Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Wurzeln und Höhle


Wurzel in der Höhle bei den Wielandhöfen, Wellheimer Trockental, Fränkische Alb


In einer Aufzählung von 15 verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Wurzel" erscheint "meist im Boden befindlicher Teil von Pflanzen" bei WIKIPEDIA an erster Stelle. Drei Funktionen werden ihnen zugeschrieben: Wasseraufnahme, Mineralstoffaufnahme und Befestigung.

Coccia bezeichnet sie in "Die Wurzeln der Welt" als "die rätselhaftesten Formen der Pflanzenwelt" (101). Nicht immer hatten Pflanzen auch Wurzeln. Die ersten fossilen Zeugnisse sind 390 Millionen Jahre alt. Nicht bewußte, methodische Ausarbeitung sei ihr Ursprung, sondern "eher Zufall und Flickschusterei" (102). 

Die Wurzeln würden den Boden und die unterirdische Welt zu "einer Art spirituellem Kommunikationsraum" (104) machen, so Coccia. "Dank der Wurzeln existiert die Intelligenz in mineralischer Form in einer Welt ohne Sonne und ohne Bewegung." (Coccia 104).

Als Höhlenforscher kommt man mit der Welt der Wurzeln des öfteren in Kontakt, insbesondere wenn man nicht zu tief unter die Oberfläche eindringt. Das reicht von einzeln Fäden bis zu ganzen Teppichen. Das reicht von kurzen Stücken bis zu meterlangen schnurartigen Formen, die von der Decke bis zum Boden reichen und dort sich auch wieder ausbreiten können. Gelegentlich übersintern diese Wurzeln, was zu bizarrsten Tropfsteinformen führt.....

In der Echo Calvas in Südafrika soll es die tiefst hinabreichenden Wurzeln der Erde geben. 120 m soll sie hinabreichen, dann ist der Wasserspiegel erreicht. 25 Liter Wasser pro Tag sollen hinaufgepumpt werden durch diesen Teil des Feigenbaums.

 

 

Haldensteinhöhle,
Lonetal, Schwäbische Alb 
 
     

Weitere Vorkommen:

- "Postojna", die größte Sandsteinhöhle bei der Gemeinde Klooci (NO von Turnovi) Tschechien > Wurzelstalagmiten > Vitek

 

 


 

Literatur:

Ahrweiler, Rainer Wurzelgeflechte in Höhlen des Südsauerlandes, Nordrhein-Westfalen, Mitt. Verb. dt. Höhlen- und Karstforscher 64, München 2018, 42-44
Ahrweiler, Rainer Wurzelgeflechte in Höhlen und Stollen, sogenannte "Wurzelstalagmiten". Anmerkungen zum Schrifttum - Speläolog. Jb. Verein für Höhlenkunde in Westfalen 2010-2013, 125-128
Coccia, Emanuele Die Wurzeln der Welt - Eine Philosophie der Pflanzen, Hanser, 1. Auflage, München 2018
Vitek, Dr. Jan Die Wurzelstalagmiten" auch in Sandsteinhöhlen Böhmens, Der Höhlenforscher 1-1980, S. 12
Zinkant, Kathrin Paläolithisches Gröstl, Süddeutsche Zeitung Nr. 4, 7. Januar 2020, S. 14

Links:D

http://www1.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d02/02b.htm

https://www.baumpruefung.de/baum-von-a-z/wurzel

https://www.ekiba.de/html/media/dl.html?i=19376

https://www.forschung-und-wissen.de/magazin/die-tiefste-wurzel-der-welt-13372054

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