Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen um Pottenstein und Umgebung, Fränkische Schweiz


Im Silicon Valley in Kalifornien bin ich mal in eine Buchhandlung gegangen und hab mir das Angebot angeschaut. Erstaunlich viele Bildbände waren da, die Good Old Europe gezeigt haben - französchische Dörfer an der Dordogne, die Toskana, Alpendörfer. Was für Milliarden Dollar künstlich in die Wüste bei Las Vegas gestellt wird, das gibt es bei uns im Original. So ein Bilderbuchort in Deutschland ist Pottenstein in der Fränkischen Schweiz.

Pottenstein liegt im Püttlachtal. Von Norden kommt das Mariental herein, von Süden das Weihersbachtal. Allmählich verschwinden die Bausünden der Nachkriegszeit und an immer mehr Häusern ist wieder die prachtvolle und farbige Fachwerksmusterung zu erkennen. Besonders reizvoll ist der Weg vom Schwalbenloch rüber zum "Bayreuther Berg", der sich an der Nordseite des Tales an der Hangkante oben entlangzieht. Besonders schön ist es übrigens dort ganz früh am Morgen. Dann schlafen alle Leute noch und die Touristen sind noch nicht eingefallen. Dann kann man ganz ungestört die Natur gewundern und die Sonnenstrahlen allmählich das Tal ausleuchten und erwärmen erleben, sofern halt das Wetter entsprechend ist.


Das war so zum Beispiel am 10. Oktober 2004, als am Vortag die FHFK, die Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken im Gemeindehaus mitten im Ort ihr 40tes Vereinsjubiläum feierte. Früher war das Gemeindehaus fast der Schandfleck des Dorfes, weil es immer mehr herunterkam, aber dann wurde richtig geklotzt und das Anwesen vollkommen renoviert und auf den heutigen Stand gebracht. Überall ist der Ort herausgeputzt, Kopfsteinpflaster statt Teer charakterisiert die Wege an vielen Stellen, zwei offene Bachläufe bringen die Natur selbst in den Ort, an den Talhängen dominiert der Wiesencharakter mit Wacholderheide, weil man den Wald zurückgeschnitten hat. Im Ort gibts den "Höhlenbär", einen Laden, der mit dem Wort "Höhle" wohl sein Geschäft macht.

Wer mit den Augen eines "Höhlenforschers" auf den kleinen Ort blickt, der findet an einigen Stellen etwas, was ihn erfreuen wird. Ganz besonders finde ich das Höhlengefängnis. Es ist aus einem Fenster der Burg oberhalb von Pottenstein aus sichtbar. Ein kleines Schild weist darauf hin. Man ließ den Delinquenten, oder wen man halt gerade los sein wollte, einfach an einem Strick in die Tiefe, und da saß er dann, in einem Höhlenschacht, und kam nicht mehr heraus. Heute ist der untere Teil weggebrochen ins Tal. Wenn man von unten hinaufschaut, dann ahnen wir heute gar nicht mehr, was da wohl alles mal passiert ist!

Im Mariental, das man von Pottenstein aus auf dem dem Weg nach Haselbrunn durchquert, ist in den Hängen überhaupt nicht zu übersehen, das Schwalbenloch. Ein schmaler Weg führt hinauf zum 10 m breiten, 5 m hohen Portal. "Großes Maul und nichts dahinter" - eine Metapher für so manchen Menschen, aber auch für so manche Höhle. Es geht nicht weit nach hinten. Der Boden stößt bald an die Decke, tiefer einzudringen ist hier nicht möglich. Geht man nach links, dann kann man auf schmalem Steig und in einem Gelände, das ein unvorsichtiges Ausrutschen nicht verzeiht, zur Dreistubenhöhle, einem 15 m langen Felsdurchgang. Eine kurze wacklige Holzleiter ermöglicht die Überwindung einer Felswand und führt zu einem Steiglein, das auf das Kahlgelände oberhalb des Schwalbenlochs führt. Wer Juralandschaften mag, für den ist hier ein Lustort.

2019

 

Im Mariental ist, gleich neben der Straße auch noch die "Mariengrotte", eine Art Lourdesgrotte, bei der man mangels richtigem Felsdach noch richtig mit Beton nachgeholfen hat.

Dann gibts da noch den Weg durchs Püttlachtal..

und den ins Weihersbachtal mit der kommerziellsten Schauhöhle der Fränkischen Schweiz, der Teufelshöhle.


7. Februar 2006

Ich habe mal wieder einen Mittwoch frei und fahre, weil die Schneeverhältnisse in den Alpen momentan so schlecht sind und nicht zum Skifahren einladen, lieber mal wieder in die Fränkische Schweiz. Es schneit. Die Landschaft scheint ausgeräumt von Menschen zu sein. Keiner ist mehr draußen unterwegs. Alle stecken in ihren Häusern oder Büros fest, hinaus zieht es keinen in die freie Natur mehr. In einem kleinen gemütlichen Stehcafe mitten in Pottenstein trinke ich einen kleinen Kaffee, esse ein Podatscherl oder so ähnlich, freue mich auf die Wanderung durchs Püttlachtal. Einen Parkplatz zu finden ist gar kein Problem. Ein Riesenfreigelände, das durch den Abriß einer früheren Fabrik entstanden ist und heute als Bezahlparkplatz dient, steht vollkommen leer. An ihm vorbei gehe ich püttlachaufwärts, mache einen Rundweg, komme Stunden später wieder zurück und steige noch hinauf zum Sängerhäuschen, um auch von oben einen guten Blick auf den Ort zu haben. Weglos quere ich hinüber zur Burg, treffe auf eine Schulklasse, die gerade die Burg besucht hat und nun von der jungen Lehrerin hinaufgeleitet wird auf den ansteigenden Weg. Ich habe "frei" heute, bin nicht im Schuldienst, freu mich drüber. Fahre weiter nach Behringersmühle, zur Hindenburghöhle...

 

Nördlich von Pottenstein geht es über ein paar Sträßlein in Richtung Steifling. In einigen Karten ist das Zahnloch lagerichtig eingetragen, so daß man sie auch wirklich finden kann, das "Zahnloch" oder auch "Sandloch". Es ist eine kurze Horizontalhöhle mit einem schönen Eingang. Im Winter stehen in der Eingangshalle immer wieder prachtvolle "Eismanderln". Im Boden gibt es immer wieder tiefe Gruben, wo nach Schätzen oder sonst etwas gegraben wurde und wird. Mit dem Aushub füllt man dann wieder die alten Gruben auf - obwohl das natürlich alles verboten ist ohne amtliche Erlaubnis.
Schon Heller erwähnt 1829 in seinem Werk die Höhle. Gümbel stellte in seinem 1891 erschienenen Werk fest, daß "der Boden bereits zu durchwühltl ist, dass eine systematische Ansgrabung keinen sicheren wissenschaftlichen Erfolg in Aussicht stellt." Gümbel, Geognostische B., Band 4, S. 496

2018

 


Literatur:

Brunner, Dr. h.c. Georg Das Dohlenloch bei Pottenstein (Obfr.), Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg, Band XXVII, Heft 3, Nürnberg 1952
Gümbel, C.W. Geognostische Beschreibung des Königreichs Bayern, Vierte Abtheilung Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Frankenjura), Verlag von Theodor Fischer, Kassel 1891
Heller, Joseph Muggendorf und seine Umgebungen oder die Fränkische Schweiz, Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1829, Palm & Enke, Erlangen 1979
Lagally, Ulrich Versteinerte Riffe und unergründliche Höhlen - Das Felsenstädtchen Pottenstein in der Fränkischen Schweiz, in: Look, Ernst-Rüdiger, Feldmann, Ludger, Faszination Geologie - Die bedeutendsten Geotope Deutschlands, Stuttgart 2006
Lang, Stephan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2000
Nabe, M. Zur paläolithischen Knochenkultur. I. Bearbeitete Höhlenbärenknochen aus dem Zahnloch bei Steifling, Bayerische Vorgeschichtsblätter, 14, 1-8, 1937

Links:

 

NABE,
M.: 
Manuskr.
ein

 


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