Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen in der Umgebung von Ehingen / Schwäbische Alb


Speläologisches um Munderkingen/Schwäbische Alb


In den Faschingsveranstaltungen ih Ehingen an der Donau spielt der Narrenruf "Käthere - Kuche" eine besondere Rolle. Er wurde nach dem 2. Weltkrieg von einer Narrenzunft der "Hexen" begründet, um sich von den den anderen Narren zu unterscheiden. Man nahm damit auf ein "Wildes Weib" namens "Käther" Bezug, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts in einer Höhle im Biehltal, nördlich von Ehingen auf der Alb, für einige Jahre gelebt haben soll.

Diese Höhle ist in einem bequemen Spaziergang von Briel her auf einem ungeteerten Weg gut zu erreichen. Er führt zuerst durch die flache Alblandschaft und senkt sich dann auf einem breiten Sporn hinab in das Brieltal. Bereits von hier ist auf der anderen Talseite der dunkle Mund des Höhleneingangs zu sehen. Eine Informationstafel liefert den bemerkenswerten antropospeläologischen Hintergrund. Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebte dort eine Frau, Katharina Schonter. Sie war die Tochter von Friedrich Schonter, der mit seiner Frau und seinem Kind in der einen 1 km entfernten Schonterhöhle sein Leben fristete. Es wird erzählt, daß sie sich immer öfter in der nach ihr jetzt benannten Höhle aufgehalten habe. So soll dort öfters Feuer gemacht haben und der aufsteigende Rauch gab den Anlaß zu dem Spruch der Menschen aus der Umgebung: "D'Käther kocht." Heutzutage ist davon natürlich nichts davon zu sehen, allerdings ist eine Stelle in der Höhle noch heute sehr verrußt, weil dort noch heute Feuer angezündet sind.
Der Käther sei das Leben in den Höhlen oft langweilige geworden, weshalb sie sich in den umliegenden Ortschaften Weilersteußlingen und Briel öfters aufgehalten habe. Dabei lernte sie auch den Bartholomä kennen, den sie gerne geheiratet hätte. Das scheiterte aber daran, daß sie evangelisch war und ihr potentieller Ehemann katholisch. Der katholische Pfarrer aus Altsteußlingen untersagte die Heirat. So blieb ihr nichts anderes übrig, als ihr Leben weiter als Landstreicherin zu führen. Schließlich starb sie am 10. April 1828 im Alter von 44 Jahren laut Sterberegister an Gicht und "Schlagfluß". Beerdigt wurde sie in Weilersteußlingen.
Die Höhle selber hat einen 5 m breiten Eingang, der 4 m hoch ist. Nach hinten geht es ca. 7 m, ehe man an der Felswand wieder ansteht. Sie hat auch einen zweiten Eingang, der sich in der Decke öffnet. Zur Höhle führt ein hergerichteter Steig mit mehreren Steinstufen, der an einem kleinen untermauerten Plateau endet.

Auf dem Weg ins Brieltal
Brieltal
Kaetherenkuche
7623/07
 

Folgt man dem Brieltal weiter talabwärts, so kommt man nach einem halben Kilometer Forststraße an die Einmündung des Rauhtals. Will man zur Schonterhöhle, so muß man nach links abbiegen und auf einer weiteren geschotterten Straße talaufwärts wandern. Die Abzweigung zur Höhle ist nicht zu verfehlen, da auch hier eine große Informationstafel den Besuchern als Markierung dient.

Um 1780 sei der Bettelmann Friedrich Schonter mit seiner Frau Katharina und gleichnamiger Tochter erstmals in der Gegend aufgetaucht. Als Unterkunft diente ihnen die 12 m breite und 6 m tiefe Höhle. Die Öffnung geht nach Süden, so daß bei guten Wetter sicherlich angenehme Verhältnisse geherrscht haben. Mit einer Mauer aus Kalksteinen verkleinerte er die Eingangsöffnung, als "Türe" soll ihm ein alter Teppich gedient haben. Für den Rauchabzug habe er Dachreiterziegel aus dem Bauschutt der Brieler Schloßruine verwendet. Als Beleuchtung hätten Kienspäne gedient. Den Lebensunterhalt verdiente man durch Arbeit bei den Bauern, von denen sie Brot, Schmalz und bisweilen etwas Fleisch erhalten habe. Sogar Miete mußte Schonter zahlen in Form von Arbeitsleistung!
1938/39 führte dort W. Taute einen archäologische Grabung durch und entdeckte zwei mesolithische Fundschichten sowie 1 aus dem Magdalenien.

 

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Mühlen, ein paar Häuser, eine gut sichtbare Kirche, viel mehr ist da nicht.

Unterhalb des Orts ist ein Wanderparkplatz heute angelegt, von dem aus man in leichten Spaziergängen zu drei Höhlenobjekten wandern kann. Auf der Webseite "GeoPark-Angebote in Ehingen" wird da ein Objekt namens "Felsställe" erwähnt. Da richtige kleine Wegweiser aufgestellt sind, ist es ein Kinderspiel diesen Höhlenrest zu finden. Wieder ist eine hölzerne Informationstafel davor aufgestellt, so daß man belehrtermaßen bis unter den Felswulst gehen kann, der auch bei Regen zumindest noch einen kleinen Schutz darstellt. Der Rest ist inzwischen zusammengebrochen. 40 m lang muß mal die Halle lang gewesen sein. Bei Wegbauarbeiten stieß man 1974 auf Fundschichten, die dann 1975 durch das Institut für Urgeschichte in Tübingen ausgegraben wurden. Es heißt man sei auf "einen der fundreichsten Siedlungsplätze der jüngeren Steinzeit in Südwestdeutschland" dort gestoßen. Unter anderem wurden die Reste einer Bestattung eines 2 bis 4jährigen Kindes gefunden.

 

Zurück zum Parkplatz. Von dort geht es in der anderen Richtung auf die andere Talseite. Dort ist der Weg hinauf zum "Fuchstörle", einem schönen Felstor, und weiter zum "Wolfsloch" markiert, wirklich nur ein "Loch", das die Bezeichnung "Höhle" nicht mehr verdient.

 

Literatur:

Binder, Hans Höhlenführer Schwäbische Alb, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1977
Jantschke, Herbert, Binder, Hans Höhlenführer Schwäbische Alb, 7. Auflage, Leinfelden-Echterdingen 2003

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