Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

HÖPHO 2009


Als ich zurückkam vom HÖPHO hab ich mir zuerst einmal einen Topf Tee gebraut, mich in meinen Ledersessel sinken lassen und hab die Süddeutsche Zeitung vom Wochenende in die Hand genommen. Ein Artikel fiel mir besonders auf. Es ging im Münchner Teil darin darum, daß die ganzen Reformbemühungen von oben her für den Öffentlichen Dienst wenig bis nichts bis negative Ergebnisse gebracht haben. Stichwort: Leistungsprinzip. Man wollte einführen, daß Leute, die mehr "leisten" auch mehr "verdienen"! Zeitungskommentatoren ergießen genau in diese "Lücke" ihr Herzblut. Alleine, bei den wirklichen "Beschäftigten" kommt das ganz schlecht an. Bei ihnen ist am Wichtigsten, daß das "Klima", die "Atmosphäre" stimmt, dann leisten sie auch richtig was, gerne, gut und gelungen. Nicht, wenn ein "Vorgesetzter" einem so eine Geldzahlung gewährt.

Das hat mich einfach sehr an unsere Höhlenfotographentreffen erinnert. Seit 30 Jahren gibt es sie nun schon. Und daß sie noch am Leben sind, das verdanken sie nichtzuletzt der Tatsache, daß dort immer schon das Kooperations- vor dem Konkurrenzprinzip den Vorrang hatte. Ich zähle mich jetzt zu den "Alten", zu denen, die noch zu denen gehören, die die 68er Jahre so erlebt haben, daß sie lebensformend für mich geworden sind. Und mir war es immer schon lieber, daß wir gemeinsam was auf die Beine gestellt haben, als daß da irgendwo jemand als "Sieger" auf einem Podest stand.

Das hab ich gemacht, aber die Geschichte dahinter ist ungeheuer enthüllend für ein System, das nicht wirklich meines ist, aber halt heute, oft, herrscht. Es hat noch nie einen Höhlenfotowettbewerb bei uns gegeben! Viele Vereine, Verbände, Institutionen loben so etwas aus - beim HÖPHO gab es so etwas noch nie! G_seidank. Sollten wir so etwas mal probieren? Wäre vielleicht einen Versuch wert. Es kommt ja immer auf die Kriterien an! Das schärfste Höhlenfoto aller Zeiten! Das schwärzeste Höhlenfoto! Das lächerlichste Höhlenbild! Das wären natürlich Kategorien, zu denen auch ich sofort aus vollstem Herzen Ja sagen würde.

Letztes Jahr hatte das HÖPHO schon in Krögelstein stattgefunden, so auch heuer. Der 2-Jahres-Wechsel-Rhythmus, den wir schon von Anfang an eingeführt haben, wurde wieder eingehalten. Stefan und Angela Lang waren auch diesmal für den organisatorischen Rahmen verantwortlich und hatten wieder das perfekt geeignete Jugendheim mitten in Krögelstein zur Verfügung. Wieder hing das gelbe HÖPHO-Schild an der Eingangstür, hinein ging es diesmal allerdings von hinten aus Sicherheitsgründen und Beschwerden des Küchenmeisters, daß es etwas ruhig sein sollte in seinem Reich.

Freitagnachmittag tröpfelten so langsam die Teilnehmer ein und füllten allmählich den großen Saal mit seinen hölzernen Tragesäulen und religiösen Sprüchen an den Deckenbalken darunter. Wer Durst hatte, der konnte sich aus den vielen Kästen bedienen, die im Gang draußen zur Verfügung standen. Besonders das Bier aus den kleinen Brauereien der Umgebung, jetzt mit Bügelverschluß!, verdient Erwähnung. Jedes Getränk kostete einen 1 €, da wurden grad die Unkosten gedeckt. Eine Sammelbestellung für Pizzas, die in einer Kneipe in der Umgebung für uns hergestellt wurden, wurde aufgenommen und Angela kümmerte sich darum. Es war fast schon 9 Uhr abends, eh es dann Richtung mit dem Programm losging. Tom Fürtig, auch schon ein UrHÖPHOler, begann dem Zeigen seiner Bilder vom letzten Male. Auch so eine Tradition. Wiederholungen sind gewollt. So zeigt er schon seit Jahren einen gewissen Herrn beim Sortieren seiner Bilder. Da kommt nix Neues dazu, aber gelacht wird trotzdem immer. Das Lachen ist das wichtigste Mittel, um die Atmosphäre zu lockern und langsam eine Art Gemeinschaft aus den Anwesenden entstehen zu lassen. Es sind nicht nur die Bilder, die gezeigt werden, sondern auch die mehr oder weniger gelungenen Sprachbeiträge dazu, sowohl vom Vortragenden als auch aus dem Publikum.
Dann kam der Beamer zum ersten Einsatz und ich ergänzte das Thema HÖPHO 2008 durch meine Digitalfotos vom letzten Jahr. Da die Stimmung auf den Bildern viel besser ist, wenn man nicht blitzt, waren viele nur mit dem vorhandenen Raumlicht aufgenommen worden. Das brachte dann aber mit sich, daß so manches Fotos "verwackelt" war. Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht und hab dann auch diese "dynamischen" Motive gezeigt!
Da alles schon so schön aufgebaut war, wollte ich im Anschluß dran gleich einen kleinen Beitrag unter dem Titel "Neue Ideen für die Höhlenfotographie" zeigen. Es blieb leider bei der Absicht, denn ich fand die Datei auf dem Laptop nicht mehr! Blöd, aber so wars halt.

Die Bühne wurde frei und gleich vom hoffnungsvollen Nachwuchs besetzt. Ein digitaler Film wurde gezeigt von Mitgliedern der Nürnberger Höhlenforschergruppe GUANO. Sie hatten sich aufgemacht, um die einstmals tiefste Höhle der Erde, den Gouffre Berger im Vercors bis in fast 1200 m Tiefe zu befahren. In 3 Teams zogen sie dieses Unternehmen erfolgreich durch und dokumentierten dann auch dieses Ereignis. Am längsten bleibt mir die Autofahrszenen im Gedächnis. Wir warfen einen Blick durch die Frontscheibe eines Autos hinaus auf die kurvige Straße, die von einem Autofahrer, Typ Schumacher, bewältigt wurde. Im Vordergrund lag da eine schicke schwarze Sonnenbrille und ein Plastiklurchi von Salamander. Ob die die Hochfläche überhaupt erreichen? Das Manko solcher Filme ist, daß irgendwie die Spannung fehlt, solange alles gut geht. Es gibt z.B. einen alten Schwarz-Weiß-Film über diese Höhle, da wurde deren Erforschungsgeschichte dokumentiert, und da schwebt immer im Hintergrund die Frage, wie es weitergeht. Ist die Höhle mal erforscht und vermessen, dann fällt dieses Moment vollkommen weg und es drängt sich schon die Frage auf: Warum gehen die da noch einmal hinein? Der analytische Verstand frägt sich das halt und das Gefühl sagt vielleicht: Weil es Spaß macht und ich mich einer solcher Herausforderung stellen will. Genügt ja auch als Antwort. Wir bekamen noch einen zweiten Streifen zu sehen über die Höhle mit dem Schlüssel. Ein kleines Eisentor wurde aufgesperrt und dahinter öffnete sich ein Tropfsteinparadies, das mit vielen Details uns vorgeführt wurde, begleitet von ausgefallener Musik. Die Geschmäcker wandeln sich da ja gewaltig. Gabs früher mal Klassik oder Pink Floyd im Hintergrund, sind es jetzt öfters elektronische Klänge oder Blasinstrumente.
Als nächstes gab es Bilder vom Hölloch in der Schweiz (Stephan Uhl und Jutta Juranitis). Wir bekamen zuerst eine kleine Zusammenfassung der Erforschungsgeschichte der Höhle vorgetragen und nahmen dann optisch an zwei Rundgängen durch das Riesensystem teil. Es war schon erfrischend, wieder mal ein anderes Höhlengebiet vorgestellt zu bekommen, aus dem es in den vergangenen 30 Jahren fast nie Bilder zu sehen gegeben hatte. Die Schwerpunkte früherer Tage, die Doubs- und die Ardèche-Region in Frankreich, war diesmal gar nicht vertreten.
Zum Schluß zeigten noch die Langs ihre Bilderjahresernte und zeigten uns erwartungsgemäß wieder, was Bilder der "A-Klasse" sind. Wir sahen u.a. ein paar Fotos von Wasserfällen aus den Höhlen der Taugl bei Salzburg, aus der Eiskogelhöhle, aber auch ganz "frische" Bilder von aktiven "Tümmlern" in der Fränkischen Schweiz.

Draußen vor dem Saale begann ein neues Kapitel, als sich die beiden Reinhards, Lemmer und Kieselbach, zusammentaten, die Gitarren herausholten und mit der Musik begannen. Dem Vernehmen nach sollen die letzten um 4 Uhr früh ins Bett gekommen sein.

Der nächste Morgen begann mit einem hervorragenden Frühstück. Angela hatte einen Berg frischer Semmeln besorgt, auch köstliches fränkisches Brot war vorhanden, Kaffee kam in weißen Kannen am laufenden Band aus der einzigen Kaffemaschine, mit Schinken, Ziegenkäs und vielen Marmeladen waren für schlaraffenlandähnliche Zustände die Grundlagen gelegt.
Auf 10 Uhr war der offizielle Abmarschtermin zur Wanderung durchs Kaiserbachtal und nach Sanspareil von Stefan gelegt worden. Es waren dann bestimmt 30 Leute, die da tatsächlich mitgemacht haben. Es wurde ein schönes Erlebnis! Und wir kamen sogar an richtigen kleinen Höhlen vorbei: Säukirche, Schwalbensteingrotte, Kühkirche, Geiersteingrotte... Dann ging es Richtung Zedersitz, Sanspareil. Dort trafen wir mit anderen HÖPHO-Teilnehmern zusammen, die es sich einfach gemacht hatten und mit dem Auto hierher gefahren waren. Einige gaben auf und fuhren bequem auf vier Rädern wieder zurück, der Haupttross machte weiter und marschierte stramm die volle Strecke durch. Es dürften schon 15 km gewesen sein, die uns danach in den Knochen steckten. Einziger Kritikpunkt ist, daß wir unterwegs keine "Saugstelle" oder ähnliches passieren konnten, wo wir uns unterwegs hätten stärken können. Das ist aber den Organisatoren nicht anzulasten, denn der Betrieb in Sanspareil hatte ganz einfach geschlossen, wohl wegen des Gästemangels bei dem relativ schlechten Wetters.

Es war schon 4 Uhr nachmittags, eh im Jugendheim wieder die Projektoren angingen und Höhlenfotos gezeigt wurden. Angela Lang begann mit angeblicher "B-Ware" aus ihren Diaarchiv. Die Grundstruktur des Vortrags sollte einfach sein, man betritt eine Höhle, bewegt sich kurz in ihr und kommt wieder heraus. Begleitet wurde das von expressiver Musik, wo bei einem Text explizit vom "Enter a dark hole" die Rede war. Hinterher gab sie dann doch zu, daß zwischendrin auch mal A-Ware mit eingeschmuggelt worden war! Ein schöner Beitrag. Michael Laentzsch machte weiter und brachte eine noch nie gezeigte Perspektive mit herein. Sein Leitthema waren eigentlich Felsbilder im Südwesten der USA, die man halt auch in Halb- und Viertelhöhlen findet. Und das war dann noch garniert mit einigen Landschafts- und Blumenfotos. Da die 6x6-Projektoren schon mal aufgebaut standen, machte ich weiter mit einem Beitrag, der inspiriert war von einer Idee des letzten Jahres. Damals waren es Französiche Höhlen von A bis Z, diesmal versuchte ich es mit "Deutsche Höhlen von A bis Z". Um nicht so schnell wieder fertig zu sein, präsentierte ich bei jedem Buchstaben jeweils 2 verschiedene Objekte, also z.B. Abergofen, Attahöhle, Bismarkgrotte und so weiter bis Zoolithernhöhle. Bei X und Y fehlten mir Bilder. Da diese Buchstaben ja in mathematischen Gleichungen oft für die Unbekannten stehen, zeigte ich da Motive, zu denen ich nicht dazu sagte, aus welcher Höhle sie stammten.

Dann war schon Zeit für den kulinarischen Höhepunkt der ganzen Veranstaltung. Es gab das große Gyros, das Reinhard Kieselbach als Maitre de Cuisine, zusammen mit seiner Küchenfrauschaft, bestehend aus Marianne und Susanne, für uns gezaubert hatte. Zuerst gab es einen Mischsalat mit einem Traumdressing unter Verwendung eines Nußessigs, von dem so mancher nicht einmal mehr die Salatsoße übrig ließ. Dann hieß es anstehen in einer langen Schlange vor der Küchentüre, um auch eine Portion Gyros mit Reis und Tzatziki zu kriegen. So war Zeit zurückzublicken und Wilfried Lorenz erzählte vom Anfangsmoment der HÖPHO-Geschichte, als er Bernd Kliebhan fragte, ob man sich nicht bei ihm in der neu erworbenen Scheune treffen könne, um einmal zusammen Höhlenbuidln anschauen zu können. Tatsächlich wars dann nicht dort, sondern im Wirtshaussaal auf der anderen Straßenseite von Bernds Anwesen in Münzenberg, wo wir uns zum ersten Male zusammengesetzt haben, 1980.

Es wurde Zeit für die große Abendsession, die mit einem Knaller begann, der die ganze Reise sofort gelohnt hat. Vor 15 Jahren hat Max Wisshak mit dem Höhlenfotographieren begonnen und es wurde Zeit für eine "best of"-Session. Wir sahen einen meisterhaften Vortrag, den er auch aus Promotionzwecken für sein Buch "Inside Mother Earth" zusammengestellt hat. In digitalisierter Form, begleitet von maßgeschneidert wirkender Musikuntermalung, bekamen wir viele Highlights aus der Welt der Höhlen, in 1-A-Qualität fotographiert, zu sehen.
Danach noch weiterzumachen, das war eigentlich nicht mehr nötig. Wir hätten genauso gut auch aufhören können und die 1000 herrlichen optischen Eindrücke richtig in uns einsinken lassen können.
Aber es ging weiter - und das mit sehr gelungenen Beiträgen. Alex Bengel und Timo Hess, die in den Räumen im Jugendhaus schon eine schöne Ausstellung mit Großfotos von ihren phantastischen Höhlenbildern bestückt hatten, zeigten uns sowohl aus Griechenland als auch Slowenien Höhlenbilder vom Feinsten, diesmal mit Livekommentar, der sich durch seine Handgemachtheit angenehm von der glatten Perfektion der vorangegangen Slideshow abhob.
Dann griff Klaus-Jürgen Fritz in seine Bildersammlung und kontrastierte das Ganze noch einmal, in dem er hauptsächlich Fotos aus Bergwerken zeigte. Das ist ja eine man-made underworld, die gekonnt ausgeleuchtet, auch ihre optischen Reize entfalten kann, sowohl formenmäßig, wie im Falle von Salztropfsteinen, wie auch in Bezug auf leuchtende Farben wie in Wettelrode. Gaspard Magarinos bot uns quasi die eine Hälfte der 3-D-Höhlendiashow, die er zusammen mit Andi Schober allmählich aufnimmt. Der Andi war diesmal nicht dabei, so daß wir gewissenmaßen nur mit dem linken Auge hineinschauten in diese perfekt konzeptionierten und ausgeleuchteten Höhlenfotos. Wieder fiel sehr angenehm auf, daß sie sich mit anderen, als den Standardhöhlen fotographisch auseinandergesetzt haben, diesmal z.B. im Vercors mit der Gournier oder der Bournillon.
Tom Fürtig setzte mit richtig traditionellen Kleinbilddias das Programm fort und zeigte seine Ausleuchtungen von Höhlen in den französichen Causses, Zeugnisse eines Unermüdlichen. Den Abschluß bildeten Meisterwerke von Manfred Kornherr, der viele Jahre lang jetzt nicht mehr dabei gewesen war. Ich habe nur Lob in höchsten Tönen über die Dias gehört, die zeigen, wie unterschiedlich man in Höhlen auf höchstem Niveau fotographieren kann.

Viele sind bereits am Samstag abend wieder heimgereist, so daß der Kreis der Teilnehmer am Frühstück am nächsten Morgen recht übersichtlich war. Letzte Blicke waren möglich in Günther Forstmeiers Höhlenbilderalben waren möglich, eine Kunst, die nur er pflegt. Auch dies ist ein Aspekt der Höhlenfotographie, die da ihren "Meister" gefunden hat.

Bevor alle auseinander strebten wurden noch einmal die Vorhänge zugezogen und ich präsentierte noch meine 25 Jahre alten 6x6-Dias aus den unterirdischen Highlights der Fränkischen Schweiz, Weidensees, Zoolithen, Moggaster usw.. Die Bilder der letzten Tage hatten uns um die ganze Welt geführt, das gabs ja Fotos aus der Puketiti Flower Cave genauso zu sehen wie aus der Lechuguilla und noch 100 anderen Superhöhlen. Jetzt, zum Ausklang, gabs noch Buildn aus der "Heimat" - und auch die haben ihren Reiz und ihre Einmaligkeit.

Laßt uns Stefan und Angela ausdrücklich danken, daß sie sich bereit erklärt hatten, die HÖPHOs zu organisieren und das ganz souverän gemacht haben. Und natürlich auch Reinhard, der eine einmalige geschmackliche Seite mit Hilfe seiner Küchenfrauschaft hineingezaubert hat. So etwas hat schon transzendentale Qualitäten in unserer rationalen Zeit. Denn da ist wirklich kein Geld damit zu machen, sondern allenfalls persönliche Wertschätzung, die wir aber alle sehr zu schätzen wissen. Danke.

Bis zuletzt wurde gerätselt und gerungen, wo denn das nächste Mal ein HÖPHO stattfinden soll. Am Ende habe ich mich bereit erklärt, noch einmal, das ist dann die dritte Serie, diesen Job zu übernehmen. Angepeilt ist das Allgäu, eine Region, wo wir überhaupt noch nicht waren. Wenn die Details klar sind, wird man hier davon lesen können.

 


> HÖPHO 2010


Literatur:

Lorenz, Wilfried Höpho 2009 in Krögelstein, Der Fränkische Höhlenspiegel 56 - Oktober 2009, S. 68f.

 

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