Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Hunde in Höhlen



Hund im Eingang einer kleinen Höhle im Weißen Laabertal


Haben Hunde in Höhlen etwas verloren?

Selten, ja. Manchmal macht das durchaus Sinn, manchmal gar keinen. Was hat ein Hund bei einer Höhlenrettungsübung im Angerloch verloren? Von selber kommt er da nicht hinein, muß schon über die schwierigeren Stellen getragen werden, um überhaupt hinein zu kommen. 1979 war es aber einmal so.

Beim Besuch der Planinska jama, Slowenien

Dann gibt es aber halt auch Höhlen, wo die Hunde mithineingehen. Hofmann-Montanus erzählt etwa die Geschichte vom "Sandor", der Höhlenhund vom Grabner Franz, ehemals der Höhlenführer in der Frauenmauerhöhle, oder vom "Baldur", seinem Vorgänger. Er entdeckte auf einer Tour durch die Höhle eine Gruppe verloren gegangener Höhlenbesucher, die sich einem "falschen Höhlenführer" anvertraut hatten, und die verzweifelt nun in einem Seitengang hockten und nicht mehr aus noch ein wußten. (Hofmann-Montanus 189f).

Uns folgte einmal ein Hund in den Semriacher Teil der Lurgrotte. Unglaublich, wie weit er hineinlief, ohne scheinbar Licht zur Orientierung zu brachen... (siehe: Lindenmayr, Geruchssinn und Höhle S. 62)

Ein Hund als unser Begleiter in der Grotta dei Dossi, Piemont; I.

Im März 2021 tauchte die Gnirshöhle im Hegau auf einmal in der Süddeutschen Zeitung auf. Überschrift "Zahme Hunde in der Höhle". Forscher und Forscherinnen des Senckenberg Zentrums an der Universität Tübingen untersuchten Knochen aus der Höhle und stellten fest, daß das darin enthaltene Erbgut "die ganze genetische Bandbreite von Wolf bis Hund abdecke". Es wird vermutet, daß die Menschen damals versucht hätten "Tiere aus verschiedenen Wolfslinien zu zähmen und aufzuziehen." SZ Nr. 54, 6./7.03.2021, S. 31

Enthüllend über die Verhältnisse heutzutage ist die gleichzeitige Eingabe von zwei Begriffen bei Google: Hund und Höhle. Deutlicher kann man den Versuch einer Totalkommerzialisierung all unserer Lebenswelten kaum sehen. Man kann dabei auch sprachlich aufrüsten und neuen Wörtern begegnen: Hundehöhle, Katzenhöhle, Kuschelhöhle, Korbhöhle, Höhleneffekt....

Das Verschwinden von Hunden führt gelegentlich zur Entdeckung von Höhlen. Das war zum Beispiel bei der Ellersberghöhle in der Fränkischen Schweiz der Fall. Im Jahr 1988 verschwand der wertvolle Jagdhund des Jagdpächters, ein Terrier, auf einmal in einem Loch am Ellersberg. Dachse lebten dort. Um den Hund zu retten, fing man an, den Dachsbau auszugraben. Nächtelang, Sogar unter EinDie Hafner- und die Hundhöhle am Rabenberg in den Karawanken und die Kurathöhle in der Sattnitz mit ihren tierischen Bewohnern, Carinthia II, Klagenfurtsatz eines Kleinbaggers. 60 m Gänge wurden ausgegraben, man hörte den Hund bellen, konnte ihn aber nicht herausholen. Nach 4 Wochen fand man das tote Tier am Eingang.

In NW-Clare versuchte man 1961 zwei Hunde, die bei der Fuchsjagd eingesetzt worden waren, und die dann zwar noch hörbar, aber nicht mehr erreichbar waren, wiederzufinden. Das war in der Umgebung der Höhle Cullaun 5. Die Tiere steckten scheinbar in einer Höhlenkammer, die aber nicht zugänglich war. Auch weitere Versuche scheiterten (Tratham, NW-Clare 25)

Am Rabenberg in Kärnten gibt es folgende Geschichte: "Der Name "Hundhöhle" ist auf eine Sage zurückzuführen, die bei den Bewohnern der Gegend traditionsgemäß gewahrt wird. Nach ihr ist einmal ein Hund in die Höhle gefallen und unvermutet lebend in der Gegen beim Babniak nahe von Weizelsdorf wieder zum Vorschein gekommen. Jedenfalls wird das unheimliche Loch.." Hölzel, Die Hafner- und die Hundhöhle am Rabenberg

In der Klauswandhöhle in der Drachenwand/Oberösterreich, ca. 100 m vom Eingang entfernt, wurde im Wasser der "gut erhaltene Schädel eines Hundes gefunden" (Kasparek). Es stellte sich heraus, daß er zu einer Hunderasse gehörte, die erst nach dem 2. Weltkrieg in Mode kam.

Im Yanchep National Park in Westautralien gibt es eine "Höhle der wilden Hunde", die "Dwerta Mia" in der Sprache der Ureinwohner, die offenbar einstmals dort ihren Lebensraum hatten.

     Sophienhöhle, Fränkische Schweiz, D 
Hund und Hunderverbot bei der Sophienhöhle,
Fränkische Schweiz, D
Ganz anders in einer Höhle in den Pyrenäen:

die Grotte de Lombrinve!

 

 

 

Hund in einer Höhle bei 
Olargues, Herault, F

2011


Beliebter Höhlenname, z.B.
- als alter Name für die Charlottenhöhle auf der Schwäbischen Alb im Gebrauch gewesen, Katasternummer 7427/03
- Hundsloch, Großes und Kleines, Höhle auf der Fränkischen Alb bei Hundsboden, D, KN A 136
April 2015
- Hundsloch, Höhle in den Fischauer Vorbergen, Niederösterreich 1864/9
- Höhle bei Tüchersfeld "im Thale gegen Pottenstein", Fränkische Schweiz (Heller, S. 88)
- Hundsloch oberhalb von Mauls bei Sterzing


Ein typisches Vorkommen von Hunden ist VOR der Höhle. Er soll das Betreten der Höhle verhindern! Zerberus, der meist mehrköpfige Höllenhund, den Eingang zur Unterwelt bewachend, damit kein Lebender eindringt und kein Toter wieder herauskommt.

Eine der Aufgaben des Herkules war, ihn aus der Unterwelt heraus auf die Oberfläche zu bringen. Das gelang dem Heros natürlich, aber hatte seinen Preis...

Die bekannteste Darstellung des Höllenhundes stammt von Dante Alighieri / Göttliche Komödie. 

"Ein Untier, wild und seltsam, Zerberus, 
Bellt, wie ein böser Hund, aus dreien Kehlen
Jedweden an, der dort hinunter muß.." (JKÄ)

Friedrich Nietzsche griff dieses Thema in seinem Zarathustra auf. Dort heißt es: "Als dies der Feuerhund vernahm, hielt er's nicht mehr aus, mir zuzuhören". "Beschämt zog er seinen Schwanz ein , sagte auf eine kleinlaute Weise Wau! Wau! Und kroch hinab in seine Höhle." zitiert nach Münkler 527

Assoziationen an den "Höllenhund" können einem schon kommen, wenn man manche Höhle betreten will. Ein Auszug aus einem Tourenbericht in Triester Karst: "../../../../hoehlen/I/triest/gabrovizza/orso/orso.htm


Hunde haben beim Finden von Höhlen geholfen, in der der Realität und der Fiktion.


Höhlennamen mit "Hund": (siehe Pfarr)

- Hundsloch bei Türnitz, A
- Hundskirche beim Seewaldsee, Sbg, A
- Hundsalm Eis- und Tropfsteinhöhle, Tirol, A

- Grotte du chien

 


Literatur:

Bellmann, Michael Der Höhlenführer Elbsandsteingebirge, Heimatbuchverlag Bellmann, Dresden 2010
Eppel, Franz Stationen der ältesten Kunst - Im Land der Steinzeithöhlen, Schroll & Co, Wien München 1963
Hofmann-Montanus, Hans Die Frauenmauer - Saga vom Höhlentod, in: Hofmann-Montanus, Hans, Petritsch, Ernst Felix, Die Welt ohne Licht, Regensburg 1952
Hölzel, Emil Die Hafner- und die Hundhöhle am Rabenberg in den Karawanken und die Kurathöhle in der Sattnitz mit ihren tierischen Bewohnern, Carinthia II, Klagenfurt 1958
JKÄ Höllenhund / Aktuelles Lexikon, SZ Nr. 159, 13.07.2022, S. 4
Kasparek, Martin Das Innenleben der Drachenwand - oder: eine speleologisch wertvolle Höhle, in: Mitteilungen des LVfHK Salzburg 4-1969
Lindenmayr, Franz Geruchssinn und Höhle, in: Tagungsmappe 1998, Arbeitskreis Höhle, Religion und Psyche, München 1998
Münkler, Herfried Marx, Wagner, Nietzsche, Rowohlt, Berlin 2021
ohne Verfasserangabe Höhlenrettung auf amerikanisch, NSS NEWS 10/89, zitiert in DER SCHLAZ 61-1990, S. 50
Pfarr, Theo Höhlennamen, in: Höhlen und Karst in Österreich (hrsg. von C. Spötl, L. Plan, E. Christian), Oberösterreichisches Landesmuseum, 2016, S. 345-354
Schneider, Peter Die Höhlenmalereien im Franco-Cantabrischen Raum, Jahresbericht der Höhlenforschergruppe Rhein-Main, 12, 1990, S. 95-113
SZ Zahme Hunde in der Höhle, SZ Nr. 54, 6./.7. 2021, S. 31
The University of Bristol Speleological Society, edited by Tratman, E.K. The Caves of North-West Clare, Ireland, David & Charles, Newton Abbot, ohne Jahresangabe
Zauner, Martin König Otto Höhle 2 Kilometer, ATLANTIS 3/4 1993, S. 33ff.

Links:

https://www.zooplus.de/shop/hunde/hundebett/hoehle

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