Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Bruneckerhöhle und der Pass Lueg/Salzachöfen


Am Paß Lueg Parkplatz, 18.01.2004


Erst beim Verlassen der Höhle am 18. Januar 2004 habe ich mit einem Blick auf das grüne Schild, das im Eingangsschacht der Brunneckerhöhle angebracht ist, "gelernt", daß es eigentlich "Bruneckerhöhle" heißen soll, wenn "man" von dieser Höhle redet. Es war nur eine kurze Erfahrung, wieder einmal.

Das hat schon Geschichte. Ende der 80er Jahre hatten wir mal eine große Tour in diese Höhle am Nordwestrand des Tennengebirges geplant. Viele Menschen aus dem Münchner Raum wollten mal die damals noch neu entdeckten Strecken oberhalb des Alexanderfalls kennenlernen. Da wir üble Geschichten von Polizeiaktionen gegen Höhlenbesucher gehört hatten, war unser Unternehmen ausgezeichnet geplant. Umgezogen hatten wir uns schon Kilometer vorher, wir sprangen nur noch aus den kurz stoppenden Autos und verschwanden im Eingangsschacht. Das Auto fuhr weiter. Niemand bekam etwas mit. Allerdings war alles ziemlich umsonst. Die "Natur" war und ist einfach "stärker". Da knieten und froren wir alle - bis auf zwei. Der enge Eingangsschlupf war zugefroren mit Eisplatten und nur die zwei "Jungfakire" waren in der Lage, sich da durchzuwuzeln. Sie waren drinnen und wir draußen.

Irgendwann entschlossen wir uns, nicht mehr länger zu warten. Wir fuhren erst nach Golling, setzten uns in ein Cafe, tranken ein Gesöff, das sich auch so ähnlich nannte, warteten, warteten, es führte zu nichts, dann machten wir uns auf Richtung Salzburg, Festung, besuchten das Foltermuseum, was unvergängliche Eindrücke selbst heute noch bei uns verursachte, und fuhren dann wieder zurück. Wir froren, froren, froren, aber die Jungmannschaft kam einfach nicht zurück. Am Ende spalteten wir uns auf, der größte Teil fuhr zurück, ein Notrest wartete, bis die "Jungen Tiger" wieder gesund zum Vorschein kamen.

Die Höhle ist sicherlich eine der am längsten bekannten Höhlen im Salzburger Land. Mit dem Bau der neuen Straße über den Paß Lueg wurde leider ein großes Naturdenkmal, zumindest für unsere Lebenszeit, schwerstens beschädigt.. Denn der einstmals große Eingang zur Petrefaktenhöhle wurde einfach überschüttet mit Blockwerk. Nur noch ein winziger Spalt soll offen sein. Vielleicht räumt ja das, was bei uns "Natur" heißt, durch ihre Kräfte, die oft weit jenseits dessen sind, was "Mensch" heißt, dieses Loch endlich wieder "frei". Dann hätten wir ja endlich wieder "die alten Verhältnisse". Dann könnten vielleicht ein paar Autofahrer nicht im Umkreis von 20 m einen Parkplatz finden, aber wir alle wären wieder von so einem Zeugnis des "Fortschritts" befreit, das "uns" über so viele Jahre so verkauft worden ist: Es sei besser, wenn wir in 20 Sekunden an einem Ort seien als in 30. Stimmts wirklich? Für mich stimmt eher: langsam - intensiv als schnell - oberflächlich.

 
  Geschafft. Wieder draußen!

18. Januar 2004 Wir nahmen diesmal ein kurzes Seilstück zum Eingangsschacht mit, weil allmählich die Eisenkrampen, die einem ein Einstieg überhaupt erst ermöglichen immer mehr Schaden nehmen. Mit einem Halteseil gehts aber ganz gut. Unten waren noch kleine Eisreste, die aber kein Hindernis bildeten. Dann geht es auf allen Vieren in einen horizontalen Gang, der gerade aus endet. Weitergehen tuts nur noch nach links in eine flache geneigte Spalte. Ich ließ mich hineinrutschen und spürte schon ganz genau die Begrenzungen. Ich wollte noch tiefer rutschen, aber das ging schon gar nicht mehr. Zu eng. Ich muß ein beängstigendes Bild in diesem Loch geboten haben, weil Willi sofort kund tat, daß er da wohl gar nicht hineinpassen würde mit seinem Umfang. Was tun? Es blieb wohl nur der ehrenhafte Rückzug, was aber gar nicht so leicht zu bewerkstelligen war, weil es saueng war. Millimeterweise ging es wieder hoch. Ruckerl und Ruckerl. Große Sprünge sind da nicht drinnen. Hinter habe ich gesehen, wie es wohl doch gegangen wäre - einfach weiter nach links rutschen, da wärs um ein paar Millimeter höher gewesen und ich hätte mich da wohl durchmogeln können. Ein ander Mal.

Eingang Bruneckerhöhle 1966 mit Gerhard Lobenhofer

Die Bruneckerhöhle liegt am Paß Lueg, einem einstmals extrem wichtigen Übergang vom Gebirge ins flache Land um Salzburg hinaus. Die Reste vieler militärischer Anlagen sind noch heute dort zu sehen, nicht zuletzt die Kroatenhöhle auf der anderen im Hagengebirge. Ein Denkmal wurde für die Kämpfer errichtet, die hier gegen die im napoleonischen Auftrag angerückten Bayern kämpften, um sich ihre Freiheit zu erhalten. Die Kampfspuren von gestern sind beseitigt, die Leichen begraben, das Blut ist weggewischt bzw. vom Regen weggetragen. Heute haben wir wieder eine "saubere Umwelt". Asphalt drüber. Eine Gaststätte sorgt für Verpflegung, ein Kassenhäuschen ist dazu da, um von den Besuchern in den Saisonzeiten einen Obolus für die Begehung der Salzachöfen zu verlangen. Der Besuch lohnt sich. Nach der Eiszeit hat sich die Salzach immer tiefer in den Fels geschürft und die Spuren sind überall noch zu sehen. Am Eingang zur Klamm hat man unter einem Felsdach archäologische Ausgrabungen gemacht und festgestellt, daß sich hier immer wieder Menschen seit der Steinzeit aufgehalten haben. Überraschenderweise kann man im Laufe der kleinen Wanderung durch die Klamm, ohne naß zu werden, die Salzach überqueren. Riesige Felsblöcke sind in die Schlucht gestürzt und haben sich so verkeilt, daß man oben drüber gehen kann. Sichere Wege leiten zu den verschiedenen Aussichtspunkten, wo sich auch beklemmende Blicke in die Tiefe und das rauschende Wasser auftun. Sie erinnern mich an "St. Kanzian" im Triest Karst, wo ähnliches in einer riesigen Höhle zu erleben ist. Höhepunkt ist der "Dom", wo man zwischen den Riesenfelsen in die Tiefe steigt und man dann zwischen einem mächtigen Gewölbe über einem und dem tosendem Wasser unter einem auf einem Balkon steht und herumblicken kann. Wenn dann auch noch, zufällig, drei Kanufahrer die Passage bewältigen und so eine Art Liveshow passiert, ist das Erlebnis perfekt. Apropos: Liveshow. In unserer erlebnissüchtigen Zeit, die einerseits alles verfügt, was angeblich zu mehr "Sicherheit" beitragen soll, treibt andererseits der Streben nach extremem Kick immer schrägere Blüten. Hier ist es eine Seilbahnfahrt, beginnend in der Schlucht, im Sitzgurt hängend, bis zu ihrem Ende. 


Literatur:

Klappacher, Walter, Haseke-Knapczyk, Harald (Gesamtredaktion) Salzburger Höhlenbuch Band 4, Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Salzburg 1985

Links:

http://www.speleogenesis.info/archive/publication.php?PubID=8&Type=publication


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