Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Eisriesenwelt


Foto Gustave Abel


"Die Eisriesenwelt...die Königin aller alpinen Höhlen", Angermayer, Höhlenmuseum 40


Hoch oben in den steilen Wänden des Hochkogels wurde gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts eine der größten Höhlen der Erde entdeckt. Den Jägern war sie sicherlich schon länger bekannt, aber erst 1879 betrat  Anton von Posselt-Czorich als erster "Naturforscher" die Höhle, geführt von dem Jäger Eckschlager, und erkundete die ersten 250 Meter. In seinem Bericht heißt es einleitend: "Es ist begreiflich, daß ich mit vor Erwartung klopfendem Herzen in die Höhle eintrat. Schon der Eingang zeigte sich mit einer Breite von 8 bis 10 Meter und ebensolcher Höhle bedeutend genug..."

Dann vergingen erst einmal wieder 33 Jahre, bis Alexander von Mörk, ein begeisterter junger Höhlenforscher und dann der Gründer des Salzburger Höhlenvereins, auf den alten Befahrungsbericht stieß und, angeregt davon, die Höhle erstmals selber aufsuchte und bis zum "Großen Eiswall" kam. 1913 wurde eine große Expedition durchgeführt und der Sturmsee, damals noch "Thrymsee" genannt, erstmals von Mörk bezwungen. Eine wirklich große, abenteuerliche Leistung, denn man mußte dazu erst einmal einen richtig großen und nur für diesen Zweck angefertigten Taucheranzug hoch ins Gebirge schleppen, wer das Gelände kennt, der weiß, was allein schon bedeutet im felsigen Steilgelände, den großen, 120 m hohen Eiswall hoch und den da oben dann auch tatsächlich einzusetzen, was hieß, daß er damit durch den See schwamm. Nachher notierte Mörk im "Buch der Expeditionen" im Salzburger Höhlenverein: "Dies ist die größte Eishöhle der Welt."
Mörk und sein Höhlenkamerad Riehl fielen im 1. Weltkrieg, und andere mußten an ihrer Stelle weitermachen. Wie sehr ihn das Höhlenerlebnis geprägt hat, das sieht man daran, daß er unbedingt in der Höhle beerdigt werden wollte. Dieses Vermächtnis erfüllte ihm ein Kamerad, Anton Schoßleitner, der darüber ein schaurig-packendes Buch verfaßt hat, "In Fliegerhöhen und Höhlentiefen". Noch heute sieht der Besucher die Urnennische von Mörk am Führungsweg. In den Folgejahren fanden immer wieder Weihnachtstouren in die Höhle statt, die man dem Gedenken an Mörk widmete.
Im Jahre 1920 begann man mit touristischen Führungen, die noch mit Seil und Steigeisen durchgeführt wurden. Dazu errichtete man auf dem Achselkopf eine kleine Hütte. Untrennbar ist der Name der Gebrüder Oedl mit diesen Erschließungsarbeiten verbunden. Bereits am Tag der Eröffnung waren 180 Besucher dabei.

1928 tauchte erstmals der Name Gustave Abel auf, und Gustave war es, der in den Folgejahren viele Forschungsfahrten dorthin unternahm. 

1952/53 wurde eine Erschließungsstraße gebaut, 1955 die Seilbahn, die man 1977/78 erneuerte. Die Besucherzahlen stiegen immer mehr an, so auf 120.000 im Jahre 1977. Bemerkenswert ist, daß die Höhle nicht elektrisch beleuchtet wird. Der Besucher kann noch immer in etwa erleben, wie die Beleuchtung gewesen ist, als die ersten Forscher in die Höhle eindrangen. Mit Karbidlampen wird alles nur ausgeleuchtet und mit Magnesiumbändern, die an den Führern hinter den Eissäulen angezündet werden, ein Brauch, den man beibehalten sollte.

Die leichte Zugänglichkeit und die Eignung der flachen Eisfläche des Eispalasts machte es möglich, in der Zwischenkriegszeit die Höhle auch auf ganz ungewöhnliche Weise zu nutzen, als Trainingsfläche für Eiskunstläufer nämlich.

Aus dem Jahre 1912 stammen die ersten Fotos der Höhle. Alexander von Mörk hat sie aufgenommen. Mörk war es auch, der mit dem Pinsel diese staunenmachende Eiswelt unter der Erde unnachahmlich festhielt. Mehrere Filme wurden bereits in der Höhle gedreht, einer schon Anfang der 20er Jahre mit Hilfe von Magnesiumfackeln. Gustave Abel wurde zum Großmeister der Höhlenfotographie, als er einmalige Schwarzweißnahmen der Eisfiguren, damals noch mit Blitzpulver, machte, die einfach unnachahmlich sind. Leider ist seit vielen Jahren von der Eisriesenweltgesellschaft ein Fotographierverbot verhängt worden, so daß eine moderne fotographische Auseinandersetzung mit der Höhle nur illegal möglich ist. Schade, denn es gibt wirklich einmalige Räume und Figuren hier.

Früher gab es auch "Große Führungen" in die Höhle, wo man weit über den Führungsweg hinaus in tiefere Teile der Höhle vordringen konnte. Dies ist längst eingestellt, auch weil es zu Plünderungen an den Tropfsteinen und anderem Höhleninhalt gekommen ist.

Nachdem man festgestellt hatte, daß es keinen brauchbaren Gesamtplan der Höhle gab, wurde ab 1973 mit der Neuvermessung der Höhle begonnen. A. Morocutti jun. leitete diese Arbeiten, wobei dann auch, was nicht anders zu erwarten war, ein paar Neuentdeckungen gelangen. So wurde im Jahre 1976 der momentan tiefste Punkt der Höhle gefunden, "das Gefängnis". Vermutlich ist noch einiges in der Höhle zu entdecken, aber dazu müßte sich wohl erst das Management der Höhle verändern und verjüngen.

 

1966 Der Eingang
2001

Abstrakte Höhlenfotographie
  Ein 1966 gekauftes Schauhöhlendia - 
vollkommen verblaßt

Warum das "Photographieren" wohl verboten ist?
Aus Geldgier, aus Finanznot?
Das neue Eingangsgebäude, 2011
Ein Blick aufs Hagengebirge
Ein Blick auf den Hochkönig
Wie hat wohl der Zugang vor 100 Jahren ausgesehen?
 

 
Fritz Oedl in Aktion
 
 
 
 
 
Wandkarren
Das Grab von Alexander von Mörk
 
Ein Stein mit dem Hinweis auf Hermann Gruber
 
 
Die Reste des alten Eisenbahnwaggons
Die alten Schienen

 


Meine Besuchsgeschichte der Eisriesenwelt beginnt schon 1966. Georg Kellerer war damals dabei und Verwandte von mir. 

Zu Beginn der 90er Jahre war ich mal zusammen mit Dr. Peter Erlenwein und einem Bus voller Studenten der Fachhochschule Rosenheim dort, Fachrichtung Innenarchitektur. Die Höhle ist ja der klassische Innenraum unserer Erde und paßte somit sehr gut in das Ausbildungsprogramm. Wir bekamen keine eigene Führung, wo dann eigens für die Umgebung erdachte Übungen hätten stattfinden können, aber immerhin durften wir am Eispalast uns für eine Führungsrunde ausklinken und dort mit einer Dunkel- und Summmeditation das Höhlenambiente  besonders kräftig erleben. Dann kam die nächste Führung und wir hatten uns wieder denen anzuschließen. Allein schon solche Momente genügen, um sich unvergeßlich ins Gedächtnis einzugraben.

Als Vorstand des Vereins für Höhlenkunde in München versuchte ich mal, an alte Traditionen anzuknüpfen. 75 Jahre vorher hatte eine, wirklich, gemeinsame Expedition der Höhlenvereine von Salzburg und München stattgefunden. Als es dann wieder, 75 Jahre später, so weit gewesen wäre, da habe ich, auf meinen Brief an die Eisriesenweltverwaltungsgesellschaft hin, leider nur einen Absagebrief bekommen. Müssen wir bis zum 100ten Jahrestag warten? Den werde ich wohl nicht mehr erleben. 

30. August 2001.
Zurück von einer Tour in die Eisriesenwelt. Sauwetter überall. Für den Schauhöhlenbetrieb offenbar ein Glücksfall. Am Nachmittag ist der Parkplatz voll, fast zu bis den untersten Parkreihen. Ein Mann mit seinem kleinen Sohn frägt mich beim Runterkommen, wie weit es denn noch nach oben sei. Scheinbar ist er einer von denen, die die ganz unteren Parkreihen besetzen.
Kommentar einer Nürnberger "Schwalbe" über die Höhle: Daas war ga nechts. Wir habn in der Frenkischen Schwaaz fill scheenere Höln, dee Teufelshöln zum Baspel, da sengt man wenigstens rechtgge Tropfstaa, und vell besser blacht san de aah. Dannn braacht ma aah den Weg nedd daauernnd suaucha." (Zu deutsch: die junge "high-heeled"-Dame mit den schwarzen Sportsandalen hat sich hier ziemlich unwohl gefühlt, es war ihr zu kalt, sie hat nichts gesehen und Lokalpatriotismus hatte sie auch noch.).

30. April 2011
Der Durchbruch. Der Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg feiert seine 100jährige Existenz und dazu wurde eine Jubiläumsexkursion organisiert. Back to the roots. Unbedingt notwenig für uns auch noch heute. Der Wind hat gedreht. Ein Generationswechsel hat sich vollzogen. Fritz Oedl, der heute maßgebliche Sproß aus der Oedlfamilie ist glücklicherweise sehr aufgeschlossen und machte es möglich. Geschätzte 35 Personen waren bei der Exkursion dabei - mit einem eindeutigen Tenor: so etwas sollte öfters stattfinden. Und alle sich heil wieder zurückkommen. Nicht selbstverständlich.


Postkarte - Eisriesenwelt im Tennengebirge - Eistreppe
Verein für Höhlenkunde, Salzburg phot. Alfred Asal Nr. 1880


Österreichische Höhlenkarte Nr. 54 - herausgegeben von der Bundeshöhlenkommission


Literatur:

Angermayer, Dr. Erwin v. Das Höhlenmuseum des Landes Salzburg in Hellbrunn, in: Die Höhle in Sport Wissenschaft und Kunst, München 1922
Klappacher, Walter, Haseke-Knapczyk, Harald (Gesamtredaktion) Salzburger Höhlenbuch Band 4, Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg, Salzburg 1985

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