Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die "Höhle" auf Bühnenbildern
von Opern und Schauspielen


Mozart - Die Zauberflöte


"Hier auf dieser Bühne war bis gerade eben noch alles möglich, dieser Raum konnte sich in eine Heidelandschaft in Schottland wie bei "Macbeth" oder in Fausts Studierzimmer oder auch in einen abstrakten weißen Kubus als Sinnbild der Welt verwandeln, auf den Brettern dieser Bühne war alles, alles möglich, denn die ganze Welt ist eine Bühne, wie es bei Shakespeare heißt - aber das einzige Licht, das jetzt noch brennt, sind nur ein paar Leuchtstoffröhren, das sogenannte Arbeitsliccht." Schimmelpfennig, Roland, Die letzte Vorstellung, Süddeutsche Zeitung  Nr. 68, 21./22. März 2020, S. 45


Immer wieder taucht auf Bühnenbildern das Motiv der Höhle auf. Es geht zuerst einmal klassisch darum, einmal Beispiele zu sammeln und dann später zu analysieren, was man damit gewollt hat. 

Also erst einmal der erste Schritt, eine Beispielsammlung:

Camille Saint-Saens  Samson  Bei der Aufführung der Oper in Berlin 2019 gibt im zweiten Akt offenbar eine "Höhle" das richtige Ambiente: "Der zweite Akt zeigt das höhlenartige Nachtlager der Dalila, die mit Steinen Feuer macht, bevor sie, vom Bühnennebel umwogt, Samson seine kraftspendende Haarpracht aschneidet, woraufhin sich der Allmächtige mit gefährlich zuckenden Gewitterblitzen am Sternenhimmel bemerkbar macht." Spinola, Einem echten Löwen...
Goethe Des Epimenides Erwachen Setting: Ein prächtiger Säulenhof; im Grunde ein tempelähnliches Wohngebäude
3. Auftritt: EPIMENIDES
"...Da nahmen sich die Götter meiner an.
Zur Höhle führten sie den Sinnenden,
Versenkten mich in tiefen langen Schlaf.
Als ich erwachte hört' ich einen Gott:
"Bist vorbereitet", sprach er, "wähle nun!"
Willst du die Gegenwart und das was ist,
Willst du die Zukunft sehn, was sein wird." Gleich
Mit heiterm Sinn verlang' ich zu verstehn,
Was mit dem Auge, was das Ohr mir beut.
Und gleich erschien durchsichtig diese Welt,
Wie ein Krystallgefäß mit seinem Inhalt...." (369)
Goethe Die Aufgeregten Im 5. Aufzug heißt es: "Nacht, trüber Mondschein"
"Das Theater stellt einen Teil des Parks dar, der früher beschrieben worden. Rauhe steile Felsbänke, auf denen ein verfallendes Schloß. Natur und Mauerwerk ineinander verschränkt. Die Ruinen so wie die Felsen mit Bäumen und Büschen bewachsen. Eine dunkle Kluft deutet auf Höhlen, wo nicht gar unterirdische Gänge." (S. 213)
"Friederike fackeltragend, die Büchse unterm Arm, Pistolen im Gürtel, tritt aus der Höhle, umherspürend. Ihr folgt die Gräfin, den Sohn in der Hand...Man erfährt, daß von hier ein unterirdischer Gang zu den Gewölben des Schlosses reicht, daß man die Schloßpforten gegen die andringenden Bauern verriegeln, daß die Gräfin verlangt habe, man solle ihnen aus dem Fenster das Dokument ankündigen und ziegen und so alles beilegen." (213) Dann sieht man ein Licht in der Ruine "und zieht sich in die Höhle zurück". 
"Breme kennt das Geheimnis des unterirdischen Ganges und ist überzeugt, daß sich die Familie darin verbirgt..Sie zünden Fackeln an und sind im Begriff in die Höhle zu treten. Friederike, Jakob, der Hofrat erscheinen in diesem Augenbicke, bewaffnet, so wie die übrige Menge....Das Stück schließt zur allgemeinen Zufriedenheit..."
Goethe Nausikaa Beim 2. Auftritt heißt es: "Ulyss aus der Höhle tretend" (S. 69)
"Was rufen mich für Stimmen aus dem Schlaf?
Wie ein Geschrei ein laut Gespräch der Frauen
Erklang mir durch die Dämmrung des Erwachens?
Hier seh ich niemand
Goethe Pandora Der Schauplatz "wird im großen Stil nach Poussinischer Weise gedacht" (332). Auf der Seite des Prometheus: "Zu der Linken des Zuschauers Fels und Gebirg, aus dessen mächtigen Bänken und Massen natürliche und künstliche Höhlen neben- und übereinander gebildet sind, mit mannigfaltigen Pfaden und Steigen, welche sie verbinden. Einige dieser Höhlen sind wieder mit Felsstücken zugesetzt, andere mit Toren und Gattern verschlossen, alles roh und derb. Hier und da sieht man regelmäßig Gemauertes.." (332)
Goethe Proserpina In der Anweisung zur Gestaltung des Bühnenbildes heißt es: "Felsige Gegend, Höhle im Grund, auf der einen Seite ein Granatbaum mit Früchten

Zu Beginn sagt Proserpina:
Aufwärts auch soll dieser Blick nicht steigen!
Die schwarze Höhle des Tartarus
Verwölbt die lieben Gegenden des Himmels,
In die ich sonst
Nach meines Ahnherrn froher Wohnung
Mit Liebesblick hinaufsah!
(Band 4)
Mozart Zauberflöte Die Höhlen im Aignerpark bei Salzburg

Friedrich Schinkel 

Shakespeare The Tempest (Der Sturm) Eine Höhle auf einer Insel ist der Aufenthaltsort von Prospero, dem Zauberer, und seiner Tochter Miranda. Sie waren dort gestrandet, nachdem sie vor den Truppen des machthungrigen Bruders Antonio, der den vormaligen Herzog, der seine Regierungspflichten zugunsten von magischen Studien verletzt hatte, vertrieben hatte. 
https://www.shakespeare-players.com/aufführungen/the-tempest/inhaltsangabe/
Wagner  Thannhäuser Die Venushöhle im Hörselberg / Thüringen / D

 

 


 

Literatur:

Adelung, Willi Die Höhle im griechischen Theater des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., in: HÖREPSY 2011, Tagungsband, Gröbenzell 2011
Berger, Julia Die Grotte im Schloss Neuschwanstein. Zur Vorstellung des Venusgrotte in der Tannhäuser-Sage und -oper, in: Zeitschrift für Kulturwissenschaften (2014), H.2, S. 29-47
Braunmüller, Robert Wagners Bühnenfestspiel - "ein gewöhnliches Theaterkind"?, in: Von der Welt Anfang und Ende. "Der Ring des Nibelungen" in München, hg. von Birgit Pargner (=Ausstellungskatalog München 2013), Leipzig 2013
Hein, Dieter Das Motiv der "Höhle" in der Oper, in: HÖREPSY 2011, Tagungsband, Gröbenzell 2011
Mauro, 'Helmut Die Wahrheit hinter der Märchenfassade, Süddeutsche Zeitung Nr. 22, 27./.28. Januar 2001, Seite VII
Schimmelpfennig, Roland

 Die letzte Vorstellung, Süddeutsche Zeitung  Nr. 68, 21./22. März 2020, S. 45

Shakespeare Shakesperean Comedies - illustrated by photographs, London&Glasgow, Collins' Clear-Typr Press, ohne Jahresangabe
Spingla, Julia Einem echten Löwen sind Sandalen zu klein, Süddeutsche Zeitung Nr. 273, 26. November 2019, S. 11 
Wolfzettel, Friedrich "Höhle, die tiefste, schützt" (Faust II). Überlegungen zur Signatur von Höhle und Grotte seit der Aufklärung, 
https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/15222/file/Wolfzettel_Hoehle_Grotte.pdf

Links:

Höhlen in Opern

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