Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Departement Dordogne, F


Blick ins Vézèretal bei Montignac / Eingang Rouffignac


Les-Eyzies-de-Tayac und Umgebung
Vézèretal von Montignac bis La Madeleine
Neuzeitliche Höhlenwandkunst bei Les-Eyzies-de-Tayac
Grotte de Rouffignac
Entlang des Dordogneflusses und seiner Seitertäler


Das Departement Dordogne ist nach dem gleichnamigen Fluß benannt, der es durchfließt. Entstanden ist es 1790, als der größte Teil der damaligen Provinz Perigord ihm zugeschlagen wurde. Flächenmäßig ist es das drittgrößte Frankreichs. Mehr als 1000 Schlösser und Herrenhäuser gibt es hier, womit es die höchste Dichte Frankreichs an dieser Wohnform aufweist - und wohl ein Zeichen dafür ist, daß es sich gut leben läßt dort.

Es stellt eine Übergangszone zwischen dem Zentralmassiv im Osten und dem Aquitanischen Bassin im Westen dar. Die Landschaftseindrücke sind vielfältig, was auch von den unterschiedlichen Gesteinen im Untergrund kommt. Da gibt es Urgesteinsformationen aus dem Nontronnais, tertiäre Sande und unterschiedlichste Kalkarten, für die sich besonders der Höhlenforscher interessiert.

5 unterschiedliche Höhlenzonen werden unterschieden: Causse Périgourdin, Ribéracois, Périgord Central, Sarladais und Bergeracois.

Eine Liste im Internet (2012) weist 6 Höhlen mit mehr als 5 km bekannter Länge auf: Trou du Vent (10,8km), Grotte de Villars (9 km), Source de Glane (8,5km), Grotte de Miremont oder Rouffignac (7,5km), Ruisseau souterrain des Carreaux/Sarconnat (6,7km) und Doux de Coly (5km).

Der Zugang zur längsten Höhle derzeit, dem Trou du Vent bei Bouzic, ist momentan gesperrt. Angeführt wird, daß sonst die Wasserversorgung der Gemeinde gefährdet wäre. Es lohnt sich, die Stellungsnahmen dazu im Internet zu lesen! Eine führt an, daß das Wasser in Wirklichkeit sowieso ungenießbar und gesundheitsgefährdend sei und gar nicht zu diesem Zweck verwendete wird!

Weltberühmt, und das mit vollem Recht, sind einige Höhlen der Region wegen der paläolithischen Kunst, die sich an ihren Wänden findet. Vor allem ist die Grotte von Lascaux zu nennen, von der es inzwischen sogar zwei Reproduktionen verschiedener Höhlenteile gibt: eine direkt bei der Originalhöhle und eine andere bei Le Thot.

In Les-Eyzies-de-Tayac ist unterhalb der spektakulären Felsdächer heute das Musée National de Préhistoire in Betrieb und nebenbei hat noch ein weiteres Zentrum, das pole draufgesetzt.

Die prähistorischen Stätten sind massivst für den Tourismus erschlossen, so daß man tagelang von Fundstätte zu Fundstätte pilgern könnte. Dazu kommt dann noch, daß es auch in späteren Jahrhunderten intensivste Nutzungen der Felsdächer und Höhlen für Wohnzwecke gab. Auch zu ihnen kann man im halben Dutzend pilgern.

Bei dem großen Angebot stellt sich jedoch die Grundfrage, ob man wirklich alle besucht haben sollte. Die Antwort ist wie immer: Nein. Dann heißt es aber auszuwählen - je nach Geldbeutelgröße, Begeisterung, Durchhaltevermögen, Wartewilligkeit und Vollständigkeitsbesessenheit wird man wohl kaum mal die Hälfte der Örtlichkeiten "schaffen". Man muß halt wiederkommen.

Der richtige Höhlenforscher wird sich wohl bald schon abgestoßen fühlen von dem Massentourismus und sich Ziele im "Hinterland" suchen. Schon ein Blick auf die 25.000er IGN-Karten von "le bugue les eyzies" und "Rouffignac" erschließt einem wenigstens räumlich ein paar Objekte. Viele sind allerdings dort nicht eingetragen und man muß auf weitere Quellen sich beziehen.

Hat man Glück, dann kann man noch einen versteckt gelegenes Felsdach finden, unter dem man wie vor 20.000 Jahren Unterschlupf finden kann, wenn es draußen regnet und man an einem urigen Übernachtungsplatz eine Nacht bleiben will. Wenn es kalt wird, zündet man ein Feuer an und wärmt sich daran, das war sicherlich früher auch schon so. Ob wir uns dann die gleichen Gedanken machen wie die Menschen vor uns? Geben wir heute wirklich zum Beispiel andere Antworten darauf, woher wir kommen und wohin wir vielleicht gehen? Jedenfalls kann das Zurück zu den einfachsten Quellen des Daseins eine ausgezeichnete Übung sein, über das "first things first" nachzudenken, über das, was wirklich zählt im Leben.


 


Literatur:

speläologisch

Vidal, Pierre Cavernes en Périgord Tourisme - Spéléologie, 1981
Minvielle, Pierre Guide de la France souterraine, TSCHOU, 1970
ohne Verfasserangabe DORDOGNE '95, Caves & Caving Summer 1996, p 10f.
Buss, Maria und andere Exkursion an die Dordogne - Ostern 1985, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main 7, 1985, Nr. 2, 1986, S. 77-91
Guen, Le Francis Le Grand Soucy, plus profond gouffre de la Dordogne, Grottes et gouffres 93-September 1984, p. 3ff.

allgemein:

Beuthner, Andreas Trüffel, Trutzburgen und steinzeitliche Kultstätten, Süddeutsche Zeitung 7. Juli 1987, S. 33
Schmid, Marcus X. Südwestfrankreich, Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2008
Legler, Rolf Südwestfrankreich, DuMont Kunst-Reiseführer Köln 1994

 

Links:

allgemein:

Tourisme en Dordogne Périgord

Informationen für Ihre Reise nach Dordogne-Périgord: Franceguide

Périgord, Dordogne ‌  Ein kleiner Online-Reiseführer

Dordogne travel guide, France

speläologisch:

Grotte de Cussac

// Les Grottes de Maxange, grotte dordogne, grotte a concretions, Buisson de Cadouin, Dordogne, 24, Perigord, France, Concretions excentriques, Bergerac, Sarlat, Angel Caballero

G.3.S Groupe Spéléologie scientifique et Sportif - Accueil spéléo

Höhlentauchen an der Dordogne

Le Trou du Vent - Bouzic-Perigord

Places of Pilgrimage - Water - The Resurgence, Bouzic

profondeurs2 Liste der längsten und tiefsten Höhlen

cds24 - Accueil CDS24 Dordogne

http://projet-lascaux.com/en/lascaux-4


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