Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Der zeitliche Orientierungssinn des Menschen und die Höhle
Der "Lichtstrahl" in der Grotta Nuova - an jedem Sonnentag für wenige Minuten ein Licht in der Dunkelheit
Drückt sich in Buchtiteln wie "Kinder der Höhle - die steinzeitliche Prägung des Menschen" wirklich die Wahrheit aus, daß der Mensch an Anfang der Geschichte durch das Phänomen der "Höhle" zutiefst geprägt worden ist? Es gab ja auch schon andere Auffassungen darüber! Rousseau dachte z.B. anders. Er vertrat die These, der Mensch habe sich zuerst im Wald aufgehalten und habe "frey unter Bäumen geschlafen".
Drückt sich eine "steinzeitliche Prägung" dann durch die Jahrhunderte auch so aus, daß da, wo es keine natürlichen Höhlen gibt, in denen man unterschiedlichste Erfahrungen machen kann, sich der Mensch künstlich welche baut? Denken wir nur an den Bau von "GROTTEN"! Waren vielleicht auch so manche megalithische Anlagen, die tiefe Gänge aus Stein in einem Erdhügel aufweisen, eigentlich "künstliche Höhlen"?
Es gab es dazu eine aufregende Seite im Internet, die die Wintersonnwende in Maes Howe in der Nähe von Stenness auf den Orkney-Inseln direkt ins Heim sendete: http://maeshowe.mypage.org/. In diesem megalithischen "Kammergrab", das 5000 Jahre alt sein soll, wurde eine CAM-Kamera installiert, die vom 2. Dezember 1998 bis zum 31. Januar 1999 täglich zwischen 14.30 Uhr und 15.30 GMT direkt Bilder sendete. Diese Übertragung fand auch im letzten Jahr statt und wurde damals von rund 10000 Internettern angeschaut! Der Link ist aber nicht immer aktiv.
Andere mehr oder weniger bekannte Beispiele:
das Ganggrab von Knows in Irland
die unterirdische Anlage von Santa Christina auf Sardinien
der wandernde Lichtfleck im Dom von
Chartres
http://perso.wanadoo.fr/.diocese.chartres/cathedrale/
| Der Eintrittsort des Lichts im Glasbild des hl. Apollinaire auf der Südostseite der Kirche |
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| Der wandernde Lichtfleck | |
| Dieser Stein mit einem Nagel markiert genau die Stelle, wo jeweils am 24. Juni, dem Johannestag, die Sommersonn- wende, zu erleben ist. |
Der Tempel von Abu Simbel in Ägypten
Die Bestimmung der Zeit durch Lichteffekte im Zusammenhang mit Karst- und Höhlenerscheinungen gibt es z.B. auch in der Schweiz und Österreich. Siehe dazu: Das Martinsloch in Elm.
Im Untersberg bei Salzburg öffnen sich in den Südwänden das Elfer- und das Mittagsloch. Wie sich an den Namen schon zeigt, sind sie von der Bevölkerung im Tal zur Bestimmung der Zeit früher verwendet worden. Genau um diese Tageszeit scheint die Sonne nämlich in diese Felsöffnungen.
Marlo Morgan berichtet davon, daß auch die Aborigines in der Australischen Wüste sich einer Höhle zur Zeitmessung bedienen. Sie schreibt: "The following morning I was allowed to see the passage they call Timekeeping. They have created a stone device that allows the sun to shine down a shaft. There is only one time a year that it shines in a direct and exact pattern. When it does, they know that a full year has passed since the last recorded time..."
Xochicalco wurde 1999 ins UNESCO-Welterbe aufgenommen. Es ist eine große Festungsstadt in Mexiko. In ihr gibt es eine Höhle, in der ein uraltes Observatiorium einmal eingerichtet gewesen ist. Jedes Jahr soll zur Tagundnachtgleiche im Frühjahr ein Sonnenstrahl exakt durch die Öffnung in der Mitte der Decke in die Höhle fallen.
Literatur:
| Siegmund, Günther | Durchlöcherte Berge und orographische Fenster, Sitzungsberichte der mathematisch-physikalischen Klasse der königl. Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu München, Bd. 41, H.2, 1911, S. 373-403 |
| Hofer, G., Herbert | Höhlen als frühe Observatorien, Jost-Jetter-Verlag, Heimsheim, 1996 |
| Meyer, Ulrich | Das Elferloch im Untersberg, DER SCHLAZ 99 - 2003, S. 8ff. |
| Lindenmayr, Franz | Höhlen - Schulen der Sinne / Der zeitliche Orientierungssinn, in: Arbeitskreis Höhle-Religion-Psyche, Tagungsmappe 1995, München 1996 |
| Delaporte, Y. | UN CLOU ET LE SOLEIL, in: Notre-Dame de Chartres - L'ENIGME DU LABYRINTHE, ohne Verfasserangabe |
| Morgan, Marlo | Mutant Message Down Under - A Woman's Journey into Dreamtime Australia, Thornsons 1995 |
Der Text dazu, ZEITTEXT von Franz Lindenmayr, veröffentlicht in den Tagungsunterlagen von HÖREPSY
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