Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Streifzug durch Höhlen in Thüringen
Schalkauer Muschelkalkplateau, 22.06.2002
In den 60er, 70er und 80er Jahren des vergangenen
Jahrhunderts wäre so etwas undenkbar gewesen. Da war das Gebiet
nördlich von Bayern, oberhalb von Coburg oder Bayreuth, für die
meisten jungen Leute nur ein weißer Fleck auf der Landkarte,
nicht mehr. Auch für die Höhlenforscher. Gab es da
"drüben" wirklich irgend etwas Nenneswertes? Bei den
"Kommunisten", diesen Marx-Engels-Brüdern?
Durch die Wiedervereinigung hat sich da viel verändert.
Inzwischen gab es ja schon Tagungen des Verbandes der Höhlen-
und Karstforscher in diesem Raum, und auch wir sind inzwischen
schon einige Male im Gebiet der ehemaligen DDR gewesen, unseren
jetzigen "Neuen Bundesländern".
So war auch erstmals vom 22. auf den 23. Juni 2002 eine Kunstperformance zum Thema "NACHT" in der Kirchenruine von Paulinzella möglich, maßgeblich organisiert und gestaltet durch Roland Brummer, von Künstlern aus dem Umkreis des "Freiraums" in München und Studenten der Bauhausuniversität Fachbereich Architektur in Weimar. Außerdem waren da noch vorgesehen "andere Geister der Nacht".
Da das Thema die "Nacht" war, blieben mir vorher und hinterher die "Tage" für speläologische Exkursionen in Thüringen.
Mein erster Anlaufpunkt war die "Zinselhöhle".
Viel wußte ich nicht davon. Ein kleiner kopierter Artikel in
meinem Aktenordner, der all das beeinhaltet, was ich mir in den
letzten 30 Jahren über die "Neuen Bundesländer"
angeeignet hatte. Irgendwo im Süden von Thüringen sollte sie
sein, in der Nähe von Sonneberg. Hinter Coburg suchte ich mir
den Weg über kleine Straßen, die jetzt nach der
Wiedervereinigung wieder hinüber nach Schalkau führen.
Glücklicherweise ist noch immer spürbar, daß die sich dort ein
bißchen anders entwickelt hatten, als wir im Westen.
Wenn man Höhlen auf eigene Faust sucht, dann weiß man nie
genau, ob man auch finden wird, was man sucht, aber in diesem
Falle war ziemlich einfach, denn überall waren anständige
Schilder mit Hinweisen auf die Höhle. Nur die letzten Meter
hinter Meschenbach waren ein kleines Problem. Ein Sperrzeichen
wegen einer Baustelle verwehrte einfach das Benützen des Weges,
aber es war Samstag, niemand arbeitete, alle Maschinen standen
still. Dort, wo die Straße über den Retschenbach führt, dort
steht schon ein großes Schild mit dem Höhlennamen und einem
Zwerg drauf und eine dieser unsäglichen deutschen
Naturmöblierungen, eine überdachte Sitzgelegenheit. Ein großer
Parkplatz ist auch schon angelegt. Man braucht ihn wohl für
jährlichen Höhlenfeste, die jeweils am 3. Julisonntag
stattfinden.
Niemand war da. Ich ging alleine auf einem Waldweg entlang des
kleinen Retschensbachs etwa 100 m abwärts bis zu einem im Bau
gefindlichen Häuschen. Davor ist das recht nüchtern gewordene
künstliche Eingangsbauwerk in die Höhle, das von oben die eine
große betonene Zuge aussieht. Der Bach ist vor dieser Stelle
meist schon im Schotter verschwunden, aber bei Hochwasser fließt
er wohl auch noch oberirdisch weiter. Aus dem Betonrachen hört
man schon das Rauschen des Wassers. Geht man hinunter über die
Stufen, wozu man schon eigenes Licht mitnehmen sollte, dann
verwehrt bald eine Eisentüre den Weiterweg. Wer hier rein
möchte in die 245 m lange Muschelkalkhöhle, der muß sich mit
den Höhlenführern vorher arrangieren.
Die Höhle war schon immer der Bevölkerung bekannt. Im
30jährigen Krieg sollen die Menschen schon ihr Hab und Gut
drinnen versteckt haben, von 1728 Albrecht schriftlich von
berichtet hat - die erste detaillierte Beschreibung einer
Thüringer Höhle. Vor etwa 200 Jahren hat man dort auch schon
hydrologische Forschung angestellt, in dem man Flachsknoten ins
Wasser des Höhlenbachs warf, um herauszufinden, wo denn der Bach
wieder zu Tage tritt.
Es gibt keinen ausdrücklichen schriftlichen Hinweis auf einen
Besuch der Höhle durch Goethe, obwohl dieser ja stark geologisch
interessiert war, und die Gegend damals auch bereiste. Von dem
Herzog Karl August von Weimar weiß man das aber, sogar das Datum
kennt man: den 23. Juni 1782.
Der Namen der Höhle kommt von den Zinselmännchen, die der Sage
nach die Höhle bewohnt haben sollen. Wir sagen halt Zwerge oder
Wichtelmännchen dazu.
| Der Erstkontakt: der Rest eines Posters an einem Strompfosten | |
| An der Straße der nicht zu übersehende Hinweis auf
die Höhle Es hatte ja eigentlich keinen Gegenstand, denn die Straße war ja nicht durch Abgründe unterbrochen, die überhaupt nicht zu überwinden waren, sondern man mußte allenfalls ein bißchen langsamer fahren. |
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| Zwerge und Höhle, ein altes Thema - hier wiedergefunden | |
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Das einer langen Zunge ähnelnde Eingangsbauwerk von oben |
| Die ästhetische Sensation: die Eingangstüre | |
Versuche, durch den Türspalt weiter ins Innere des Berges zu blicken |
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| Das Höhlengestein: Muschelkalk |
Weiter ging es nach Meiningen zur Götzhöhle.
Sind noch nicht lange wieder als Schauhöhle geöffnet. Anpreisen
tut sie sich als "Deutschlands größte begehbare Kluft- und
Spalthöhle" und mit den Worten "einzigartig in ihrer
natürlichen Schönheit". Na ja. Wenn Papier schreien
könnte, dann müßten wir uns wohl an dieser Stelle die Ohren
zuhalten.
Trotzdem besuchenswert ist sie. Erstbegangen wurde die Höhle
schon vor langer, langer Zeit, aber dieses Wissen vollkommen
wieder verloren. Woraus darf man das schließen? In der sog.
Totenkammer, dem ziemlich obersten Teil des Spaltensystems hat
man die Knochen mehrerer Toter geborgen, die dort, wie es doch so
schön heißt, ihre letzte Ruhestätte gehabt hatten, ehe ihre
Knochen von der Archäologen wieder hinausgetragen wurden. Warum
eigentlich?
Wiederentdeckt wurde die Höhle 1922, als der Meininger
Fabrikbesitzer Reinhold Goetz sein Hanggrundstück in einen
Berggarten verwandeln lassen wollte. Dabei wurden die ersten
Spalten entdeckt und die wurden danach mit großer
Hartnäckigkeit wieder ausgebuddelt. Bis zu 70 m tief war die
größte, bei einer Breite von bis zu 2 Metern. Aber es gab nicht
nur eine, sondern gleich mehrere. Auch die wurden wieder von
Arbeitern freigelegt. 1934 wurde das Spaltensystem für Besucher
freigegeben, 1970 wurde sie auf die Intervention der Behörden
hin geschlossen und 2000 wiedereröffnet.
Nur kleine, eher unauffällige Schilder weisen
auf diese Touristenattraktion am Westrand des Werratals am Rande
der "Kultur- und Theaterstadt" hin. Je höher man
steigt, desto besser wird die Aussicht auf die Stadt und die
grüne Umgebung. Dann sieht man zuerst das Restaurant und die
daneben sich befindliche "Höhlenbaude", eine dazu
gehörende Wirtsstube.
Etwas oberhalb ist die Hütte des Höhlenführers mit der Kasse.
In für die Region typischer Manier bekommt jeder einen Bauhelm
verpaßt, hier in der Farbe Rot, und kann dann wieder zum unteren
Eingang gleich beim Restaurant hinabsteigen. Kalter Wind streicht
aus dem Berg. Um den zu beeinflussen und nicht zu stark werden zu
lassen, gibt es eine dichte Glastür, die man eigens, nachdem die
Besucher drinnen sind, auch wieder fest schließen soll. Durch
einen künstlichen Stollen geht es hinein, dann kommt die ersten
große Bergspalte. Der Muschelkalk ist einfach in riesige Teile
zerbrochen und die Felsschollen gleiten unendlich langsam nun
talwärts, wodurch sich immer größer werdendere Spalte öffnen.
Aus "Sicherheitsgründen" wurden an allen möglichen
und unmöglichen Stellen Auf- und Zumauerungen vorgenommen, so
daß ein "reiner" Naturgenuß da nicht mehr möglich
ist. Während der Führung geht es immer hin und her zwischen
natürlichen Spalten (250 m) und künstlichen engeren
künstlichen Tunnels (wieder 250m). Außerdem geht es auch mal
auf und dann wieder auf bis zum langen Aufstiegsfinale, um den
oberen Eingang zu erreichen. Eine Stelle, die vollkommen
unauffällig ist, hält man und man die wirklich gute Akustik
erleben, aber diesen Ort gleich "Dom" zu nennen, das
ist wirklich ein ziemlich überspannter Umgang mit hehren Worten.
Wo anders wird einem eine "Kanzel" gezeigt, wo halt ein
Felsblock herumliegt, usw.. Die Höhle ist was für ästhetische
Puristen, für Leute, die reine Felsformen lieben und denen das
ganze "Sintergraffl" langsam schon ein Graus ist. Die
haben da ihren "heyday".
| Auf dem Zugangsweg | |
Beim Eingang eine Gaststätte - heißt hier "Baude" |
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| Der untere Eingang | |
| Im Dom lauschen die Besucher deutschen Schlagerschnulzen, prima Akustik |
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| Das Höhlengestein: Muschelkalk |
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Der Höhlenführer |
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Auf dem Weg Richtung Eisenach liegt im Werratal bei Wallstatt die Sandstein- und Märchenhöhle Walldorf. Eigentlich ist das ja gar keine echte Höhle, sondern eine unterirdische Sandgrube. Über Jahrhunderte wurde da aus dem Bauch der Erde Sand für die unterschiedlichsten Zwecke geholt, hauptsächlich Scheuersand für die Küche. 2500 Säulen sind da noch unten, alle durchnummeriert, weil sie immer ganz bestimmten Familien einmal gehört haben, die dort nur arbeiten durften. Längst war es aufgegeben, aber als Touristenmagnet heute wiederentdeckt. Das hängt nicht zuletzt mit der "Märchenhöhle" zusammen. Selbstverständlich hat man ein "Höhlengespenst" und eine "Höhlenfee", einen schlafenden Höhlenbären, wo die Kinder aufgefordert werden, besonders still zu sein, wenn sie vorbeigehen, damit er nicht aufwacht, und ein gutes Dutzend Darstellungen von Szenen aus Märchen, inbesondere von den Gebrüdern Grimm. Solche modernen Versuche, die Märchenwelt in den Untergrund zu bringen, die gibt es auch anderswo. Viele Kinder scheinen sich dafür heute gar nicht mehr zu interessieren. Was einzig zählt, ist durchzurennen und möglich schnell wieder rauszukommen aus der "Höhle". Immerhin schaffts Arbeitsplätze und Geld läßt sich auch verdienen.
Südlich von Eisenach am Nordrand des Thüringer
Waldes war man bereits Ende des letzten Jahrhunderts in einem
Schwerspatbergwerk ganz unten auf eine natürliche Karsthöhle
getroffen, die damals als Schauhöhle geführt wurde.
Zwischendrin war sie auch mal wieder geschlossen, nicht zuletzt
weil vom Bergamt befürchtet wurde, daß nicht alles sicher genug
sei. Nachdem nun umfangreiche Ausmauerungsarbeiten vorgenommen
worden waren wurde die Höhle inzwischen wieder als Schauhöhle
eröffnet und in kleinem Stil finden heute Höhlenführungen
statt. Bis zu 200 Personen pro Tag und insgesamt bis zu 10000
Personen sind das pro Jahr. Bei einem Eintrittspreis von 3
kann sich jeder ausrechnen, daß man damit keine Reichtümer
anhäufen wird. Immerhin gibt es aber gleich zwei Imbisse beim
Höhlenparkplatz. Es ist idyllisch und ruhig dort, der Blick kann
über die im Tal liegende Ortschaft Kittelsthal
und das viele Grün rundum schweifen....
Über viele Stufen geht es hinab in die Grube, interessanterweise
alle ein bißchen unterschiedlich gestaltet in Höhe und Breite,
so daß durchaus Aufmerksamkeit gefordert ist. An den Wänden ist
teilweise noch der Schwerspat zu sehen, den man in der chemische
Industrie noch heute verwendet.
Dann der Eintritt in die Naturhöhle. Auf dem dunkel
Zechsteinkalk hebt sich das Weiß und leichte Gelb der
Tropfsteine besonders gut ab. Ein paar Seitennischen können mit
weiteren Tropfsteinformationen können noch besucht werden, aus
einer Wasserpfütze fischt unser Führer ein paar Collembolen
zeigt sich uns, höchstens stecknadelkopfgroße Tierchen,
Springschwänze, und legt sie dann wieder zurück. Vor Jahren hat
man hier eine bedeutsame Fortsetzung entdeckt, die aber nicht
für den Publikumsverkehr erschlossen worden ist. Ziemlich eng
und mühselig geht es da zu, weshalb das für die allermeisten
Touristen ohnehin nichts wäre. Die sind allein schon froh, wenn
sie die ganzen Stufen bis zum Eingang wieder erklommen haben und
wieder draußen an der frischen Luft stehen.
| Ein kurioses Stück für Sammler: der Kittelsthaler Tropfsteinhöhlen LKW |
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| L'entrée | |
| Der größte Tropfstein | |
| Der Schwerspat | |
| Sinter | |
| wohl notwenig für die Regelung des "Verkehrs" | |
|
Weiter ging es in Richtung Ilmkreis. Dort gibt es im Muschelkalk ein großes Karstgebiet mit dem ganzen typischen Formenschatz, allerdings alles ein paar Nummern kleiner als anderswo. Eher "undersized". Da freut man sich schon, wenn überhaupt ein Loch im Fels zu sehen ist, in das wenigstens vielleicht schon seine Kopf hineinstecken könnte, aber nicht viel mehr, aber halt immerhin. Das war z.B. bei den "Höhlenresten bei der Liebensteiner Burg" im Tal der "Wilden Gera" der Fall.
Auf der anderen Talseite in Liebenstein liegt die Weihnachtshöhle oberhalb des Friedhofs. Sie zu finden wird auch immer schwieriger, weil das kurze horizontale Gangstück, aus dem sie einzig besteht, auch bald nicht mehr erreichbar ist, weil von außen der Muschelkalk immermehr darüberbröckelt und wohl bald ganz die kleine Öffnung verschließen wird, auf die man wahrscheinlich erst beim Bau der alten Straße, wohl besser Wegs, gestoßen ist, der unmittelbar an der Höhle den Hang hochzieht.
Eingang
und Inneres der Weihnachtshöhle
Folgt man der Wilden Gera Richtung Plaue, dann kommt ein richtiges idyllisches Plätzchen. Die Straße folgt dem Talgrund, und dort, wo auf einmal ein großer Parkplatz links ist, dort sollte man seinen Wagen mal für ein paar Minuten stehenlassen. Ein markierter Weg führt zurück, entlang eines klaren Baches. Wo kommt der Bach her? Er entspringt im "Plaueschen Spring", der größten Karstquelle Thüringens, acht größeren Karstquellen und einer eigentlich zahlenmäßig nicht wirklich erfaßbaren Anzahl von Kleinkarstquellen. Ein idyllischer Ort, wirklich. "Am Fuß einer Felswand tritt eine starke Karstquelle aus einem flachen Höhlentor aus" - dieser Satz steht in dem ausgezeichneten Buch von Ulf Höhne über diesen Ort. Leider ist auch schon die "Modernisierung der Natur" weit fortgeschritten: Mit direktem Blick auf die Quelle gibt es natürlich auch gleich ein rustikales Sitzgebilde mit zwei Bänken und einem Tisch. Aus welchem Material wohl? Wir tun doch was für den Umweltschutz? Aus Holz natürlich. Gleich daneben lag die Pappschachtel aus der Pizzabude am Boden. Es war kein offizieller Abfallkorb in der Nähe, zugegeben. Der hätte da gerade noch gefehlt. Wer noch mehr über dieses Gebiet wissen möchte, der sollte das in dem Höhnebuch nachlesen, z.B., wo der Doppelerdfall der "Judengrube" liegt, der sicherlich mit dem hydrologischen System hinter dem Quelle zusammenhängt.
Die
Quelle
Bei Dienstedt, einem kleinen Ort im Ilmtal, sieht
man am Ortsausgang auf einmal ein kleines Schild, das auf die Oberfeldhöhlen
hinweist. Fährt man dann noch ein bißchen weiter Richtung
Kranichfeld, dann ist da wieder eine Tafel, groß wie ein
Straßenschild "Karsthöhle". Ein Parkplatz ist da,
wieder eine überdachte Sitzgruppe. Den Weiterweg muß man erst
ein bißchen erahnen, dann tut er sich kund als ein sehr
gepflegter Grasweg. Über Rasen von Golfplatzformat erreicht man
eine über die Ilm gebaute Holzbrücke für Fußgänger und dann
über einen weiteren Grasweg den geschotterterten Wirtschaftsweg
entlang der Ilm. Man folgt ihm nach rechts etwa 100 m und stößt
auf einen aufwendig gestalteten Radlerparkplatz, sogar mit
Schild. Eine große Tafel zeigt den Besuchern, wo sie sind. In
meinem Fall war der Plural völlig unangebracht, weil ich alleine
war. Keine Menschenseele weit und breit, bei einer solchen
Anlage! Über Betontrittsteine und mich an einem massiven
hölzernen Geländer von höchster Handwerkerqualität entlang
bewegend, kam ich vollkommen abgesichert nach oben, vielleicht
15, vielleicht auch 18 m. Ein horizontaler Querweg war erreicht.
Er verbindet alle drei bekannten Eingänge dieses für die
Öffentlichkeit mit Hilfe von ABM-Gelder endgültig
(v)erschlossenen Höhlengebiets. Wie hat es hier wohl vor der
Erschließung ausgesehen? Ich hatte jedenfalls schnell eruiert,
daß es da im Kern nur 3 massive Holztüren zu sehen gab, dicke
Schlösser vor den Toren, kunstvolle Mauern, ein Hüttchen, das
wahrscheinlich in diesem Falle weiße Bauhelme für die Besucher
barg, und ein Schild, wohin man sich wenden konnte, wenn man
"wirklich" dieses "Loch" besuchen wollte. Ich
spare mir die Angabe der Telefonnummer, damit sich ein richtiger
Speläolachmuskelmanipulator auch mal seine "Kohle"
damit verdienen kann. Natürlich gab es auch eine würdige Tafel,
wo die Ergebnisse, der wissenschaftlichen Forschungen auf
"einen Blick" leicht und unmißverständlich erfaßbar
waren. Die Menschen hatten sie längst schon entdeckt.
Feuerstellen gab es in ihr (heute undenkbar, angesichts eines
"Höhlenschutzes", der aus vollklimatisierten
Energievollverschwendungsräumen heraus gesteuert wird - voll
verboten). Feuersteinklingen, Knochengeräte, Scherben von
Linienbandkeramikern hat man gefunden - heute undenkbar.
"Leave nothing but footprints..." Vielleicht sollten
wir heute eher die Wahlprogramme unserer Kanzlerkanditaten wieder
in die "Höhlen" tragen und sie dort konservieren,
damit künftige Zeiten sehen, womit heute versucht wird, uns als
"Wähler" zu ködern. Später streiten das ja am
liebsten die Gemeinten ohnehin nur noch ab.
"Much ado about nothing" - viel Geld für Nichts? Wäre
weniger nicht mehr gewesen? Wäre es nicht hundertmal besser
gewesen, man hätte die Höhle in dem Zustand gelassen, in dem
sie eben in ihrem Zustand der Menschheitsentwicklung gerade
gewesen ist, und hätte "abgewartet". So etwas ist
offenbar heute nicht gefragt und außerdem kann man damit keine
"Kohle" verdienen oder mindestens vom Arbeitsamt was
abholen. Einige erfinden "Umsätze" (ENRON, WORLDCOM,
....., und andere wohl "Zukunft durch Höhle". Es ist
gut, sich die Welt selber mal anzusehen. Sich auch die
"Schattenseiten", vielleicht gar die
"Nachtseiten" besehen. Wer sich traut...
| Der Radlparkplatz |
Literatur:
Höhne, Ulf |
Erdfälle, Höhlen und Karstquellen im Ilm Kreis, Heimathefte des Ilm-Kreises, Landratsamt Ilm-Kreis, Umweltamt 1997 |
| Bahl, Jürgen | Die Schauhöhlen der Deutschen Demokratischen Republik, Karst und Höhle 1981, S. 5-33, München 1982 |
| Pfeiffer, Siegfried | Die Oberfeldhöhlen bei Dienstedt im Ilmtal, Der Höhlenforscher 4-1974, S. 55ff. |
| Hörchner, Andre | Die Zinselhöhle bei Meschenbach (5532/ST-4), ?? |
| Fehn?, Wolfgang | Die Rauensteiner Höhle, das Musterbeispiel einer aktiven Wasserhöhle im Muschelkalk, Mitt. über Höhlen- und Karstforschung 1/1988 |
| Kraus, Dieter | Höhlenfahrt in Deutschlands Osten, Jahresbericht der Höhlenforschungsgruppe Rhein-Main, 12,1990, S. 39-41 |
| Fohlert, Rainer | Der große Wartberg: Klingelloch und Backofenloch, Arbeitskreis Höhle, Religion und Psyche, Teilnehmermappe 2002, hrsg. von Gabi und Peter Hofmann, Mai 2002 |
| Völker, Christel und Reinhard | Die Zinselhöhle, Mitteilungen des Karstmuseums Heimkehle, Heft 17 |
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