Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf Kuba

 


Kristallstalagmit mit Che-Bild in der Fundacion Naturaleza y El Hombre in Miramar / Abendstimmung im Vinales-Tal


Matanzas / Landschaft und Höhlen in der Provinz

Cueva Bellamar und Höhlen in der Umgebung - die älteste Touristenattraktion Kuba

Pinar del Rio / Landschaft und Höhlen in der Provinz

Das Tal von Vinales und seine Höhlen / zum Weltkulturerbe erklärte Naturschönheit

Cueva Martin Infierno, Provinz Cienfuegos

Caguanes Nationalpark, Provinz Sancti Spiritus

Havanna - mit den Augen eines Touristen und Höhlenforschers gesehen

Expediction Cuba 2012 - La Salle - 3D International Team

Ein Bericht über eine Reise nach Kuba aus dem Jahre 2005 von Michael Lindenmayr


 

"Kuba ist kein Land. Kuba ist ein Lebewesen. Es ist etwas, das viel heftigere Gefühle auslöst als es ein Staat, ein Ding, ein Neutrum jemals könnte. Kuba läßt niemanden unberührt."
Jakob Strobel y Serra, Vorwort, in: Kuba - Ein Reiselesebuch
"Ich habe keinen schöneren Ort je gesehen. Die beiderseitigen Flussufer waren von blühenden, grün umrankten Bäumen eingesäumt, die ganz anders aussahen als die heimischen Bäume. Sie waren von Blumen und Früchten der verschiedensten Art behangen, zwischen denen zahllose, gar kleine Vögelein ihr süßes Gezwitscher vernehmen ließen. Es gab da eine Unmenge Palmen..."
Christoph Kolumbus, Die Entdeckung von Kuba, in: Kuba - Reiselesebuch
"Stell dir vor, Kuba ist eine Banane.."
Erik Durschnied in der Dokumentation "Finding Fidel", Dokumentationsfilm, A 2010
"Kuba ist das Paradies der Geduldigen".
Süddeutsche Zeitung 28. März 2012 Das Kreuz mit dem Kommunismus, Seite 3

Kuba ist die flächenmäßig größte Insel der Großen Antillen. In Vergleich zu Bayern ist es um die Hälfte größer (110.860 km² / 70.553 km²). 1.250 km ist sie lang, kaum mehr als 100 Kilometer breit. 140 km sind es bis in die Vereinigten Staaten.

Verglichen mit uns drängt man sich noch nicht so dicht. Während es bei uns in Bayern schon etwa12 Mio. registrierte Bewohner gibt, wurden auf Kuba erst 10,6 Mio. Einwohner gezählt.

Eine deutsche Tourismuszeitschrift beschrieb die Insel mit folgenden Worten: "Insel der Leichtigkeit - Die Kubaner lieben das süße Leben und den schwarzen Kaffee. Sie drehen die besten Zigarren und trinken hochprozentigen Rum".

Wer höchst lesenswerte Anmerkungen über den Alltag in Kuba aus der Sicht einer unabhängigen Journalistin lesen will, die sich damit sicherlich nicht bei den Herrschenden beliebt macht, der sollte in den Blog von Yoani Sánchez mal schauen. Kein anderer Blogger auf der Welt wurde mit so vielen Preisen inzwischen ausgezeichnet und das Magazin TIME ernannte sie zu einer der 100 einflußreichsten Persönlichkeiten. Man muß mal ihre Betrachtungen über so ein Luxusgeschäft im Herzen Havannas lesen. Da sind wir auch davor gestanden.

> Generacion Y    >Generation Y - Deutsche Übersetzung des Blogs Generación Y von Yoani Sánchez, Havanna (Kuba)



Ein englischer Höhlenforscher, der 1988 mal die Gelegenheit hatte, sich dort ein paar Wochen aufzuhalten, schrieb am Schluß: "The Cuban caves are world class, and the potential for further work is very good".

Das Land ist auf weite Strecken brettleben, aber an einer Reihe von Stellen erheben sich Gebirgsstöcke, meist aus verkarstungsfähigen Gesteinen, und die Verkarstung hat dort schon einen hohen Grad erreicht. Es heißt, daß 70 Prozent des Landes verkarstungsfähig ist und daß inzwischen über 11.000 Höhlen, andere Quellen sprechen gar von 30.000, erforscht sind.

7 verschiedene Karsttypen unterscheiden die Wissenschaftler inzwischen auf Kuba, wobei am berühmtesten der Kegelkarst oder die "Mogoten" in der Sierra de los Organos (Pinar del Rio) und der Küstenkarst in der Ostprovinz sind.

Vier Bergmassive gibt es auf der Insel: Die Sierra de los Organos und del Rosario, das Gebiet mit den "Mogoten", im Westen, in der Nähe der Inselmitte die "Sierra del Escambray", die "Sierra Cristal" im Osten und im Süden die Sierra Maestra. Sie ist bedeckt von tropischer Vegetation und reicht bis in 2.000 m Seehöhe mit dem höchsten Gipfel der Insel, dem Pic Turquino. Ihr Fuß liegt direkt am Meer und reicht hinunter bis in eine Tiefe von - 6.000 m. In diesem Gebiet hatte Fidel Castro sein Hauptquartier und von dort aus eroberte er und seine Getreuen 1958 die ganze Insel.

Als längste Höhle Kubas (2005) gilt derzeit die "Gran Caverna de Palmarito" mit ihren 54 km vermessener Gesamtganglänge. Die "cueva Cubamagyar" mit ihren 396 m Tiefe ist noch immer die tiefste Höhle. Der Tropfstein in der "Martin-Infierno-Höhle" in den Bergen der Escambray mit seinen 64 m galt lange Zeit als der höchste Stalagmit der Welt.

Die typische kubanische Höhle ist, so das Speleologia Italo-Cubana Faq, großräumig, horizontal und stark versintert.

Auf Kuba gibt es ganz starke anthropospeläologische Bezüge. In zahlreichen Höhlen findet man Höhlenmalereien, die kein steinzeitliches Alter haben, aber wertvollste Spuren früherer Generationen sind. Immer schon haben die Höhlen Rückzugsräume für Verfolgte dargestellt, auf Kuba, wie überall sonst auch auf unserer Welt.
Und verfolgt waren die Menschen auf Kuba des öfteren schon in ihrer Geschichte. Zum Beispiel als sie "erobert" wurden durch die Menschen aus Europa, zum Beispiel als es um die "Befreiung" der Insel nach dem Zweiten Weltkrieg ging. Und als Fidel Castro und seine Gefolgschaft das dann tatsächlich 1958 zu Wege brachten. Als Unterschlüpfe dienten Höhlen in der Sierra Maestra. Schon viele Höhlen waren damals bekannt gewesen - schließlich wurde der erste Höhlenverein auf Kuba schon 1940 von einem 17jährigen gegründet, Antonio Nùnez Jimenez, der es danach noch weit gebracht hat, "un savant et un écrivan de renommée internationale" (ein Weiser und ein Schriftsteller mit international gutem Ruf).

Viele internationale Höhlenexpeditionen hat es schon nach Kuba gegeben. Auch von München aus sollte einmal eine starten. Es war 1975 gewesen und Poldi Wiener wollte schon ein ganzes Flugzeug chartern für die Forscher. Sein unvermittelter Tod bei einem Tauchunglück im Scheukofen setzte diesem Vorhaben ein plötzliches Ende.

Für 2012 hatte LaSalle, das International Team Photo 3D, eine neue Höhlenexpedition ins Majagua Cantera-System organisiert. Vom 1. Februar bis 19. März 2012 sollten 4 Gruppen von Höhlenforschern aus Europa, Südamerika und Kuba dort forschen, vermessen und dokumentieren. Daraus wird jetzt leider nichts, da die erforderliche staatliche Genehmigungen nicht erteilt wurde. Schnell wurde ein Plan B aus der Tasche geholt und das Proyecto Bellamar 2012 - La Salle - International Team Photo 3D aus der Taufe gehoben.

Ich war bei der 3. Gruppe und teilweise auch schon mit der zweiten dabei und  ganz schön gespannt, was wir alles erleben würden.

Es hat geklappt, alles, mehr oder weniger. Oft besser, manchmal halt auch "below par". Aber so ist es halt immer: the ups and downs of life. Mich hat es am Ende besonders getroffen. Irgendein Taschendieb hat mir auf dem Weg in die Altstadt von Havanna im öffentlichen Bus wohl  in die Hosentasche gegriffen und meinen Geldbeutel samt allem Inhalt aus selbiger entfernt. Das ist schon ein ganz besonderes Gefühl. So ganz ohne etwas da zu stehen. Keinen Peso mehr in der Tasche zu haben, keinen Personalausweis, keinen Führerschein, keinen Bankkarte, auch kein "scientific visa" mehr (besonders wichtig!), und und und. "To start from scratch" - so sagen die Engländer. Glücklicherweise gab es Höhlenfreunde. Hektor vor allem. Er spricht Spanisch. Er, mit seiner Engelsgeduld, schaffte den Kontakt zur Polizei. Ich konnte nur sagen: "no hablo espagnol". Gegen 6 Uhr abends begannen wir unsere "Polizeitour", um 3 Uhr früh landeten wir dann wieder im Haus des Kubanischen Höhlenforscherverbandes in einem Vorort von Havanna. Noch ein paar "moves" waren nötig, besonders von Esteban, unserem Hauptbetreuer auf kubanischer Seite, dann war der Weg wieder frei, zurück in die "Freiheit" für mich. Auf dem Flughafen hatte auch ich noch, wie alle anderen, noch die 25 CUC (ungefähr 25 EUROs) zu bezahlen, um überhaupt noch das Land der "revolution" verlassen zu können (obwohl ich sie ja eigentlich ja gar nicht mehr hatte, weil sie mir ja gestohlen worden waren - was für ein Glück, daß wir "Sibylle" dabei hatten, die Schweizer "Höhlenfee" mit allen Qualitäten, die ihr Land auszeichnen). Und die italienischen Höhlenforscherfreunde aus Catania und Bologna machten es mir möglich, überhaupt den Flughafen noch erreichen zu können, in dem sie das Taxi bezahlt und mir ein kleines Abendessen spendiert haben. Mehr wie Danke konnte ich in diesen Momenten nicht sagen, denn mehr hatte ich nicht mehr. Das ist eine sehr gute Schule der Bescheidenheit.

Ein ausführlicherer Bericht über das Projecto Bellamar 2012 findet sich unter folgendem Link: diverses\bellamar2012\bellamar2012.htm


Kleine Höhlenübersicht über Kuba:

Höhlenname Ort Provinz Besonderheiten Quelle
Caverna de Panaderos Gibara Holguin Komplexes Höhlensystem, mit Führer und Taschenlampe zugänglich LP
Farallones de Seboruco Sierra del Cristal Holguin "ghostly caves", die Höhlenmalereien aufweisen LP
Cueva de Sao Corona Cueto Holguin Centro Provincial de Patrimonio Cultural- Cueva de Sao Corona
Cueva de Sao Corona - EcuRed
 
Cueva de Punta del Este südöstlich von Nueva Gerona Isla de la Juventud "Sixtinische Kapelle der indianischen Kunst der Karibik", um 800 n. Chr. wurden vermutlich die 235 Darstellungen an den Höhlenwänden angebracht, 1910 wiederentdeckt LP
cueva del Gato Jibaro Matanzas Matanzas 11 km Länge  
Cueva de Ambrosio Varadero Matanzas Schauhöhle, enthält 47 alte Felszeichnungen, Zufluchtsort entlaufener Sklaven LP
Cueva Saturno Matanzas Matanzas Schauhöhle mit Schnorchelverleih LP
Cuevas de Bellamar Matanzas Matanzas Schauhöhle, älteste Touristenattraktion Kubas, angeblich1861 von einem chinesischen Arbeiter entdeckt, Zugang durch ein kleines Museum
Museo Espeleológico de Cuba - EcuRed
LP
Cuevas de Santa Catalina Matanzas Matanzas 12 km lang, Schauhöhle, Höhlenmalereien, pilzförmige Stalagmiten
 
LP
Cueva de los Peces Bahia de Cochinos, fast genau in der Mitte zwischen Playa Larga und Playa Giron Matanzas Cenote, etwa 70 m tief, Schnorchel, Tauchausrüstung und Lampen sind empfehlenswert LP
sistema cavernario de los Perdidos Rancho Mundito, Sierra del Rosario Pinar del Rio 26 km lang CO
Gran Caverna de Sant Tomás westlich von Vinales Pinar del Rio Schauhöhle, keine künstliche Beleuchtung, Museum beim Besucherzentrum LP
Cueva del Indio Vinales Pinar del Rio Schauhöhle, früher Wohnplatz der Ureinwohner, 1920 wiederentdeckt, mit Bootsfahrt LP
Cueva de los Portales bei San Diego de los Banos Pinar del Rio Schauhöhle, während der Kubakrise Hauptquartier von Che Guevara, kleines Museum in der Nähe, drei weitere Höhlen in der Umgebung: Es Espejo, El Salvador, Cueva Oscura LP
Cueva de San Miguel Vinales Pinar del Rio Schauhöhle, führt nach kurzem Weg in das El Palenque de los Cimarrones-Restaurant LP
sistema cavernario Majaguas-Cantera sierra de San Carlos Pinar del Rio 23,5 km Länge CO
cueva Fuentes sierra Mesa Pinar del Rio 12 km Länge CO
Cueva Martin Infierno östlich von Trinidad, nördlich von Caleta de Munoz Santi Spiritus im Valle de Yaganabo, enthält möglicherweise den höchsten Stalagmiten der Erde LP
cueva Cubamagyar   Santi Spiritus - 396 m CO
cueva la Maravillosa Im Garten des Motels las Cuevas in einem Hügel oberhalb von Trinidad Santi Spiritus Erreichbar über eine Stiege im Hotelgarten, ein großer Baum wächst aus dem Höhleneingang
Hotel Las Cuevas **, Trinidad, Sancti Spíritus, Kuba - cuba hotel bookings .com
Hotel Las Cuevas - Hotels auf Cuba bei Cubaworld.de
LP
Humboldt und Chivos caves im Parque Nacional Caguanes Santi Spiritus Liegen auf einem Ausflugprogramm, genannt Las Maravillas que Atesora Caguanes, der den Besuch dieser Höhlen und eine Bootsfahrt durch die Cayos de Piedra umfaßt LP

Historische Fotos mit Höhlenbezug, abfotographiert aus verschiedenen alten Höhlenbüchern:


Polnische Höhlenbriefmarke, an eine Höhlenexpedition nach Kuba erinnernd

 


Literatur allgemein:

Sainsburg, Brendan, Waterson, Luke lonely planet CUBA, 2011
Hauser, Tobias, Köthe, Friedrich, Schetar, Daniela CUBA, Bruckmann-Verlag, München 2001
Eser, Arno Frank Gebrauchsanweisung für Kuba, Piper-Verlag, München-Zürich 2000
Baker, Christopher DER  NATIONAL GEOGRAPHIC TRAVELLER CUBA; Washington 2003

Literatur speläologisch:

  Le coin des grands, Spelunca 97 - 2005, S. 15
Courbon, Paul, Chabert, Claude Atlas des grandes cavités mondiales, 1986
Courbon, Paul, Chabert, Claude Atlas des cavités non calcaires du monde, 1997
Editora Militar Cuevas y carsos, La Habana 1984
González, Guillermo Ancient Cave Paintings of Cuba, in: Underground Post, 1 (H.3) Dez. 1990, p. 11-13
Gradzinski, Ryszard Jaskiniach w. Kuby, Warsaw, 1967
les membres de l'expedition Expédition Cuba-Suiza 1995, Stalactite 45, 1, 1995, S. 44ff.
Maio, M. Di La felice speleologia cubana, Grotte 99-1989, S. 30ff.
Moure, Ramón Dacal, Rivero de la Calle Manue Art und Archaeology of Pre-Columbian Cuba, University of Pittsburgh Press, 1996
Núnez, Jimenez A. Cuevas y carsos. Ed. Cientififico-Tecnica, Ciudad de La Habana 1984
Núnez, Jimenez A. Explorando las cavernas de Cuba, in: Revista Sociadad geogra. de Cuba, Habana Oct/Dec 1943, p. 23-51
Panos, Vladimir A Contribution to Geomorphol of the Canas-Anticline (Province of Matanzas, Cuba), Acta Universitatis Palackianae Olomi Facultaas Rerum Naturalium - Tom  38 / 1971, S. 125 ff.
Russo, Natanlino Diario di un viaggio ai Caraibi, Speleologia 38-1998, S. 94ff.
Slagmolen, Christiane und André Cuba - dessins rupestres et karst tropical, REGARDS 3-1988, S. 3ff.
Vina, Nicasio Cuevas de Cuba, Santiago de Cuba, Editorial Oriente, 1980
ohne Verfasserangabe Cave, Karst & other Speleological Spamps from Cuba, Speleo Stamp Collector September 1983

Links allgemein:

Links speläologisch:

YouTube-Filme:

Musik:

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Fidel Castro im Deutschen Fernsehen im Januar 2012

 


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