Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Fürstenbrunn und Umgebung


Traumhaft erschüttern des Wildbachs
Dunkle Geister das Herz,
Finsternis,
Die über die Schluchten hereinbricht!
Weiße Stimmen
Irrend ...

Georg Trakl Das Gewitter


Am Nordfuß des Untersberg entspringt in der Nähe des Ortes Fürstenbrunn die stärkste Quelle des Untersberges auf 595 m Seehöhe. Der allergrößte Teil des Wassers, das sich auf dem Plateau sammelt, kommt an dieser Stelle wieder zutage.

Wer heute entlang des Sträßleins von Großgmain nach Grödig fährt, das glücklicherweise nicht von vielen befahren wird, aber seine besonderen monetären Vorteile heute (Stichwort Maut vermeiden) hat, der kommt mitten durch den kleinen Ort Fürstenbrunn. Viele große Steinbrocken aus den berühmten Marmorbrüchen oberhalb der Straße stehen wie Kunstwerke der Natur entlang des Wegs, der heute als "Marmorpfad" Touristen ansprechen soll. Kurz vor dem Ort geht es steil nach unten. Rechterhand wird man auf die Kugelmühle hingewiesen, die dort noch immer in Betrieb ist. 50 m weiter ist das Untersbergmuseum, das auf die sehr bedeutsame Geschichte der Gegend hinweist.
Eine Tafel auf dem Parkplatz vor dem Museum zeigt etwa ein paar Bilder von der Gewinnung des Marmors, den man für den Wittelsbacher Brunnen in München geliefert hat. Eine technische Großtransportleistung für die damalige Zeit!

Wer nicht wirklich aufpaßt, der wird kaum bemerken, daß er mit seinem Auto über den Bach gefahren ist, der wirklich 99% Höhlenwasser führt. Geradeaus zur Quelle zu wollen, wäre nicht einfach. In einer Klamm kommt über mehrere Wasserfallstufen das Wasser herunter. Sowohl rechts als auch links führen Wege nach oben. Keiner von ihnen ist heute beschildert und weist zum Wasserschloß an der Quellhöhle.

17. März 2007
Vor der Jahreshauptversammlung des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg, die schon traditionsgemäß in Schloß Hellbrunn stattfinden sollte, hatte ich noch ein wenig Zeit. 2 Labyrinthe hatte ich schon in Salzburg gefunden, jetzt wollte ich eigentlich in die "Wohnhöhle". Die Beschreibung aus dem Salzburger Höhlenbuch paßte nicht mehr. Einen Vorwurf braucht man keinem zu machen. Beziehen wir uns auf gegenwärtige, auffallende Punkte, z.B. ein Wirtshaus, dann ist das oft sehr nützlich, kann aber auch schnell wieder sehr obsolet werden. Ich vermute mal, daß Walter Klappacher, den Text im Salzburger Höhlenbuch verfaßt hat. Das steht noch was von einem "Gasthaus Kugelmühle". Ich habe gesucht und geschaut, bis mir die Augen fast aus den "Höhlen" fielen. Aber da gab es nur noch ein "Café Kugelmühle" und bei dem fing beim besten Willen in der Nähe kein Forstweg an. Da gab es schon so ein Etablissement gleich beim großen Busparkplatz. Das war aber kein "Wirtshaus" - heutzutage - mehr, jedenfalls der Beschilderung nach. Das ist der Fluch der Wörter. Manchmal muß man sie wirklich wortwörtlichst nehmen und ein andermal überhaupt nicht. Da darf man den feinsten Nebenklängen nachlauschen und dann, wenn man viel Glück hat...., dann hat man auch "Erfolg". Früher? wurde so etwas mit hilfreichen "Feen", verführerischen "Nymphen" und anderen unfaßbaren Gestalten beschrieben (der Favorit ist der "Geist"). Heute versucht man es anders und fordert "Koordinaten"!

Tja, ich folgte dem Wasser auf der rechten Seite der Schlucht. Das war, im nachhinein gesehen, vollkommen falsch, aber dann kam am Ende doch ein Ergebnis heraus, mit dem ich sehr gut leben konnte. Da gibt es eine Art Steig, auch heute noch. War wohl früher die Gleistrasse, die dazu diente, die Felsblöcke zu Tale zu schaffen. Steil geht es da hoch, gnadenlos. Rauf, rauf, rauf, keine Rolltreppe hilft da. Ich kam am Ende an einem verfallenden Haus vorbei, reine Ruine. Ich ging weiter hoch. Auf einmal merkte ich, daß ich nicht alleine war. Oberhalb von mir war jemand. Grüngewandet, mit Armeehelm und Textilvisier und mit einem großen mobilen Maschinengewehr, hüpfte geschäftig herum, drückte ab, plopp, plopp, plopp. Sollte ich weitergehen? Paramilitärisches Handeln mitten am Sagenberg. Ich war allein mit meinem Rucksack, meiner Digitalkamera und meiner Taschenlampe. Ich stieg trotzdem weiter aufwärts. War das mutig oder vorlaut? So leicht stirbt man meist nicht, dachte ich! Altvertrautes Handeln aus den Höhlen.
Als ich die Höhe des alten Steinbruchs erreicht hatte, da war es ruhig. An den Steinbruchwänden große farbige Graffiti. In der Ferne ein paar junge Leute. Sahen aus wie Späher. Ich suchte mir einen schmalen Steig entlang des Steinbruchrands und ging weiter. Jetzt wurde mir klar, daß ich viel zu hoch für die Fürstenbrunner Quellhöhle aufgestiegen war. Erst folgte ich noch dem Steig nach oben. Er führt weiter und weiter nach oben ins Brunntal. Die englische Sprache kennt dieses herrliche Wort: "tantalizing" ("making you feel a strong desire to have or do something"). Das war es, was ich da empfunden habe. Es wäre schon sehr spannend gewesen, da auch mal raufzusteigen. Viele gehen da offenbar nicht, denn der Weg zieht ziemlich wenig benützt aus.

Wo waren bloß diese natürlichen Felsöffnungen, die einen "freiwillig" "hineinlassen" würden in den Berg, wo waren die, in die man einfach "hineinlaufen, -fallen, -steigen" mußte, oder in die man sich "hineinzwingen" muß (auch dafür gibt es inzwischen weitverbreitete Manuale). Geld, dieses Teufelszeug, hilft hier überhaupt nicht. Und das, was man sich dafür kaufen kann, auch nicht. Macht? Schon gar nicht. Es ist ganz einfach: Mach die Augen auf und hab ein bißchen Glück!!

Ein ausgetretener Weg zeigte sich im steilen Bergwald. Auf einmal war da eine Tafel von der Trinkwasserverwaltung. Etwa 100 m tiefer trat mächtig aus dem Berg das Wasser, unüberseh- und hörbar. Ein Kulturkunstwerk ist über die Höhlenöffnung 1875 gestülpt worden. "Deutsche Wasser..." Man hat es sich noch gegönnt, nicht nur einen linearen Strich zu machen, sondern eine Art Burgmauer. Das Betreten des Ensembles ist natürlich verboten, aber schwierig wäre es nicht, das Schaugitter zu umklettern. Bringt aber nichts, weil gleich darauf ein weiteres Gitter den eigentlichen Zugang zur Höhle versperrt und der eigentliche Zugang zur Quellhöhle einer massiven Metalltür verschlossen ist. Macht ja auch Sinn, weil hier ein Teil des Trinkwassers für die Stadt Salzburg herkommt. 65 m Höhlenstrecke kommen da, die sich als schräg liegende Spalte von 30 cm bis 1 m Breite darstellt bei einer Höhe bis zu 6 Metern. Am Grunde der Kluft fließt der Bach. Am Ende ist ein Siphon.

Inzwischen ist es gelungen, ins Gebiet jenseits des sperrenden Eingangssiphons von einem höher gelegenen Eingang her vorzudringen. Dieser Teil ist aus verständlichen Gründen heute auch verschlossen.

Nur wenige Meter von der Fürstenbrunner Quellhöhle entfernt liegt direkt am Weg eine weitere lang schon bekannte Höhle, das Karlsohr. Vom Weg aus zeigt sich eine1 x 1, 5 m messende Schachtöffnung. Ein Blick hinein zeigt, daß es tief hinunter geht, 22 m immerhin, und es flaschenförmig auseinander auf eine Weite von immerhin 6 x 12 m. Man könnte auch anders in diesen großen Raum gelangen: 2 Seiteneingänge in der steilen Talflanke bieten einen weiteren Zugang. Um die Höhle ranken sich einige Sagen. Sie sei der Weinkeller vom Kaiser Karl und habe eine unterirdische Verbindung mit den Wurzeln des Birnbaums auf dem Walserfeld und dem Dom in Salzburg. Das "Karlsohr" soll daher kommen, daß wer an der Schachtöffnung horche, der würden den Kaiser Karl sprechen hören.

Noch eine Höhle liegt in der Umgebung, etwas oberhalb des Quellschlosses, die Grasslhöhle. Sie ist offenbar in das Blickfeld von Esoterikern, besonders einem Mann, der sich als "Alpenschamane" öffentlich ausgibt, geraten. Wir haben uns die Situation im Februar 2014 einmal selber angeschaut. Was da zu sehen ist, das ist schon sehr ernüchternd. Ein Steinkreis, ein paar Steinmanderl, ein paar Gegenstände, die offenbar aus "kultischen Gründen" dort momentan liegen, ein paar aus Steinen geformte Herzen. Egal, was man sich aus eigener, vielleicht nur  vermeintlicher, "wissenschaftlicher Erleuchtetheit" sich dazu denkt, vielleicht hat es ja irgendwem "geholfen". Dann hat es ja auch schon einen gewissen Sinn gehabt.

Karlsohr
Historische Darstellung
In der Quellhöhle
 


3-D-Modell der Höhle im Untersbergmuseum 

 

Februar 2014

 
   
     
2022

Es gibt noch mehr Quellbezirke auf der Nordseite des Untersberges. Eine recht bekannt gewordene Quelle liegt bei Veitlbruch. Lange Zeit hindurch kamen viele Leute vorbei und holten sich dort in Behältern Wasser, weil sie ihm besondere heilende Wirkung zusprachen. Irgendwann wurde diese Praxis von den Behörden unterbunden.

Steigt man den Berghang hinan, dann wird man vielleicht auch den Eingang zu einer Höhle finden, die sich dort auftut. Ihre Befahrung ist schwierig.

   

 


Literatur:

Hasenmayer, Jochen Hinter dem Kesselsiphon, Vereinsmitteilungen Salzburg 3-1977, S. 11
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg Salzburger Höhlenbuch Band 1, Salzburg 1975
Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Gesamtredaktion Walter Klappacher Salzburger Höhlenbuch Band 6, Salzburg 1996
Limpöck, Rainer Magisches Berchtesgadener Land, Verlag Anton Plenk, Berchtesgaden 2012
Longman Dictionary of Contemporary English, 2003
ohne Verfasserangabe Quellhöhle Fürstenbrunn, ATLANTIS 1-1978, S. 21ff.,
Strasser, Wolfgang Neues von der Quellhöhle Fürstenbrunn, ATLANTIS 1-4 2014, S. 34ff.

 

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