Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Landschaft und Höhlen um Muggendorf
Fränkische Schweiz


Landschaft und Höhlen rund um Engelhardsberg, Fränkische Schweiz

Schönstein-, Brunnsteinhöhle


Ehe die ganze Gegend in der Zeit der Romantik zur "Fränkischen Schweiz" wurde, war sie vorher das "Muggendorfer Gebirg". Und die relative "Weltberühmtheit" dieses kleinen Konglomerats aus Häusern und einer Kirche, heute auch noch einiger Gewerbebetriebe, namens "Muggendorf", hängt nicht mit seiner besonderen architektonischen Qualität zusammen, sondern mit was ganz anderem - den Höhlen nämlich. Im Kern waren es 3: die Zoolithenhöhle, die Höhlen im "Hohlen Berg" und die Rosenmüllershöhle. Erzählt wird, daß Wissenschaftler aus aller Welt mal dorthin "gepilgert" seien, um sich, neumodisch formuliert, zu "updaten".

 
Nach so etwas wurde u.a. gesucht, Bärenzähne - heute im Naturhistorischen Museum in Nürnberg

Seit 2011 gibt es im alten Bahnhofgebäude von Muggendorf ein Informationszentrum, das über den Bahnhof, die Landschaft und die Höhlen den Touristen erzählt wird. Ein eigener Raum ist der Höhlenforschung gewidmet und recht gut ausgestattet.


Blick in eine künstliche Höhle/Höhlenschauraum/Vor dem Informationszentrum

Die drei Höhlen im "Hohlen Berg" oberhalb von Muggendorf, die Oswald-, Wunders- und die Witzenhöhle, gehören zu bekanntesten der Fränkischen Schweiz, und das seit Jahrtausenden. Die Oswaldhöhle mit ihrem 12 m breiten und 6 m hohen Eingangsportal war schon immer den Menschen bekannt und bekam ihren momentanen Namen durch ihre Erwähnung in dem Roman "Heinrich von Neideck" von Rebmann. Nach 60 m bequemem Durchgang hat man den Felsriegel durchquert und kommt auf der anderen Wandseite in einem etwas kleiner dimensionierten Portal wieder zu Tage.

Man kann ohne eigenes Licht die Höhle durchqueren, sollte aber im Mittelteil etwas vorsichtig sein, weil dort die Höhlendecke etwa herunterkommt auf etwa 1,50 Meter. Wenn man es so wie ich macht, und zu schnell sein Haupt wieder heben will, führt das leicht zu einem massiven Zusammenstoß mit ihr, was leicht zu einem schmerzlichen Erlebnis werden kann, wie bei mir, das noch Tage später an einer hinterlassenen Blutkruste auf dem Schädeldach zu sehen war.

Besonders schön ist es, im Winter dorthin zu gehen. Dann erlebt man oft den starken Höhlenwind, der durch die weiten Räume bläst, und sieht, je nach Günstigkeit der Verhältnisse, mehr oder weniger große und viele Eissäulen, die einen prachtvollen, aber halt auch leicht vergänglichen Schmuck der Höhle bilden.

Eine Schilderung der Höhle aus dem Jahre 1795 von Johann Gottfried Köppel zeigt die reichhaltige Folklore um die Höhle.
Er vermutet, daß dort schon die "ungläubige Heiden" ihren Götzen geopfert hätten (links vom Eingang wurde ein kleines Wasserbecken als "heidnischer Weihkessel" den Besuchern beschrieben), ein frommer Einsiedler oder "unglücklicher Ritter" hätte dort gelebt, der "Oswald" geheißen hätte und damit der Höhle ihren Namen gab (zumindest in dem Ritterroman "Heinrich von Neideck" von Georg Friedrich Rebmann). Von ihm wurde erzählt, er sei von allen Bewohnern im Lande weit umher "geehrt und geliebt" worden, und man habe sich seines Rates und seiner Weissagungen bedient. Dieses Motiv finden wir von vielen Höhlen und ihren oft seltsamen Bewohnern in Europa, in Bezug auf die "Weissagungen" sind es allerdings meist Frauen, denen eine solche Fähigkeit zugeschrieben worden ist.
Eine einstmals den Eingang abschließende große Mauer wird mit dem Dreißigjährigen Krieg in Verbindung gebracht, weil sie damals als Zufluchtsort der Dorfbevölkerung gedient haben soll. Später bediente man sich den Räumen zu profaneren Zwecken: Sie dienten der Kühlung des Bieres und der Lagerung von Sommerfrüchten im Winter. Ich erinnere mich noch an meine erste Befahrung der Höhle im Jahre 1966, als wir uns damals mit dem Gedanken trugen, die Höhle als Kulisse für einen Film über Steinzeitmenschen zu verwenden. Aus dem Projekt wurde nie etwas.

 

Für den Zeitpunkt der Entdeckung der Wundershöhle wird uns das ganz genaue Datum genannt: der 7. November 1772 nämlich. Damals sei der "Höhleninspektor" Wunder auf einen Schlüssel getreten, als er gerade versuchte, vor einem Gewitter unter dem Felsdach am Eingang Schutz zu suchen. Da hätte in ihm den Gedanken erweckt, dort nachzugraben, und tatsächlich, da ging es tiefer in den Berg.

Immerhin schon 1794 drang ein KÖPPEL in sie vor und schrieb dann später: "Dieß ist die gefährlichste unterirdische Reise nach den hiesigen Höhlen. Denn man lege sich vor dem Eintritt auf den Bauch, und indem man in der einen Hand ein brennendes Licht hält, hilft man sich mit der anderen wie eine Schlange durch die engen Krümmungen winden, und schlüpft so auf nassen, glatten und ungleichen Felsen eine Strecke von 15 Fuß hindurch (15 Füße! 5 Meter!) Damit ist aber die Reise noch nicht vollendet. Man muß sich sodann über ein Stück abgebrochenen Felsen schwingen und in einen engen Abgrund behutsam hinabklettern. Aber wie groß war das Erstaunen..." Wer noch mehr darüber erfahren will über dieses frühe Höhlenabenteuer, der sollte den Rest in dem schönen Höhlenbuch von Hardy Schabdach nachlesen.

Über einen sehr engen Verbindungsgang steht sie mit der Witzenhöhle in Verbindung, mit der sie ein Gesamtsystem von immerhin 285 m Gesamtganglänge bildet. Wer nicht weiß, daß es sie überhaupt gibt, der wird sie nicht finden. Denn der Weg zu ihr ist nicht ausgeschildet. Man allerfalls an den Trampelspuren im Wald sehen, daß da irgendwas wohl ist. Von oben her kommend ist ihr Eingang erst zu sehen, wenn man fast schon davorsteht.

Ihr Ruf ist zumindest zweifelhaft. Warum hat schon 1774 Johann Friedrich Esper folgenden Satz über sie geschrieben: "Alles ist Wust, alles Unordnung, alles dem Geschmack des zur Empfindung des harmonischen geschaffenen Menschen, gerade zuwider." Eine spannende Bemerkung! Ein echter Beitrag zur psychischen Wirkungsgeschichte der "Höhle" auf den "Menschen"! Dazu paßt dann auch die seltsame Diskussion um den Namen der Höhle, der von Esper mit dem Gott Wit oder Witte in Zusammenhang gebracht wurde, dem "Gott der Rache". Und er schreibt dazu: "Gewiß für den Gott der Rache läßt sich in Deutschland keine schicklichere Behausung als das Witzerloch finden." 20 Jahre später tauchen auf einmal Berichte auf, daß es in der Höhle ein Götzenbild des Rachegottes Swantowith geben würde. Wer mehr darüber lesen möchte, der sollte mal den "Kleinen Führer zu Höhlen um Muggendorf" zur Hand nehmen.

Mich verbindet ein kleines Erlebnis ganz besonders mit dieser Höhle. Als wir, die damaligen Teilnehmer von HÖREPSY 1992, einfach mal einige Zeit im Endraum der Höhle im Dunkel gegessen waren, um einfach mal wahrzunehmen, was da gerade ist, oder anders gesagt, zu meditieren, da fiel plötzlich nach einiger Zeit ein kleiner Stein aus der Höhlendecke und wir nahmen ihn erst war, als er auf dem Boden aufschlug. Ein leichtes Geräusch. Wir hatten alle ganz ruhig da gesessen, keiner hatte irgend etwas gemacht, und doch passierte da was. Was war da wohl die "Ursache"? Wahrscheinlich passiert das dauernd irgendwo auf unserer Erde, aber keiner ist halt da, um das wahrzunehmen. Waren wir schuld? Oder war es Zufall? War es "göttliche Fügung"? Ein Zeichen des "Ganz Anderen"? M=mc²? Wir nahmen dieses kleine Erlebnis mit nach draußen, aber was heißt schon "klein"?


Nordwestlich von Muggendorf liegt am rechten Wiesenttalhang in 625 m Seehöhe der Eingang zu einer der bekanntesten Höhlen der Fränkischen Schweiz, der Rosenmüllerhöhle. Sie hat ihren Namen von Johann Christian Rosenmüller, einem Anatomieprofessor aus Leipzig, der als ersten "Fremder" in den 16 Meter tiefen Eingangsschacht hinabstieg.

Wir kennen sogar das genaue Datum dieser Höhlentour, den 18. Oktober 1793. Die Höhle war von Johann Ludwig Wunder, einem Sohn des damaligen "Höhleninspektors" Johann Georg Wunder entdeckt worden und "durch Hülfe eines Seils" erstmalige befahren worden. Am Grunde des Schachts machte man eine schauderliche Entdeckung: "zwei Menschengerippe. Anfangs, ehe man sie berührte, noch der Länge nach hingestreckt liegen, aber so bald man sie antastete, fielen die Knochen auseinander." 1830 baute man einen kleinen Tunnel, der direkt in die Eingangshalle führt. Von 1836 an bis 1960 wurde sie als Schauhöhle geführt, womit sie zu ältesten Schauhöhlen gehört.

Heute ist der Zugang frei. Man kann unschwierig durch den 8 m langen und 1 m breiten Stollen, der allenfalls ein paar Pfützen am Boden aufweist, unschwierig in die große Halle im Berge gelangen. Von oben dringt Tageslicht aus dem Schacht herein. Im Winter bilden sich in dieser Eingangszone öfters kleine Eisfiguren. Man kann nun auf künstlichen Steinstufen den "Parnaß" erklimmen. Ein Eisengeländer gibt Halt. An ihm sind viele kleine Kerzenhalter, die auch heute noch Verwendung finden können, wenn Besucher mit einer entsprechenden Menge Kerzen kommen und sie bestücken. Oben angekommen ist der Blick zurück in die Halle recht eindrucksvoll. Bergeinwärts sieht man nur noch die Reste des einst wohl sehr schön gewesenen Sinterschmucks. Alles, was irgendwie mitnehmbar war, ist heute aus der Höhle entfernt. Man sieht nur noch die Stümpfe einstiger Pracht Decken, Böden und Wänden. Was da noch ist, rechtfertigt Namen wie "Allerheiligstes", "Wachskammer" und "Kleines Paradies" nicht mehr.

Beinahe wäre mal ein deutscher Dichter zur größten Attraktion der Höhle geworden. Warum? Karl Immermann, ein Dichter des poetischen Realismus, versuchte 1837 zu diesen hochgelobten Schönheiten in der Höhle zu gelangen, die allerdings nur durch ein enges Loch zugänglich waren. Es versuchte es zumindest und beschrieb seine Erfahrung dann so: "Ich kroch in das enge Loch, aber mein unglücklicher Körper wollte nicht durch. Ich drängte mich mit aller Macht hinein, vergebens! endlich saß ich fest, konnte nicht vor- nicht rückwärts. Schon dachte ich in meiner Noth, ich würde sitzen bleiben, würde nach und nach incrustiren, und nach Jahrhunderten die größte Merkwürdigkeit der Rosenmüllers Höhle werden: ein deutscher Dichter im Tropfstein - da haspelte mich der Führer noch zum guten Glücke los."

 
   
 
   
   
   

Folgt man der nördlichen Wiesentflanke weiter ostwärts, dann kommt man zum Quakenschloß. Es handelt sich hier um eine höchst besuchenswerte kurze Durchgangshöhle in einem hoch über die sonstige Hochfläche herausragenden Felsklotz. Eine schöne Sage rankt sich darum von einer verliebten Fee und einem verunsicherten Jäger. Ein bezeichneter Weg führt von Engelhardtsberg dorthin.

Kleine Naturbrücken beim Adlerfels
 

Aus einem Brief von Ludwig Tieck an August Ferdinand Bernhardi aus dem Jahre 1793 (veröffentlicht in "Reisebeschreibungen..."): "Hinter Ebermannstadt reitet man immer durch ein äußerst romantisches Tal, durch das sich die Wiesent in vielen Krümmungen schlängelt, zu beiden Seiten ziemlich hohe Berge, gradeaus ebenfalls Berge vor sich....es ist eine Gegend, die zu tausend Schwärmereien einladet, etwas düster Melancholisches und dabei doch so freundlich. Hier nur ist der wahre Genuß, eine schöne Gegend veredelt den Menschen, eine schlechte macht ihn kleinlaut und scheu, die erhabene stimmt ihn erhaben....
Muggendorf...wo die bekannten Höhlen sind...nachmittag brachen wir wieder auf, Meyer holte uns ab, es war keine Zeit übrig, die Muggendorfer Höhlen zu besehen, und wir verschoben dies auf eine andere Zeit...
(Auf dem Rückweg passieren sie noch einmal Muggendorf, A.d.V.)..Wir gingen bald am Morgen auf einem sehr schönen Wege nach Muggendorf, wo in der Nähe sich die merkwürdigen Höhlen finden. Rosenmüller hat dazu eine ganz neue entdeckt, voll von merkwürdigen Tropfsteinfiguren, wir sahen diese und noch drei andere, wo wir zuweilen tief und unbequem kriechen mußten. Dann ritten wir nach dem Mittagessen ganz langsam nach Erlangen zurück."


Literatur:

Kaulich, Brigitte, Schaaf, Hermann Kleiner Führer zu Höhlen um Muggendorf, Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg e.V., Nürnberg 1980
Lang, Stephan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2000
Schabdach, Hardy Unterirdische Welten - Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz, Verlag Reinhold Lippert, Ebermannstadt 2000
Herrmann, Friedrich Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz, Regensburg 1980
Heller, Josef Muggendorf und seine Umgebungen oder die Fränkische Schweiz, Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1829, Palm & Enke, Erlangen 1979
Bauer, Karlheinz Alte Höhlenansichten der Fränkischen Alb, Reihe F - Geschichte der Speläologie, Biographien - Heft 2, München 1967
Esper, J. Ausführliche Nachricht von neuentdeckten Zoolithen unbekannter vierfüssiger Tiere. Nach der Original-ausgabe von G. Knorrs-Erben, Nürnberg, 1774 with an introduction by A. Geus. Wiesbaden 1978
Rosenmüller, Johann Christian Die Merkwürdigkeiten der Gegend um Muggendorf, Berlin 1804
Im Internet verfügbar unter: BVB-Multimediaserver
ohne Verfasserangabe Reisebriefe deutscher Romantiker, Rütten & Loeinign, Berlin 1979

Links:

http://www.fraenkische-schweiz.com/gemeinden/muggendorf.html

http://www.muggendorf.at/

http://www.fraenkische-schweiz.com/sport/wandern/muggendorf.html

http://www.fraenkische-schweiz.com/sport/wandern/muggendorf.html

Schöppner, Alexander, Sagen, Sagenbuch der Bayerischen Lande, Dritter Band, 1060. Heidenstadt und Wihte-Höhle - Zeno.org

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