Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Im Wiesenttal
Fränkische Schweiz


Burggailenreuth

Engelhardsberg

Gößweinstein

Muggendorf

Streitberg


In dem 1979 neu aufgelegten Werk von Joseph Heller über "Muggendorf und seine Umgebung" heißt es über die Wiesent: "diese ist der bedeutendste Fluß der Muggendorfer Gegend, und nimmt mehrere Bäche derselben auf. Sie entspringt bei Obersteinfeld, nahe dem letzten Hause des Ortes bei einem großen Felsen, durchfließt ein sehr schönes Thal, und ihr Lauf beträgt eine Strecke von ungefähr 15 Stunden."

Als Heller sein Werk verfaßte, da schrieb man das "Thal" noch mit "th". Die nächste Rechtschreibreform war noch weit weg. Wie mag es damals noch ausgesehen haben, das Wiesenttal? Das Auto war noch nicht erfunden. Gespanne mit Pferden und Rindern vorndran durchpflügten wohl noch die schlechten Wege.

Heute ist das alles anders. Das Auto ist erfunden, Asphalt bildet die Oberfläche der Straßen, so mancher mautflüchtige Lkw durchpflügt heutzutage schon die noch immer sehr "romantischen" Gefielde. Glücklicherweise gibt auch heute noch stille Momente hier und schöne. Da stellt sich ja jeder was anderes vor - und dementsprechend kommt dann zu anderen Zeiten her.

Für mich war so ein Tag Anfang April 2008, der Himmel war grau, es nieselte, es war kühl, es war Samstag nachmittag. Treunitz, Wiesentfels, Loch, Freienfels, Neidenstein, Weiher, Hollfeld.. Diese Orte passierte ich, eh ich abbog Richtung Wonsees/Krögelstein. Ein Erlebnis, trotzdem. Hier gab es nichts NEU zu entdecken aus der Sicht eines Höhlenforschers. Aber aus der Sicht eines Menschen, der sich gerne der NATUR aussetzt, auch durch die Augen, und das "festhält", zumindest solange, wie es die Filmfläche aushält bei ihm, sprich, es fotographiert, da gab es einiges. Jeder Moment ist einmalig. Auch wenn sicherlich schon Unzählige vor mir diese Plätze fotographiert haben, auch diese Bilder sind "einmalig". Sie sind einfach eine Einladung, auch selber mal wieder die Augen aufzumachen. Was ist hier heute?

 
 
 
 

In "Loch"

Bei Waischenfeld mündet der Zeubach in die Wiesent. Seine Länge wird von Joseph Heller mit "kaum einer Strecke von 3 Stunden" angegeben. Das ist mal was anderes, zu Längenangaben Zeitmessungen zu verwenden. Das Tal zwischen Zeubach und Waischenfeld nennt er "sehr romantisch, und hat auf beiden Seiten schöne Felsenparthien", noch in schöner alter Rechtschreibung mit "th". Tut man nichts, dann wäre alles längst verwaldet und von den Felspartien würde man kaum mehr etwas sehen. Da wird heute wieder abgeholzt, so daß man einige prachtvolle Steinklötze auch wieder zu sehen bekommt. Außerdem ist es ja gut für einen sonnenliebende Vegetation, die ja ansonsten wieder verschwinden würde. Wo dann wieder der Wald und das Jungholz dominieren, da liegen die darin verborgenen Eingänge in die Förstershöhle. Von ihr schreibt Heller, daß sie zu den "vorzüglichsten Höhlen der Muggendorfer Gegend" gehöre. Lange war der Zugang nicht so einfach möglich, weil ein Schacht in die Tiefe führte. Dann ließ der damalige Besitzer Förster für 300 Gulden, "eine große Aufopferung für das Allgemeine", durch Bergleute einen Zugangsstollen schlagen. Durch den kam wohl wirklich jeder hinein. Man zeigte die Höhle "gegen eine kleine Gabe" gerne. Auf Verlangen beleuchtete man alles mit Lichtern, "und wodurch man in den Stand gesetzt ist, in dieser schönen Höhle alles genau betrachten und zu untersuchen". Wovon nicht die Rede ist, daß es beim Betrachten oft nicht geblieben ist, sondern der Mensch sich gern ein "Souvenir" mitnahm. Das führte schnell zum weitgehenden Untergang der Schönheit unter der Erde.

Als ich im Juli 2012 mal wieder vorbei schaute, da war alles vergittert und verschlossen. Der ursprüngliche Eingang ist massiv mit einem Eisengitter überdeckt, das sich wohl nur noch mit Schweißbrenner wieder aufmachen ließe. Am künstlichen Eingang ist auch eine Gittertüre und dahinter ist ein Schild angebracht, daß man aus "artenschutzrechtlichen Gründen" die Höhle verschlossen habe und man nur in begründeten Ausnahmefällen im Gasthaus "Rotes Roß " den Schlüssel bekäme. Das Haus gibt es zwar noch, aber das Gasthaus ist wohl im Moment nicht in Betrieb.

Es ist schon ein Kreuz mit diesen Höhlenverschlüssen. Manchmal sind sie ja tatsächlich notwendig, aber dann gehört ein gescheites Zugangssystem her. Das funktioniert meistens nur, wenn engagierte Personen dahinter stehen. Es gibt da ja ein paar leuchtende Beispiele aus der Vergangenheit und Gegenwart, aber das sind ganz wenige.
Und den "Artenschutz" als glaubhaften Grund für den Verschluß einer Höhle anzugeben, das ist passé angesichts staatlicher Genehmigungen für fragwürdigste Riesenprojekte, wo so etwas überhaupt nicht zählt, siehe STUTTGART 21 oder die Isentalautobahn (die dritte Startbahn für den Münchner Flughafen hat man ja der Volksentscheid hoffentlich für immer gekippt).

 

 

Waischenfeld ist eigentlich zauberhaft hineingestellt ins Wiesenttal. Die Burg Waischenfeld überragt alles, eine prachtvolle Kirche ist noch im Dorf, viele schmucke Fachwerkhäuser sind renoviert worden, da heben sich dann die diversen Bausünden nicht ganz so schlimm ab.
Was es selten gibt: Wer an der richtigen Stelle steht, der sieht mitten im Ort bereits einen Höhleneingang, den zur Schloßfelsenhöhle. Außerdem gibt es noch die Höhlen im Pfarrgarten und weitere Objekte.
 

Eine der berühmtesten und besuchenswertesten Höhlenruinen der Fränkischen Schweiz liegt unterhalb von Doos. Dort mündet die Aufseß in die Wiesent. Auf einem bequemen Weg kann man von der Straße hinauf zur Riesenburg wandern. Ein großer Einbruchskessel wölbt sich über einem und in den Wänden öffnen sich dunkle Kammern. Eine davon führt ansteigend 18 m in den Berg.
1828 kauften die Grafen von Schönborn die Höhlenruine, versahen sie mit Weganlagen und ließen sie als Schauhöhle führen. Erst seit 1945 ist sie wieder frei zugänglich.

Aussichtspunkt oberhalb der Riesenburg
Ein Sitzstein am "Wasserweg". Dort ruhten sich
früher die Wasserträger, die das kostbare Naß
auf ihren Rücken in Tragenaus dem Tal
heraufbrachten, zwischendrin aus
Von Künstlern gestaltete Ansichten der Riesenburg aus dem 18. und 19. Jahrhundert
 
Die Riesenburg
Zeichnung vn C. Käppel
Lithographie von Th. Rothbart (1830)
Auf der Hochfläche überm Tal

Auf der anderen Talseite in der Nähe Riesenburg befindet sich in der Talflanke eine kleine Durchgangshöhle, durch die ein schmaler Pfad führt.

 
     
 
     
 
     
   

Direkt neben der Straße zwischen der Schottersmühle und Behringersmühle öffnet sich, verdeckt durch ein Mäuerchen, der Eingang zur Messingschlagerhöhle. In den Jahren 1920 bis 1924 wurde sie sogar als Schauhöhle geführt. Vermutlich war sie einmal sehr schön, aber die ehemalige Pracht ist heute weitestgehend zerstört. An einen Hauptraum von 12 m Länge, auf 5 m Breite und auf 5 Höhe schließt nach einer kurzen niederen Stelle ein Gänglein Richtung Südwesten an. Der endet je nach Wasserstand früher oder ein wenig später. Bei längerem schlechten Wetter kann die Höhle mit Wasser gefüllt sein.

 
 

Im Wiesenttal zwischen Sachsenmühle und Ebermannstadt

 
 

 

Literatur:

Lang, Stephan Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz, Verlag Hans Carl, Nürnberg 2000
Heller, Josef Muggendorf und seine Umgebungen oder die Fränkische Schweiz, Nachdruck der 1. Auflage aus dem Jahre 1829, Palm & Enke, Erlangen 1979
Illmann, Renate Die Messingschlagerhöhle bei Schottersmühle (C1), in: Der Fränkische Höhlenspiegel 56 Oktober 2009, S. 35ff.

Links:

 


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