Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Schandtauberhöhle

- ein ziemlich trauriges, mißglücktes Kapitel sogenannten "Höhlenschutzes" aus Bayern - wann hat es endlich ein Ende?


"Könnte man die Canyons vor den Stürmen schützen, niemals erblickte man die Schönheit ihrer Schluchten."

Elisabeth Kübler-Ross, Erfülltes Leben - würdiges Sterben

"Die Aussperrung, die Trennung des Menschen von der Natur gehört in unserer Zeit zu den größten Problemen des Naturschutzes. Sie ist nur dort und nur zu solchen Zeiten zu rechtfertigen, wo es wirklich (und für die Naturfreunde nachvollziehbar) um den Schutz vor Störungen oder Zerstörungen geht. Wären die Ausnahmen intuitiv plausibel, gäbe es auch keine Akzeptanzprobleme. Wo Sperrungen, Betretungsverbote und Wegegebote jedoch keinen ersichtlichen Grund haben, wird man solche Einschränkungen als unangemessen empfinden. Natur, die vorenthalten wird, eignet sich nicht dafür, das Anliegen des Naturschutzes zu verbreiten..."Naturschutzgebiet - Betreten verboten!" ist jedenfalls die schlechteste Werbung für den Naturschutz". Josef H. Reichhoff, Naturschutz - Krise und Zukunft, Berlin 2010, S. 146

"Die Tür ist geschlossen, der Grundriss ist da,...." Elfried Jellinek, "Ungebärdige Wege, zu spätes Begehren"


Warum öffnet man nicht wenigstens an einem Tag des Jahres, am "Tag des Denkmals" jeweils Anfang September, das ja wohl auch alle "Naturdenkmäler" umfassen müßte, die Tore zu diesen unterirdischen "Denkmälern"? Zumindest für die Leute, die hineinpassen. Körperlich, seelisch, geistig? Was sind Denkmäler wert, die "keiner" kennt? Zugegeben, "Keiner" ist übertrieben, aber die paar, die heute noch leben, sterben auch einmal.


 

Am 7. Januar 1973 wurde erstmals, laut Gerhard Viel, Bayerns größte Muschelkalkhöhle befahren. Es jährt sich also nun zum 25ten Male dieses denkwürdige Ereignis. Sie wurde bei Steinbrucharbeiten in der Nähe von Bettenfeld bei Rothenburg an der Tauber angeschnitten. Sie ist eine bachdurchflossene Höhle im Muschelkalk.

Der Eingang

Wir haben zwar in Bayern eine schöne Verfassung, die auch allen Bürgern den Zugang zu den Naturschönheiten garantiert, allein die Wirklichkeit sieht heute leider in vielen Bereichen ganz anders aus. So auch hier.

Im Dezember 1984 versuchte ich, zusammen mit zwei Freunden vom Verein für Höhlenkunde in München e.V. diese Höhle zu besuchen. Wir fuhren einfach hin, hatten ein paar vage Informationen, versuchten Kontakt aufzunehmen, es gelang nicht. Ich schrieb anschließend in unserer Vereinszeitschrift, dem SCHLAZ, einen Artikel darüber. Ich versuchte auch den legalen Weg und schrieb einen Brief an die Bezirksregierung von Mittelfranken. Bis heute bin ich nur am Eingang dieser Höhle gestanden. Die Wut habe ich mir, teilweise, von der Seele geschrieben, in der DOKUMENTATION SCHANDTAUBER.

Im Januar 1998 waren Auszüge daraus hier im INTERNET veröffentlicht, aber die Texte schlucken zuviel Speicherplatz. Die Veröfflichung ist in den Bibliotheken des deutschen Verbandes und des Münchner Höhlenvereins evtl. einsehbar.

Das Ganze mündete in einer Geldüberweisung von mir an den "Staat", einer sogar amtlich angemeldeten Demonstration

"Für vernünftigen Höhlenschutz - gegen die allgemeinen Betretungsverbote"

, und die Sache geht weiter..

So lest ihr heute, hier...meine Meinung dazu im Internet.

Wie hat doch damals der Beamte in der Behörde geschrieben: "....durch die Veröffentlichung attraktiver Bilder sei zu befürchten, daß durch die geplante Veröffentlichung eine erhebliche Nachfrage zum Befahren dieser Höhle ausgelöst wird". Das Interesse kann man auch durch Texte wachhalten!

Ein pikante Note hat die Angelegenheit auch noch. Es gibt z.B., soweit ich weiß, keinen bayerischen Höhlenverein, der eine generelle Ausnahmegenehmigung zum Betreten der Höhle hätte (für "Forschungsvorhaben"). So muß man erst über die Grenze nach Baden-Württemberg, damit man vielleicht gnädigerweise mal einen Termin von den dortigen "Provinzfürsten" bekommt. Danke.

Die beste Antwort auf solch blühenden bürokratisch, autoritären Unsinn, was auch für die Höllern, das Schwarzbachloch und weitere Höhlen gilt, habe ich in einem Kinderbuch gefunden, Ortfried Preußlers "Räuber Hotzenplotz". Ein Bild daraus zeigt mehr als tausend Zeilen darüber:

 

In Amerika habe ich eine Beschreibung Deutschlands gelesen: "NO SENSE OF HUMOR - NEXT 1200 KM". Ob deutsche Naturschutzbehörden darüber


In und um Bettenfeld im Mai 2007
 
 

 


Literatur:

Ackermann, Günter Leserbrief an den SCHLAZ, DER SCHLAZ 46-1985, S.48ff.
Hoydem, Andreas Karst und Höhlen im Einzugsgebiet des Schandtauber-Höhlensystems, Beiträge zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland Nr. 31, S. 13-23, Stuttgart März 1987
Lindenmayr, Franz Begegnung bei der Schandtauberhöhle, DER SCHLAZ 45-1985, S. 51
Lindenmayr, Franz 107,40 DM für einen besseren Höhlenschutz, DER SCHLAZ 47-1985, S. 32ff.
Lindenmayr, Franz Antwort auf einen Leserbrief, DER SCHLAZ 47-1985, S. 37ff.
Lindenmayr, Franz Nachdenken über Höhlenschutz, DER SCHLAZ 48-1986, S. 40ff.
Lindenmayr, Franz DOKUMENTATION SCHANDTAUBER 1985
Wiedergabe des Schriftwechsels anläßlich eines Befahrungserlaubnisantrags für die Schandtaubehöhle für die Schandtauberhöhle bei Rothenburg o.d.T. zwischen Franz Lindenmayr und der Regierung von Mittelfranken, hrsg. von Franz Lindenmayr, Gröbenzell 1986
Lindenmayr, Franz Für vernünftigen Höhlenschutz - gegen allgemeine Betretungsverbote, DER SCHLAZ 55-1988, S. 18ff.
Pantle, M. Die Schandtauberhöhle 2 bei Bettenfeld, Beiträge zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland Nr. 50-2012, S. 28ff.
Rathgeber, Thomas Neue Ergebnisse der Höhlenforschung im Hohenloher Muschelkalk, Abh. Karst- und Höhlenkunde, Reihe A, Heft 16, München 1977, S. 63-73
Rathgeber, Thomas Verzeichnis der Muschelkalk-Höhlen in Südwestdeutschland, Mitteilungen Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, 21, 4, 91-98, München 1975
Rathgebrer, Thomas Erste Beobachtungen zur Tierwelt der Schandtauberhöhle bei Bettenfeld, Beiträge zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland Nr. 50, 2012, S. 17ff.
Rathgeber, Thomas Beschreibung einiger Schachthöhlen der östlichen Hohenloher Ebene, Beiträge zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland, Nr. 11, 17-26, Stuttgart, November 1976
Viel, Gerhard Schandtauberhöhle ist die größte Muschelkalkhöhle im Freistaat Bayern. Stuttgarter Höhlenforscher aktiv, Fränkischer Anzeiger, 112,077, 2.4.1977, Rothenburg o.T. 1977
Viel, Gerhard Höhlenforscher an Ostern wieder in Schandtauberhöhle, Fränkischer Anzeiger, 112,084, 13.4.1977, Rothenburg o.T. 1977
Wasmund, Michael Da geht noch was! - Neues von Fulab und Schandtauber, in Tagungsband zur 54. Jahrestagung des VdHK in Waischenfeld 29.5.2014-1.6.2014, hrsg. von Jutta und Stefan Uhl, 2014

 


Ein Foto aus der Höhle im
Naturhistorischen Museum in Nürnberg

Internetlinks:

http://www.e-biz.de/reisen/buehler.htm

http://www.umweltministerium.bayern.de/aktiv/bytn_v5.htm

http://www.bayern.de/wwa-an/pdf/lehrpf1.pdf

http://www.bayern.de/wwa-an/html,1772.html

http://www.rotamsee.de/kultur_freizeit/tour10.htm

http://www.zum.de/Faecher/Ek/BAY/gym/satgeo/Dateien/extdoc/photo1.htm

http://www.naturpark-frankenhoehe.de/naturpark/naturschutzgebiete.html

http://www.bayern.de/wwa-an/html,1779.html

http://www.swr.de/fmh/archiv/2003/10/21/print.html

http://www.naturpark-frankenhoehe.de/naturpark/pics_naturschutzgebiete/fledermaus.jpg

Wasser fließt in ewiger Dunkelheit - Fundort Natur in nordbayern.de

Umweltobjektkatalog Bayern Geotop 571H001 Schandtauberhoehle bei Bettenfeld

Naturpark Frankenhöhe • Naturschutzgebiete
 

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