Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Heilung und Höhle
"Dem Kränkelnden verordnet der Arzt
vernünftigerweise Veränderung der Luft und Umgebung."
Henri-David Thoreau, Walden oder Leben in den Wäldern
Montmilch als Heilmittel
Wasser als Heilmittel
Geht es dem Menschen schlecht, sucht er nach Wegen, daß es ihm wieder besser geht. Dabei kommt auch die "Höhle" manchmal ins Blickfeld. Krank kann sowohl der Körper als auch die Seele sein und für beide Bereiche lassen sich Orte auf dieser Erde ausmachen, wo Menschen unter die Erdoberfläche gehen, um dort ihr Heil zu finden. Lourdes am Nordrand der Pyrenäen ist z.B. so ein Platz, nach Paris gleich der Ort, wohin die meisten Touristen in Frankreich kommen. Für medizinische Zwecke wurde und wird sowohl der Höhleninhalt als auch gleich der Höhlenraum verwendet.
Ein gutes Thema für das 2009er HÖREPSY-Treffen.
Ein paar Örtlichkeiten:
Die Grotta
Giusti in der Nähe von Monsummano, Toskana,
I
In der tektonischen Höhle tritt heißes Wasser zutage
und erfüllt die Höhlenräume. Tritt man dort ein, ist
es nicht schwer, an eine Vorkammer der Hölle erinnert zu
werden. Von heilkräftigen Wirkungen weiß man schon
lange. Aus dem Jahre 1770 stammt bereits der erste
Bericht von Alessandro Bicchierai mit dem Titel
"Tratato sui Bagni di Montecatini". Berühmter
Kranker, der dort von seiner Arthrose geheilt worden ist,
ist Giuseppe Garibaldi.
Das Höhlenbad von Vougliameni
bei Athen, GR
Vor den Toren Athens an der Südküste von Attika liegt
direkt an der Hauprstraße ein großer Felskessel. Dort
kann man parken und das öffentlich zugängliche Bad
betreten. In dem Kessel befindet sich ein klarer See, der
sich bis in die überhängenden Felswände erstreckt. Es
heißt, daß das Wasser Heilkraft für
"Frauenleiden" habe, weshalb auch die Mehrzahl
der Badegäste tatsächlich Frauen sind. Da kommt man
sich als Mann dann ein wenig seltsam vor, insbesondere
wenn man nicht um die Heilkräfte weiß und wenn man der
einzige dieses Geschlechts unter lauter Damen ist - so
erging es mir einmal vor 25 Jahren, als ich selber dort
war.
Die Teufelshöhle
bei Pottenstein, Fränkische Schweiz, D
Seit ein paar Jahren gibt es nun auch in der
meistbesuchten Schauhöhle der Fränkischen Schweiz eine
kleine Abteilung, wo sich Patienten für Kurzwecke in die
Höhle begeben. Insbesondere sind es Asthmakranke, die
dorthin kommen und auf Heilung hoffen. Wissenschaftliche
Untersuchungen sollen die Wirkungen bestätigt haben.
In der Abaligethöhle in den Mecsekbergen in Ungarn unterhält das Pulmologische Institut aus Pécs eine Heilstätte um Lungenasthma zu behandeln.
In der Beke Barlang im Gebiet von Aggetelek in Nordungarn wurden 1959 durch den Arzt M. Kirchkopf höhlentherapeutische Versuche unternommen, die dazu führten, daß dort ein richtiges Höhlensanatorium eingerichtet wurde.
Die Seehöhle von Miskolc-Tapolca ist heute für den reinen Badebetrieb geöffnet, aber es gibt auch einen höhlentherapeutischen Teil.
In einer schon 1961 erschienenen Arbeit über die Heilwirkungen der Kluterthöhle heißt es: "Einwandfreie Befunde zeugen am Schluß der Kur davon, daß die Heilkraft der Kluterthöhle wirklich stark ist. Begeisterte Dankbriefe an die Kurverwaltung beweisen, daß die günstige Einwirkung der Kluterthöhle in vielen Fällen eine dauernde ist." Vor allem bei Asthmakranken gilt diese Aussage.
Inzwischen gibt es auch einige künstliche "Höhlen", z.B. Bergwerke oder sonstige Stollen, Tunnels usw., die "Speläotherapie" anbieten:
Links:
Literatur:
| Spannagel, Karl Hermann | Die medizinische Wirkung der Kluterthöhle auf das Asthma bronchiale und die chronische Bronchitis, Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, 2. Heft 1961, S. 149ff. |
| Macht, Dr. Franz | Untertageklimatherapie in der Teufelshöhle in Pottenstein, Mitteilungsblatt der Speläogruppe Bayreuth, Heft Nr. 9, 1998, S. 41-42 |
| Ilming, Gertrud | Eine Höhlensage - ein Hinweis auf eine frühe Speläotherapie? DIE HÖHLE 2-1977, S.61 |
| Trimmel, Hubert | Die bisherige Tätigkeit der Kommission für Speläotherapie in Internationalen Union für Speläologie, DIE HÖHLE 2/3-1975, S. 49ff. |
| Hille, Helmut | Speläotherapie in der "Münstertalhöhle" (Schwarzwald, Bundesrepublik Deutschland), DIE HÖHLE 4-1975, S. 81ff. |
| Geyer, M, Moser, M., Walter, E. | Prähistorische Forschungen in Schachthöhlen Oberfrankens, Die Höhle 2-1970, S. 90ff |
| Kessler, Hubert | Höhlentherapeutische Möglichkeiten und Forschungen in Ungarn, Akten des 5. UIS-Kongresses, Stuttgart 1969, Band 3 T 11/1 |
| RICNY, D., SANDRI, B. u. TRIMMEL, H. (Red) | Beiträge zur Speläotherapie und Höhlenklima, II. Akten des 10. Int. Symp. für Speläotherapie, Bad Bleiberg (Kärnten), Oktober 1992, 1994 |
| TRIMMEL, H. (Red) (1992 | Beiträge zur Speläotherapie und Höhlenklima, I. Akten des 9. Internationalen Symposiums für Speläotherapie, Bad Bleiberg (Kärnten), September 1987, 1992 |
| Beamon, Sylvia | Taking the Healing Airs, DESCENT (144) Oct/Nov 1998, S. 22f. |
| White, William | A Month in Yorkshire, 1858, zitiert nach DESCENT (117) April/May 1994, p 7 |
| Bengesser, Rudolf, Pavuza, Rudolf | Zum Stand der Speläotherapie in Österreich, Die Höhle 2004, S. 43ff |
| Fartacek, Gebhard | Pilgerstätten in der syrischen Peripherie - Eine ethnologische Studie zur kognitiven Konstruktion sakraler Plätze und deren Praxisrelevanz, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003 |
| Shaw, Trevor A. | History of Cave Science, Sydney 1992 |
| Knab, O. | Das Fläschloch im Wägital, Höhlenpost 83-1990, S. 10ff. |
| Zias, J. | Diseases and Their Treatment in Ancient Israel from a Paleopathological Perspective, in: Qadmoniot, A Journal for the Antiquities of Eretz-Israel and Bible Lands, vol 30, N° 1 (113), 1997, p. 54-59 |
| Obereiner, Jean-Luc | Le legendaire du massif karstique lotois (Lot), Spelunca 120-2010, p 30 |
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