Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Speläologisches aus Istrien


Jama Baredine


2000: Dieses Dreieck aus Kalk und etwas Flysch südlich des klassischen Karstes, an zwei Seiten vom Meer umgeben, von der Sonne verwöhnt, nicht mehr Italien, aber auch noch nicht so richtig "Balkan", ein Gebiet, das für viele ein richtiges "Urlaubsgebiet" geworden ist. Es war schon einmal viel besuchter, noch vor dem großen Krieg auf dem Balkan, am Ende des Jahrhunderts.

Heute fangen wieder Touristen an, hinzufahren, die für sie geschaffenen Einrichtungen wieder zu bevölkern. An Pfingsten 2000 war ich mit Freunden aus dem Allgäu, der Familie Adelung, in Rabac. Es liegt an der touristisch weniger erschlossenen Ostseite. Man hat bislang die Natur noch nicht so ausgebeutet, hat die Siedlungen auf bestimmte Zonen bislang beschränkt. Aber der Krebs wuchert auch dort langsam immer mehr. Wo bislang wilde grüne Macchia die Flanken bedeckte, da schauen immer mehr rote Hausdächer heraus aus. Die Straßen werden erweitert, verdoppelt, vervielfacht. Auch hier beginnt der Landfraß, die Natur zu verschlingen. Noch geht es.

Von Rabac aus erkundete ich die Gegend, vor allem nach speläologisch Interessantem. Wichtigster Begleiter war für mich der Führer von Peter Hofmann über Istrien. Es gibt einiges, nicht so spektakulär zwar wie weiter oben im klassischen Karst, aber auch ansehnlich.

Jama Baredine 2000

Fotos Adelung

Romualdogrotte am Limskikanal (Caverna di S. Romualdo). 

Zwei junge, gut gebaute Damen betrieben im Juni 2000 ihr Höhlenführergeschäft, verleihen ihre Petzllampen an ganze Familien, die sich die anstrengenden 100 m bis zum Eingang dann hochquälen, um das altbekannte horizontale Loch für 13 Mark pro Person gezeigt zu bekommen. Von 9 bis 19 Uhr wird sie geführt. Wer früher da ist oder später kommt, der könnte auch so durch denn aufgebrochenen Gittereingang schlüpfen, zumindest im Augenblick noch.


Die Höhle ist seit Urzeiten bekannt, aus dem Jahre 1590 stammt die älteste bekannte Beschreibung von Cesare Barbabianca.

Am Grauslichsten war es in Pazin, der Hauptstadt des Regierungsbezirkes, wo es eine spektakuläre Karsterscheinung gibt, den gewaltigen Einbruch mit dem Namen Fojba, in dem das gleichnamige Flüßchen verschwindet. 130 m ist er angeblich (es kommt ganz darauf, wo man mißt - man könnte auch 50 m sagen) tief und hat einen ebensolchen Durchmesser. Daran schließt sich dann die Pazinska Jama an, eine altbekannte Höhle, in der sich aber auch heute noch Dramatisches abspielt. Zeitgemäß war das im August 1999 ein spektakulärer Ölunfall, wo aus einer geborstenen Pipeline große Mengen Öl in den istrischen Untergrund hineingespült wurden.

Wo würdest Du Deinen größten Feind hinschicken? Wo würde man ihn gerne die größten Qualen leiden sehen, die man ihm nur wünschen kann, weil er sich vielleicht vollkommen daneben benommen hat? Weil er vielleicht so gemein war, daß keine irdische Gerechtigkeit als Ausgleich dafür mehr möglich scheint.
Die christliche Antwort darauf war das Bild der "Hölle", wo all die "Schlimmen" und "Bösen" zum "Leiden" hinkommen. Wo ist der Eingang zu diesem "Inferno"? Von Dante wird gesagt, daß er als Vorbild für seine Schilderung der Hölle, den Schlund hatte. Ich kann ihm da nach einem einzigen Besuch dieser Örtlichkeit nur voll und ganz rechtgeben. Genau dorthin würde ich meine größten Feinde schicken. Einfach die Hölle.

Vom Schloß in Pazin folgt man der schmalen Straße abwärts bis zu der wenig benutzten Brücke, die die Schlucht überspannt. Ein betonierter Steig mit Geländer macht den Abstieg einfach. Man folgt der ausgetretenen Pfadspur weiter und steigt immer tiefer Richtung Bach ab. Wasser fließt da allerdings kaum mehr, eher schon eine richtige dunkelblau-schwarze Dreckbrühe, die penetrant stinkt. Geruchssinn und Höhle. Hier sind die beiden Begriffe eindeutig miteinander verbunden, aber auf ekelhafteste Weise. Am Chemiegerinnsel muß man über ein paar Felsbrocken auf die andere Seite - nur jeden Kontakt mit der Flüssigkeit vermeiden! Ein zerschmetterter Rollstuhl liegt herum. Ein schmale Spur zeugt davon, daß selbst hierher noch manchmal jemand kommt. Kleine Tritte sind den Fels geschlagen, um den Weg über die Felsstufen zu erleichtern. Die weite Eingangsöffnung nimmt einen auf. Auf den Blöcken läßt sich nach unten turnen bis zu einem vielleicht 5 m hohen Wasserfall, wo sich die Brühe in die Tiefe ergießt. Hier müßte man sich schon abseilen, aber wer täte so etwas schon freiwillig, dem seine Gesundheit noch etwas wert ist. Hier ist der Blick auch tiefer in die Höhle hinein möglich. Ein hoher Tunnel führt nun bergwärts, Platz hätte man da genug, allein der Boden ist bedeckt von der flüssigen Chemikalie. Vielleicht ließen sich darin Filme entwickeln? Man sieht, daß rechts seitlich vielleicht eine Umgehung der Felsstufe durch einen weiteren Eingang möglich ist. Ich versuche hochzuklettern an den Bergen von Treibholz, die überfall den Boden bedecken und hoch aufgetürmt herumliegen. Schön ist das nicht, schließlich alles überzogen von einem dünnen grauen getrockneten Film aus Dreck. An manchen Stellen sieht man auch noch schwarze Überzüge, vielleicht ein Rest von dem Ölunfall. Einen Stamm benutze ich als Steigbaum, versuche an ihm hochzukommen, aber es mißlingt. Er bricht zusammen und ich breche durch den Boden aus dünnen Ästen darunter, ziehe meinen Fuß wieder heraus aus dem Loch, da sich da plötzlich aufgetan hat. So genau will ich gar nicht wissen, wo ich mich da befinde. Schließlich gebe ich auf, es wird einfach zu mühsam, sich durch das chaotische Gelände zu schlagen. Eine kurze Verschnaufpause macht mich dann wieder aufmerksam, wo es da nicht alles zu riechen gibt. Willi ist längst zurückgeblieben, weil er als Arzt lieber vorsichtig ist. Er erzählt mir dann, was da alles in der Luft sicherlich ist - Faulgase, Methan, wer weiß, was sonst noch alles. Aber ein Höhlenforscher ist ja jemand mit einem "Mangel an Selbstschonung" (H. C. Blumenberg) und so probiert er es halb so lange aus, wie es geht. Der eine dreht früher um, der andere später.
Daß an dieser Örtlichkeit die Forschung nicht mehr fortgesetzt wird, das braucht einen zur Zeit nicht zu wundern. Ein Taucher könnte genauso gut in einer Wanne voller Altöl herumschnorcheln, Sicht Null. Die Krönung ist, daß wir es da mit einem "Naturschutzgebiet" zu tun haben!


Die Brühe, die in die Höhle fließt / noch kann man im Internet keine Gerüche weitergeben - ist vielleicht auch besser so

Spätestens, wenn man auf dem Rückweg ist und eine gewisse Entfernung vom Bach erreicht hat, erfährt man wieder, wie herrlich frische Luft sein kann. Man traut sich wieder tief einzuatmen, nicht nur die notwendige Menge Sauerstoff aufzunehmen, die gerade noch zum Überleben notwendig ist. Die Hölle ist dann wieder das, was da unten ist, stinkend, eklig, dunkel, draußen ist das Paradies, wo die Lilien in kleinen Hausgärten stehen, wo es aus den Küchen nach Mittagessen duftet, wo die Sonne mittags gnadenlos herunterbrennt und einen den Schatten suchen läßt. In solcher Umgebung könnte man dann den Hofmann-Führer herausholen und dann ein bißchen darin blättern, um ein weiteres Höhlenziel in Istrien auszukundschaften. Wer mehr darüber lesen will, sollte sich dort die Informationen holen. Er wird übrigens auch an der Schauhöhlenkasse der Jama Baredine verkauft! Seltsam, wie klein die Welt auf einmal wieder wird, wenn dort ein Plakat mit dem Namen "Peter Hofmann" hängt.

Besonders gut hat mir die Izvor kod Vosteni gefallen. Ohne Erwähnung im Führer würde man nie draufkommen, daß sich in der flachen Landschaft, die von kleinen Wäldchen, Wiesen und Feldern in den schüsselförmigen Dolinenwannen und einzelnstehenden Bauernhäusern geprägt ist, eine kleine Schachthöhle unter einer unscheinbaren Baumgruppe verbirgt. Richtige Steinstufen führen hinab in den Schacht mit senkrechten Wänden. Ein Wasserbecken ist eingetieft am Boden, gefüllt mit klaren Quellwasser, das ständig aus einer kleinen flachen Felsspalte still heraussickert. Die Sonne brach um die Mittagszeit durch das Blätterdach hindurch und sandte ihre Strahlen hinein in das rechteckige Steinbecken. Frisches Quellwasser ist immer ein Schatz, besonders in einer Karstgegend, wo wir kaum Oberflächenwasser haben. Einen Schluck daraus probieren, sich freuen, daß da nicht das Kloakengebräu von Pazin aus den Felsen kommt, sondern etwas, das unseren Durst stillt.

Ein paar Bilder von der Architektur und der Kunst Istriens...



Ein paar Bilder aus Höhlen in Istrien...

Noch ein paar Landschaftsbilder....

Blick rüber auf Cres


2018: Für eine Woche bin ich wieder nach Istrien gekommen - diesmal hauptsächlich zum Chanten. Organisiert wurde der Event von Wolfgang Friederich vom Klangheilzentrum in München, der Ort, wo wir sehr gut untergebracht waren,  war das Haus Ana in Savudria. Die Woche diente hauptsächlich dem Singen, aber es war auch viel Zeit, um sich die Gegend anzuschauen, zum Baden zu gehen oder einfach nur auszuspannen.

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Ich stürzte mich natürlich auf die Höhlen und wollte sehen, was da in kurzer Zeit alles zu besuchen war. Einige schriftliche Unterlagen standen mir zur Verfügung, aber der Hauptimpuls kam durch das Internet und seine heutigen Möglichkeiten. Wer nur einmal maps.me zur Hand genommen hat, der wird schnell fündig werden. Was er allerdings da findet, das will auch interpretiert und verarbeitet sein, sonst nützlich das einem ziemlich wenig. Und so einiges steht auch nicht im Internet, trotz der euphorischen Aussagen mancher, die nur eine geringe Ahnung haben, von dem, was es wirklich gibt. So manches wird da nicht hineingesetzt, auch von mir, denn es wäre unverantwortlich, einmal aus Höhlenschutzgründen, zum anderen wegen der großen Risiken, die die Befahrung so mancher Höhle mit sich bringt.

Hier nur ein paar Stichworte zu einzelnen Höhlen:

Romualdohöhle
Im ersten Istrienführer von Peter Hofmann, kurz nach der Zeit des politischen Umbruchs im ehemaligen Yugoslawien geschrieben, hieß es noch: "Die Höhle ist aber schwer zu finden." Diese Zeit ist längst vorbei. Schon bei unserem 2000er Ausflug dorthin, wurde sie ja schon als Schauhöhle betrieben, auf der Webseite showcaves.com wird sie als Höhle beschrieben, die von Mitgliedern des Höhlenvereins aus Rovinj als Schauhöhle geführt wird, an der Hauptstraße von Porec nach Rovinj steht an der Abzweigung zu Lipsky Fjord schon ein Schild an der Straße und wenige Meter nachher gibt es einen bescheidenen Parkplatz. Aber die Welt dreht sich weiter. Dort stand 2018 ein großes Schild, daß die ca. 100 m lange Höhle schon wieder geschlossen sei. Folgte man dem Weg weiter, dann stieß man auf ein kleines Häuschen, an dem ein Schild hing, das einem den Grund für die Schließung kundtat: man habe die Höhle zu Forschungszwecken bezüglich des Fledermausbestandes wieder zu gemacht. Fledermausbestand? In einer Höhle, die seit Jahrhunderten besucht, bewohnt, genutzt wird. Trotz all der vielen "Störungen" durch den Menschen? Zieht das die Tiere vielleicht an, weil sie dann ein wenig mehr vor den "Fledermausfeinden" geschützt sind? Anderen Tieren, denen die Flattertierchen nur als Nahrung dienen? 
Am Weg stehen Tafeln, die genauestens informieren, wie weit und wie hoch man hinaufgehen muß. Es sind immerhin über 100 Höhenmeter. Da scheint viele nicht abzuschrecken, es waren eine Menge Besucher da, die aber vielleicht auch noch an der Höhle vorbei nach oben steigen, wo es einen viel benutzten Wanderweg gibt. Vor der Höhle stehen einige massive Holzbänke, momentan unbenutzt. Das Gittertor hängt locker an Ketten im Rahmen, viel hält das nicht aus. Viele viele Menschen sind hier schon gewesen, was man auch an den blank geschliffenen Steinen am Fußboden der Höhle sieht. 

Jama Baredine und Umgebung

Die Höhle war den Menschen der Umgebung immer schon bekannt. Mit Hilfe von Leitern ließ sich unschwer in den Schacht absteigen, wo sich eine große tropfsteingeschmückte Halle anschloß. 1926 drang eine Gruppe Triester Höhlenforscher noch weiter vor und kam bis in eine Tiefe von - 80 m. 1974 kamen Höhlenforscher aus Porec noch ein wenig tiefer und kamen bis - 116. Man erkannte das touristische Potential und begann 1994 mit dem Ausbau zur Schauhöhle, der 1996 vollendet war. Damit hatte Istrien seine erste Schauhöhle (inzwischen sind noch einige dazu gekommen: die Marmornica bei Brtonigla, die Festinsko kraljevstvo, die Romualdohöhle ist schon wieder geschlossen). Hier zeigt sich aber auch der Trend, daß eine Attraktion heute oft nicht  mehr reicht, sondern man arbeitet daran, noch mehr zu bieten. Das ist hier sehr gut zu sehen: Der Höhlenbezug wurde verstärkt durch SPELEOLIT - Höhlenabenteuer, wo man in einem Schacht die Abseil- und Aufstiegstechnik der Höhlenforscher trainieren kann. Das "Höhlenabenteuer" kann man bei einer Tour in einer nahen "Wilden Höhle" erleben. Gleich daneben steht das Gebäude des Höhlenmuseums, wo wechselnde Ausstellungen zum Thema Höhle gezeigt werden und in einem natürlichen Kellergeschoß eine Dauerausstellung über den prähistorischen Menschen und seine Verbindungen zur Höhle gezeigt werden. Aber auch das ist noch nicht alles: Man baut sich ein zweites Standbein mit einem Traktormuseum auf!

Nicht weit von der Jama Baredine in Richung auf Nova Vas zu liegt in der Nähe des Parenzaweges ein Schacht. Er ist mit maps.me durchaus zu finden, besonders wenn man die Landschaft ein wenig lesen kann. Überall sind Weinberge, aber ein einer Stelle ragt ein großer Baum darüber hinaus. Geht man darauf zu, dann sieht man, daß dort ein ummauerter Schacht mit Bäumen und Strauchwerk ist. Ein großer aufgerollter schwarzer Schlauch lehnt daran. Offenbar ist hier ein Schacht, aus dem die Bauern bei Bedarf Wasser heraufholen. Man kann nicht einfach hinunter, dazu wäre ein Seil notwendig. Die Zweige eines Feigenbaumes wuchern unten, so daß kein freier Blick nach unten möglich ist. Immerhin, eine besuchenswerte Karsterscheinung.

Westlich von Nova Vas Richtung Küste ist in maps.me ein weiteres Objekt eingetragen: Jama Grot. Auch dieses ist relativ leicht auszumachen, weil wiederum eine Baum-, Buschinsel aus den Weinbergen herausragt. Erst nach ganz genauem Herumsuchen fand ich schließlich ein winziges Steiglein, wo ein Eindringen möglich war. Tatsächlich ist da ein kleiner Schacht, der in einen Höhlengang zu führen scheint. Ein Hinabsteigen hab ich mir allerdings versagt, denn da lagen überall weiße Müllsäcke mit unbestimmten Inhalt herum. Was da wohl jemand "entsorgen " wollte? In Kontakt wollte ich damit nicht geraten.

speleolit
Schacht bei der Parenzana
Jamagrot

Spilja Golubinka

Maps.me weist in der nordwestlichen Ecke Istriens auf dem Weg zu der FKK-Feriensiedlung Kanegra diese Höhle aus. Man muß sein Fahrzeug schon einige Meter vorher stehenlassen, da ein Halteverbot auf den letzten 500 Metern besteht. Ein ausgetretener Weg führt Richtung Küste hinunter. Ohne ein GPS wird man den Schacht wohl nie finden, denn er liegt mitten im Jungwald und erst zu sehen, wenn man schon fast davor steht. Er ist groß und wohl auch tief. Als ich das mit Hilfe der uralten Steinwurfmethode eruieren wollte, fiel mir auf, daß es keine lockeren Steine im ganzen Umkreis mehr gibt. Da war ich nicht der Erste, auf diese Idee gekommen ist. So nahm ich einen morschen Ast und warf ihn in die Tiefe. Er blieb gleich an den Zweigen unten im Schacht hängen, aber bewirkte doch etwas. 4 Tauben kamen herausgeflogen und zogen davon. Ein Spit bräuchte man hier nicht mehr eigens zu setzen. Eine massive Maschinenschraube steckt schon im Felsen und könnte als Verankerung für das Seil dienen.

Am Strand

Höhlen bei Brtonigla

Brtonigla liegt östlich der Straße von Umag nach Porec. Schon an der Straße weist ein Hinweisschild auf die Marmornica-Höhle hin, die zur Agrar-Tourismusanlage STERLE gehört und seit 2008 als Schauhöhle betrieben wird. Auch diese Höhle ist schon lange bekannt. Das erste schriftliche Zeugnis von ihr stammt von dem Reiseschriftsteller Alberto Fortis aus dem Jahre 1771, wo in einem Brief auf eine Höhlentour dorthin Bezug genommen wird, die 1 Jahr vorher stattgefunden hatte. 1885 wurde der erste Plan der Höhle aufgenommen von Emilio Boegan, der zur "Societa alpina della Giulie" gehörte. Die Höhle besteht aus einem 10 m tiefen Schacht, der in eine mächtige Halle mündet (Länge 91 m, Breite 53 m), die voller prachtvoller Tropfsteine ist. 

Spilja Mramornica - http://www.istra.hr/de/attraktionen-und-aktivitaten/naturschonheiten/hohle-mramornica / http://www.agroturizamsterle.hr/de/spilja-de.html

Im Eingangsbereich hat man wegen der klimatisch günstigen Verhältnisse ein Weinlager eingerichtet, wo der heimische Wein aufbewahrt wird.

Ich kam nachmittags gegen 3 Uhr dort an und war fast alleine. Ein Pärchen schickte sich gerade an, wieder wegzufahren. Ich ging zu kleinen Schauhöhlengebäude und schaute, was los war. Eine junge freundliche Dame grüßte und erklärte mir die Bedingungen. Es müßten mindestens 2 Personen dabei sein, das Photographieren in der Höhle sei erlaubt, allerdings dürfe man kein Stativ einsetzen. So wartete ich und wartete. Niemand kam. Ich bot ihr an, für 2 Personen zu bezahlen, aber darauf ließ sie sich nicht ein. Ich erzählte ihr von unserem Plan, vielleicht mit der ganzen Singgruppe wiederzukommen und wieder einmal in der Höhle zu chanten. Nichts half. Ich resignierte und zog weiter. 

Marmornica

Beim Schauhöhlengebäude steht eine große Landkarte der Gegend. Wenn so viel Zeit zum Warten zur Verfügung hat, wie das bei mir der Fall war, dann hat man auch Zeit, sich in die Details zu vertiefen. Ich suchte nach Höhlenzeichen und fand tatsächlich auch einige. Auch solche, die noch nicht über maps.me erschlossen sind. Glücklicherweise. Eines davon war über einen Wegstrich mit dem Rest der Welt verbunden und zeigte zur Spilja Serbani. Wie sich mir dann später zeigte, gibt es diesen überhaupt nicht. Das machte die Sache schwierig bis unlösbar. Im wilden unverschlossenen Karstgelände umherzustreichen und etwas zu suchen, was erst im letzten Moment zu sehen ist, das ist schwierig. Einige Kratzer auf der Haut und einige Blutstropfen kostet das - und man hat am Ende doch nichts erreicht, weil man die Höhle immer noch nicht gefunden hat. Ein richtiges kleines Abenteuer wurde das, ehe die Sonne am Horizont über der Adria im Meer versank und mich zum Rückzug zwang. Immerhin hatte ich eine große Informationstafel mit Beschreibungen in 4 Sprachen von der Höhle im Freiland gefunden, aber von dort ging nichts weiter. 
Zurück in der Unterkunft suchte ich im Internet weiter und fand tatsächlich ein paar Hinweise. Es gibt sogar einen Geocache in der Höhle. Die entscheidenden GPS-Daten kriegt man allerdings erst, wenn man die Fragen des Geocacherstellers alle richtig beantwortet hat und sie ihm mitgeteilt hat. Es gibt auch 1 Karte und ein Luftbild, aber die gilt es erst einmal richtig zu interpretieren. 2 Tage später versuchte ich es noch einmal, diesmal erfreulicherweise nicht alleine. Eine Mitchanterin fand sich mit genügend Unternehmungsgeist und Leidensbereitschaft.
Alle Versuche, den irgendwo am Hang vermuteten Höhleneingang zu finden, wurden erst einmal abgeschmettert. Ein mindestens 6 m breiter Wassergraben durchzieht den flachen Talgrund und sperrt alle Versuche aus, ohne Wasser- und Schlammberührung weiterzukommen. Auf der anderen Kanalseite lugten einige Bisamratten herüber. Die hatten da einen sicheren Lebensraum. Der Versuch, bei einem industriell gestalteten Bauernhof näher heran zu kommen scheiterte, mangels Wegspur. In der anderen Richtung gab ein nach 3 Kilometern wenigstens eine schmale Brücke, aber auch da verschmälerte sich die Pfadspur immer mehr. Es hieß zu Fuß weiterzugehen, an einer Stelle keimte Hoffnung auf, da lag ein morscher alter Baum über dem Wasser, es gab einstmals sogar ein Geländer, aber das hing nur noch ganz lose irgendwo. Ich balancierte hinüber, aber auf der anderen Seite gab es nur noch eine geschlossene Dornenfront, die nur noch mit Machete oder Flammenwerfer zu überwinden gewesen wäre. Also wieder Rückzug. Beinahe Totalrückzug. Ein letztes verzweifeltes Aufbäumen, zurück zur Tafel. Das ganze Hightechgedöns brachte da nichts. Ich versuchte es noch einmal mit Intuition - und, tatsächlich. Der Eingang, besser die zwei Eingänge waren gefunden! Hinein, gebückt, sich wieder aufrichten, sich wieder bücken, ein wenig absteigen, das Ende war schon wieder erreicht. Die Kamera herausgeholt, die Leuchten postiert. Endlich hatte ich wieder einmal ein richtiges "Modell" dabei und die Strahlen des tragbaren Scheinwerfers erzeugten einen richtigen Strahlenkranz in ihren kurzen silbrigen Haaren. Besonders spannend waren die Wandüberzüge aus Wurzeln, die oben bis unten reichten. Offenbar spielt die Höhle auch eine wichtige Rolle für die Bäume darüber. So ein kleiner Erfolg ist durch wenig aufzuwiegen. Nur wer all die Frustration, die Zweifel, die Rückschläge selber erlebt hat, der kann das wohl erst richtig verstehen. Der schnelle, garantierte Erfolg à la Geocachekoordinaten ist nicht alles, berührt innerlich viel weniger. 

Pecine Piscovica

Die Höhle liegt, so Peter Hofmann, in seinem Istrienführer, "in der Nähe der Straße nach Gologorica". Ich füge diesen Worten keines hinzu. Ich hab habe versucht, diese Höhle wiederzufinden, viele Jahre vorher war ich schon einmal dort gewesen, aber es hat mich 2 Stunden intensiver Suche gekostet, ehe ich wieder am Eingang tatsächlich stand. Ohne die Hilfe der Einheimischen, die ich befragen mußte, durfte, hätte ich ihn nie gefunden. Nirgends ist ein Hinweis in der Landschaft, man muß schon wissen, was und wo man sucht. Aber das ist gut so. 

Scheinbar war schon lange niemand mehr dort. Viel Grün hing über die schmale Pforte, Ein alter Autoreifen wurde hier "entsorgt", ein Blechtafel liegt am Boden. Gleich hinter dem Eingang wird es noch niedriger, man muß auf allen Vieren ein paar Meter kriechen. Was danach kommt, das ist erst auch anstrengend, für Erwachsene. Gedückt und an der Decke entlang schleifend, weil sie so weit unten ist, geht es weiter. Geradeaus, dann mäandernd, Je mehr sich der sicherlich nach jedem Regenguß vorhandene Bachlauf in den Boden eingesägt hat, desto aufrechter kann man sich bewegen. Schließlich ist nur noch ein breiter Tunnel vor einem. Es geht dahin, Hunderte von Metern. Man bewegt sich ja in einer geologischer Besonderheit, ein Höhle zwischen Kalkstein und Flysch. Eine Mergelschicht, zwischen 1,5 m und 4 m dick, ist zwischen zwei Kalksteinschichten abgelagert. Das Wasser des Baches trägt sie langsam davon, zurück bleibt der Hohlraum der Höhle. Nach gut 1.000 Metern ist Schluß und man muß alles wieder zurückgehen.

Nach diesem Blick in die Unterwelt Istriens noch Ansichten des Oben, der Natur, der Landschaft, der Kultur...

Bei Gologorica
Bei Ucotici
Groznjan
> Baumhöhle
In Umag

 


Eine Internetrecherche im Septemberg 2018 über die Höhlen in Istrien erbrachte weitere Ergebnisse:

Als Zahl der bekannten Höhlen wird mindestens 2.000 angegeben. Das läßt schon auf eine beachtliche Höhlendichte schließen.

- Die längste und tiefste Höhle Istriens ist immer noch eine Höhle mit vielen Namen. Einstmals war sie sogar die tiefste Höhle der Erde. Allerdings stellte man dann fest, daß man sich um 100 Meter verrechnet hatte. Und damit war der Rekord schon wieder Geschichte: Der Schlund von Raspo oder der L'Abisso Bertarelli oder Rasporski Ponor oder Grotta della mama oder Zenjkanja jama. Heute gelten 358 m als seine Tiefe und momentan ist die erforschte Ganglänge 5,5 km.

- ponot Bregi, Zentralistrien (Pazinstina, großer Eingang, -273 m Schacht, Länge 2 km)

- Jama Kobiljak (Buzet, - 286 m)

- Jama u Birbovoj dragi (Buzet, - 293 m, 1 km)

- Pincinovahöhle (Tar, - 70 m, 100 m Länge)

- Pecina Laganisi http://www.amz.hr/naslovnica/virtualna-setnja/povremene-izlozbe/2009/pecina-laganisi-mjesto-zivota-i-smrti.aspx / https://www.academia.edu/1068777/Laganiši_Cave_a_Place_of_Life_and_a_Place_of_Death

- Markova jama (Tar, - 82m, 300 m Länge)

- Kaverna u tunelui Ucka (Ucka, 1,5 km)

- Ponor Kolinasi (Buzet, 1,2 km)

- ....

Übersicht über die größten Höhlen Kroatiens: http://speleologija.hr/popis


Literatur:

Bertarelli, L.V., Boegan, E. Duemila Grotte, TCI, Milano 1926
Hofmann, Peter Karst & Kultur - Wege durch Istrien, München 2000

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