Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen bei Zwiefalten / Schwäbische Alb

Ausblick aus der Wimsener Höhle


Wimsener Höhle

Glastal

Großes Lautertal

Zwiefaltendorfer Höhle


"Tief eingeschnittene Täler" im Osten und die "Flächenalb" im Westen, das seien die charakteristischen Kennzeichen der Schwäbischen Alb im Bereich um Zwiefalten, so Hans-Martin Luz in seiner monographischen Beschreibung der Höhlen im Kartenblatt 7722. Daß das prachtvolle Täler mit mächtigen Felsbastionen, stillen Bächen, schmalen Wegen und einer Vielzahl von kleinen, durchaus mal auch besuchenswerten Höhlen bedeutet, das habe ich nicht geahnt. Jedenfalls waren wir am 6. Mai 2002 mal dort, Willi Adelung, Peter Forster und ich, und waren am Ende richtig überrascht von der Schönheit der Gegend.
Drei Höhlen haben wir dabei besucht und 10 "Löcher". Höhlen wollten wir diese überdeckten Karstobjekte nicht recht nennen, will man den Ausdruck nicht inflationär gebrauchen.

Die bekannteste Höhle ist sicherlich die "Wimsener", einzige Schauhöhle Deutschlands, die man mit dem Boot befährt, zwar nur kurz, aber immerhin.

Neben diesem "Starobjekt" gibt es auf dem Kartenblatt Zwiefalten derzeit noch 45 weitere eingetragene Objekte, wovon aber nur 42 zugänglich sind. Meist sind es nur kleinere Höhlen, mit einer Ausnahme, die Große Gerberhöhle bei Indelhausen, die immerhin 64 m mißt. Sie liegt an einem besuchten Wanderweg und ist bestens ausgeschildert. Sie ist aber nicht ganzjährig zugänglich. Im Winterhalbjahr ist sie aus Fledermausschutzgründen verschlossen und deshalb massiv vergittert. Ein Besuch lohnt sich. Bequem geht es in einem geräumigen Horizontalgang bergwärts. Wer vor nichts zurückscheut, der kann am Ende auch noch richtig kriechen und robben um auch die Endräume zu sehen. Wegen des häufigen Besuchs gibt es an den Wänden allerhand zu entdecken: von SS-Runen, über Namensinschriften bis hin zu Wandkritzeleien mit sexuellem Bezug (5.Mai 2002).

 

 
Kleine Gerberhöhle 2014
 
"Höhlenmarterl" am Weg

Ein sehr schöner Spaziergang führt durchs Glastal. Wer Lust hat, der kann beim Parkplatz an der Straße Hayingen-Aichstetten bei der Hayinger Brücke auch erst einmal einige Schritte ins Längental tun und kommt nach einer Linksbiegung direkt am Eingang in die Tiefentalhöhle vorbei. Sieht von außen gut aus, weil es im Hintergrund richtig dunkel wird, der Besuch ist aber schnell sehr ernüchternd. Keine, aber auch gar keine Fortsetzung. Und der Mensch soll kräftig bei der Höhlen"entstehung" mitgemischt haben, Sand wurde dort abgebaut.

 

Der Weg durchs romantische Glastal führt an zahlreichen Höhlen vorbei, wobei die meisten sehr auffällig sind und mit Namensholztäfelchen gekennzeichnet wurden, die Bärenhöhle, die Glashöhle, Alt-Ehrenfels-Höhle, Glastal-Spaltenhöhle, Felstor bei der Alt-Ehrenfels-Höhle, Sackloch. Beim Lämmerstein lugen massive Felswände mit kleinen schwarzen Öffnungen drinnen durchs Gehölz und ab der Quelle des Hasenbachs rührt sich auf einmal was im Talgrund, das ab da ein Bächlein neben einem plätschert.

Ein weiterer schöner Spaziergang führt durch einen Abschnitt des Lautertals bei Anhausen. Ein Wanderparkplatz bei der Maisenburg ist der Ausgangspunkt. Auf der linken Talseite kann man dem munteren Flüsschen folgen und eine kleine Höhle nach der anderen anschauen, die Ochsenlöcher, die Höhle mit den zwei Kammern, das Felstor im Schwarzlochfelsen, das Schwarzloch selber und das Heuscheuerle, ein großer Felsüberhang, der eine Fläche von rund 250 m² überdacht.

Lautertal

unten: Ochsenlöcher

Schwarzlochfelsen
Hohlkehle
Heuscheuerle
Vogelnest in der Höhlenwand

Ein Stück der Höhlenwand

Ein Kapitel Karst & Küche sei auch erwähnt. In Zwiefaltendorf grüßt direkt an der Straße ein großes Schild "Gasthof Tropfsteinhöhle". Hier mitten im Ort? Ein Blick rundum zeigt, daß die nächsten Felsen ein paar hundert Meter an den Donauhängen erst sind. Des Rätsels Lösung liegt im Keller des Gasthofs "Rössle", eine Tuffhöhle. Mitten im Gastraum geht es über Treppen hinunter in den Tuffsteinhohlraum. Die ganze Woche über kann man das tun, außer dem Sonntag. Da ist Ruhetag. Ausgerechnet an diesem Tag waren wir da und so heißt es mal wiederkommen.

> Zwiefaltendorferhöhle

Auf dem Weg nach Zweifalten kamen wir am Weg, gleich nach der Brücke über die Donau bei Rechtenstein an der Geisterhöhle vorbei. Der Eingang ist nicht zu übersehen, prangt er doch in einer Felswand direkt am Donauufer. Auf dem Parkplatz davor warnt ein Schild vor Steinschlag und wie zur Unterstreichung dieser Aussage lag ein frischer faustgroßer Felsbrocken auf der Fläche. Ein betoniertes Weglein führt mit vielen Stufen bergan. Ein Gittertürchen verwehrt den Zugang. Den Schlüssel dazu gäbe es im Wirtshaus nebenan.
Ein ausgeräumter Höhlenraum nimmt einen auf, ausgegraben heute bis auf den Grund. Römische Funde hat man hier gemacht. In der Tat wäre diese Höhle ideal geeignet gewesen für ein Mithrasheiligtum, allein die zurückgelassenen Reste sprechen nicht dafür. Kleinere Gänglein führen noch ein paar Meter bergeinwärts und sind ohne Taschenlampe nicht zu machen.

Der Eingang

Wandpartie

 

3. Januar 2004

Wieder einmal mit Willi Adelung unterwegs. Diesmal fahren wir an der Geisterhöhle einfach vorbei, aber bleiben doch in Rechtenstein vor dem Rathaus stehen. Von dort geht es zu Fuß an der Donau entlang, diesmal aber flußaufwärts. Das Ziel ist diesmal der Hochwartfelsen, in dem laut Kataster zwei Höhlen sind, die Hochwartfelsenhöhle und die Hochwartfelsenspalte. Die Höhle können wir nicht finden, die Spalte schon. Schließlich ist sie nicht zu übersehen. Das Gelände ist landschaftlich höchst reizvoll, da die noch schmale Donau direkt bei den hohen Felsen vorbeifließt und nur ein schmaler Steig den unschwierigen Weg darstellt. Dort mündet auch die Braunsel, ein kleiner Bach, der aus starken Karstquellen gespeist wird. In der Umgebung ist auch ein kurzes Karsttal, das sich von Emeringen bis zur Donau herunterzieht. Ziemlich ursprünglich geht es da zu, prächtige Felsgruppen bilden die Kulisse links und rechts, ganz unten lugt eine canyonartige Höhlenöffnung aus einer Felsbastei, die Märzenbecherhöhle, alles sehr schön, hat nur einen Nachteil, es stinkt fürchterlich. Die Kläranlage des Dorfes entwässert direkt da hinein, ein negatives olfaktorisches Großereignis ist das.

Bei Untermarchtal direkt an der Donau ist unterhalb des Krankenhauses in einer Felsnische eine gewaltige Lourdesgrottenanlage noch heute zu sehen, die wir am Schluß auch noch besuchten.

 

 


Literatur:

Luz, Hans Martin Die Höhlen des Kartenblattes 7722 Zwiefalten, Laichinger Höhlenfreund 36-2001, S. 23-60
Schmidt, Werner Rundwanderungen Schwäbische Alb, Östlicher Teil, J. Fink Verlag Stuttgart 1966
Herrmann, Friedrich Lautertal - Zwiefalter Alb - Laucherttal, Stuttgart 1985
Binder, Hans Höhlenführer Schwäbische Alb, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1977
Freier, Ute und Peter Wanderungen auf der Schwäbischen Alb, Bruckmann-Verlag München 1994
HHV Laichingen Höhlen im Großen Lautertal, Laichinger Höhlenfreund 6-1968, S. 26ff.
Geiger, Siegfried Neue Tauchforschungen in der Wimsener Höhle (7722/01), Schwäbische Alb, Laichinger Höhlenfreund 32, Laichingen 1997, S. 33-44
Rieple, Max Wimsener Höhle - ein Höhlengedicht, Beiträge zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland, Heft 14, 1977, S. 26
Jantschke, Herbert, Wisshak, Max Stratigraphie und Höhlenbildung im unteren Weißjura (Malm) der Südwestalb,
Meyer, Jürgen Wilde Höhlen, Grotten, Felsennester, Oertel+Spörer, Reutlingen 2011

Links:



 


[ Index ] [ Englisch version ] [ Höhlen und Höhlengebiete ] [ Kunst ]
[ HöRePsy ] [ Höhlenschutz ] [ VHM ] [ Veranstaltungen ] [ Links ]