Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Gola delle Fascette, Ligurien, I


Im obersten Tanarotal zwischen Viocene und Upega an der Grenze zwischen dem Piemont und Ligurien führt die Straße heute mitten durch die Gola delle Fascette, ein faszinierendes Stück Natur.

Schon vom Auto aus ist die spektakuläre Karstquelle Garb d'la Fus zu sehen. Mitten aus der Wand kommt aus einem gerundeten großen Portal viel viel Wasser und ergießt sich als Wasserfall in die Tiefe. Auf einmal tost es in der Schlucht wieder. Ein Blick hinunter zeigt, daß nämlich oberhalb oft nichts fließt, dort ist sie meist trocken. Das gilt doch nicht so ganz, denn geht man vielleicht 100 m die Schlucht hoch, dann sieht man, daß hier ein starker Bach einfach in der Erde verschwindet, an einer Stelle, die den Namen Garbo del Butau trägt.

Der Blick auf die andere Talseite fällt sofort auf eine weitere große Höhlenöffnung, die nur in leichter Kletterei erreichbar ist und die im dunklen Hintergrund Fortsetzungen zu haben scheint. Gleich neben der Straße öffnen sich kleine Portale, die nur schwierig erreichbar sind und aus denen Stahlseile herunterhängen. Kleine Täfelchen zeigen, daß man sie bereits katastermäßig erfaßt sind. Wir sind im Herzen eines herausragenden Höhlengebiets!

In der Garb d'la Fus kommt das ganze Wasser eines der bedeutensten Höhlensysteme der Welt wieder zum Vorschein. Es stammt unter anderem aus dem System von Piaggia-Bella, der längsten und tiefsten Höhle des Piemont. Deren ist Ende ist noch genau 250 m von der Labassahöhle entfernt, die wiederum die längste Höhle von Ligurien ist und vom selben Wasser erreicht wird. Die Bäche fließen unterirdisch in einer Art Kammberg weiter. Dieser ist durch die Schlucht gewissermaßen aufgeschnitten worden und dort tritt dann das Wasser wieder an die Erdoberfläche. Dieser Prozeß hat sich in vielen Phasen abgespielt und dazu geführt, daß sich verschiedene Niveaus gebildet haben. Diese alten Wasserwege sind heute über kilometerlange Höhlen wieder zugänglich. Da gibt es die Arma del Lupo inferiore und die Arma del Lupo superiore, die Grotta di Piancavallo...

Blick auf die Gola delle Fascette
vom Weg zur Grotta delle Vene
 
Höhleneingang in der Schlucht  
Garb d'la Fus
Oktober 2003 - alles trocken
Noch ein Höhleneingang mit Stahlseilzugang
Foto Schlagbauer  
Die Straße in der Schlucht
Foto Schlagbauer
 
Eine kleine Brücke auf der Sohle der
Schlucht
Foto Schlagbauer
 

Ende Oktober 2003 waren wir schon wieder dort. Davon hier ein ein paar Fotos:

Alfred auf einem drahtseilgesicherten Klettersteig aus der Schlucht
Das trockene Bachbett unterhalb des Garbo del Butau
Eine Höhle unterhalb der Straße
Ein Steig führt hinunter in die Schlucht, vorbei an Höhleneingängen
   

Literatur:

Calandri, Gilberto, Ramella, Luigi l'arma del lupo sup. e le grotte del versante settentrionale della gola delle fascette (alzta val tanaro, cn), bollettino 22-1984, S. 29ff.
Calandri, Gilberto, Grippa, Carlo, Ramella, Luigi Sulla Via del Lupo, SPELEOLOGIA 12, 1985, S. 7ff.
Sounier, Jean-Paul Bellissima Piaggia Bella, Spéléo n°7, 1991/1992, Page 6ff.
Calandri, Gilberto, Ramella, Luigi il garb d'la fus in alta val tanaro, Bollettino 1989, S. 21ff.
Calandri, Gilberto, Ramella, Luigi L'esplosione di Labassa, SPELEOLOGIA 16, 1987, S: 8ff
Calandri, Gilberto, Ramella, Luigi l'arma del lupo sup. e le grotte del versante settentrionale della gola delle fascette, bollettino 22-1984, S. 29ff.

Links:

Arma del Lupo


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