Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen im Schwarzwassertal



Der Schwarzwasserbach ist ein Nebenbach der Breitach, die ihrerseits in die Iller mündet. Wer mal dorthin fahren will, der muß ins Kleine Walsertal, das politisch zu Österreich gehört, aber noch heute eigentlich nur von Norden, also Deutschland, her, also auf den südwärts von Kempten führenden Straßen erreichbar ist. Noch heute, 2003, ist das eine kleine Katastrophe. Staus, Staus, Staus.

Hat man mal den Kreisverkehr bei Oberstdorf passiert, dann geht es. Die Straße führt noch einmal bergauf und dann wieder hinunter. Ein Tal tut sich vor einem auf. Links der Bergzug Söllereck-Fellhorn, das Walmendiger Horn vor einem, leicht rechts geschaut, zeigt sich der Hohe Ifen und das Gottesackerplateau. Dorthin wendet sich das Herz des "Höhlenforschers". Kalk, Kalk, Kalk. Und vor dieser Masse an Kalkstein ein bewiesenwaldetes Tal, das Schwarzwassertal. In der Sprache des Geologen: "Im Schwarzwassertal taucht der verkarstete Schrattenkalk unter das Flyschgebiet ab. Daher gibt es sowohl oberflächlichen Abfluß als auch unterirdische Karstentwässerung, die in vielfältiger Weise miteinander in Verbindung stehen: Im oberen Schwarzwassertal versinkt der Schwarzwasserbach im Bereicht Galtöde an mehreren Schwinden ganzjährig und vollständig in der Bergsturzmasse...und tritt unterhalb in zwei benachbarten Quellgruppen wieder aus... Dort, wo die Gottesacker-Synklinale unter das Tal abtaucht, verläuft der Schwarzwasserbach in einer Schlucht aus Schrattenkalk." (Goldschneider und Hötzl 61f.).

Im Tal gibt es eine Anzahl von Höhlen. Sie sind sehr gut in dem KARST UND HÖHLE 2000/2001 Band "Hochifen und Gottesacker" beschrieben, so daß eine detaillierte Beschreibung hier unterbleibt. Wer will, kann sich dort die ihn interessierenden Informationen besorgen.

In den letzten Jahren haben wir dieses Gebiet immer wieder aufgesucht, um die Höhlen dort kennenzulernen. Die außergewöhnliche Trockenheit im Sommer 2003 etwa war Anlaß, mal wieder die Schwarzwasserhöhle aufzusuchen, um nachzusehen, ob sich da neue Forschungsansätze auftun. Leider war das nicht der Fall. Aber die Forschung geht weiter, langsam, leise, lustvoll.

23. November 2003
Klaus, Peter, Willi und ich sind unterwegs. Die Schwarzwasserhöhle ist praktisch unzugänglich. Schon ein paar Meter hinter dem Eingang steht ein unterirdischer See. Da ist heute kein Durchkommen. Wir denken nach, was wir mit dem angebrochenen Tag noch tun könnten. Das Fuchsloch wird von uns "begraben", aber alles ziemlich vergeblich. Viele Steine haben ihren ursprünglichen Aufenthaltsort gewechselt, "herausgekommen", in menschlicher Denkweise, ist nichts.

Die Landschaft

 
     

Die Höhleneingänge

Das Höhleninnere


November 2013

Die Autobahn ist inzwischen weitergebaut worden. Viele der Staus sind nun Geschichte. Sie reicht nun bis in die Höhe von Sonthofen. Das macht ein bequemes Erreichen des Kleinen Walsertales nun möglich. Wir sind unterwegs zum Tal des Aubachs, gehen vorbei am Eingang zum Ladstattschacht, der nun von außen nicht mehr erkennbar ist. Von dort geht es nordwärts. Aus einer leichten länglichen Eintiefung in der Landschaft wird ein richtiges, tiefer eingeschnittenes Tal und an einer Stelle beginnt es ein von einem Bach durchflossenes zu sein. Schaut man, woher das Wasser kommt, dann stößt man auf mehrere Quellöffnungen. Die oberste, unter einem schrägen Felsdach gelegen, bildet den Eingang zur Aubach-Quellhöhle. Sie wurde noch von Klaus Vater im Jahre 2000 genau vermessen. 21 m Gesamtganglänge hat sie bei einer Tiefe von - 18 m. Sie ist nur etwas für echte Enthusiasten, denn bei einer kurzen "Kosten-/Nutzenanalyse", ob es sich überhaupt lohne, den Schlaz anzuziehen und mit der Lampe da hineinzukriechen, kommen eher negative Werte dabei heraus. Mühsam ist es, da sich zwischen die Felsen zu quetschen, ich habe es mit den Füßen voraus getan, denn an ein Umdrehen in der Felsspalte war nicht zu denken. Wenn ich mit dem Kopf voraus hineingeschlupft wäre, dann wäre der tief unten gehangen und die Füße hoch oben geschwebt. Außerdem kam auch noch Wasser an der Wand herunter, so daß an ein Trockenbleiben nicht möglich war. Kälte und Enge und später noch Lehmablagerungen, die, so die Höhlenbeschreibung, "beim Befahrer unangenehme Eindrücke" hinterlassen würden. Da müssen Jüngere her. Vielleicht gelingt es denen dann, den Klemmblock am Ende zu überwinden. Ich habe mich mit ein paar Photos abgeplagt.

Es gibt noch eine weitere Höhle in der Gegend, gar nicht weit von der Quellhöhle entfernt. Davon haben wir bei unserer Tour gar nichts mitbekommen, die Aubachhöhle. Wir müssen wiederkommen. Dafür fiel uns am Rand des Bachbetts etwas auf, was noch in keiner Beschreibung der Gegend bislang erwähnt ist. Da gibt es einen richtigen Schacht, der offenbar aufgegraben worden ist. Dicke Balken sind eingeklemmt und haben offenbar einem Grabungszweck gedient. Ob sich der Aufwand gelohnt hat?

Photos Franz Lindenmayr
     
 
     
 
     
 
     
 
     
Photos Willi Adelung
     
Die Naturbrücke

Literatur:

Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher

Hochifen und Gottesacker, München 2000
Goldscheider, Nico, Hötzl, Heinz Tektonik und Karstentwässerung, in: Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Hochifen und Gottesacker, München 2000
Fumy, Richard und andere Die Höhlen des Gottesacker-Hochifen-Gebietes, in: Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Hochifen und Gottesacker, München 2000

Links:

http://www.reiserat.de/reisen_europa/oesterreich/vorarlberg_walsertal.html

http://www.bayerntours.com/oberallgaeu/kleinwalsertal/wandern.htm

http://www.kleinwalsertal.com/

http://www.agk.uni-karlsruhe.de/projekte/projekte_hydro/neukum/markierungstechnik.html

Landschaft und Höhlen in Vorarlberg

Landschaft und Höhlen im Allgäu



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