Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Tastsinn und Höhle


Ein Bodentropfstein in der Damlatashöhle, Türkei, August 2004 - ein hautnaher Kontakt


 "Mehr als hautnah können wir uns einer Höhle nicht
nähern,
Von all unseren Sinnen versteht der Tastsinn am wenigsten,
weiß aber am meisten.

Yazoo (im Original heißt es "einem Garten)


 

Ein Thema für das HÖREPSY 2008:

Eine Stelle im Heidentempel bei Köflach über die 10000de von Menschen wohl schon gegriffen haben

- gleich oberhalb des heute zerstörten Kultbilds

In der Dragonakihöhle auf Kephalonia:

Besucher beim Anfassen der Tropfsteine

Der Grotte de Demoiselles im Süden Frankreichs

Hier schlägt der Höhlenführer die Sinterfahnen so an, daß es eine Melodie ergibt... Frère Jacques... Anschließend sind die Höhlenbesucher eingeladen, es ihm nachzutun... Höhle und Klang

Das "Berühren" der "Höhle" liegt voll im Trend. Ein einziger Besuch dieser Höhle genügt - da gibt es nachgemachte Tropfsteine, die richtig zum Berühren einladen! Macht man es, dann beginnen sie zum Leuchten und fangen an zum Sprechen!

Das gesuchte Höhlensystem liegt in Europa und dessen Ausbau wurde auch aus unseren Steuergeldern gefördert!

In der Lurgrotte - das Schauen genügt oft nicht, spüren möchte man die "Höhle"
  Lourdes: "toucher le rocher de la grotte : geste de croyant affirmant que Dieu seul est le rocher sur lequel il est possible de fonder sa vie" aus einem Internettext
Mühlheimer Höhle, Schwäbische Alb, D

Ein origineller "Berührungsschutz" für den Kopf an der Höhlendecke

Glatt geschliffene Stellen in der Teufelshöhle bei Pottenstein,
Fränkische Schweiz
Oft berührte Bodentropfsteine in der Teufelshöhle bei Pottenstein, Fränkische Schweiz

Aus: Ich ging den Weg des Derwisch, S. 170

Der Icherzähler kommt in letzten Kapitel zu einem Berg, auf dessen Gipfel er am Ende zu einer Höhle kommt. Den letzten Teil der Reise muß er alleine unternehmen.
"..ich kletterte um den Felsen herum. Mein Fuß glitt aus, und ich nahm die Hände zu Hilfe, um meinen Körper über die letzten paar Meter hinaufzustemmen. Das Geräusch meiner Füße auf dem Felsen war der einzige Laut. Mein Mund war trocken. Auf der anderen Seite des Felsens war eine enge Spalte, die ich durchklettern mußte. Ich gab mir Mühe, mit jeder Faser meines Wesens wach zu sein, denn ich wußte, daß er hier war. Mit den Händen an dem steilen Felsen Halt suchend, beide Schultern gegen die Steinwände rechts und links gepreßt, zog ich mich hoch. Ich war in seiner Gegenwart...."

Auch hier der Bezug zum Tastsinn...und der Höhle


Aus dem Gedicht "Entfernungen" von Hilde Domin:

3

Die sanfte Kuppe
unwiederholbar
du berührst
die Haut der Dinge
mit deiner Haut
die Rundung und die Kanten
der Dinge
ganz sanft
ihre Außenseite

(Quelle: Hilde Domin, Gesammelte Gedichte, S. Fischer-Verlag Frankfurt am Main, 8. Auflage, April 2002 - Kommentar: ein wunderbares Buch)


Literatur:

Lindenmayr, Franz Tastsinn und Höhle, in: Tagungsband HÖREPSY 2008, Gröbenzell 2008

Pakleppa, Fabienne

Berühren erwünscht! Süddeutsche Zeitung 18./19. Oktober 1997, S.VII

Mattenklott, Gundel Berührend berührt - Die Ästhetik des Tastsinns, Universitas Nr. 617-November 1997, S. 1050ff.
Katz, D. Der Aufbau der Tastwelt. (1925) Reprint Darmstadt 1969
Herder, J.G.v. Plastik, Einige Wahrnehmungen über Form und Gestalt aus Pygmalions bildendem Träume. (1868-70). Herders sämmtliche Werke. Stuttgart und Tübingen 1853. Bd. 25. S. 34
Feild, Reshad Ich ging den WEg des Derwisch, Fischer-Verlag, 1983

Links:

http://www.jhu.edu/~jhumag/996web/touch.html

http://www.jhu.edu/~jhumag/495web/touch.html

http://faculty.washington.edu/chudler/chtouch.html


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