Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Grotta delle Vene,
Piemont, I


Wo würden wir hingehen, wenn wir es uns besonders gut gehen lassen wollten? So manchen würde es wohl in ein teures Hotel ziehen, wo ihn viele vielleicht beneiden würden, daß er dort aus und ein geht. Andere würde es vielleicht nicht mehr von ihrem eigenen Balkon weg bringen, sofern sie sich einen solchen überhaupt leisten könnten, ersatzweise würde es auch das Fensterbankerl tun.

Nun, uns, als Naturfreaks, Alfred, Peter und mich, Don Alfredo, Don Pedro und San Francesco, zog es an den Südflanke des Monte Mongione im Süden des Piemont, und wir stiegen am 29. Oktober 2002 zur altbekannten Grotta delle Vene auf. Jeder Führer über diese Gegend zählt sie auf, beschreibt sie, große Schilder auf dem Weg weisen auf sie hin, also alles andere als ein "Geheimtip", common place. Und doch können gerade solche Orte eine starke Faszination haben, einfach aus ihrer Natur heraus, nicht nur weil sie vielleicht andere noch nicht kennen.

Wenn die Örtlichkeit, das Wetter und die Leute "stimmen", dann wird daraus was, was alle einfach aus dem Bereich des "Alltags" hinauskatapultiert, auch ohne daß sie stangenweise Kokain konsumieren, alle 8000er ohne Sauerstoff erklimmen oder "Rußland erobern" (diese Bemerkung ist eine Fernwirkung meines Besuchs der "Wehrmachtsausstellung" im Münchner Stadtmuseum wenige Tage vorher) müssen. Da genügt hinterher eine "Pizza quatro stagioni" und eine Nacht im Heuhaufen, um "sich in seiner Mitte zu fühlen".

Der Weg zur Höhle zweigt im Oberen Tanarotal, das hier valle Negrone heißt, zwischen Viozene und Upega ab. Ein abgesperrter Wirtschaftsweg führt die Südhänge zu Füßen der prachtvollen Kalkfelswände hinauf. Eine Riesenhöhlenöffnung klafft, nur für die Kletterer erreichbar in ihnen.

Ein paar Steinhütten werden passiert, dann führt der Weg durch Nadelwald. Das wohl früher ein wichtiger Verbindungsweg, als es noch keine Straße unten im Tal gab und man noch mit Maultieren und zu Fuß noch durch diese felsigen Regionen bewegte. Ein weiter Kessel tut sich vor einem auf, aus zwei Stellen im Berg tretten große Quellen zu Tage, die sorgente delle Fuse und die sorgente delle Vene. Über letztere ist heute eine massive Hängebrücke gebaut worden, die nun auch bei hohem Wasserstand eine gefahrlose Überquerung des Quellzone ermöglicht. Der Weg führt weiter zum Colla di Carnino und weiter nach Carnino, das wieder mit dem Fahrzeug erreichbar wäre.

Kurz vor der Hängebrücke kommt man einer einfachen Biwakmöglichkeit vorbei. Ein riesiger Kalkfelsblock ist schräg aufgekippt und so ist unter ihm eine geschützte Fläche frei, die einer ganzen Gruppe von Leuten Unterschlupf gewähren könnte. Ein inzwischen wieder zusammengfallenes Trockenmauerwerk davor bot noch weiteren Wetterschutz.

Ein Wegweiser zur Höhle macht den Wanderer aufmerksam, daß er hier vom Hauptweg abzweigen muß, um nach rechts in die Scharte zwischen den Felsen zu steigen. Hat er den höchsten Punkt erreicht führt von da ein wohl viell benutztes Wegerl wieder bergabwärts bis zum erst im letzten Moment sichtbaren großen Eingangsportal.

Der Weg in die Höhle ist heute (2002) erleichtert durch eine Fixleiter, ein massives Holzbrett, das einen Quergang in einigen Metern Höhe erleichtern soll und einigen ziemlich angescheuerten Perlonseilen, an denen man sich vorsichtig festhält. Danach wird es gleich einfacher.

Ein spaltenförmiger Gang nimmt einen auf und führt, immer wieder abknickend, bergwärts. Ab und zu zweigen auch Gänge ab, so daß man ein bißchen herumsuchen muß, um den "richtigen" Weg zu finden. Vielel Pfeile markieren den Weg. Tatsächlich gibt es zwei Hauptstrecken, die in die inneren Teile führen. Einen leichteren und einen ein bißchen mühsameren. Schön profilierte Gänge gibt es zwischendrin. Schließlich hört man in der Ferne schon den Bach der Hauptquelle unter sich rauschen. Es gilt noch eine 10 m hohe Wandstufe zu erklimmen, dann geht es allmählich abwärts bis zum 1. Siphon. Von hier aus könnte man in den Rami di John wieder bergauswärts dem Bach folgen, eine blitzsaubere Angelegenheit, da hier das Wasser bei höherem Stand die Spalten wohl öfters füllt, oder der Weg in die Umgehung des Siphons, ein kleines Deckenloch, ein bißchen schwierig erreichbar, aus dem bei unserer Tour eine Seilchen hing, und das den Weg bis zum 2. Siphon auch Nichttauchern ermöglicht.

Wir drehten dort um und machten lieben noch ein paar Fotos.

Rhinolophus hipposideros
 
Foto Schlagbauer
Foto Schlagbauer
Foto Schlagbauer
Foto Schlagbauer
Triphosa dubitata
 

Literatur:

Associatione Gruppi Speleologici Piemontesi Marguareis per Viaggiatori, Blu Edizioni, Peveragno (Cn) 2000
Balbiano, G. Il rilievo della grotta delle Vene, Grotte 97-1988, S. 22ff.
Calandri, Gilberto La Grotta delle Vene in Alta Val Tanaro, GSI 1982, S. 3ff.
Gantzhorn, Ralf, Kürschner, Iris Traumtreks Alpen - Die schönsten Wanderungen von Hütte zu Hütte zwischen Nizza und Wien, Rother, München 2009
Lana, Enrico, AGSP BIOSPELEOLOGIA DEL PIEMONTE, Turin 2001

Links:

http://www.csari.irisnet.be/descriptif/vene_desc.htm
http://digilander.libero.it/enrlana/103cn.gif


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