Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Altensteiner Höhle in Thüringen


Dieser Stich hängt seit langem in meinem Wohnzimmer und hat mich immer schon fasziniert. Griechische Tempel in einer deutschen Höhle? Die Akropolis in Thüringen? Ich habe mir den Schauplatz dieser "Mischung" nun schon zweimal angeschaut und war zweimal richtig enttäuscht. Das Bild ist auch hier viel eindrucksvoller als die "Wirklichkeit". Das zweite Mal war anläßlich der Tagung von HÖREPSYKU im Mai 2002.
Ein entscheidender Grund für uns von der Arbeitsgemeinschaft, mal wieder in das grüne Thüringen zu gehen, waren diese "Dinger".

RIPPELMARKEN.

Sophie Hochrein hat sie zum Ausgangspunkt vieler faszinierender Kunstwerke gemacht, Bodenformen, die der normale Besucher der Höhle einfach nur mit Füßen tritt und sich vielleicht ärgert, daß die kein gescheites glattes Betonfundament hier haben, über das man auch in Riemchensandalen und Stöckelschuhen "sicher" in die Unterwelt eindringen kann.

Wenn es nicht von den Besuchern der Höhle
gekauft würde, dann gäbe es dieses "Zeug"
wahrscheinlich auch nicht - aber da der Kunde
angeblich "König" ist, bietet man ihm solcher
Kerzenmonster zum Preis von 4€ (2002) zum
Kaufe an. Womöglich für die Lieben zu Hause.
Ein wichtiger Bestandteil des Schauhöhlenkonzepts
inzwischen: die Höhlenkonzerte

Wesentliche Elemente der Höhle waren immer schon bekannt. In einer kleinen Felsnische im Talgrund tritt der Glücksbrunn zutage, der eine "Mahlmühle mit zwei Gängen antrieb". Nach wenigen Metern Wasserstrecke ist der Höhlengang allerdings schon zu eng. Wo das Wasser herkam, das war lange Jahre lang hindurch zwar nicht "wissenschaftlich" gewiesen, aber Bergleute hatten schon lange vorher Versuche unternommen, damals mit "Knotten, Heckerling oder andern leichten Sachen" und hatten herausgefunden, daß es eine wasserwegsame Verbindung zwischen einem Stollen im Atteröder Tal und dem Glückbrunn gab.

Dann entdeckte man beim Bau einer "Chaussee" einen schmalen Felsspalt, der sogleich wieder gefüllt wurde. Aber das nützte nichts, das Material verschwand nach unten, und außerdem kam kalter Luftzug ständig aus dem Loche. Man erweiterte den 7 m tiefen Schacht und kam in eine Höhle von 11 m Länge, 2-4 m Höhe und 1-4 m Breite. Dann war erst mal Schluß. Es war nur noch eine Öffnung da, "wodurch allenfalls ein Mensch kriechen konnte". Der starke Wind, der "davor gehaltenes Licht sogleich auslöschte" kündete aber von unbekannten Fortsetzungen. 2 Jahre "rastlose" Arbeit waren dann notwendig, um einen Gang von schlußendlich 153 1/3 Metern so hergerichtet zu haben, den man dann "mit der größten Bequemlichkeit begehen kann". Allerdings mußte man dazu wohl vollkommen den "natürlichen Charakter" der Höhle verändern, weil die Natur überall Engstellen und "große eingebrochene Felsstücke (Deckensturzblöcke)" dort verteilt hatte. Es wurde weitergebuddelt und erschlossen und 1802 wurde das Ganze dann als Schauhöhle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Man veranstaltete erste Konzerte in der Höhle und ab 1807 begann man in der Höhle auf dem Höhlenbach mit Kahnfahrten (ein Genuß, der uns heute verwehrt wird, weil der Höhlenbach verschmutzt würde und das als Trinkwasser und zur Forellenzucht heute genutzte Wasser verschmutzt würde). Aus dieser Zeit stammt wohl der bekannte Stich mit dem Tempel in der Höhle. Angeblich war der nie in der Höhle, sondern dieses Arrangement soll rein der Phantasie des Kupfersteckers entsprungen sein. 1905 begann man mit dem Einbau einer elektrischen Beleuchtung, die noch heute mit der Wahl zum Teil höchst ausgefallener Lampenkreationen (Fackelimitation und Nachttischleuchte) heraussticht.

Der Schauteil ist heute ca 270 m lang. Ein leicht auf und abwärts führender Gang verbindet mehrere Raumerweiterungen. Höhlenschmuck ist keiner vorhanden, dafür mehr auf den Menschen zurückgehende Artefakte. Von Ausstellungsvitrinen bis zu Notrufsäulen, von Plastikstühlen und Duschvorhängen im Konzertsaal bis zu zahlreichen Absperrgittern, die alle Seitengänge vor den Besuchern verriegeln. Einen funktionslos gewordenen Plastikkahn gibt es genauso wie künstliches Grünzeug über der Konzertbühne. Eine Gedenktafel für die Leistungen der zahlreichen Höhlenerschließer findet sich gleich neben einer Erholungsbank, wo bleibt da noch Raum für die "Natur"? Die kommt am stärksten mit dem Höhlenbach in Erscheinung, der an mehreren Stellen entweder in der Tiefe zu ahnen und zu hören ist und am Ende könnte man sogar die Hand hineinstrecken ins kalte Wasser.

Hier beginnt die für den "Höhlenforscher" interessanteste Strecke der Höhle, die natürlich heute auch mit einem Gitter und Schloß verriegelt ist. Dort geht es in den geologisch höchst bemerkenswerten Mittelteil, weil das Gestein dort sehr fossilienreich ist und von einer Konsistenz, die man nicht mehr als festen Fels, sondern schon mehr als lockeres Gebrösel anschauen muß. Noch weiter innen kommen noch größere Räume und richtige Tropfsteine. Um sie nicht zu zerstören, wurde bislang auf die Weiterverfolgung der Höhlenstrecken verzichtet. Wie neuere Forschungen gezeigt haben, ist es vielleicht möglich einen zweiten Zugang in die hinteren Teile zu finden, aber das ist Zukunftsmusik.

Anthropospeläologisch bemerkendwert sind heute vor allem noch die Höhlenkonzerte, die regelmäßig zu allen möglichen Gelegenheiten stattfinden, z.B. auch zur Weihnachtszeit.

Hinauf in den Landschaftspark. Dort gibt es erstaunlich viele kleine Höhlen. 1798 hatte sich der thüringische Herzog Georg I. entschlossen, sich auf einem steil erhebenden Kalkriff eine Sommerresidenz über dem Schweinagrund zu errichten. Nach den geometrischen Gartenschöpfungen des Rokoko und des Barock hieß es nun wieder "Entdecken des Naturschönen" und mehr Naturverbundenheit. Da wurde aber kräftig dazu gebaut und etwa eine "Sennhütte" errichet, ein "Fohlenhaus", eine neugotische Ritterkapelle, ein chinesisches Teehäuschen, der Bau eines chinesischen Dorfes war auch noch geplant.

Speläologisch ist die Anlage deshalb erwähnenswert, weil eine erstaunlich große Anzahl von Höhlen darin vorkommen. Wenn ich richtig gezählt habe, dann sind 11 Objekte, die bislang im Kataster aufscheinen. Bei unserer Exkursion im Mai 2002 wurden einige davon von uns besucht. Südlich der Gebäude des Haupteingangs ist eine Dianafigur im Park. Dahinter ist eine kleine Steinmauer und wenn man seitlich davon sich umschaut, dann ist da eine Tür, die zu Treppen führen, die in ein kellerartiges Gewölbe hinunterführen. Ob da etwas "Natürliches" mitverwendet wurde? In dem großen Felsen gleich neben dem Hauptschluß sind mehrere kleine Höhlen und künstliche unterirdische Objekte. Viel besucht ist die kleine Durchgangshöhle auf der Nordseite des Felsklotzes, wo ein großes Schild den Besucher darauf aufmerksam macht, daß die Begehung auf eigene Verantwortung geschehe. Das Risiko nehmen offenbar viele auf sich, da der Boden schon ganz glatt poliert ist. In den Felsen unter der Ritterkapelle sind mehrere Höhle. Eine wurde künstlich erweitert und mit einer Sitzbank am Ende für die "Krone der Schöpfung" erschlossen. Direkt am Fußweg ist auch ein kleiner Schacht, in den man leicht abklettern kann. Unten kommt eigentlich nichts. Ein paar Wurzeln, eine stufenförmig behauene Wandpartie. Einen Hügel weiter, nach einer kleinen Wanderung südwärts, kommt man zum Hohlen Stein. Auf dessen Gipfelplateau stand mal das Chinesische Häuschen, von dem aus man einen feinen Blick auf die Gegend werfen kann. Den Höhlenforscher interessiert aber mehr das große Loch am Fuße des Felsens. Ein Geheimnis birgt es aber auch nicht, weil es zwar großräumig horizontal hineinführt, aber gleich schon wieder zu Ende ist. Durch einen Spalt kann man bereits wieder den Himmel draußen sehen. Hier war mal der Ort, wo man mal eine Äolsharfe installiert hatte, die "schwermütige Klänge" von sich gegeben habe.

   
 
  Auch Baumhöhlen gibt es!

Eine bemerkenswerte Sammlung von Ansichtskarten dieser Höhle gibt es auch der ausgezeichneten Website über die "Höhle" als Motiv von Sammelobjekten von Stefan Zaenker unter http://www.hfc-hersfeld.de/hfc/astein/kmu.html.


Literatur:

Bahl, Jürgen Die Schauhöhlen der Deutschen Demokratischen Republik, Karst und Höhle 1981, S. 5-33, München 1982
Bechstein, Ludwig Unterwegs im Reisewagen, Greifenverlag zu Rudolstadt, 2. Auflage 1990
Hofmann, Peter Die Altensteiner Höhle bei Schweina / Thüringen, Teilnehmermappe, Tagung 2002, Arbeitskreis Höhle, Religion und Psyche
Berbig, S., E. Der Landschaftspark zu Altenstein, Teilnehmermappe, Tagung 2002, Arbeitskreis Höhle, Religion und Psyche

Links:

 


 


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