S. 2

Links:

Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt
Bayerns tiefster Punkt - Nachrichten Print (WAMS) - WELT ONLINE
Fotogalerie: Die tiefste Höhle Deutschlands - Natur - GEO.de
Riesending
Der Untersberg
Stöhrhaus am Untersberg, DAV-Sektion Berchtesgaden
Stöhrhaus
Tour 55: BERCHTESGADENER HOCHTHRON
Riesending-Schachthöhle - Gefangen in der Tiefe - Riesending-Höhle - Bayern - Süddeutsche.de
Rettung aus der Riesending-Höhle: Endlich oben - Panorama | STERN.DE

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