Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Großen Lautertal, Schwäbische Alb


Talhädeleshöhle


Wie erlebe ich ein Stückchen Erde? Zum Beispiel das Tal der Großen Lauter auf/in der Schwäbischen Alb? Meist ist das stückchenweise. Ein anderes Stückchen davon ist z.B. auf meiner Homepage unter dem Stichwort Zwiefalten gespeichert. Stückchenweise auch zeitmäßig gesehen. Mal im Frühjahr, mal im Herbst, auch mal im tiefsten Winter. So rundet sich allmählich das Bild zu einem Kaleidoskop.

45 km ist der Fluß lang, wobei er nur so "lang" ist, wenn man allen seinen Wegen folgt. Wenn man das "how the crow flies" sieht, dann sind das schon ein paar Kilometer weniger. Aber das hilft nichts, weil wir halt keine Krähen sind.

Am 4. Januar 2004 war ich wieder mal da. Willi Adelung war auch wieder mal dabei. Wir hatten uns den Teil zwischen Lauterach und der Donaumündung ausgesucht. In diesem kurzen Stück malerischer Natur sind im Höhlenkataster immerhin 7 Höhlen verzeichnet. Ein verhangerer, leicht verschneiter Winternachmittag war es, als wir denn kleinen Wegen folgten. Felsgruppen tauchen links und rechts der mal vorhandenen, mal nicht vorhandenen Wege auf. Wir folgen erst einmal der linken Talseite, kommen an der Gabelhöhle vorbei, die scheinbar im Winter trockenen Fußes erreichbar ist. In der Beschreibung der Höhle heißt es: "Sie wird am besten durch Waten in der Lauter erreicht." Zu sehen ist da nicht viel. Eine Felsnische mit Überschwemmungsspuren. Das Eis trug. Wir konnen am selben Flußufer weiterlaufen. Die Jägerhöhle, schon von weitem sichtbar, kam bald darauf. Hier ist wieder einmal das Wort "Höhle" in Ausrufezeichen zu setzen, denn, was ist schon eine "Höhle"? Ist jedes "Felsdach" schon eine "Höhle"? Nichts gegen "Felsdächer"! Auch hier ist ein wunderbarer Ort. Trocken. Geschützt. Einladend. Hier könnte man gut übernachten. Ein Feuerplatz ist auch schon da und wird auch benutzt. Vögel scheinen diesen Platz auch gerne zu haben. Einige Nester waren in Felsnischen und -vorsprüngen zu sehen. Ob die das "Vögeln" hier oder wo anders "erledigen"?


Das tragende Eis machte eine einfache Bachüberschreitung möglich. Wir kamen beim Elektrizitätswerk an. Schon fast so ein Symbol für das, was uns heute als "Grüner Strom" versucht wird, zu verkaufen. Strom aus Wasserkraft. Angeblich umweltfreundlich. Dazu mußte aber dieses Tal auf einer wesentlichen Strecke seinen Naturcharakter erst aufgeben! Der Bach wurde in einen Kanal gezwängt und wird nun auf drei Strecken unterirdisch in künstlichen Tunnels möglichst direkt den Turbinen zugeführt. Hat er dieses Aufgabe erfüllt, darf er wieder ungehemmt sich "ausfließen".

Wo waren bloß die im Kataster aufgeführten Höhlen? Am leichtesten war noch die "Pfaffensteghöhle" auszumachen. 1864 schon wurde sie von Quenstedt in einer nicht zu übertreffenden Formulierung als "kurzes schön geschwungenes Gewölbe" beschrieben. Spätere nüchternere Generationen haben sie als "einzigen großen, sackförmigen Raum 12 m weit bergwärts" beschrieben. Das ist so richtig eine Höhle "ohne Geheimnis". Du gehst hinein, siehst alles, fast schon auf einen Blick, und kannst auch gleich wieder gehen. Richtig seltsam mutet das Mauerfundament an, das vor dem Eingang am Ufer der Lauter zu sehen ist. Früher gab es da wohl eine Eisenleiter (zumindest steht davon noch in der Höhlenbeschreibung), aber 2004 ist das nicht mehr so. Hüpfen, Springen, Abseilen oder gleich einen anderen Weg wählen, anders kommt man da heute nicht mehr herunter (heute 2004 - da kommen wir wohl auch nicht mehr schon schnell raus angesichts des "Runterfahrkurses" der Regierung, der gerade gefahren wird).

Auf der selben Uferseite sind noch mehrere "Löcher" in der Wand zu sehen. Eines davon haben wir angeschaut. Eine kleine Felsnische, ein drei Meter langer Felsengang, der gleich wieder nach draußen führt, mehr war da nicht. Ob hinter den anderen Öffnungen mehr steckt? Noch zwei Höhlen haben wir beim Zurückgehen gefunden, die Bettelhöhle und die Talhädeleshöhle. Der Eingang zur Bettelhöhle ist vom Weg aus eigentlich nicht zu übersehen. Etwa 10 m oberhalb ist in den Felsen auf einmal eine Mauer und eine Tür auszumachen. Steigt man weglos hoch, dann erreicht man unschwierig den Vorplatz. Längst ist hier die Zeit vorbei, wo man diesem Ort wohl mal einige Bedeutung beigemessen hat. Steinstufen zum Eingang von oben her wurden da mal gebaut, eine Ziegelmauer mit einer inzwischen weitgehend zerstörten Tür wurde errichtet, im Innern der Höhle wurde das Gelände planiert und der Boden "mit gelegten Backsteinen versehen". Höhlenwärts setzt dann mal ein niedriges Mäuerchen eine Grenze. Danach geht es "wild" noch weiter. Es sieht fast so aus, als würde man, Enthusiasmus vorausgesetzt, da durch Herausgraben von der ganzen Lehm- und Steinfüllung, die den Weiterweg verschließt, noch ein paar weitere Meter tiefer vordringen können. Wozu? Im Grunde ist diese Frage der "Todesstoß" für die Höhlenforschung. "Richtige" Höhlenforscher stellen nämlich im Grunde diese Frage nicht und graben einfach. Immer weiter. Und wenn sie anstehen, dann machen sie vielleicht einen Haken und graben dort, wo es halt gerade noch weitergeht. Und wenn sie aufhören, dann macht vielleicht die nächste Generation weiter. Wenn man sich genauer umsieht, dann sieht man natürlich noch mehr. Den kleinen Knöpfchensinter an verschiedenen Stellen, die kleinen Tropfsteine, die den Ansturm der Menschenheit bislang überlebt haben, die paar Zackeneulen in einer Seitennische, die leeren Bierbüchsen in einer Ecke....

Die Talhädeleshöhle liegt ein bißchen exponiert oberhalb des ersten Kanaltunnels, in den man den früher Menschen diesen Albfluß gezwängt haben. Nicht jeder wird da gerne hingeben, denn ein kleiner Fehltritt würde schon genügen um ihn nach einer steilen Rutschpartie direkt in den Kanaltrog mit eiskaltem Wasser zu befördern. Im Grunde ist diese Höhle auch nur eine der vielen, die, wenn man sie besucht hat, möglicherweise auch frägt, warum man eigentlich da hineingegangen ist. Da war eine Erdöffnung, man hat sich gefragt, was kommt da vielleicht, man ist da hineingeschlupft über ein rutschiges Felsband, das kaum Platz für sich geboten hat, aber es ging halt grad so, da tut sich da eine Öffnung auf, die nur in ganz gewundener Stellung überhaupt Zulaß ermöglichte. Rechts, Mitte, links - drei "Wege". Das klassische Wegwahlproblem löst sich hier binnen einer Minute. Alle Wege führen nicht nach Rom, sondern binnen weniger "Meter" an ihr definitives Ende. Wie unterschiedlich subjektiv all das ist, was angeblich "objektiv" sich gibt, das fiel mir auch hier auf. Da sah der Verfasser der Höhlenbeschreibung in einen Höhlenteil "Calcit-Salbänder", die mir nicht aufgefallen sind, dafür wundere ich mich, warum die "klein"wunderbaren Wurzeln von den Bäumen oberhalb der Höhle nirgends Erwähnung gefunden haben.


30. Dezember 2004 Wieder nehmen wir uns mal Zeit, weitere Puzzlesteinchen im Lautertal zu besuchen. Diesmal sind es das Wolfstal, das Pfarrtal, die Burg am Wartberg und die Bettelmannshöhle, die größte Höhle im Gebiet, immerhin 57,8 m lang.

Im Wolfstal
Durchs Pfaffental zur Ottilienhöhle

Die Bettelmannshöhle

 
     
 
     
 
     
 
     
2014 anläßlich von HÖREPSY 2014
     
 
     
 
     
 
     
 

Der Ursprung der Großen Lauter liegt in einem künstlich aufgestauten Quelltopf beim Gestüt Offenhausen. Ein schöner Ort. Oberhalb im Talhang liegen zwei Höhlen, die relativ schwer zu finden sind, hat man keine gute Wegbeschreibung, die Spalthöhle und der Hohle Fels.

 
     
Spalt- oder Schneewittchenhöhle

 

> Aronstab am Eingang

     
   
     
Hohler Stein
     
   
     

 

 


Literatur:

Binder, Hans Höhlenführer Schwäbische Alb, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1977
Jantschke, Herbert Höhlen im Kartenblatt 7723 Munderkingen, Materialhefte für Karst- und Höhlenkunde 12, 1992, Heidenheim 1992, S. 8-101
Meyer, Jürgen Wilde Höhlen, Grotten, Felsennester, Oertel+Spörer, Reutlingen 2011

Links:

http://www.schrode.net/muensingen/bichishausen.html

http://www.lustwandeln.net/wwtreffen.htm

http://www.gewicom.de/lauter/lauter.htm

http://www.absoluteswissen.de/lautertal.htm

http://www.fahrrad-tour.de/Lautertal/Bilder/BMaeander.htm

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