Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Höhlenkundliche Islandreise 2012


"Der Verstand und die Logik haben in dieser sonderbaren Natur nichts mehr zu melden. Nur die Poesie vermag es, die Schönheit und die Anmut einzelner Momente so abzubilden, dass einem das Herz aufgeht. Und das ist es, was passiert, wenn man durch diese merkwürdige Landschaft reist." (Walter, Andrea, Wo Elfen noch helfen, S.99)


Landschaft und Höhlen auf Island
Kjalhraun
Leitahraun


Die Österreichisch-Isländische Gesellschaft in Wien hatte eine höhlenkundliche Reise nach Island in der Zeit vom 7.- 21. August 2012 geplant, geführt von Björn Hroarsson.  Ich war angemeldet.

Alles, bis auf Kleinigkeiten, hat bestens geklappt! Vielen vielen Dank vor allem an Johann und Björn!

Die Teilnehmer kamen natürlich vorwiegend aus Österreich, aus dem Raum Wien und aus Tirol stammten die stärksten Kontingente. Dann war noch Kärnten und Oberösterreich vertreten. Aus Deutschland stammten die meisten aus dem Nürnberg-Erlanger Raum. Aber auch aus dem Raum München und dem Chiemgau stammten Einzelexemplare. Insgesamt war das schon ein besonders bunter Haufen, auch altersmäßig. Gerade neun Monate war unser Jüngster, Niklas, das absolute Nesthäkchen, einfach nur gute Laune verbreitend und von ausgezeichneten Eltern liebevollst umsorgt. Nach oben hin gab es natürlich auch allerhand Grauhaarige schon, die haben schließlich ausreichend Zeit und noch genügend Geldmittel, um sich so eine Reise leisten zu können.

Der Vorlauf zur Reise erfolgte über den Münchner Flughafen. Dort staute sich alles am Abfertigungsschalter, weil der hoffnungslos unterbesetzt war. Mehr als Anstehen in der ewig langen Schlange konnte man nicht - und hoffen, daß man noch vor Abflug des Flugzeugs die notwendigen Dinge erledigt haben würde. Wir kannten uns ja untereinander überhaupt nicht, aber langsam wurde klarer, wer möglicherweise zu unserer Reisegruppe gehören würde. Da war eine Fledermaus auf einem Kleidungsstück zu sehen, der Aufdruck "Höhlenrettung" identifizierte noch eine andere noch unbekannte Person als künftigen Mitfahrer. Erst nach dem Flughafen in Reykjavik wurde klar, war wirklich dazu gehörte zur Gruppe. Unsere Riesentaschen und Koffer und Säcke wurden erstmals alle in einen kleinen Kompartment im unteren hinteren Teil des Busses verstaut. Am Ende war alles drinnen und diese neue Gesamtheit bewegte sich erstmals in Richtung unserer ersten Unterkunft in Hafnarfjördur, dem Ort mit dem "unterirdischen Volk" (Sogar eigene Führungen für Interessierte gibt es dort dafür). Erst hinterher las ich im Reiseführer über den Ort und seinen wundersamen Untergrund. Wer sich für Anthropospeläologie interessiert, der ist für solche Sachen aufgeschlossen, wer sich nur durch die geologischen "Tatsachen" pur ansprechen läßt, den läßt so etwas einfach kalt, und damit unbeachtet. So unterschiedlich sind unsere Weltsichten. Ich kann ja mal wieder hinfliegen.

Am nächsten Tag war das Wetter nicht so gut, machten wir uns als neue temporäre Schicksalsgemeinschaft auf, Islands Ober- und Unterwelt bequemst vom perfekt gesteuerten Bus aus erleben zu dürfen.


Ein paar allgemeinere Worte noch zur Tour:

Der Typ des Nörglers war auch dabei, hatte typischerweise das Tourenprogramm mehrmals am Tage in der Hand und verglich dauernd das Geplante mit dem tatsächlich gerade Passierenden. Oder bemängelte das Wetter. "Bei meiner Fahrt vor x Jahren, da .... Jetzt regnet es dauernd und es ist Nebel!" Besonders genau nahmen es einige Leute mit der Zeitplanung! "Als ich am Flughafen ankam, da war der Björn noch nicht da..." Und da gab es auch noch die Verbesserer und die Fordernden! "Spätestens nach 2 Tagen wollen wir eine "Dusche". Sonst .....!" Eine warme wahrscheinlich, aber auch nicht zu heiß! Sonst hätte sich die resolute Dame ja auch in die heiße Wasserbrühe legen können, auf die wir mal unterwegs in einer Höhle gestoßen waren.

Ein Spezialproblem war die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Gemeinsam kochen? Für 27 Leute, die sich untereinander überhaupt nicht kannten und, wie sich zeigte, vollkommen unterschiedlich waren. Die salomonische Lösung war, daß jeder für sich verantwortlich war, bzw., daß sich Gruppen, Paare und Selbstversorger herausfilterten. Eine besondere Richtung bekam dieses Thema, als klar gestellt wurde, daß zu den besonderen Bedingungen unserer Beförderung gehörte, Björn, unseren Fahrer und Reiseleiter mitzuversorgen (als Nebensatz sei korrekterweise auch noch vermerkt, gehörte dazu auch noch Mara, die Praktikantin aus Estland dazu, die wir auch noch als Mitfahrerin akzeptiert hatten, mehr oder weniger aus der Sicht einiger Reiseteilnehmer). Es bildeten sich, mit nachhaltigem Einsatz eines unserer Tiroler Mitfahrer, klar abgegrenzte Gruppen, die jeweils für einen Tag diese Aufgabe dann prima erledigten.

Schwierig ist oft das Thema Unterbringung. Das Dach über dem Kopf verbinden wir normalerweise damit, aber das ist nicht immer auch darstellbar. Ist es da, dann soll es zumindest dicht und bezahlbar sein. Und die Schlafstelle soll zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zur Verfügung stellen. Aus der Ferne mag das eine gut lösbare Sache sein, tatsächlich stellt sich dann halt im harten Tagesgeschehen als solches nicht heraus. Was tun, wenn auf einmal ein Gruppe von Pferdereitern sich in und bei der kleinen Holzhütte aufhält und sich als die Nutzungsberechtigten für diese Nacht ansehen. Ihre Pferde stehen im Dutzend im Pferch gleich daneben und ihre Geländewagen mit Anhänger gleich daneben. Da gilt es dann plötzlich mit dem Vermieter das Datum der Anmeldung zu checken und festzustellen, daß man die "älteren Rechte" hat und die anderen sich eine neue Bleibe zu suchen haben. Für 2 Wochen am Stück jeweils am angemessenen Ort eine passende Bleibe für 29 Personen zu haben, das ist oft keine Frage des "Marktes" gewesen. Da hätte man 10.000 Euros in die Runde werfen können, es hätte nichts genutzt, weil einfach nur da war, was da war und kein Brett mehr. Man muß schon ein ausgezeichneter Kenner wie Björn der Gegebenheiten vor Ort sein, um auch in den entlegendsten Lavafeldern, in denen dann sie großen Höhlen wohl verborgen liegen, noch eine Holzhütte aufzutreiben, wo wenigstens mehr als die Hälfte der Teilnehmer an der Tour inhouse schlafen konnten. Der Rest verteilte sich dann auf die maximal 6 Zelte, die aufgestellt werden konnten. Auch der Bus diente gelegentlich als Schlafstätte, unter dem Tisch in der Küche war auch manchmal Platz für eine Nacht, und ich ruhte gleich unter dem freien Himmelszelt zweimal - ich liebe so etwas, wenn es möglich ist. Wenn es reinregnet in den Schlafsack, dann ist es besser, wieder in die Zivilisation zurückzukehren.

"Das ist keine ordentliche Höhle." Ich war baff, als ich diesen Satz aus dem Mund einer Tourteilnehmerin hörte, und das zeigte mit einem einzigen Satz, wie unterschiedlich die Gruppe der Tourteilnehmer besetzt war. Da gab es die heißen Höhlentiger genauso, die sich ohne Bedenken sofort in ihre SRT-Ausrüstung kleideten und einen 50-m-Schacht runterfuhren und in kürzester Zeit auch wieder rauframpften. Und da gab es halt auch die Leute, bei denen man sich fragen konnte, warum sie eigentlich mitgefahren waren. Vielleicht hätten die besser zuhause ihre Gartenzwerge auf Vollständigkeit prüfen oder ihnen einen jahreszeitgemäßen Neuanstrich verpassen sollen.


Auf dem Flughafen in Keflavik

Gleich nach der Landung auf dem Flughafen in Keflavik ging es zur Blauen Lagune, einem der größten Touristenmagneten Islands. Das drückt sich auch im Preis aus. Der Normaleintritt kostet schon 35 Euros!


Die Blaue Lagune
Abends in Hafnafjördur

Unser erstes Quartier im Hafnarfjördur-Gästehaus

Der zweite Abend im Laugarvatnhostel

Der dritte Abend: Miklafellhütte


Der "overhead" der Reise:                Björn mit seinem großen Oeuvre über die Höhlen Islands

  Blick aus dem Busfenster mit "chairman" Johann in der Mitte

Eine Gruppenaufnahme 

Unser jüngster Teilnehmer, Niklas, im Tragesack mit Mama
 
  Breidarlon

Das Hali-Gästehaus

Abends zur Krönung des guten Essens: ein VATNAJÖKULL-Bier

Beim Skjöldólfsstadir-Gästehaus
Endlich auch ein "hot pot"

Unterwegs in der Odádahraun
Thorsteinhütte
Gästehaus Hlid in Reykjahlid
Theistarreykir
Hveravellir mit seinem hot pot
Auf dem Hvitarvatnsee
In Reykjavik
 Im Hotel am Flughafen - das letzte Einchecken

 

 


Ein Nachspiel:

Am Freitag, den 10. November 2011 traf sich die halbe Mann-, Frauschaft der Islandreisegruppe in Strass i.Z. zu einer Lichtbildschau. Das Hauptthema: Unsere Islandreise. Aus mehr aus 1.000 Bildern hatte der Tiroler Arm der Reisegruppe 370 herausgefiltert. Und die bekamen wir dann in einer 2stündigen Schau von Renate Topitsch charmant und gekonnt präsentiert. Sie hatte sich bestens vorbereitet und viele Ortsnamen auf ihrem Stichwortzettel, die auszusprechen ja zugegebenermaßen nur einem Isländer leicht fällt. Den Ruf nach einer Pause gab es zwar, aber der wurde zeittypischerweise abgeschmettert und Renate hielt tapfer durch. Es war gut, daß die Schau auch einmal zu Ende war, die Stimme der Vortragenden war es danach und sie brachte keinen Pieps mehr heraus.

Björn von EXTREME ICELAND hat der Österreichisch-Isländischen Gesellschaft als "Gegengabe" für unsere Leistungen auf der Reise unterwegs, Straßenbau zum Beispiel, sein komplettes Höhlenwerk geschickt. Es steht nun als Dauerleihgabe in der Bücherei des Tiroler Höhlenvereins. Vielen Dank.


Links:
Organisator/en:

Österreichisch-Isländische Gesellschaft - Adresse, Telefonnummer, Anschrift, Telefaxnummer und Kontaktinformationen - Island
ExtremeIcelandIsland Touren | Island Reisen | Island Trip | Island Tour-Organisator | Island Urlaub

Unterkünfte/accommodation:
Laugarvath Hostel | A Hostel at Natures Doorstep
Myvatn Nature Baths - Home
THEISTAREYKIR

Sonstiges:

Home | Álfar / Hidden World Walks
HIKING ROUTES TRAILS IN ICELAND

Literatur:

Tobitsch, Renate, Höhlenforscherreise nach Island 07.-21.08.2012, in: Höhlenkundliche Mitteilungen Landesverein für Höhlenkunde in Tirol, Jahrgang 51, 2012, S. 62ff.


 


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