Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen auf Island


Illustration aus "Reise zum Mittelpunkt der Erde"


"..es ist das isländisch' Wunschland,
das im Herzen dir immerfort lebt, -
die blumenbewachsenen Felsen,
der Gletscher, der sanft sich erhebt,
du Tochter des Feuers und Eismeers,
der Bäche und Geysire Kind,
du Sohn des Hochlands, der Heiden,
des Bootes, das schaukelt im Wind. " 
  Stefan G. Stephansson "Aus einer Rede am Festtag der Isländer (aus Isländische Lyrik)
"Die große unterirdische Bewegung hat sich vor allem auf das Innere der Insel konzentriert; dort finden sich die horizontal übereinanderliegenden Felsschichten, die trachytischen Schichten aus Basalt, Tuff und allen vulkanischen Konglomeraten. Die Ströme aus Lava und geschmolzenem Porphyr haben das Land geradezu in eine Stätte des Grauens verwandelt. Ich ahnte damals noch nichts von dem Anblick, der uns auf der Halbinsel des Sneffels erwartete, wo diese Verheerungen einer wild gewordenen Natur ein furchtbares Chaos geschaffen haben.
Jules Verne, Reise zum Mittelpunkt der Erde

"Und überhaupt, seit wann lassen sich Isländer durch Zäune von irgendwas abhalten."
Rúnar Helgi Vignission, Erotik in der Mittsommernacht, (aus: Die schönsten Erzählungen)
"..Island ist der mondähnlichste Ort auf der ganzen Welt."..".weshalb sollten wir hier wohnen?" "Weil inmitten von all dem Grau der Feldthymian blüht und das Rispengras lächelt. Weil man sich einmal im Jahr in die Wildnis begeben und sich daran erinnern soll, daß wir Teilchen eines kosmischen Traum sind."
Göran Tunström, Der Mondtrinker
Was ist die Wirklichkeit, wenn sie nicht unsere Phantasie übertrifft? Und was ist Island, wenn man es nicht erfinden kann?
Rolf Hädrich, Island - nur eine Erfindung von Halldor Laxness? in: Kürtz, Island
"First we do it, then we like it." "Wenn es ein Motto für die Einstellung der Isländer zum Leben gäbe, dann müsste es dieser Satz sein.
Henryk M. Broder, Ein Hoch auf Island, in: Kürtz

Island, die "Tochter des Feuers und des Eismeers", wird politisch zu Europa gerechnet, ist Europas zweitgrößte Insel, nach Großbritannien, 103.000 qkm groß. Geologisch liegt es genau an der Kontaktzone von der Eurasischen und der Amerikanischen Platte, die dort aneinander stoßen. Auch im Gelände ist das auszumachen, wo ein großer Grabenbruch die ganze Insel durchzieht und sich im Jahr um 1,5 cm verändert.
Wenn es stimmt, was Geologen herausgefunden haben, dann ist sie vergleichsweise jung. 80 bis 85 % des Grunds besteht aus Basalten, Wissenschafter sagen "of tholeiitic composition", die durch radiometrische Messungen ermittelt, gerade mal 12 Millionen bis 16 Millionen Jahre auf dem Buckel haben. 50.000 qkm sind davon bedeckt. Dann gibt es noch 40.000 qkm, die "Plio-Pleistozän" und "Upper Pleistozän" sind. Altersmäßig liegt das im Bereich von 3,1 Millionen und 700.000 Jahren. Weiter unterscheidet man noch nacheiszeitliche Gesteine mit einem Alter von 13.000 und 10.000 Jahren und die historische Zeit, die mit dem Jahre 874 n. Chr. mit dem ersten Auftauchen des Menschen in Island anfängt. Alles, was nach der Eiszeit an die Oberfläche gekommen ist, bedeckt etwa 12.000 qkm und bedeckt somit rund 10 % der Landoberfläche Islands.

In den letzten 1.100 Jahren hat es ungefähr 250 vulkanische Ereignisse gegeben. Herausragend war der Skaftareldar (Laki)-Ausbruch 1783, der den größten Vulkanausbruch auf der Erde in den letzten 1.000 Jahren darstellt.

Beim 9. Internationalen Kongreß der Vulkanspeläologen 1989 in Reykjavik wurde die Anzahl der bekannten isländischen Höhlen mit 225 angegeben. Ihr Vorkommen ist hauptsächlich auf die neovulkanische Zone der Halbinsel von Rejkjavik im Südwesten, über den Langjökull, dann nördlich bis zur Melrakkasletta Halbinsel beim Vatjajökull und einem Seitenzweig von der Zentrallinie zwischen Langjökull und Vatnajökull in den Süden in Richtung auf die Vestmannaey Inselgruppe begrenzt. Das Gebiet umfaßt rund 10.000 qkm und ist jünger als 10 bis 13.000 Jahre. Die Gesamtlänge der bekannten Höhlen betrug damals 37 km.

Auf Island gibt es keine Karsthöhlen, das es kein Kalkgestein gibt, aber auch bedeutende Gletscherhöhlen. Nach heutigem Kenntnisstand sie im Kverkfjöll bislang am bedeutendsten.

Die ersten Erwähnungen von  Höhlen auf Island finden sich schon in den Sagas. Erwähnt seien hier die Völusna und Dae misaga, wo Ragnaröckr in Snorris Edda in Verbindung mit Surtur, dem schwarzen Prinzen des Feuers, erwähnt wird. In der Holmverja und Landnama Saga wird Surtur und die Surtshellirhöhle auch erwähnt. In der Sturlunga Saga wird auf die Legende von Eirikr hingewiesen und die Banditen in der Surtshellirhöhle.
Die früheste schriftliche Erwähnung einer Höhle stammt von Arngrim aus dem Jahre 1675, der mindestens 240 Schritte in der Surtshellir zurückgelegt haben soll. 1750 soll Olafsson Surtshellir schon besucht und erforscht haben, 1800/01 kam er mit Palsson wieder. Sie ermittelten damals eine Länge von rund 1.500 m, so daß sie die damals längste bekannte Lavahöhle der Erde war. Sogar Immanuel Kant erwähnt in seinem 1803 erschienen Buch "Physische Geographie" die Lavahöhlen Islands und formuliert eine Theorie ihrer Entstehung. Dort war er wohl mit Sicherheit nicht, weil gerade er als besonders ortsfest bekannt ist.
Der älteste bekannte Höhlenplan stammt aus der Raufarholshellir und stammt aus dem Jahre 1955. Zu den frühesten bekannten Darstellung einer isländischen Höhle gehört eine Gravierung "The Vestibule, Surtshellir" in Forbes: Iceland; Its Volcanoes, Geyers and Glaciers, 1860 in London erschienen, der früheste Foto aus einer isländischen Höhle stammt aus dem Jahre 1895 aus der Surtshellirhöhle und wurde schon 1895 veröffentlicht (Munro, J. Jack Frost as an artist).

Die erste ausländische Höhlenforschergruppe, die Island aufsuchte, kam aus Barcelona. Dann kamen Forscher aus England, aus den USA, Schweden, den Niederlanden, der Schweiz, Italien, Österreich, Deutschland und wohl noch weiteren Ländern. 1989 kam es dann zur Gründung der Icelandic Speleological Society, die sich die systematische Erforschung der Höhlenwelt Islands zum Ziel gesetzt hat. Mit dem umfassenden Werk von Hroarsson wurde die Grundlage dazu gelegt.

Inzwischen sind die Höhlen voll in das touristische Programm für Island einbezogen. extremeIceland bietet jedem Interessierten zahlreiche geführte Touren in die bedeutendsten Höhlen Islands an, so daß es heute kein logistisches Problem mehr darstellt, selbst einmal die Höhlen zu sehen.

Die Österreichisch-Isländische Gesellschaft in Wien hat eine höhlenkundliche Reise nach Island in der Zeit vom 7.- 21. August 2012 geplant, geführt von Björn Hroarsson.  Ich bin angemeldet.


Anthropospeläologisches:

Hrútshellir (Hrútshöhle) Isländische "Tempelhöhle" im Eyiafjallahreppur, SW-Ende des Drangshlidarfjall
Ishellir Eishöhle im Lavastrom Hallmundarhraun
Am Eingang gibt es Felsritzungen, die angeblich von Geächteten dort hinterlassen wurden.
Skogafoss Einer Legende zufolge soll dort der Siedler Prasi eine Kiste voll Gold in einer Höhle hinter dem Wasserfall versteckt haben.
Sönghellir Höhle mit hervorragender Akustik
Surtshellir "Berühmteste Höhle Islands", schon in den Sagas erwähnt
In der "Beinahellir", einem Seitenteil des Hauptgangs, wurden Knochensplitter gefunden. Dort soll der Aufenthaltsort eines Ausgestoßenen gewesen sein, der in der Höhle Unterschlupf fand. Nach der Überlierferung lebten 18 Outlaws jahrelang in der Höhle und hielten sich gestohlenen Schafe, bis sie von Bauern aus der Umgebung gestellt wurden.

 

 

 


Literatur - allgemein:

Adalsteinsdottir, Silja Atlason, Jon Bjarni, Kozempel, Björn Isländische Lyrik, Insel-Verlag, Berlin 2011
Birgisdottir, Soffia Audur, Kreutzer, Gert, Gudmundsson, Halldor, hrsg.v. Die schönsten Erzählungen Islands, Insel-Verlag, Berlin 2011
Kürtz, Hans Joachim, hrsg. von Island - Ein Reiselesebuch, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009
Sperber, Achim, Fabel, Peter, Bollhorn, Mareike Island, Bruckmann-Verlag, München 2005
Tunstrom, Göran Der Mondtrinker, dtv-Verlag, München 2001
Willhardt, Jens, Sadler, Christine Island, Michael Müller Verlag, 5. Auflage Erlangen 2009

Literatur - speleologisch::

Favre, Gerald Kverkfjöll Rivières géothermique sous la glace, Islande, Spelunca n°17, 1985, p. 11-17
Fritsch, E., Eichbauer, E. Islands Höhlenwelt, Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde Oberösterreich, 1/1986, S.5-34
Fritsch, E., Eichbauer, E. Islands Höhlenwelt, 2. Teil, Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde Oberösterreich 1/1990, S. 10-40
Gehl, Walther Untersuchungen im alten Gödentum der Dalverja. In: Mannus, 1939 p. 50-76
Hansen, Walter Asgard - Entdeckungsfahrt in die germanische Götterwelt, Gustav-Lübbe-Verlag, Bergisch Gladbach 1985
Hartmann, Eva, Roth, Jörg Höhlenforschen auf Isländisch, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, Jg. 23 2003-2005, S. 46-47
Hróarsson, Björn Hraunhellar á íslandi, 2. Auflage 1991, Rejkjavik 1990
Hróarsson, Björn Hellahandbókin, Leiðsögn um 77 íslenska hraunhel, Reykjavik 2008
Icelandic speleological Society SURTUR1992 Vol 3  77   Searching for caves; On the flanks of Heroubreid
Jakobson, Bjorn Surtshellir, in: Borgfirsk blanda 4, 1980, p. 207-215
Laumann, Michael Die Höhlen Islands, Mitt. Ver. dt. Höhlen- u. Karstforsch. 33 (1) München 1987, p. 4-15
Mills, M T The Subterranean Wonders of Iceland, 1981
Pas, JP v.d. A visit to the Dyrholaey Natural Arch, Speleo Stamp Collector 30-1988 p. 9
Pas, JP v.d. Pseudo Karst in Ijs òf: Grotten in de Fjällsjäkoll, PIERK 4-1988, p. 150
Quast-Stein, Siegline, Stein, Gerhard Von Ortenberg nach Rejkjavik - Eine Urlaubsreise (mit Lavahöhlen) nach Island, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, Jg 14, 1992, p. 124-131
Seeger, Martin Höhlen in Island, Mitteilungen Verband Dt. Höhlen- und Karstforscher 19. Jg. Nr. 1, S. 15-16, München 1973
Shepton Mallet Caving Club REPORT OF THE SMCC EXPEDITION TO THE REYKJANES PENINSULAR June 2003  [in]  Jl Ser 11 (4) Autumn 2003 pp 76-186
Smithshuysen, Eef Dutch Iceland Trip 1978, p 43-51
Stefánson, Arni, B. Prihnúkargigur, 6. International Symposium on Vulcanospeleology, Hawaii 1991, p. 197-203
Verico, Paolo, Peder, Wally Lava e Ghiaccio a Surtsehellir, Speleologia 13-1985, p 34-35
Verne, Jules Reise zum Mittelpunkt der Erde, Diogenes-Verlag, 1976
Ed Walters et al.  CAVES OF THE LAKI FIRES /A Gazetteer of the Caves Mapped by the Laki Underground Expeditions of 2000 and 2001  A monograph on lava caves in Icleand [pub as] Shepton Mallet Caving Club Jl Ser 10 No 10 Autumn 2001
Wenger, Remy Spéléologie sous glacière en Islande, Cavernes, 29 (19): 41-46 Neuchâtel
Wood, Cris et al. LAKI UNDERGROUND 2000 The Bournemouth / Dundee Universities Joint Expedition to Iceland / Expedition Report May 2001
Wood, Cris et al. LAKI UNDERGROUND 2001 The Bournemouth and Shepton Mallet Caving Club Expedition to Iceland / Expedition Report May 2002

Links:

Island - allgemein:

Island-Forum
Island - Lexikon... Begriffe rund um Island leicht erklärt

Island - musikalisch:

Video zu: Video - Video: Mugison singen "The great unrest" - WebTV | STERN.DE
Nordische Musik » CD-Rezensionen » Nach Genre » Jazz » Island
Tomas R. Einarsson | Kostenlose Musik, Tourdaten, Fotos, Videos
Sunna Gunnlaugs : Icelandic Jazz Pianist

Isländisch lernen:

www.icelandiconline.is

Island - speläologisch

Hellarannsóknafélag Íslands (Icelandic speleological society)-Diskussionen | Facebook
ExtremeIcelandIsland Touren | Island Reisen | Island Trip | Island Tour-Organisator | Island Urlaub
Caving in Island / Höhlenwanderungen
Island - einfach anders! • Thema anzeigen - Höhle auf Reykjanes
Kverkfjöll Eishöhlen, Island
http://icelandreview.com/icelandreview/deutsch/nachrichten/Flussinsel_und_H%C3%B6hle_unter_Naturschutz_0_381530.news.aspx
Island Reiseführer iceland.de: Surtshellir
SAUDICAVES IN ICELAND
Lava cave - Snæfellsjökull national park

Höhlenbücher:
Íslenskir hellar « Forlagið – vefverslun
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