Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Das Schönstein-, Brunnsteinhöhlengebiet und die nähere Umgebung, Fränkische Schweiz


Joseph Heller schreibt schon 1829 in seinem Klassiker über Muggendorf und seine Umgebungen über die Schönsteinhöhle: "Sie ist eine der merkwürdigsten, schönsten und größten Höhlen der hiesigen Gegend, liegt zwischen Neudorf und Oberfellendorf, 1/2 Stunde von Muggendorf, eben so weit von Streitberg, und ungefähr 50 Schritte vom Brunnenstein."

Von diesem Brunnenstein weiß er zu berichten: "Vor ihrem Eingange sind abgerissene Felsentrümmer angehäuft, über die man schreiten muß. Es bilden sich hier zwei große Felsenöffnungen; di eine ist 2 Schuh hoch, und beinahe 6 Schuh vom Boden entfernt; die andere mehr ostwärts ist 4 Schuh hoch, 6 Schuh breit. Durch diesen Bogen tritt man in ein sehr geräumiges Gewölbe, welches 10 Schuh hoch..." Jedenfalls kommt man hier in der Bereich einer weiten Höhle, die am Ende zu einer "langen Grotte", deren Boden mit Wasser bedeckt ist und das früher von den Menschen, wenn sie welches brauchten, dort auch geholt wurde. Dazu müssen einmal Stangen vom Eingang weg gelegt worden sein, um den Weg dorthin zu finden. Auch ein Seitengang wird erwähnt, der bis zu einem Absatz führe, "und von da in eine furchtbare Kluft zu einem Gewölbe von 6 Schuh Länge, 12 Sch. Breite und 15 Sch. Höhe". Was waren das noch für Zeiten, man sich noch Schritt für Schritt, Schuh vor Schuh durch die Höhlen "gebeamt" hat.

 

 

Wie lange ist die Schönsteinhöhle schon bekannt? Johann Friedrich Esper erwähnt sie bereits 1774 in seiner "Ausführlichen Nachricht" und dürfte damit die erste schriftliche Erwähnung der Höhle geliefert haben. Heller schreibt davon, daß man am Boden "schwarze Erde mit Urnentrümmern" gefunden hätte, was ein Hinweis darauf sein könnte, daß sie seit Urzeiten schon von Menschen begangen worden ist.

Im relativ engen Eingangsbereich scheint man an einigen Stellen nachgeholfen zu haben, um bequemer ins Innere zu kommen. 1923 gab es schon einmal Pläne des Fränkischen-Alb-Vereins sie als Schauhöhle zu erschließen, aber nach einem negativen Gutachten diesbezüglich ließ man es wieder sein, wohl glücklicherweise für alle.

Sieht man sich den Plan der Höhle an, der erste stammte wohl von Major Neischl  von 1903, später einer von dem Salzburger Höhlenforscher Robert Oedl aus dem Jahre 1922, so fällt die klare Ausrichtung der Höhlengänge nach den Kluftrichtungen auf, die oft parallel und im rechten Winkel zueinander gitterförmig verlaufen. Insgesamt kommen um die 600 m Ganglänge bei einem Gesamthöhenunterschied von 19 m zusammen. 1952 gelang es Herbert W. Franke und Willi Zaunik eine Verbindung zu nahen Brunnsteinhöhle zu finden.

Trotz des starken Besucherstroms im Sommer in der Höhle, vom 30. September bis 1. Mai ist sie aus Fledermausschutzgründen verschlossen, gibt es noch immer eine ganze Menge Tropfsteine zu sehen. Alles kleine, feine, aus der Höhle irgendwie Mitnehmbare ist allerdings schon weg (Neischl berichtet etwa noch von Sinterperlen) und so manches ist nur noch als Rest vorhanden. Allerdings gehen nicht alle "Zerstörungen" auf das Konto menschlicher Vandalen. Auch die "Natur" selbst geht nicht immer schonend mit den steinernen Gebilden um - "What goes up must come down". Man findet eine Reihe von umgeworfenen Stalagmiten und Risse im Risse. Als Ursachen werden diskutiert: Erdbeben, Eisdruck und Frost während der Eiszeiten, "erosiver Massenentzug im Untergrund" und Kristallspannungen.

Schon 1829 wurde man gewarnt: "Da sie sehr viele Seitengänge und Schluchten hat, so ist sie ohne bewanderte Führer oder andere Vorsichtsmaßnahmen nicht leicht zu besuchen." Seit den 50er Jahren macht die Höhle immer wieder durch Unfallberichte von meist unerfahrenen verunglückten Höhlentouristen auf sich aufmerksam. Einmal kam es vor, daß jemand tagelang in der Höhle saß, weil er den Ausgang nicht mehr gefunden hat! Auch das kann vorkommen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Im Verbindungsstück Brunnstein-, Schönsteinhöhle 1966

Der Schwingbogen, ganz in der Nähe des Eingangs zur Schönsteinhöhle, ein Biwakplatz von uns schon Ende der 60er Jahre, um unser Ohr ganz nah am Busen der Natur zu haben...

Der Schwingbogen
 
 
 
 
 

Im Nachbarhügel, dem Guckhüll, sind inzwischen auch schon mehrere Höhlen bekannt. Von einer, der Ludwig-Wunders-Höhle, berichtet schon Heller 1829. Eine weitere ist die Kirchenweghöhle oder Krämershöhle. Ihr Eingang war einmal verschlossen, wovon noch heute eine Mauer zeugt. Kriecht man ein paar Meter hinein, erreicht man einen niedrigen Raum, in den einmal ein Raum, nach außen abgegrenzt durch dicke Holzbalken und Bretter, eingerichtet worden ist. Man hat in der Höhle viel gegraben und auch den Boden verändert, um eine leichtere Begehung zu ermöglichen. Florian Heller, der Erlanger Paläontologe, berichtet vom Funde von zwei Unterkiefern von Höhlenlöwen, die heute im Heimatmuseum von Ebermannstatt aufbewahrt werden.

 


Literatur:

Bauer, Karlheinz Alte Höhlenansichten der Fränkischen Alb, Reihe F - Geschichte der Speläologie, Biographien - Heft 2, München 1967
Cramer, Helmuth Das Schönstein-Höhlengebiet (Fränkische Schweiz), Speläologisches Jahrbuch, Band XIII/XIV (1932/33), S. 29ff.
Gümbel, C.W. Geognostische Beschreibung des Königreichs Bayern, Vierte Abtheilung Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Frankenjura), Verlag von Theodor Fischer, Kassel 1891
Heller, Josef Muggendorf und seine Umgebungen oder die Fränkische Schweiz, Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1829, Palm & Enke, Erlangen 1979
Herrmann, Friedrich Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz, Regensburg 1980
Lang, Stephan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2000
Neischl, A. Die Höhlen der fränkischen Schweiz, Nürnberg 1904
Schabdach, Hardy Unterirdische Welten - Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz, Verlag Reinhold Lippert, Ebermannstadt 2000

Links:

Schönsteinhöhle

SEG-Einsatz: Höhlenrettung Schönsteinhöhle | Bereitschaft Forchheim

Bergwacht Bayern: Schönstein 06-1

http://www.kraftvolle-orte.de/2012/10/wundershoehle/

http://www.kraftvolle-orte.de/uebersicht-der-kraftvollen-orte/hoehlen/kirchenweghoehle-bei-oberfellendorf/

https://www.lau-net.de//b.mayer/kirchweg.html

http://www.caveclimbers.de/kirchenweg.html

Landschaft und Höhlen der Fränkischen Schweiz

Landschaft und Höhlen der Frankenalb


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]