Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Piemont/I


Der Monviso, der Re di petra, 3841 m hoch


> Grotta di Rio Martino
> Grotta delle Vene
> Grotta dei Gessi di Monticello
> Gola delle Fascette
> Grotta dei Dossi


"Ab und zu morgens in italienischen Kneipen hocken
Wirklichkeiten an sich vorbeiziehen lassen
und den Mädchen auf den Po blicken...
                                                                                           Konstantin Wecker, ich will noch eine ganze Menge leben


Das "Piemont", das Land am Fuß der Berge, die Nordwestecke Italiens, ist heute, glücklicherweise, noch nicht so überlaufen von Touristen wie andere Teile Italiens. Als wir, das waren Alfred Schlagbauer, Peter Forster und ich, vom 26. bis 30. Oktober 2002 mal dorthin fuhren, da begegneten wir gerade 2 Touristen, ausgerechnet zwei Deutschen aus Nürnberg, in einem Supermarkt in Ormea, sonst nur Italienern.

Im Bruckmann Reiseführer "Südliches Piemont" heißt es als Einleitung: "Unentdeckt und unbekannt, Piemont, das Land am Fuß der Berge ist die versteckte Schöne. Abseits der großen Reiserouten wird es seit vielen Jahren von all den selbst ernannten Italienkennern mehr als stiefmütterlich behandelt. Wo sind denn die Erzählungen, Gedichte oder Reiseberichte unserer bekanntesten Italo-Fans Goethe, Hesse, Dickens oder Hemingway?"
Als ich kurz vor unserer Reise an der Schule, an der ich seit vielen Jahren arbeite, die auch die Reiseverkehrskaufleute ausbildet, gerfragt habe, ob sie etwas über das "Piemont" hätten, war nur die Antwort ein aufschlußreiches "Nein", denn das Piemont stehe nicht im Lehrplan. Aus meiner Sicht: Hoffentlich bleibt es da noch lange, denn so hat man diese wunderbare Gegend vielleicht noch länger "für sich alleine", was natürlich auch nur ein Traum ist, denn es gibt ja unendlich viele Italiener, für die diese Gegend ja ihr Naherholungsgebiet ist, wo sie sich nach ihrer Arbeit bei FIAT oder sonstwo "erholen", sich an der Natur laben, oder vielleicht "Viva Italia" singen.

Im Piemont sind bislang ca. 2000 Höhlen in den Kataster aufgenommen worden. Eine gute Karte über die Verteilung der Höhlen ist in dem Buch von Enrico Lana enthalten. Die bedeutensten Höhlengebiete sind südlich von Cuneo in den großen Kalkmassiven des Marguareis und des Monte Mongione. Zur Zeit (2002) ist die größte und tiefste Höhle des Piemont der Complesso di Piaggia Bella (L 38 km, T -950 m). Es gibt 3 Schauhöhlen: Grotta dei Dossi, die Grotta di Bossea und zum zweiten Male, die Grotta del Caudano. Auch Schauhöhlen kommen und gehen, je nach dem, ob sie vom Publikum genommen wird oder nicht. Auch bei der Grotta di Rio Martino hatte man mal den Versuch gemacht, sie für Besucher erschließen, aber der war wirtschaftlich nicht erfolgreich, weshalb er wieder aufgegeben worden ist.

Bei unserer Herbsttour 2002 machten wir unsere Erfahrungen mit den örtlichen Schauhöhlen. Normalerweise hat man ohnehin nur Sonntags eine Chance, weil sowohl die Dossi als auch die Caudano da aufmachen. Als wir allerdings da vormittags eintrafen, hatten beide schon wieder zu, waren nur kleine verwaiste Parkplätze zu sehen. Die Eitrittspreise sind edel, richtig Luxusklasse langsam, jeweils 6 €. Die Grotta di Bossea verlangte gleich 7.75 €, was ein De-Luxe-Preis ist. Und für das, was wir dann wirklich gesehen haben, was das deutlich überbezahlt. Eine Führerin ging zwar mit und war längere Zeit damit beschäftigt, das kleine Grüppchen die 100 m hoch und wieder runter zu führen und alles auf italienisch zu erklären, aber so richtig rechtfertigen läßt sich der hohe Preis dann doch nicht. Es handelt sich zwar um die älteste Schauhöhle Italiens, und man sieht den drittgrößten Raum in einer italienischen Schauhöhle. Außerdem noch einen eindrucksvollen Wasserlauf, der mit einem spektakulären Wasserfall beginnt und dann als Bach durch die Höhlenräume sich ergießt und ein wissenschaftliches Höhlenlabor, aber insgesamt stimmt das Preis-Leistungsverhältnis da nicht mehr. Unsere Reaktion war auch dementsprechend. Die beiden anderen Schauhöhlen strichen wir von unserem Besuchsprogramm und suchten uns lieber "wilder Höhlen".

Eine davon ist die Grotta dell'Orso bei Ponte di Nava. Sie ist altbekannt und leicht erreichbar. Hinter einem einzeln gelegenen Haus direkt an der Straße zwischen Ormea und Ponte die Nava geht es kurz den bewaldeten Hang hoch und kommt sofort zur mit einer verfallenden Tür verschlossenen Eingang. Es geht in drei Richtungen weiter. Gleich nach links ist der geräumigste Teil, ein Tunnel, der an einem großen Siphon endet und 1991 mehrere hundert Meter weit von Tauchern erkundet worden ist. Geradeaus folgt man einem mannshohen Gang, der durch zertretene Sinterbecken führt, dann in Felskammern führt und schließlich diffus endet. Der rechte Gang ist einfach begehbar, weist im oberen Teil ein paar Sinterbildungen auf und im unteren endet er an einem kleinen Siphon. Für eine flüchtige Begehung reicht eine Taschenlampe.

 

Wir wollen wiederkommen.


Landschaft und Kultur:

 

 

Höhlen:

Eingang Grotta dei Dossi
Eingang Grotta dell' Orso
Eingang Grotta del Caudano
Eingang Grotta di Bossea
Grotta dell' Orso
Foto Schlagbauer
Foto Schlagbauer
Foto Schlagbauer
In einer Mariengrotte neben der Hauptkirche
von Ormea - ein bizarrer pilzförmiger Tropfstein
taucht hier wieder in einer vom Menschen
gestalteten Umgebung wieder auf
Ein Speleomantes strinatii, ein Höhlensalamander

Einer unserer Schlafplätze in einem Heuschober


Literatur:

Associazione Gruppi Speleologici Piemonesi Atlante delle aree carsiche piemontese, Tome 1, 2010
Associazione Gruppi Speleologici Piemonesi Atlante delle aree carsiche piemontese, Tome 2, 2010

Bahnmüller, Lisa

Südliches Piemont, Bruckmann Verlag, München 2000
Vittorio, Verole, Bozzello Le Grotte d'Italia - guida al turismo sotteraneo, Bonechi Editore, Florenz 1970
Lana, Enrico, AGSP BIOSPELEOLOGIA DEL PIEMONTE, Turin 2001
Associatione Gruppi Speleologici Piemontesi Marguareis per Viaggiatori, Blu Edizioni, Peveragno (Cn) 2000
Gobetti, Andrea L'Italia in Grotta, Roma 1991
Calandri, Gilberto, Ramella, Luigi l'arma del lupo sup. e le grotte del versante settentrionale della gola delle fascette (alzta val tanaro, cn), bollettino 22-1984, S. 29ff.
Calandri, Gilberti Il Carso del Mongioie, Speleologia 1,1979, S. 10ff.
Cigna, A., Rondina, G. Nuove Ricerche nella Grotta di Bossea (Cuneo), KA VI 1954, S. 121
Delaby, Serge, Vecoven, Geraldine Explorations CSARIENNES dans les Alpes Ligures, REGARDS, 16, 1994, p.2-8.

Links:

http://www.agsp.it/
http://www.regione.piemonte.it/
Sito ufficiale delle GROTTE di BOSSEA
http://digilander.libero.it/enrlana/e_boss1.htm
http://www.showcaves.com/english/it/showcaves/Bossea.html
http://www.eee.ihnet.it/gsvp/
http://www.fsz.bme.hu/mtsz/barlang/7konyv/margua.htm
Santuario di Santa Lucia (Villanova Mondovì)

Eine Literaturempfehlung

In der Heimat von Slow Food/t! Keine Massen, keine Lifte - das westliche Piemont ist unter Weitwanderern Kult. Zum Glück haben sich Sabine Bade und Wolfram Mikuteit in ihren 38 Touren all derer angenommen, die den wilden Teil der Alpen auf Tages- oder kürzeren Touren erleben wollen.
  PIEMONT & AOSTATAL
Becht, Sabine, 384 Seiten, 2. Auflage 2008, 19,90 €
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