Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Mithras

- der "Gott, der aus dem Felsen kam"


Mithräum in Rom


Aktuelles: Was kann es beim Thema "Mithras" eigentlich "Neues" noch geben? Mehr als 1.500 Jahre ist das her. Und doch berührt es mich ganz seltsam, wenn ich z.B. jede Menge Internetlinks dazu finde. Und meine Homepage wurde offenbar auch von jemand gelesen!

Mein Höhlenverein, der Verein für Höhlenkunde in München e.V., bekam auf einmal vom "Arbeits- und Förderverein für Bliesdalheimer Dorfgeschichte e.V." ein Schreiben, in dem es um ein unterirdisches Objekt geht, das möglicherweise eine "Mithrashöhle" gewesen ist.

Bliesdalheim liegt im Saarland. Dort gibt es im Buntsandstein eine künstliche Höhle, die dort als "Eiskeller" bekannt ist. Der unterirdische Gang ist spitzbogenförmig, 26 m tief, 4,80 m in der Sohle breit, bis in die Spitze des Gewölbes ca. 4,75 m hoch, "sehr sauber und ebenflächig in den Sandstein gehauen". War das nun "nur" ein Eiskeller, oder "mehr" - vielleicht ein uraltes "Mithräum"? Wenn ich mehr darüber weiß, wird hier mehr stehen.


Vom 22. bis 24. Januar 1999 waren wir jetzt zum ersten Male in Bliesdalheim und haben uns umgeschaut. Wir, das waren Peter Hofmann, Wilhelm Adelung und ich. Wir trafen uns am Samstag morgen um 10 Uhr im Feuerwehrhaus mit Alfons Kohl, Lothar Kruft, den Bürgermeister, und Walter Weber, den 1. Vorsitzenden, mit dem ich mehrere Telefongespräche in den Tagen zuvor hatte, um abzuklären, ob wir wirklich kommen würden. Es gab nämlich auf einmal Probleme mit dem Naturschutz, der das Betreten der Anlage aus Fledermausschutzgründen nicht gestattete. Jemand mußte aber wohl schon vor uns dort gewesen sein, denn man wußte genau, daß 5 Mäuschen sich in einem schmalen Nebenspalt angeblich dort aufhielten.
Wir ließen uns durch nichts mehr aufhalten und fuhren trotzdem - und es war wirklich die Reise wert. Herr Weber hatte viele Bilder aus dem "Eiskeller" ausgebreitet auf den Tischen und zwei dicke Ordner mit den ganzen Gutachten und Schreiben, die das Objekt betreffen, mit dabei. Wir bekamen auch ein Blatt mit dem Titel "Der Bliesdalheimer "Eiskeller", das sehr gut den bisherigen Forschungsstand wiedergibt.

Höhepunkt war dann natürlich die persönliche Begehung der Örtlichkeit. Wir fuhren hinaus aus dem Dorf, ein Stück das Bliestal entlang und bogen dann gleich wieder nach rechts. Ein Feldweg führt bergan und hinein in einen längst aufgelassenen Steinbruch. Inzwischen ist der wieder aufgefüllt - mit Abfällen und Schutt und einigermaßen überdeckt von Vegetation. Am Hang ist noch deutlich die Abbaukante des Steinbruchs zu erkennen. Wir folgten einem horizontalen Pfad bis zu einer Aufweitung. Unübersehbar ist die neu gemauerte Eingangspforte in den "Eiskeller", die von einem massiven Gitter verschlossen ist. Wir stiegen hinunter und versuchten im Dunkel dahinter noch irgend etwas zu erspähen. Wir müssen wohl wiederkommen. Erstaunlich war die Bewetterung des Objekts. Eine deutlich sichtbare weißliche Dunstfahne entstieg ständig dem Eingang und verlor sich in der Höhe. Gibt es da noch einen zweiten Eingang? Oder fließt die kalte Luft am Grund des Ganges in den Keller und später erwärmt wieder daraus hervor? Ist der "Eiskeller" auch ein altes Mithräum? ...

Die Befürworter der These bringen einige Argumente:

Was spricht gegen ein "Mithräum"?

Die Pläne der Bliesdalheimer Anlage
gezeichnet im Oktober 1993 von Walter Weber
 

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Wir wollten ein Bild von der gesamten Situation bekommen und schauten uns um. Herr Weber begleitete uns zum "Europäischen Kulturpark" Bliesbruck-Reinheim, dann fuhren wir weiter zum Mithrasheiligtum am Halberg bei Saarbrücken, am nächsten Tag auch noch zum Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken und zum Mithrasheiligtum von Schwarzerden.

Beim Mithrasheiligtum am Halberg handelt es sich wohl wirklich um ein solches. Mehrmals durchgeführte Grabungen brachten einiges an Fundgut zu Tage, was auf eine solche Nutzung schließen läßt. So wurden mehrere römische Münzen gefunden, die letzte aus Zeit des Kaisers Gratian (375-383), also genau der Zeit, als der Niedergang des Mithraskults sich abzeichnete. Es gibt eine umfassende Veröffentlichung darüber, erhältlich im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken. Dort kann man alle Einzelheiten nachlesen. Ihr ist die folgende schöne Zeichnung entnommen, die die Gesamtsituation zeigt. Der Weg dorthin ist gut vom Parkplatz am Halberg aus gut beschildert, so daß es kein Problem ist, diese Örtlichkeit zu finden. Besonders schön ist es, gegen Abend dorthin zu gehen, weil dann wie bei uns die Sonne direkt daraufleuchtet und allem einen eigenen Zauber verleiht.

Aquarell der Mithrashöhle / 1999


Juli 1999: 4 Mitglieder des Arbeitskreises HÖREPSY sind wieder im Saarland gewesen, um sich persönlich ein Bild von der Anlage zu machen. Es klappte hervorragend. Herr Weber und Herr Kruft, der Bürgermeister, waren pünktlich um 10 Uhr da. Der "Eiskeller" war aufgeschlossen, wir konnten eintreten. Der Raum macht einen starken Eindruck, erinnert eher an ein Kirchenschiff als einen Felsenkeller mit seiner nach oben spitz zulaufenden Decke. Der Raum ist praktisch leer. Entlang der Seitenwände sind Podeste, allerdings nicht so hoch, daß man darauf lange sitzen möchte. Am anderen Ende kann man über Leitern auf zwei Plateaus hochklettern, in die jeweils tiefe Wannen herausgehauen worden waren. Das Ende des Kellers ist am anstehenden Sandsteinfels erreicht. Man sieht, daß der Fels nicht durchgehend massiv ist, sondern daß es tiefe Klüfte und Sprünge gibt, in die man an mehreren Stellen hineinschauen kann. Zum Begehen sind diese Spalten zu eng, allerdings wohl für die Luft und Wasser wegsam. Wie wir gehört haben, steigt das Bodenwasser im Keller an, wenn die nahe Blies einen hohen Wasserstand hat, was für eine hydrologische Verbindung mit draußen spricht.
An Fundstücken sind nur ein paar Steine da, die an einer Seite eine Art Rinne haben. Vielleicht dienten sie einmal zur Halterung von Rohren.

Im vorderen Drittel des Raums ist auf der Seite, wo früher der Zugang gewesen war, die Wand auffallend unregelmäßig behauen. Vielleicht geht dies auf die Zusammensetzung des Sandsteins zurück, der an dieser Stelle bearbeitet werden mußte. Jedenfalls ist hier ein Absatz in den Fels hineingearbeitet worden und eine Art Muster an der Wand zu sehen. Diese Stelle nimmt in der Interpretation des "Eiskellers" als mögliche Mithraskultstätte eine Schlüsselrolle ein. Mir scheint da aber nicht viel dran zu sein. Das Kultbild steht immer in der Mitte der Längsseite des Raums, nicht an der Seite, und das "Muster" ist nun einmal gerade und nicht gebogen, wie es auf vielen Mithrasdarstellungen die "Höhle" oder den "Sternenhirmmel", je nach Interpretation, darstellt.

Der Raum ist eindrucksvoll und erhaltenswert auch ohne Mithraslegende, weil er Industriedenkmal und ein Biotop darstellt.

Bliestal oberhalb des "Eiskellers Die Plateaus
Im "Eiskeller" Die "Rinnensteine"

Bliesdalheim


 

In der Prähistorischen Staatssammlung in München kann der Besucher in der Römerabteilung die Reste eines Mithrasreliefs sehen. Einem Höhleninteressierten fällt, sofern er sachkundig ist, sofort das grottenartige Dach über dem mit dem Stier kämpfenden Helden auf.

Was hat es damit auf sich? Welche Rolle spielt die Höhle in dem Geschehen? Gibt es vielleicht noch weitere Bezüge zum Thema Höhle? Dies soll keine vollständige Abhandlung über die Mithrasreligion sein, sondern ich möchte mich auf den speziellen Blickwinkel Mithras und Höhle beschränken.

 

Fängt man an, sich mit Mithras zu beschäftigen, so fällt bald auf, daß es verblüffend viel Literatur darüber gibt. Zwei Personen ragen dabei besonders heraus: F. Cumont mit "Textes et monuments figurés relatifs aux mystères de Mithra" aus den Jahren 1896 und 1899 und M.J. Vermaseren mit "Mithras: Geschichte eines Kultes" von 1965. Eines der neuesten wichtigen Werke stammt von Manfred Clauss: "Mithras - Kult und Mysterien".

 

Was ist also für einen primär Höhleninteressierten dran an dieser Gestalt, die seit bald 1600 Jahren mehr oder weniger wieder vergessen ist, der man aber von einigen Jahren sogar wieder einen richtigen Weltkongreß gewidmet hatte?

 

1. Das Mithräum

Mit "Mithräum" wird der Ort bezeichnet, wo sich die Anhänger dieses Kultes zu ihren gemeinschaftlichen Kulthandlungen getroffen haben. War dieser Kultraum idealerweise in einer Höhle? Die früheste literarische Quelle für den Mithraskult bezeichnet ihn noch eindeutig als "Höhlenkult" (Statius). Gilt dies, dann ist es aber recht erstaunlich, wie wenige echte Mithrashöhlenkultstätten man bis heute erst entdeckt hat. Im Vergleich zur Gesamtzahl der bekannten Kultstätten dürften das zwischen 1 und 2 Prozent sein. Der Ausdruck spelaeum für das Heiligtum wurde interessanterweise fast nur in Italien und bei den Italikern verwendet. In den entfernten Provinzen sprach man eher von templum, einem neutraleren Ausdruck. Dort waren die Kulträume den Felsgrotten eher nur "nachgebaut oder offensichtlich nachempfunden".

Wo kennen wir heute Höhlenmithrasheiligtümer? In Pohanca im ehemaligen Jugoslawien hatte man unter einem leicht überhängenden Felsen in einer Höhle das Heiligtum errichtet. Die natürliche Höhlung erweiterte man künstlich und errichtete künstliche Seitenwände. Das Mithrasrelief arbeitete man in den gewachsenen Fels, womit sich "auf ideale Weise die Botschaft des aus dem Fels Geborenen mit dem Medium des aus dem Fels gemeißelten Bildes verband". Auch in Prozor wurde das Mithrasrelief direkt aus dem Felsen herausgearbeitet.

David Kempe erwähnt aus dem Felsen herausgehauene "Tempel" des Mithras bei Angera und Spoleto in Italien, die einen Ausblick nach Osten gewähren würden, damit die ersten Strahlen der Sonne auf das Bild des den Stier tötenden Gottes treffen könnten.

Im Triester Karst wurde 1963 Italiens einzige Naturhöhle entdeckt, die ein Mithrasheiligtum enthielt, die Caverna del Dia Mithra, in Nähe der berühmten Timavoquellen.

In Niederösterreich finden wir eine auf den ersten Blick erstaunlich große Anzahl an natürlichen bzw. künstlichen Höhlen, von denen angenommen wird, daß in ihnen der Mithraskult eine Rolle gespielt hat. Das Winschloch (1912/35) hat nur eine Länge 4,5m. Es ist eine halbkreisförmige, übermannshohe Halbhöhle mit einer Ruhebank drinnen. Die Wände sind im unteren Bereich stufenförmig bearbeitet. Aufgrund von Funden aus der Römerzeit (Opferaltar, verzierte Tonlampen usw.) wurde vermutet, daß es eine Mithraskultstätte war.

Von der Antonsgrotte (1912/40) bei Baden (L 54m) wird berichtet, daß sich bis 1704 in einem Naturraum noch ein steinerner Altar befunden hätte, der als römischer Opferstein oder Mithrasaltar gedeutet wurde. Die Severinushöhle (1917/1), die an einem Berghang hinter der Pfarrkirche in Wien/Sievering liegt, ist seit dem Jahre 1954 verschüttet. Es soll sich um ein künstliches Objekt mit 12 m Länge, 4 m Breite und 6 m Höhe handeln. Vor der Höhle wurde ein Mithrasaltar gefunden. Bemerkenswert ist, daß sich diese alte religiöse Tradition auch in einer Höhlensage widerspiegelt. Das Objekt soll nämlich auch Wohnstätte des Heiligen Severin gewesen sein.

Daß immerhin 3 Höhlen ein Bezug zum Mithraskult nachgesagt wird, ist kein Zufall. Carnuntum, das große Römerlager an der Donau, galt als richtige Hochburg des Mithraskults. 307 fand dort z.B. die sog. "Kaiserkonferenz" statt, die Anlaß dazu war, das dortige Mithrasheiligtum zu restaurieren und einen großen "Weihestein" zu stiften, auf dem die drei Kaiser Diocletian, Galerius und Licinius den Gott um seinen Segen für das Reich baten.

Ob die Severinushöhle in Schwäbisch-Gmünd/Deutschland (7124/5) auch als Mithraskultstätte gedient hat, darüber gibt es nur Vermutungen. Bei Saarbrücken gibt es eine Mithrashöhle im Buntsandstein am Westhang des Halbergs. Schon 1772 ließ sie der Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken durch seinen Hofgärtner ausräumen, wobei man auf Architekturreste und eine zentrale Eintiefung am Boden der Höhle fand. Forscher des 19. Jahrhunderts hegten bereits den Verdacht, hier könnte eine Mithraskultstätte vorliegen. 1921 und 1963 fanden wissenschaftliche Grabungen statt, die die Vermutung bestätigten. Im Saarland gibt es noch ein zweites Mithrasheiligtum, das mit einer kleinen Höhle zusammenhängt, zu geben - das Mithrasheiligtum von Schwarzerden. "An der Rückwand der ehemaligen Felsgrotte ist das eingemeißelte Relief des stiertötenden Lichtgottes erhalten geblieben."

Von den Haidenhöhlen am Überlinger See, künstlich geschaffenen Sandsteinhöhlen, nahm Schmidle 1936 an, daß die Pickelhiebe an den Wänden von "römischen Soldaten und Siedlern herrührten, die hier ihrem Gott Mithras opferten" Er berief sich dabei auf eine Arbeit von O. Seeck über die Geschichte des Untergangs der antiken Welt, wonach die "Mithrasfeiern in künstlichen und natürlichen Felsenhöhlen" stattgefunden hätten. Der Zeitgeist erzeugt so manche "zeitgemäße" Interpretation!

Genau zwischen den beiden großen Karstquellen der Goul du Pont und der Goul de la Tannerie bei Bourg-Saint-Andeol, Adrige, Frankreich, die bei Höhlentauchern wegen ihrer extremen Bedingungen heute sehr bekannt sind (Tiefe - 140m GdP, Länge 1700m GdlT), liegt eine Stelle, die "Dieu Mithra" heißt und wo man auch ein Mithrasrelief sehen kann. Es ist zwar keine Höhle da, aber die Lage ist sehr schön gewesen - heute führt die Trasse der Schnellzüge in unmittelbarer Nähe vorbei. Als B. Léger im Auftrag der Gemeinde die Unterwasserhöhle Goul de la Tannerie untersucht hatte, die zur Nutzung des Wassers eine Bohrung vornehmen wollte, drehte er einen Film mit dem beziehungsreichen Titel "A la recherche de Mithra" (Auf der Suche nach Mithras).

Der Trou de la Tine ist eine weithin sichtbare Höhle im Saleve-Massiv oberhalb von Genf/Schweiz. Er hat eine Form, die einer riesigen Tabakspfeife ähnelt - ein topfartiger Schacht von 50 Metern Tiefe führt zu einer 30 Meter im Querschnitt messenden Tagöffnung in einer Felswand. An sonnigen Nachmittagen, wenn Genf schon im Schatten des Berges liegt, dann kann man in Collonges, einem Genfer Vorort, einen sonnigen Fleck sehen, der von dem Loch hoch oben verursacht wird. Diese besondere Höhle hat natürlich schon lange die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen. Jean-Jacques Pittard berichtet sehr ausführlich in seinem Buch über das Salève-Massiv darüber und bringt sie in Beziehung zum Mithraskult. Auf die Frage des ehemaligen Alpenvereinsvorsitzenden Griechenlands M. Tzartzanos nach eventuellen Funden, die auf eine Benützung als Mithrasheiligtum schließen ließen, bekam der zwar nur eine negative Antwort. Nichts deute daraufhin, daß bereits in römischer Zeit diese Höhle als Kultstätte gedient habe, aber entsprechende Assoziationen dazu hat sie in späteren Zeiten eben doch noch wachgerufen.

Die Niasarhöhle im Iran, 28 km westlich von Kashan, wurde über Jahrtausende hinweg von Menschen besucht und für ihre Zwecke benutzt. Die frühesten bislang nachgewiesen Spuren weisen auf eine Nutzung als Grabstätte vor 10.000 Jahren hin. Ein zeitlang war sie auch Mithraskultstätte. Ein Erdbeben im Jahre 1980 zerstörte den Eingang und Teile der Höhle.

Wo es keine natürlichen Höhlen gab, und das war in der Mehrzahl so, da schuf man sich selbst Bauten, die bei ihrer Gestaltung die Atmosphäre der Höhle mit einbeziehen sollte. Der eigentliche Kultraum wurde etwas tiefer gelegt. Man mußte erst ein paar Stufen hinuntersteigen, um dorthin zu kommen. Die Anlagen wurden bewußt klein gehalten. Die Anlage von Pons Aeni bei Rosenheim mißt z.B. 8,80 x 12,20 m. Lieber baute man weitere Anlagen. In Ostia bei Rom sind beispielsweise 17 bekannt, in Frankfurt-Heddernheim kennt man heute allein schon 4. Als Grund für diese bewußte Kleinheit der Anlage nennt Clauss u.a. den Willen der kleinen Gruppen "eine gewisse Intimität der gemeinsamen Kultmahlzeit bewahren" zu wollen.

Größere Mithräen besaßen neben dem eigentlichen Kultraum (crypta) noch einen oder mehrere Vorräume. Der Hauptraum hatte einen Aufbau, der überall gleich war - ein Korridor in der Mitte und Liegebänke zu beiden Seiten, wo man das Kultmahl einnahm. Die Ausstattung war sehr unterschiedlich und richtete sich stark nach den finanziellen Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Kultanhänger. Häufig war die Rückwand der dem Eingang gegenüberliegenden Seite zu einer Nische gewölbt, die, wie z.B. im Heiligtum von Santa Prisca in Rom, mit Bimssteinen grottenartig verkleidet war. Dort stellte man meist das zentrale Relief mit der Stiertötungsdarstellung in der Höhle auf.

Warum diese Grotten-/Höhlengestalt? Für Franz Cumont war die "Höhle" noch nicht einmal ein Stichwort wert, während etwa Honig, Hühnerdärme und Hunde durchaus einen Eintrag erhielten. Clauss meint: "Hauptraum und Nische waren also gleichermaßen grottenartig gestaltet und riefen damit mehrfach das Bild des Kosmos, der Welt-Höhle, in Erinnerung; sie stellten einen Mikrokosmos dar, wie es Porphyrios ausführt."........

Dies ist ein Ausschnitt aus einer größeren Arbeit über Mithras, veröffentlicht in

DER SCHLAZ 76-1995, der Zeitschrift des Vereins für Höhlenkunde in München e.V.


Seit damals hat sich viel beim Stichwort "Mithras" getan. Eine ganz neue Interpretationskultur hat die Szene erobert. Die Mithrasreliefs seien im Grunde "Sternkarten", hinweisend auf einen Gott, der "die Weltachse" in der Hand hält. Wer mehr darüber erfahren will, sollte das neue Buch von Ulansey lesen.

Auf einen Kriminalroman gibt es, "Der Schattengott" von Uli Paulus, in dem der Mithraskult eine gewisse Rolle spielt, insbesondere die Höhle bei Zillis in der Schweiz.


Literatur:

Lindenmayr, Franz Mithras - der "Gott, der aus dem Felsen kam", in: Arbeitskreis Höhle, Religion und Psyche, hrsg. von Gabi und Peter Hofmann, Tagungsmappe 1999, 10 Jahre HöRePsy, Die Höhle in den Weltreligionen, S. 78-95, München 1999
Kusch, Heinrich und Ingrid Kulthöhlen in Europa, Köln 2001
Katholing, Winfried Heilige Stätten der Heiden und Ketzer - Ein Führer zu ausgewählten Kultplätzen in Deutschland und Frankreich, Aschaffenburg 1999, S. 15ff

Photo Willi Adelung

Reste eines neu ausgegrabenen Mithräums bei Künzing, Niederbayern, D
Eine "Höhle" wird man da vergebens suchen, alle Steine sind weg und ins Museum gebracht worden, jetzt ist da nur noch die leere Grabungsstelle, die auch bald wieder aufgefüllt wird


Zu "MITHRAS" gibt es im INTERNET viele viele Seiten. Eine kleine Auswahl:

 


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