Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Steinamwasser


Die Höhle von Steinamwasser ist irgendwie unglaublich. Wer schon oft in Höhlen gegangen ist, der weiß, wo die oft zu finden sind. Fast übermenschliche Strapazen nehmen wir da oft auf uns, daß man wenigstens bis zum Eingang überhaupt gelangt. Wie es dann drinnen erst zugeht, davon muß man gar nicht zu reden.

Und da gibt es eine Höhle, den Namen hat sie wirklich verdient, weil sie es auf mehr als 500 m Gesamtganglänge bringt, und die liegt einfach hinter einem Wirtshaus, dem Gasthaus "Zur frischen Quelle", das auf einer geteerten Straße mühelos erreichbar ist. Ein paar Tippelschritte sind nur notwendig, um vom Gefährt zur Eingangstür zu kommen. Das Schöne ist hier auch, daß sie keine Schauhöhle ist. Es steht keiner da, der einem an der Kasse die Eintrittskarten aufnötigt und einem dafür sein "Bestes", nämlich den Zaster (€) abnimmt. Und es geht erfreulicherweise auch kein "Führer" mit, der einem alles "Wissenswerte" vermittelt, oder auch nicht. In der Adventszeit soll ein Krippenspiel in der Höhle aufgeführt werden in der Flembachhalle gleich beim Eingang, damit hat es sich aber schon mit der touristischen Promotion. Der Eingangsteil dient nicht zuletzt als Kühlraum fürs Bier, so haben es unsere Altvorderen auch schon gemacht.

Als ich Ende Juli 2003 auf dem Parkplatz hielt, zeigte sich gleich eine freundliche ältere Dame und fragte, ob ich in die Höhle wolle. Wäre wohl kein Problem gewesen, reinzugehen, aber ich verneinte. Ich wollte lieber mal mir die Umgebung der Höhle anschauen. Wie schaut es nicht drinnen, sondern drüber aus? An einem alten Keller gings vorbei, hinauf auf das Plateau drüber, die Naturbrücke war mein Ziel. Die moderne Landschaftspflege machts möglich. Ziegen sind die modernen Arbeiter. Sie fressen alles nieder, was da so hochwachsen möchte. Und hervorkommen wieder die oft Pilzen ähnelnden Felsen. Der Blick ist frei, die ins Tal geduckten Bauernhöfe und Ställe sind sichtbar, die flache Juralandschaft.

Der Abstieg geht durch noch nicht niedergemachte Strauchwildnis. Auch von unten sehen die Felspfeiler herausragend aus, nicht gerade atemberaubend, aber doch sich kräftig vom Menschenwerk unterscheidend. Wo es möglich war, hat der Mensch die Überhänge genutzt. Eine kleine Abmauerung genügte und fertig war der Kellerraum. Heute verkommt das alles, wird ja nicht mehr gebraucht. Vor einem dieser alten Nutzräume lag nur noch ein riesiger Glasscherbenhaufen.

An diesem Tag war niemand da. Alles still. Am Wochenende geht es zu. Die leichte Erreichbarkeit... So schrecklich viel hat sich gar nicht geändert. Die Höhle gibts noch, die Wirtschaft auch noch. Ende der 60er Jahre waren wir auch schon da gewesen, hatten gar noch die Nacht in der Wirtsstube verbringen dürfen. Heute steht da ein Schild: "Höhlenstube". Lang ists her.


 


Literatur:

Huber, Fritz Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 8. Jahresheft - 1967, Die Höhlen des Karstgebietes A Königstein, München 1967
Lang, Stefan HÖHLEN IN FRANKEN - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Hersbrucker Schweiz und des Oberpfälzer Jura, Verlag Hans Carl , Nürnberg 2002

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