Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die "Ofnet" und weitere Höhlen am Rand des Rieses / Bayern



 

Westlich von Nördlingen am Rande des "Ries", dort wo sich vor Jahrmillionen eine glücklicherweise seltene Katastrophe abgespielt hat, ein Riesenmeteorit schlug da knallvoll in die Erde ein und veränderte mit einem Schlag alles, da liegt in einer noch immer sehr friedlichen und schönen Gegend, das "Himmelreich" mit den beiden Ofnethöhlen. Gut sieht es allerdings nur aus der Perspektive von West nach Ost aus. Schaut man sich den Ort genauer an, dann haben große Steinbrüche rundum schon sehr an dem Hügel genagt, so daß es ein bißchen nach Kulisse und Restgröße aussieht.

12. November 2000
Ein bißchen frustriert sind wir noch von einer vergeblichen Höhlensuche nach der Hexenküche im Kaufertsberg bei Lierheim. Fünf erwachsene Menschen hatten dort 1 Stunde das recht übersichtliche Gelände durchkämmt nach dem in Gisela Graichens "Kultplatzbuch" beschriebenen Objekt. Eigentlich klang es ja einfach: "Am Fuß der Kuppe in Richtung Süden um die Anhöhe herumgehen. Bei der kleinen Baumgruppe liegt der Eingang." Das las sich einfach, führte uns aber nicht zum Höhleneingang. "The ups and downs of life...."

Am Kaufertsberg


Bei den Ofnethöhlen passiert einem so etwas nicht, weil sie schon von weitem zu sehen sind, besonders die obere Höhle. Ein schwarzes Loch gähnt im Jurahang knapp unterhalb der Hangkante, einen richtigen Parkplatz gibt es da, eine ausgetretenen Pfad, der bergwärts führt, zwei Erklärungstafeln und zwei Papierkörbe. Besser kann man eine "wilde Höhle" fast nicht erschließen. Gleich neben dem Parkplatz sind die Grundmauern eines römischen Gutshofs zu sehen.

Die Vermessung der Großen Ofnethöhle hat immerhin eine Gesamtganglänge von 55 m ergeben bei einem Höhenunterschied von 10 m. Ursprünglich war der Eingang in die Große Ofnet nicht so groß wie heute. Seine heutige Gestalt "verdankt" er einer Sprengung, die R.R. Schmidt, der damalige Ausgräber, vornehmen ließ. In der geräumigen Eingangshalle (L 8, B 8, H 9m) zweigen sowohl nach links als auch rechts kurze Seitenäste ab, die beide zu Tage führen. Besonders der rechte wird häufig begangen, was der inzwischen spiegelblank gewordene Felsboden bezeugt. Hier kann man durch eine kleine Öffnung wieder ins Freie. Wenn man sich mit Durchkriechriten beschäftigt, dann heißt es immer, daß die ganz frühen Menschen ihre Durchkriechriten in Naturhöhlen vorgenommen hätten. Hier wäre so ein Platz - ein großer Eingang, eine kurze Bückstrecke, eine zu durchschlupfende Öffnung wieder nach draußen.
Für den mehr speläologoisch interessierten Zeitgenossen bietet sich der Schlot am Ende der Halle an. Über gute Tritte und Griffe ist es möglich sich in die Höhe zu "schrauben". An einer Stelle verzweigt sich sogar der Weg. Über eine kleine Engstelle kann man noch höher schliefen, ehe man wohl schon ganz kurz unter der Erdoberfläche wieder umkehren muß.

Die Kleine Ofnethöhle hat nur noch eine ganz geringe Überdeckung. Ein einziger Raum ist begehbar (L 12, B 7, H3). Nur auf der rechten Seite zieht sich nach oben noch ein enger Felsschlauch, dessen "Durchquetschung" wir aber mangels freiwilligen Opfers unterließen.

Berühmt, in manchen Publikationen heißt es sogar "weltberühmt", wurden die Ofnethöhlen durch die in ihr gemachten Funde. Mehrmals sind sie umgegraben worden, 1875-76 erstmals durch Oskar Fraas, 1901 und 1905 vom R.R. Schmidt, nochmals 1907 und 1908 durch Schmidt, zuletzt dann 1934 und 1936 durch E. Frickhinger und F. Birkner.

Ein Fund war es vor allem, der dem Ort eine Bedeutung verleiht. Man fand in zwei "Nestern" 33 menschliche Schädel, einmal 27 bzw. 6 davon. 9 Frauen waren es, 4 Männer und 20 Kinder. Die Köpfe der Frauen, der Kinder und Jugendlichen waren bedeckt von 205 durchlochten Hirschgrandeln und über 4000 durchbohrten Schnecken. Man fand nicht nur die Schädel, sondern auch die dazugehörenden Unterkiefer und Halswirbeln. Die Gruben, in denen die Schädel lagen, waren mit Rötel gefärbt worden. Alle Schädel waren nach Westen ausgerichtet, der Himmelsrichtung, aus der gegen Sonnenuntergang die Sonne direkt in die Höhle scheinen kann.

Das "Schädelnest" in einer Abbildung nach R.R. Schmidt

Höchst interessant ist Geschichte der Altersbestimmung der Schädel. Man ließ sie 1972 einmal an der Universität von Los Angeles mit Hilfe der 14C-Methode untersuchen und kam auf ein Alter von 13000 BP, als man es an der Universität von Köln noch einmal versuchte noch einmal mit der selben Methode versuchte kam man nur "noch" auf einen Wert von 6800 v. Chr.. "Wissenschaft...". Damit stammen die Schädel aus der jüngeren Phase der Mittelsteinzeit.

Wieso fehlen bei den Schädeln die Körper? Niemand weiß das wirklich. Um das Vakuum zu füllen, werden "Theorien" in die Welt gesetzt. Die beliebteste ist die, die Menschen seien bei "rituellen Handlungen geopfert worden"., die Kannibalismusthese.

Wer im Internet heute nach Ofnethöhle schaut, der findet natürlich diese Deutung grob in den Vordergrund gerückt. Außerdem gibt es da noch eine sehr seltsame Erscheinung. Viele, viele Seiten mit einer Anknüpfung an die "Ofnethöhle", allein das hat überhaupt nichts mit "Höhle" zu tun, sondern eher mit "Kampfhunden", komisch.

Eine Reise durch die Zeit...

1966
1984  
2000
 
 


Foto Adelung / im Bild Roland Brummer

Der letzte Frust des Tages wartete noch auf uns in Form einer langen vergeblichen Suche nach dem Hohlenstein westlich von Ederheim. Wir durchkämmten gründlichst die bewaldeten Hänge des Karstgebiets, aber nirgends tat sich etwas Verdächtiges auf. Es gab da zwar immer wieder kleinere Felsgruppen mit ganz kleinen Löchlein drinnen, aber nichts, was wirklich des Aufhebens wert gewesen wäre. Dabei führt ein Wanderweg direkt hin, mit Wegtafeln. Wir wußten es nicht.


 

Der Nachbau der Ofnethöhle mit den Schädeln in der Ausstellung "Aus Bayerns Höhlen" am Karolinenplatz in München, Februar 1979

 


Sucht nicht nach den Spuren der Alten,
sondern sucht nach dem,
was die Alten suchten

(Basho 1644-1694)


22. April 2001
Diesmal sind nur noch Willi Adelung und ich unterwegs, um die "Rieshöhlen" endlich einmal selber zu erleben. Der Schock, nur eine von drei Höhlen wirklich gesehen zu haben, wirkte nach. Im Grunde standen uns ja hervorrragende Werkzeuge längst zur Verfügung, wir hatten halt noch nicht richtigen Gebrauch gemacht davon. Das Schöne daran war, daß wir bei diesem Mal gleich zwei weitere Höhlen auch noch gesucht und gefunden haben: die "Höhle in der Hölle (M15)" und die Kammerlochhöhle, alle auf der CD des Bayerischen Landesvermessungsamts schlummernd, aber halt von uns vorher noch nicht entdeckt. Als wir gegen 1 Uhr in der Talmühle bei Ederheim zu einem schmackhaften Mittagsmale einkehrten, hatten wir unsere "Mission" beendet. Alles, was wir bis dahin gesucht hatten, war gefunden, fotographiert und erlebt worden.
Ein paar Erinnerungsspuren....

 

 
   
 
   
 
 
 
Hexenküche
Foto W. Adelung

Hanselehohlhöhle am Michelsberg, Gemeinde Fronhofen 


Bei Grabungen in den Jahren 1923-25 durch F. Birkner, E. Frickhinger und P. Zenetti wurden Siedlungsschichten der Bandkeramik, Stichbandkeramik und des Spätneolithikums gefunden. In den Schichten des Neolithikums wurde eine Anzahl von aufgeschlagenen und z.T. angekohlten Menschenknochen gefunden. Eine Schätzung ergab, daß es mindestens 11 verschiedene Personen gewesen sein müssen - ein Hinweis auf Kannibalismus?

Mühlberghöhle (M1a) und das Mühlbergfelstor (M1b)

Hungerberghöhle

 

Januar 2003

 

 

 

Wichteleshöhle bei Sulzdorf

9. Februar 2003


Im östlichen Wörnitzsteilhang zwischen Harburg und Ronheim liegt eine besuchenswerte Höhle, das Hüllaloch. Der Zugang zu ihr ist heutzutage ganz einfach. Man hatte eine betonierte Treppe mit Handlauf den Berg hinangelegt, so daß jeder hinaufkommt. Unten ist eine Hinweistafel, auch mit der ausführlichen Schilderung der Höhlensage. Oben sind zwei Höhlen: ein großräumiger Felsenraum, der gleich wieder nach hinten zu ist, und neben einer Sitzbank ein Felsenschlitz, der Zugang zu einem schmalen hohen Höhlengang gewährt, der in einen weiteren geräumigen horizontalen Höhlenteil mündet. Der Zugang nach außen hat man mit einem Geländer, so daß gar nichts mehr passieren kann.

 
 
   
Harburg

Der Goldberg ist heute ein wertvolles Naturschutzgebiet, früher ein wichtiger Ort für Steinbrüche, in dem der gut bearbeitbare Kalkstein für die Gebäude der Umgebung gewonnen wurde. Heute zählt das Überleben einer besonderen Bienenart mehr als die Rohstoffgewinnung. Die öffentliche Hand hat inzwischen das Eigentum an dem gesamten Areal, so daß es zu keinen Zielkonflikten bezüglich der Bewahrung der Natur und dem erwerbswirtschaftlichen Streben mehr kommt. Auf einem kleinen Parkplatz kann man das Gefährt abstellen. Kleine, unauffällige Wege durchziehen das Gelände bis hinauf auf die ebene Hochfläche, heute nur noch vom Gras bewachsen, früher für mehrere Siedlungen dienend. Kleine Nischen höhlen sind in den Steinbruchwänden noch vorhanden, eine davon wird als eine Art Kultgrotte verwendet.

 


Literatur:

Graichen, Gisela Das Kultplatzbuch, Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997
Stein, Gerhard Zu Geschichte und Befunden der Ausgrabungen in den Höhlen Große und Kleine Ofnet bei Nördlingen, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main 12, 1990, S. 228 - 232
Glowatzki, Georg Entdeckungen an Schädeln, Süddeutsche Zeitung Nr. 101, 3. Mai 1973
Seitz, Helmut Besuch in der Unterwelt, Die Gruft der 33 Schädel, Süddeutsche Zeitung Nr. 180, 6. August 1991
Kyrle, Georg Theoretische Speläologie, Wien 1923, S. 318f.
Frickhinger, E.  Das Himmelreich mit den Ofnethöhlen, Schwabenland, 1939
Rind, Michael M. Menschenopfer, Universitätsverlag Regensburg, 2. Auflage 1998

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