Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Forschungstage der FHKF in Betzenstein 2018


Landschaft und Höhlen um Betzenstein, Fränkische Schweiz, D


Unter dem Motto "Katasterarbeit rund um Hetzendorf/Betzenstein" trafen sich vom Do 31. bis So 3. Juni 2018 Mitglieder/Fördermitglieder der Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken wieder einmal für ein paar Tage im Karst der Frankenalb, um damit die Welt, die Mitmenschen und sich selbst besser kennenzulernen.

Treffpunkt war diesmal die Hersbrucker Hütte bei Hetzendorf des DAV Hersbruck. 

Stefan Sörgel kümmerte sich maßgeblich um die Organisation und erarbeitete eine vierseitige Einführung, damit alles wie am Schnürchen laufen konnte. Die Anmeldung konnte zeitgemäß über eine Doodle-Plattform stattfinden (das ist schon festzuhalten, denn wenn man diese Seiten vielleicht in ein paar Jahren wieder öffnet, dann wundert man sich vielleicht, wie "primitiv" man damals noch solchen Themen umging (noch früher schickte man ja z.B. noch Briefe mit Umschlag und Briefmarke und Adressen und Briefkasten usw....). Es gab darin einen richtigen vorläufigen Wochenplan, Hinweise zur Geländearbeit/Katasterarbeit, Hinweise auf den Impfschutz, den Hinweis auf den Solifonds und die private Unfallversicherung, das Nachtlager, die Verpflegung (Obulus 30 Euro) und die Getränke. An alles war gedacht.

Seit 2017 bin ich ein "Fördermitglied" der FHKF und war deshalb auch eingeladen zu den Forschungstagen. Zeitlich paßte es diesmal gut, so daß ich gerne da auch einmal mitmachen wollte. Als ehemaliger Lehrer an einer kaufmännischen beruflichen Schule fiel mir sogleich das Wort "Arbeit" im Ausschreibungstext auf. Arbeit hat ja zwei verschiedene Bedeutungen. Einmal ist sie Ausdruck für die Plackerei, die Mühe, die unangenehme Seite des Lebens, die man einfach auf sich nehmen muß, um zuerst einmal zu überleben, "what do you do for a living"? Und wo man froh ist, wenn man die endlich hinter sich hat, wenn man in die "Rente" geht, so wie ich.
Da gibt es aber auch die andere Seite. Wenn die Arbeit für positive Weltbegegnung  steht, wo man seine besten Talente hervorbringen und ausdrücken kann, Eigenschaften, die man im Berufsleben öfters nicht zeigen konnte, weil da was ganz anderes gefragt war, man mußte gehorsam sein, sich einordnen und nicht aufmucken, Routine und Phantasielosigkeit aushalten mußte.

Jedenfalls habe ich nicht an "Arbeit" gedacht, als ich am Donnerstagmorgen auf das Sträßlein zur Hersbrucker Hütte einbog. Überall stand schon geparkte Autos, so daß ich auf dem Zufahrtsweg einfach den wildwüchsigen Wiesenrand fahren mußte. Bei der Hütte saßen schon viele, hatten gerade gefrühstückt. Um 10 Uhr ging es los mit dem allgemeinen Briefing. Stefan erzählte das Allgemeine, Martin Harder das Spezielle -  das Geographische und was die sich erst noch bildenden Gruppen der Teilnehmer im Laufe des Tages erarbeiten sollten. Es war alles prima vorbereitet, so daß es eine Freude war, sich ins Gelände aufzumachen und die fehlenden Katasterunterlagen zusammenzutragen. 
Es gab drei Prioritätsstufen, wobei rot die wichtigsten Objekte markierte. Dort sollte z.B. ein Plan erstellt werden, es fehlten Photos, Beschreibungen usw..

Viel Vorarbeit im Kataster war nötig gewesen, um herauszufinden, wo denn noch "Lücken" im Kataster waren. Schwerpunkt sollte das Karstgebiet B sein, aber es stellte sich heraus, daß, wenn man einen Zirkel mit dem Radius 15 km um den Standort schlug, zu wenig fruchtbare Objekte dabei waren. Der Radius wurde auf 25 km erweitert und schon war man auch in Katastergebiet A und D, und bei einer größeren Anzahl von Höhlen. Jeder konnte sich aussuchen, wo er hinwollte und mit wem er loszuziehn beabsichtigte. 

Ich war bei der Gruppe, wo "Fritz" den Kern bildete, da er schon viele Pläne früher gezeichnet hatte und daher wußte, worauf es da ankam. Dann kamen noch Dirk und Kerstin dazu. Und, als Besonderheit, ihr Hund! Als "Betzenstein Ost" war unser Arbeitsgebiet bezeichnet worden und dort blieben wir auch bis 4 Uhr nachmittags. In drei Regionen suchte wurde die Gegend abgesucht, wir fanden die Höhlen, schloffen in jedes Loch. Die Objekte wurden vermessen, gezeichnet, was hauptsächlich Fritzens Arbeit war, ich photographierte, Dirk übernahm hauptsächlich die Kriecharbeit in jedes potentielle Loch. Insgesamt waren wir recht erfolgreich und kamen höhlensatt und ein wenig müde wieder bei der Hütte an. Die Organisatoren hatten die Devise ausgegeben, daß in der Zeit 16 und 18 Uhr die Ergebnisse aufgearbeitet und abgeschlossen werden sollten, was mehr oder weniger tatsächlich passierte. 

Danach wurden die hungrigen Mäuler gestopft. Bernd Nerreter warf der großen Grill an und briet heraus, was zur Verfügung stand. Ein leistungsstarkes Küchenteam hatte für Kartoffelsalat und weitere Salate gesorgt, ich hatte ein 20-Liter-Faß GRÜNER BIER spendiert, so daß reichlich was zum Trinken zur Verfügung stand. Hungrig und durstig mußte da keiner mehr bleiben.

Es gab danach noch ein ausführliches Abendprogramm: Stefan referierte erst einmal über die Ausrüstung des Höhlenforschers in Fränkischen Höhlen, dann gab es noch ein wenig Knotenkunde von ihm. Wer noch wollte, der kam mit Bernd in den Vortragsraum und konnte seinen erstaunlichen Ausführungen zum Thema "Wünschelrute" folgen. Eine rationale Erklärung dafür hat er nicht, aber es scheint zu funktionieren. Wenn es stimmt, was er sagt, dann können wir bald mit riesigen Forschungserfolgen im Karst der Fränkischen Schweiz rechnen! Letztlich zählt ja nur der Erfolg, egal woher er kommt.

Es war längst Nacht draußen, das Wetter kippte um, es begann kräftig zu regnen. Einige hielten noch länger aus, trotz aller Bemühungen wurde das gekühlte Faß an diesem Abend nicht leer.

Am nächsten Morgen gab ein wirklich üppiges Frühstück. Einer war so freundlich, und war ins Dorf gefahren, um beim Bäcker frisches Brot und knusprige Semmeln zu holen. Viel starker Kaffee stand herum, wer wollte, konnte noch das übrig gebliebene Grillgut sich auf die Semmel legen. 

Ein kurzes Briefing und los ging es wieder ins Gelände...

Für mich war allerdings wieder "Schicht im Schacht". Beim Gehen in dem glatten Gelände am Vortag mit viel Blattwerk am Boden und vielen Astwerk darunter hatte ich mir am großen Zehen etwas zugezogen. Jeder Schritt tat ziemlich weh und der Fuß schwoll an. So  beschloß ich, es gut sein zu lassen und wieder heim nach München zu fahren. Schade. Aber diese Forschungstage werden ja hoffenltich im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Das Konzept stimmt, die Ausführung läuft, die Organisatoren sind geschickt und es kommt am Ende etwas raus dabei. Macht weiter so.

 

Beim Morgenbriefing   
     

Literatur:

   

Links:

https://www.dav-hersbruck.de/index.php/huette/die-hersbrucker-huette

https://www.fhkf.de/

Landschaft und Höhlen um Betzenstein, Fränkische Schweiz, D

 


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