Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Höhlen in Opern / Opern in Höhlen
Tannhäuser 1. Akt - Im Hörselberg
"Wir gingen über die Seitenbühne zur Hinterbühne, wo die
Bühnenarbeiter unter einem Höllenlärm versuchten, Ariadnes Höhle aufzurichten.
Das Bühnenbild hatte über die Sommerferien bis November gelegen, und auf dem Hof
hatten sich die Pappkulissen vom Regen verzogen, nichts paßte mehr aufeinander.
Der Auftritt der Ariadne durch die Höhle war umständlich. Erst mußte sie zur
Unterbühne, dann ein steiles Treppchen hoch zu einer offenen Klappe und dann
noch vier Meter bäuchlings unter dem eigentlichen Bühnenaufbau zum Ausgang der
Höhle kriechen, um rechtzeitig zum Gesang der drei Nymphen zu erscheinen.
...Ariadne kroch aus der Höhle und sang die Klagearie. Lang und schmerzlich,
wie nicht von dieser Welt.
Es gibt ein Reich, wo alles rein ist. Es hat auch einen Namen: Totenreich.
Dort lebte mein Vater seit acht Jahren.
Und weiter: Du wirst mich befreien, mir selber mich geben..."
(Vera Nemirova, Heute: Ariadne auf Naxos, in: Elke Heidenreich (Hg.) Ein Traum
von Musik - 46 Liebeserklärungen, Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann 3.
Auflage, München 2010)
Ein gutes Thema für HÖREPSY 2010, 2011 und 2012! Schwerpunkt sind dieses Mal die Opern von Richard Wagner!
Aber die Aignerparkhöhlen bei Salzburg müssen wegen ihrer Bedeutsamkeit für das SCHIKANEDERJAHR 2012 natürlich auch wieder vorkommen!
Bislang war dieses Thema noch wenig untersucht. Das ändert sich allmählich durch die sehr gründliche Arbeit von Dieter Hein. Eine wesentliche Voraussetzung dafür, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen ist wohl, daß einem "Opern" etwas sagen. Das ist sicherlich bei Dieter der Fall.
Eine "Oper" bezeichnet seit 1607 eine Theatergattung, "in der eine szenisch-dramatische Handlung durch Musik dargestellt wird" (Wikipedia). Musik ist der hauptsächliche Träger der "Handlung, der Stimmung und der Gefühle" (Wikipedia).
Einige Beispiele:
| Titel | Komponist | Anmerkungen |
| Ariadne auf Naxos | Richard Strauss | Das Bühnenbild stellt eine wüste Insel dar mit einer Höhle,
in der Ariadne haust. "Du schönes Wesen, bist Du die Göttin dieser Insel? Ist diese Höhle Dein Palast?" |
| David in der Höhle von En Gedi | Johann Simon Mayr | 1795 entstanden nach Vorgabe des Alten Testaments (1. Buch
Samuelis 16-24) David, der Schafhirte und Harfenspieler, ist auf der Flucht vor Saul, der ihn ins Jenseits befördern will. Er flieht mit Jonathan und Michal, Kinder des Königs und Freund und Freundin von Saul, in die "Spelunken von Engaddi". Jemand verrät die Fluchtpläne und Saul verfolgt die drei. Saul ruht sich ausgerechnet in der Höhle, ausgestreckt im Moos, aus, die auch David schon für sich als Rastplatz ausgesucht hat. David könnte den schlafenden König ermorden, tut es aber nicht. Am Ende lenkt der König ein. Jubelchor am Ende. |
| Genoveva | Robert Schumann | 1850 nach einem Drama von Friedrich Hebbel gestaltet Auf der Flucht vor den Knechten Siegfrieds, die sie umbringen sollen, findet sie im Wald eine Höhle, in der sie Zuflucht findet. Dort bringt sie ihren Sohn zur Welt, den sie Schmerzensreich nennt. Nach 6 Jahren wird sie von Siegfried entdeckt und zurückgeholt. |
| Grotta di Trofonio, La | Antonio Salieri | 1785 fertig erstellt Es geht um 2 Liebespaare mit unterschiedlichstem Temperament. Durch das Betreten der "Grotte des Zauberers" wechseln die Personen jeweils ihr Temperament: Schwermütige werden ausgelassen, Lebensfrohe beginnen zu philosophieren. |
| Orpheus und Eurydike | Christopf Willibald Gluck | Die Opernhandlung führt hinab in den Hades. Der letzte Akt spielt in einer Felshöhle auf dem Weg nach oben. |
| Semele | Händel | Oratorium in 3 Akten, 1744 erstmals aufgeführt Im 3. Akt spielt eine Szene Höhle des Schlafes: Juno verspricht dort Somnus die Hand der Pasithea, worauf dieser ihr seinen bleiernen Stab des Schlafes gibt. Sie ist nun in der Lage, die Drachen und Ino in Schlaf zu versetzen. Semele, HWV 58 (Handel, George Frideric) – IMSLP semele_programmheft_10_11_web.pdf (application/pdf-Objekt) |
| Siegfried | Richard Wagner | 1848 entstanden |
| Tannhäuser | Richard Wagner | 1845 entstanden Der erste Akt spielt in einer Höhle im Hörselberg. Den Hörselberg gibt es tatsächlich, in Thüringen. Die Höhle darin entspricht allerdings in keiner Weise den hineinphantasierten Erwartungen. Sie ist eben von dieser Welt. "Geliebter komm, sieh dort die Grotte, von ros'gen Düften mild durchwallt.." |
| Zauberflöte, Die | W. A. Mozart | Der Höhlenbezug kommt durch die Bühnenbilder von Schinkel.
Bereits die Eingangsszene zeigt einen düsteren Tempel mit säulentragenden
Dämonen unter einem Höhlendach. Eine weitere Dekoration zeigt ein Bild der
Feuer- und Wasserprobe: aus naturbelassenen Felsen wächst eine graue
Lettnerwand aus Pylonen und mächtigen Pfeilern. Rechts bricht aus einer
Felsenhöhle das Feuer wie Lava, in der Mitte strömt aus einer zweiten Höhle
die Wasserflut.
In Schikaneders Textbuch zeigt das Titelblatt eine "erleuchtete Höhle mit
symbolischen Gegenständen und Zeichen. Ein Bach fließt mitten durchs Bild".
Das originale Bühnenbild des Finales: Links ein Wasserfall, rechts ein
Höhleneingang. |
Bei der 2012er Tagung von HÖREPSY wird es eine Fortsetzung dieses Thema geben. Wir dürfen gespannt sein, was Dieter noch alles dazu gefunden hat.
Literatur:
| Hein, Dieter | Höhlen in Opern, Tagungsband HÖREPSY 2010, Gröbenzell 2011 |
| Hein, Dieter | Höhlen in Opern, Tagungsband HÖREPSY 2011, Gröbenzell 2011 |
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