Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

 Das Santo-Tomas-Höhlensystem / Pinar del Rio / Kuba


Die Gran Caverna de Santo Tomas gilt noch als längste Höhle Kubas, zumindest im Jahre 2012. Es gibt an einigen Stellen der Zuckerinsel Höhlenobjekte, von denen man annimmt, daß sie noch viel länger und gewaltiger sind, aber sie müssen erst noch wirklich erkundet und vermessen werden.

Im Februar 2011 hatte ich einmal die Gelegenheit, dorthin zu kommen. Ein Tag stand uns gerade noch zur Verfügung. 4 Teilnehmer aus der zweiten und dritten Gruppe der Bellamar-Expedition 2012 taten sich zusammen - und schon war ein Taxi mit Fahrer für einen Tag gemietet, einen Führer hatten wir in der Gestalt von Hektor auch, so ging es los.

Über Vinales hinaus fuhren wir in Richtung El Monaca, einem kleinen Dorf östlich der Sierra de Quemado. Der Mogote, in dem sich die Höhle öffnet, nicht weit von den Schulgebäuden der "Escuela Nacional de Espelogia "Antonio Nunez Jimenez"" ist nicht besonders auffallend. In der Umgebung sind andere, die noch höher in den Himmel ragen. Aber daß es da Höhlen gibt, das läßt sich schon von außen schnell wahrnehmen. In den Felsen und durch das Gestrüpp, das die Hänge überzieht, sind etliche schwarze Öffnungen zu sehen.

Laut einigen Veröffentlichungen, auch im Internet, gibt es sie noch, die Schauhöhle. Angefangen hat der Schauhöhlenbetrieb im Jahr 1994 und erschloß die Cueva de las Avispar, die sog. Bienenschwarmhöle. Im Lonely Planet Führer über Kuba von 2011 taucht sie schon gar nicht mehr auf. Ihr Ausgangspunkt soll bei der Schule sein, aber große Hinweise darauf habe ich nirgends gesehen. 1.500 Besucher im Jahr soll es im Jahr geben, laut einer Veröffentlichung im Jahre 2005. Nicht viel und zum Überleben wohl nicht genug. Ein Teil der Einnahmen sollten dem Betrieb der "Höhlenschule" zugewiesen werden, aber die letzte Verfügung der Behörden war so, daß dies in Zukunft unterblieben solle. Seit einem Jahre liege der Behörde der Antrag auf die Eröffnung eines weiteren Teils des Höhlensystems vor, die als zweite Schauhöhle betrieben werden solle, um Einnahmen für die weitere Erhaltung der Schule zu erzielen. Seit einem Jahre gäbe es keine Reaktion.

Die Höhle ist groß, gewaltig. "Gran Caverna de Santo Tomas is..among the most remarkable and well-known example of karst caves in the Caribbean". Längenangaben sind sehr flexibel, 46 km werden meist genannt. Nachweisen läßt sich davon wohl nur noch wenig, seitdem die gesamten Vermessungsunterlagen bei der Überflutung des ehemaligen Aufenthaltsortes der Daten, einem Gebäude, das in den Fluten eines Hochwassers vor wenigen Jahren sehr beschädigt worden ist, untergegangen sind. Nun steht im Grunde eine Neuvermessung des gesamten Systems an. Gut bekannt sind die Höhendaten. 125 Meter über dem Meeresspiegel liegt der unterste Horizont der Höhle, auf dem der Santo-Tomas-Bach verläuft. 65 m darüber, auf 190 m, verlaufen die höchsten Gänge. 7 Niveaus sind dazwischen, die frühere stabile Zustände wiedergeben.

Die Höhle war den Menschen immer schon bekannt, was zahlreiche Zeugnisse von ihnen in der Höhle zeigen. In der Cueva Icongnita wurde ein menschliches Skelett entdeckt, das ein Alter von ungefähr 3.500 Jahre aufweist. In der Cueva de Mesa sieht man bedeutende Ritzzeichnungen an den Wänden. Die Räume der Höhle wurden auch von den Cimarrones genutzt, den geflohenen Sklaven, die irgendwo Unterschlupf suchten. Die Bauern der Umgebung kannten natürlich auch die Höhlen, mindestens die Eingänge, wo sie auch in Trockenzeiten noch trinkbares Wasser fanden. In den Höhlengängen gab es Guano, die Fledermausscheiße, die sie gut als Dünger für ihre Felder benutzen konnten. Wenn es draußen Hurrikane gab, dann waren die Höhlen echt sturmfeste Plätze, wo man diesen urgewaltigen Kräften nicht so ausgesetzt war. Und einige Höhlengänge waren gute Zugangswege zur den Hoyos, fruchtbaren Flächen im Karst, praktisch unzugänglich von außen, allseitig umgeben von steilen Felswänden.
In der großräumigen Cueva del Salon hielt man Fest und Tanzveranstaltungen ab, auch wegen ihres leichten Zugangs aus dem Valle de Quemado.

1954 begannen die sytematischen höhlenkundlichen Forschungen, vorangebracht vor allem durch Antonio Nunez Jimenz. 1959 fand dort ein historisches Ereignis statt. Fidel Castro war mit dabei, als sich die erste bäuerliche Miliz gegen das damals herrschende Regime dort bildete, eine Keimzelle der Kubanischen Revolution. Ein klassisch gewordenes Bild zeigt Fidel mit Gewehr zwischen Tropfsteinen!

1989 wurde die Höhle zum Nationaldenkmal erklärt, 2003 fand die letzte große Expedition in die Höhle statt, dasGemeinschaftsprojekt "Santo Tomas 2003" von kubanischen und italienischen Höhlenforschern.

Wer heute dorthin fährt, der könnte dort auch wohnen und essen. Die Einrichtungen dafür sind alle da. Es gibt Räume für Unterricht, ein Labor, ein Museum, einen Schlaftrakt mit vielen Doppelstockbetten, Speiseräume. Eine Küche kann Speisen zubereiten, junge Leute sind da, Höhlenforscher, die könnten Führungen in die Höhlen machen. Viele Möglichkeiten. Aber die ganze Anlage wird wohl nur wenig genutzt.

 

 
 

Literatur:

Núnez, Jimenez A. Cuevas y carsos. Ed. Cientififico-Tecnica, Ciudad de La Habana 1984
Russo, Natanlino Diario di un viaggio ai Caraibi, Speleologia 38-1998, S. 94ff.
ohne Verfasserangabe CUBA CONTACT '88, Caves & Caving 45 - 1989, S. 13ff
Slagmolen, Christiane und André Cuba - dessins rupestres et karst tropical, REGARDS 3-1988, S. 3ff.
Núnez, Jimenez A. La caverna mas grands de Cuba, La caverna mas profunda de Cuba, Akten des 5. Internationalen Kongresses für Speläologie in Stuttgart, 1969/3 D 26/1

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