Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Der Untersberg

- eine Wanderung über und in "Kaiser Karls" Reich


> Gamslöcher-Kolowrathöhlensystem

> Landschaft und Höhlen im bayerischen Teil des Untersbergs

> Die Schellenberger Eishöhle

> Fürstenbrunn


Wie gestaltet man eine Webseite im Internet, wenn sie mehr als für die nächste Woche geschrieben sein soll? Sehr vernünftig ist, wenn sie das "Allgemeine", das über den einzelnen Tag Hinausreichende, in den Vordergrund stellt. Allerdings hat diese Vorgehensweise auch einen entscheidenden Nachteil. Sie vernachläßigt ja alles, was den einzelnen Augenblick ausmacht. Und der ist halt einfach einmalig!
Diesen äußerst wichtigen Aspekt haben "wir" alle uns einfach wegwischen lassen, in dem wir zugelassen haben, daß die sogenannten "Wissenschaften" mindestens für einige Jahre zum Beispiel in Form der "Universitäten" stark in die Höhe gehoben worden sind.
Aber es gibt ihn und er ist unverzichtbar. Deshalb nehme ich ihn hier auch auf und erzähle ganz kurz und, in meinem Falle, sehr bildlich, von dem was ich gesehen habe. So hat das noch nie jemand gesehen, denn jeder Augenblick ist ......



 

Zum Einstieg ein paar Bilder von einer Skitour im Dezember 1998 über das Plateau Richtung Mitterberg von 
Stefan Vegh.
....

Blick Richtung Stauffen

Auf dem Plateau

Unterwegs


DRUNTER: ....irgendwo im Bauche des U'bergs / Foto Franz Lindenmayr


Zugänge zur Unterwelt / 6m³-Bläser und Viererloch


 


Typisch für Forschung am Untersberg: Stundenlanges, schweißtreibendes Rucksackschleppen über 700 Höhenmeter empor und wieder herunter

 



Wer in Salzburg auf den Mönchsberg hinaufgeht und südwärts schaut, der sieht ihn sofort - den Untersberg. Eindrucksvoll erhebt er sich direkt aus der Ebene zwischen Salzach- und Saalachtal. Von dort aus ist die Seite mit dem Salzburger Hochthron zu sehen, zu dem heute eine Seilbahn hinaufführt. Der höchste Gipfel ist der Berchtesgadener Hochthron mit 1972 m Seehöhe.
Der Untersberg hat den Charakter eines Plateaubergs mit senkrechten Wandabfällen gegen Südosten und einer geneigten, stark verkarsteten und deshalb nur schwer zugänglichen Hochfläche im Nordwesten.

Bekannt war der Untersberg schon immer und auch einige Höhlen waren bestimmt schon seit Urzeiten bekannt. Der Kontakt mit ihnen hat sicherlich die vielen Sagen beeinflußt, die es wie sonst nur von wenigen Bergen gibt. Ein klassisches Beispiel dafür:

"Aufschreibungen von Lazarus Aigner:
In diesem 1529sten Jahr bin ich Lazarus Aigner bey Herrn Stadtschreiber zu Reichenhall in Diensten gestanden; da hat es sich einstens begeben, daß ich und der Herr Stadtschreiber sammt dem Herrn Pfarrer Martin und Herrn Pfleger, auch sonst einem Bürger aus Reichenhall mit einander auf den sogenannten Untersberg gangen und kommen sind zu einer großen Klamm, allwo ein Loch an diesem Berg: da hatte es eine Capellen, so unter dem Hohen Thron ist. Allda war ein Geschrift mit silbernen Buchstaben eingehauen in der Wand; dies haben wir angeschaut und gelesen.....S.O.R.C.E.I.S.A.T.O.M. "
(zitiert nach
Kapfhammer 41ff.)

Wo ist diese Höhle heute? Ist es die Schellenberger Eishöhle? Da gibt es hinter dem Eingang einen Raum, der die Bezeichnung "Capellen" verdient, aber diese seltsame Inschrift?

Bemerkenswerterweise beginnt schon um das Jahr 1842 die Aufzeichnungsgeschichte von richtigen Höhlenforschungen am Untersberg. Sie betreffen zuerst die Kolowrathhöhle, die ihren Namen von dem Ministerpräsidenten Franz Anton Graf Kolowrat-Liebsteinsky bekommen hat, der die ersten Erschließungsanlagen der Höhle finanzierte. Mit Eberhardt Fugger setzte dort die systematische Erforschung des Höhleneises ein, die uns noch heute wertvolle Daten liefern kann.

So rief mich vor ein paar Jahren plötzlich ein Fernsehjournalist an, daß man gerne eine LIVE-Sendung u.a. aus einer Höhle gemacht hätte, wo man direkt zeigen könne, daß sich unser Klima verändere, sprich, daß das Eis allmählich abschmelze - und das zur Jahreswende! Im Gespräch mit Walter Klappacher, dem derzeitigen Vorstand des Salzburger Höhlenvereins, kamen wir sehr schnell auf die Kolowrathöhle, weil über sie, wie bei keiner anderen, so alte Aufzeichnungen vorliegen!

Anton von Posselt-Czorich und Eberhard Fugger waren die ersten richtigen Höhlenforscher, die in die Tiefen des Untersberges vorstießen.

Vor dem Ersten Weltkrieg war es eine Gruppe um den Maler Alexander von Mörk, die die Erforschung weiterführte. Von Mörk gibt einige der frühesten Photographien aus Höhlen in unserem Gebiet überhaupt, die heute schon sehr stark vom Zahn der Zeit angefressen sind. Ließe sich vielleicht mit Hilfe der modernen Medien da etwas noch retten? Ein Bild davon aus der Schellenberger Eishöhle:

 

Wer weiteres über die Erforschungsgeschichte der Höhlen im Untersberg erfahren möchte, der lese das in den Salzburger Höhlenbüchern nach. Dort ist alles recht gut erfaßt.

Und die Forschung geht weiter.....


Wer den Untersberg selber erleben möchte, dem sei hier von 3 Wegen erzählt - den Rest möge er selber erkunden:

1) Mit der Untersbergseilbahn hoch zum Salzburger Hochthron. Über das Plateau bis zur Mittagsscharte. Hinunter über den Eishöhlensteig, der bei gutem Wetter wunderbare Blicke nach Süden auf das Salzachtal, den Göll und die Berchtesgadener Alpen ermöglicht. Auf diesem Wege ist die Schellenberger Eishöhle ganz leicht zu erreichen und ein Besuch lohnt sich! Dann warten noch 2 Stunden Abstieg auf einen. An der Straße unten erwartet einen dann noch das Problem, zu seinem Auto bei der Talstation der Seilbahn zurückzukommen. Aber das läßt sich sicherlich auch noch lösen.

2) Wieder mit der Seilbahn auf den Salzburger Hochthron. Diesmal ist das Ziel die Überschreitung des Plateaus. Wer die Situation kennt, wird sich auf diese Tour nur bei gutem Wetter machen. Zu leicht kann man den Weg verfehlen und plötzlich herumirren. Alles sieht dann ziemlich ähnlich aus. Und Fehler kann man sich an manchen Stellen einfach nicht leisten. Über den Salzburger Hochthron geht es hinunter zur Mittagsscharte, hinauf wieder zum Berchtesgadener Hochthron. Wenn das Stöhrhaus offen hat, kann man dort einkehren. Dann geht es weiter über das Plateau und die Westflanke hinunter zum Parkplatz bei Hallthurm. Am besten läßt sich diese eindrucksvolle Wanderung mit zwei Autos machen, die man jeweils bei Anfangs- und Zielort abstellt.

Typisches Bild vom Plateau

3) Entlang der Skitrasse über den Salzburger Hochthron über die Skitrasse hinunter wieder ins Tal. Dies ist eine Tour, die kann man sowohl im Sommer als auch im Winter machen. Wer die hot spots kennt, der wird andauernd wieder halten, denn sie liegen einfach links und rechts vom offiziellen Weg - der Salzburger Schacht, der Eiskeller .....

 


28. Juli 2002 Auffahrt mit der Seilbahn von St. Leonhard zum Geiereckgipfel. Abstieg über das Zeppezauerhaus zum Gamslöcher-Kolowrathöhlensystem.

Bei der Gipfelstation am Geiereck
  Der Kaiser Karl
Blick über das Plateau

Von Geiereck nach Süden
> Steinernes Meer

  > Zeppezauerhaus -
Dopplersteig

Oktober 2007

Eine Tagestour über den Untersberg. Mit dem Seilbahn hoch, hinein in den Nebel, über die Mittagsscharte Richtung Stöhrhaus, dann ab Richtung Mitterberg, Vierkaseralm und dann den kräfteraubenden und muskelkaterverursachenden Steig wieder runter ins Tal.

 
   

 


Zuletzt ein kurzer Auszug aus einem Stück moderner Literatur, "ICH MACHTE MICH AUF DIE FINDUNG DENN SUCHERIN BIN ICH KEINE" von Luisa Francia. Nach langer Anfahrt und vielen Erlebnissen auf Hochthron und Geiereck kommen endlich die ersehnten Wesen, die die Autorin ins Innere des Berges bringen, der schon 1836, in dem Bergführer von Heinrich Laube, als "ein sehr schlimmer Berg, den die Regierung nicht genug im Auge haben könne, ein Bäcker, ein Fleischer und ein Weinhändler seien hintereinander darin verschwunden", bezeichnet worden ist.
Die Führer in den Berg sind bei Francia "zwei Geier mit weiten uniformierten Flügeln, wie Sanitäter, wie Ärzte, wie SS-Leutnants, wie amerikanische Bomberflieger wie schiitische Milizführer, wie chinesische Soldaten wie israelische Geheimagenten wie südafrikanische weiße Killer, sie sahen aus wie die die Tod bringen und es wissen, sie sahen aus wie Mörder sie sahen wir Totschläger aus wie Mörder sie sahen aus....."

Wenn man da an den Fährmann Charon aus den griechischen Sagen denkt......

Weiter im Text: "Wie denkst du denn, sagte mein Begleitgeier, meine Geiereskorte, kommst du in den Untersberg. Rechts oder links?
Links, sagte ich, fiel nach links, was für ein Einfall, was für ein Unfall, was für ein Vorfall, in die Falle Untersberg.

Ein Zwerg nahm mich im Flug in seine Arme, der Arme ich war gewiß zu schwer für ihn, er keuchte. Kommt mit zur Junger Thall sagte er. Bin ich zu schwer? fragte ich. Keineswegs log er. Zu schwer zu schwer zu schwer. flüsterten die Steine.

Sie lachten, als er mich Jungfer Thall brachte. Kalt wars. Sehr kalt. Im Wald wars schöner, sonniger, wärmer. Mir fiel auf, daß die Nacht nicht enden wollte.

Der Zwerg entfernte sich schüttelnd und rüttelnd. Es war wirklich sehr kalt. Daran hatte ich natürlich nicht gedacht, als ich die Untersbergexpedition im warmen Zimmer mit Holzofen und Decken, mit Katzengesellschaft und heißem Tee auf Papier und rundem Tisch arglos plante...."

Wie es weiterging könnt Ihr ja im Buch nachlesen.....



Zwei Aufnahmen aus dem Flugzeug auf das Untersbergplateau auf dem Weg nach Istanbul im April 2011


Links


Literatur:

Freisauff, R. von. Salzburger Volkssagen. Mit 900 Illustrationen, Initialen u. Vignetten in volksthümlicher Art gezeichnet v. J. Eibl. Wien u.a., Hartleben, 1880
Fugger Eberhard Die Salzburger Ebene und der Untersberg. Mit 6 Zinkotypien im Text. (Seperat-Abdruck aus dem Jahrbuch der k.k. Geolog. Reichsanstalt, 1907, Bd. 57, 3.Heft.) Wien, k.k.Geolog.RA., 1907
(Gitschner Lazarus) Sagen der Vorzeit, oder: ausführliche Beschreibung von dem berühmten Salzburgischen Untersberg oder Wunderberg. Wien L.Mausberger o.J. (um 1800)
Hartmann, Franz Unter den Gnomen im Untersberg. Eine sonderbare Geschichte. Calw-Württ., Schatzkammer-Vlg., o.J. 13 S.,
HASEKE- KNAPCZYK, H. Der Untersberg bei Salzburg: die ober- und unterirdische Karstentwicklung und ihre Zusammenhänge; ein Beitrag zur Trinkwasserforschung- Innsbruck, 1989.
Huber Nikolaus Die Sagen vom Untersberg, Verlag, Ort, Erscheinungsjahr: H.Dieter,Salzburg,1909
Knapczyk, Harald neues vom Untersberg, ATLANTIS 1-1978, S. 5ff.
Knapczyk, Harald Karst und Umwelt: Untersberg, ATLANTIS 1-1978, S. 31f.
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch Band 1, Salzburg 1975
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Gesamtredaktion Walter Klappacher Salzburger Höhlenbuch Band 6, Salzburg 1996
Limpöck, Reiner Mythos Untersberg - Kraftort, Heiligtum, Anderswelt, Pichler-Verlag 2011
Lindenmayr, Franz Münchner am/im Untersberg, Gröbenzell 1997
Pleticha, Heinrich, Müller, Wolfgang Höhlen, Wunder, Heiligtümer, Flechsig-Buchvertrieb, Würzburg 2000
SCHENK E.v. Schauspiele. Cotta Stgt.1829,8, 206/296 S., Hln.m.Goldpr. I, 2 Bde.i.1 Bd. I.Teil: Belisar, Kaiser Ludwigs Traum, II.Teil v.1833: Henriette v.England, Albrecht Dürrer in Venedig, Der Untersberg, III.Teil v.1835: Die krone v.Cypern, Alte u.neue Kunst
SÖLTL, J.M. Der Untersberg. Deutsche Bilder im Spiegel der Sage und Geschichte. Augsburg, Schlosser, 1862
Schwarz Erika Rund um den Untersberg, Verlag, Ort, Erscheinungsjahr: Bayerland,München,1944
Uhlir, Christian F. (Hrsg.) Im Schattenreich des Untersberges. Von Kaisern, Zwergen, Riesen und Wildfrauen. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2004

Bildmaterial zum Untersberg:

Münchener Bilderbogen: Bogen 842. Karl Gehrts: Die Zwerge vom Untersberg. München, Braun & Schneider, 2. Auflage, ca. 1884. Farbig koloriert. (Blattgröße 43,5 x 33,5 cm)
WW-Postkarte 911. Berthold Löffler, "Wandmalereien im Salzburger Volkskeller - Der Wächter auf dem Untersberg". Farblithographie. (Wien 1910)

Bei der Talstation in St. Leonhard > Blick zum Geiereck

 


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