Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf Sardinien, I


"Die Insel ist ein Resonanzkörper. Grundrauschen des Meeres, an Steilküsten paukende Wellen, Wirbel trommelnder Mufflonschafe, Steinschlag in verborgenen Höhlen, Triolen von Grillen aus der Machia..."

aus: Asam, Markus, Lebensläufe, MERIAN Sardinien April 2002, S.55 Eine Portrait von Elena Ledda



Sardinien, einst ein beinah unberührt wirkendes und nur wenig bekanntes Juwel im Mittelmeer, hat sich stark gewandelt. Es ist trotzdem noch immer, mit seinen ca. 1,5 Millionen Einwohnern, das am wenigsten dicht besiedelte Gebiet Europas, in dem aber etwa doppelt so viel Schafe leben.

Die Höhlen dort haben ein Format, das man suchen muß. Von den Riesenhöhlen bis zu den kleinen Schatzkästlein, von der seit Jahrtausenden fast unbetreten gebliebenen Begräbnishöhle bis zu überlaufenen Touristenmagneten, von der total ausgeraubten und vollkommen geplündeten Tropfsteinhöhle bis zum nur selten befahrenen Riesenschacht, alles ist da auf dieser schönen Insel im Mittelmeer.

Und hat man das Glück, mit den Sarden wirklich zusammenzukommen, so wird er Menschen kennenlernen, die eine unglaubliche Gastfreundschaft und wirklich, das gibts noch, Herzlichkeit, zeigen, auch dem "Fremden" gegenüber.

Ende der 60er Jahre war ich das erste Mal auf Sardinien, zusammen mit Mitgliedern des Vereins für Höhlenkunde in München und Heinzi Schober von den Linzer Höhlenforschern. Damals haben wir noch eine Welt dort erlebt, die heute vollkommen verschwunden ist. Wir haben uns noch mitten im "Banditenland" bewegt.


1967
Im Hafen von Genua, RORO
war noch nicht erfunden:
der BMW 700 an Haken eines
Schiffskrans

1967 unterwegs auf den Schotterstraßen Sardiniens

Heute ist dieser einmalige Charme der Insel verschwunden. Der moderne Tourismus hat auch hier zugeschlagen und alles verändert. Selbst in den scheinbar entlegensten Bergtälern gibt es schon Beschränkungen und Verbote wie überall sonst auf dieser Welt. Trotzdem, in seltenen Momenten, da kommt der Zauber schon noch durch.

Wer ein bißchen dieses ursprüngliche Sardiniengefühl bekommen will, für den gibt es eine einmalige Pflichtlektüre: Gavino Leddas "Padre Padrone".

Menschen


1967 - große Gastfreundschaft

Kultur


Nuragen
Kirchen
"Grabstein" in Timias

Feenhäuser + Ferienhäuser

Natur

Der Pilzfelsen von Arzachena
Strände
Berge

Höhlen

 


Zu Fasching 2007 war ich mal wieder dort. Lange habe ich mich anderen Zielen zugewendet gehabt. Auch dort gibt es wunderbare Landschaften und Höhlen. Vielleicht liegt es an meinem Großwerden. Mit 19 war ich das erste Mal dort, durfte, wirklich durfte, noch eine Welt kennenlernen, die heute, leider, leider, verschwunden ist. Platt gemacht, wie immer mehr der Rest der Erde. Sardinien wurde "in", auch bei Höhlenforschern.

An Weihnachten 2006 lag auf dem Weihnachtsgabentisch ein ADAC-Reiseführer "Sardinien" von Michael, unserem Sohn. Er schenkte uns, seiner Familie, eine Flugreise nach Sardinien. Heute gehört ja oft mehr Gespür und Wissen zu erfolgreichen Unternehmungen als "raw power (meistens "money'") alone". Alles paßte, vor allem der Zeitrahmen. Die Details erspare ich mir hier, es lief alles, so wie es halt gerade läuft, gerade und krumm, erwartet und, natürlich, unerwartet. (Wir hatten das gemietete Auto auf einem fast leeren Parkplatz bei der Kapelle in San Giovanni di Sinis abgestellt und wollten nur die Schilfhütten am Strand anschauen. Als wir zurückkamen, da war was passiert, was sich keiner wünscht. Irgendein "Wasweißich", "Italiener", war zu schnell gefahren, hatte unser Auto gerammt, wurde von anderen Italienern gesehen, ist rückwärts gefahren, ist einfach abgedüst). Wir fuhren zu den Carabinieri in

Wenn ich mir aber anschaue, was heute los ist, dann stehen mir nur die Haare zu Berge, die ich inzwischen durch meinen Bart "ergänze". Die Fahrt nach Cagliari kostete pro Person 6 €, zurück wieder 6 €. Das war nicht sehr viel. Alleine zum Flughafen ab der Station LOHHOF zu kommen mit dem MVV (oder vielleicht MVG?), das kostete alleine schon 6 Streifen. Wer das in Verständliches übersetzen will, der sollte wahrnehmen, daß die Überquerung eines "kleinen" Stücks der, ich nenne es mal, Oberbayrischen Schotterebene, unendlich viel mehr kostet, als die Überfliegung der Alpen, des Mittelmeers, Korsikas, Sardiniens. Komisch, beim Rückweg fiel mir ein wirkliches "Pamphlet" dieser Technikvortreiber in die Hände. Schnell und sicher soll diese seltsame Einschienen(hoch)bahn sein. Wer soll das noch bezahlen können? Wahrscheinlich "wir" - wer ist das? (auch die HARTZ4-Empfänger?................). Momentan, dauerhaft, einigermaßen was? Ich komm zurück und beginne nachzudenken, habe die Passauer Feiern nicht mitbekommen. Was stimmt hier eigentlich noch?

Was war in Sardinien los? Das spiegelt sich hier in einem Spiegelbild. Wer mehr sehen will, der sollte selber hinfahren. Bei den unglaublichen Preisen....

 

Zu einem absoluten Höhepunkt unserer Reise wurde der "Sartiglia" in Oristano am Faschingssonntag. Da ist die Hauptstraße für das normale Leben gesperrt. Das Pflaster ist mit Sand aufgeschüttet. Links und rechts des schmalen Wegs sind Metallbarrieren. Dahinter drängen sich die Besucher. Eine Musikkapelle ist da, heizt das Geschehen durch seine maritalischen Klänge an, Trommeln, Trompeten. Auf einmal schießt wieder ein maskierter Reiter durch die Stadt, einen Säbel in der Hand und zielt im rasenden Galopp aufs Ziel - die winzige Öffnung eines Metallsterns, der von oben mitten in der Straße hängt. Viele der Reiter begnügen sich mit einem Schlag auf den Stern, der herunterfällt und einfach nach unten fällt, die Ehrgeizigen haben mehr vor und zielen direkt drauf, wenige schaffen es auch, bei diesem Wahnsinnstempo, das auch noch vorzulegen ist, den Stern schließlich auf ihrem Kampfgerät stolz in die Höhe halten zu können. "Un applauso.."

 

..wird fortgesetzt


Literatur:

Furredu, A., Maxia, C. Grotte della Sardegna. Editr. Sarda Fossataro, Cagliari, 1964
Maertz, U. Sardinien-Sommer 78, Der Schlaz 27-1979, S. 20ff.
Stenuit, Michel, Chateau, Nathalie Spéléo en Sardaigne, Regards n° 58, Janvier-Février 2005, p 13ff.
Vittorio, Verole, Bozzello Le Grotte d'Italia - guida al turismo sotteraneo, Bonechi Editore, Florenz 1970
Gobetti, Andrea L'Italia in Grotta, Roma 1991
Ledda, Gavino Pardre Padrone, dtv-Verlag, München 2003
Fritsch, Erhard Streifzüge durch die Unterwelt Sardiniens, Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in Oberösterreich, 1/2-1983, S. 33ff.
Leja, Ferdl Nachlese zum Bericht über die Sardinienfahrt 1969, DER SCHLAZ 3, 1970
Thein, Karl 3. Höhlenkundliche Studienfahrt des Vereins für Höhlenkunde in München e.V. nach Sardinien vom 12. - 28.9.1969, DER SCHLAZ 2 1970
Lindenmayr, Franz Notizen von einer Sardinienreise, Der Schlaz 37-1982, S. 37ff.
Willemsen, Roger Im Schatten der Agave, Süddeutsche Zeitung 24. Mai 2007, Reisebeilage, S. 1

 

Links allgemein:

http://www.sardiniapoint.it/194.html
http://www.nurighe.it/
http://www.alguer.it/info/itinerariarcheologici/grottaverde.html
http://www.sardegna-travel.de
Sardegna - SardegnaNET vi offre tutte le informazioni importanti per le vostre vacanze in Sardegna. Se cercate un appartamento,
Sardegna - Giornale - Hotel, Residence, Case Vacanze
Sardinien.com Das virtuelle Reisemagazin und Sardinien-Portal Nr. 1 in deutscher Sprache - immer aktuell
Sardinien.de:Urlaub, Haus oder Villa, Hotel auf Sardinien, Flug, Fähre nach Sardinien, Mietwagen auf Sardinien
http://www.bbitalia.it/de/bed-breakfast/sardinien-15.html
http://www.fontesarda.it/us/index.htm

Links zu hörbarer Musik aus Sardinien:

Cordas et Cannas - Sito Ufficiale - Benvenuti
Elena Ledda
Paolo Fresu

Links höhlenbezogen:

http://www.sardegnaspeleo.it/
Grotta dei Misteri
http://web.tiscali.it/gruppogrottenuorese/index.html
http://web.tiscali.it/speleoclubnuoro/
http://www.speleor.com/
http://www.geaspeleo.it/
http://www.geaspeleo.it/le_grotte.htm
http://web.tiscali.it/gruppospeleologicoss/

Sonnenaufgang auf der Fähre nach Olbia Sonnenuntergang am Strand von Alghero

 

Ferienhäuser in Sardinien

 

 

Eine Literaturempfehlung

Sardinien lädt zum Entdecken ein! Die Insel ist erheblich größer und vielschichtiger, als man beim ersten Kartenstudium vielleicht meinen könnte. Nicht Weniges ist zudem noch völlig unerforscht, wie beispielsweise die zahllosen Tropfsteinhöhlen des Eilandes. Dabei bietet gerade Sardinien viele Superlative: So findet man hier einige der schönsten Sandstrände des Mittelmeers, nicht weniger faszinierend sind die bizarren Granitbuchten der Gallura im Nordosten, aber auch die Tauchgründe und Surfspots rund um die Insel werden von Kennern seit langer Zeit geschätzt. Das Besondere entdeckt man dann erst allmählich, wie das Schwemmland des Tirso mit seinen salzigen Lagunenseen und den rosafarbenen Flamingos oder das steile, weißglänzende Dolomitmassiv des Supramonte, das als Rückzugsgebiet bedrohter Tierarten wie Geier, Adler und Mufflons bekannt ist. Dabei wurden von Eberhard Fohrer nicht nur die meist an der Küste liegenden touristischen Highlights ausführlich beschrieben, der Leser findet auch Hintergrundinfos für Ausflüge und längere Aufenthalte im Inselinneren.
 

Eberhard Fohrer, 708 Seiten + herausnehmbare Karte (1:300.000), 15. Auflage 2016, farbig, 26,90 EUR (D), 27,70 EUR (A), 39,90 CHF, ISBN 978-3-95654-224-4

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