Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Speläologisches entlang des Jakobsweges
San Juan de la Pena, Spanien
"Every step a new tap." (aus: Peter Erlenwein, Reise in die Mitte des Kreuzes)
Von Schrobenhausen Richtung Westen auf dem Jakobsweg
Vom Bodensee durch die Schweiz bis zum Genfer See
Durch Spanien bis zum Cap Finistère
"Keine andere Geschwindigkeit ist einem organischen
Körper angemessener als die, die er sich selbst verdankt."
Italo Svevo
"Seinserfahrung ist Bewegung.
Bewegung heißt:
Wege machen:
das Nichts mit Wegen versehen."
Michael Vetter
And I have many miles on foot to fare...
John Keats, Keen Fitful Gusts
Aus dem Jahre 1047 stammt die erste Erwähnung des Jakobsweges
in einer Urkunde des Hospitals von Arconada in der Provinz
Palencia in Spanien. Über Jahrhunderte hinweg strebten 100.000e
von Menschen dem Grab des hl. Jakobus in Santiago de Compostella
auf unterschiedlichsten Wegen zu. Anfangs sollen sie einfach
immer der Richtung Sonnenuntergang gefolgt sein, aber so langsam
bildeten sich dann richtige Pilgerrouten aus, an denen es dann
auch Versorgungseinrichtungen für die Menschen gab. In der
frühen Neuzeit gab es schon mal einen deutlichen Abschwung, dem
dann wieder ein Aufschwung folgte. Noch im Jahr 1970 wurden
gerade mal wieder 68 Pilger im Jahr gezählt, dann gewann das
Ganze wieder an Gewicht. Seit 1993 ist der spanische Hauptweg in
das UNESCO-Welterbe aufgenommen worden, 1998 kamen 4 französiche
Routen dazu.
Besonders bekannt wurde der Weg in Deutschland durch verschiedene
Bücher wie Paulo Coelhos "Tagebuch einer Pilgerreise nach
Santiago de Compostela" und der Bestseller von Hape
Kerkeling "Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem
Jakobsweg".
Über den Sinn einer Jakobswegwanderung gibt ein französischer Text darüber folgende Antwort: "L'important pour chacun est d'arriver au but (Compostelle!), mais plus encore de vivre ce que la société nous refuse: la solitude, le silence, la rencontre avec l'autre." (Wichtig für jeden ist, am Ziel anzukommen, aber noch mehr, das zu leben, was uns die Gesellschaft verweigert, das Alleinsein, die Stille und die Begegnung mit anderen) ÉCOUTE.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Der damit wieder sehr bekannt gewordene "Jakobsweg" hat an einigen Stellen auch Berührungspunkte mit dem Höhlenphänomen.
Beispiele:
In Paul Coelhos Tagebuch über seine
Jakobswegtour findet sich eine bemerkenswerte Höhlengeschichte
unter der Überschrift: "Der Sieg über sich selbst":
Zwei Tage später erreichten wir einige Berge, die im Süden
aufragten...nach einer halben Stunde Wegstrecke begann ich ein
Geräusch zu hören, das so klang wie herabstürzendes Wasser. Um
uns herum lagen nur sonnenverbrannte Felder...erst als wir über
einen kleinen Hügel gekommen waren, stand ich vor einem
außergewöhnlichen Werk der Natur. In einer Bodensenke, in die
ein fünfstöckiges Haus passen würde, floß Wasser in das
Innere der Erde. Die Wände dieses riesigen Loches waren von
einer üppigen Vegetation bedeckt, die so anders als die der
Umgebung war und das herabstürzende Wasser umrahmte.
Laß uns dort hinuntersteigen, schlug Petrus vor.
Wir stiegen langsam hinunter, und mir kam es
so vor, als stiegen wir wie bei Jules Verne zum Mittelpunkt der
Erde. Der Abstieg war steil und schwierig, und ich musste mich an
den dornigen Zweigen und scharfen Steinen festhalten, um nicht
abzustürzen. Mit völlig zerkratzten Armen und Beinen kam ich
unten an.
Ein schönes Werk der Natur, sagte Petrus.
Ich stimmte ihm zu. Eine Oase mitten in der Wüste. Sie war dicht
bewachsen, und die Wassertropfen bildeten einen Regenbogen.
Hier erlaubt uns die Natur, auch unsere Kraft zu zeigen.
Laß uns den Wasserfall hinaufklettern, sagte derFührer.
Mitten durchs Wasser.
Ich betrachetete das Szenarium vor mir noch einmal. Jetzt sah
ich nicht mehr die Schönheit der Oase,die zauberhafte Laune der
Natur. Ich stand vor einer über fünfzehn Meter hohen Wand,
über die das Wasser miit ohrenbetäubendem Rauschen
herabstürzte. Der kleine, durch das herabfallende Wasser
geschaffene See war nicht mehr als mannstief, denn der Fluß
floß tosend in eine Öffnung ab, die in die Tiefen der Erde
hinabzureichen schien. Es gab an der Wand nichts, woran ich mich
hätte festhalten können, und der kleine See war nicht tief
genug, um einen Sturz aufzufangen. Ich stand vor einer vollkommen
unlösbaren Aufgabe...
Ich bahnte mir den Weg durch das Wasser und stand dann zwischen
dem Wasservorhang und dem Stein in einem kleinen Zwischenraum, in
den ich, wenn ich mich eng anden Fels presste, gerade mit meinem
Körper passte. Und da sah ich, daß die Aufgabe leichter war,
als ich gedacht hatte...."
Gibt es diese Höhle wirklich?
In Saint-Guilhem-le-Desert, Dep. Herault, F
In Nordspanien im Juni 2011
|
|
Auf dem Weg |
|
|
|
|
|
Ein "Pilgerhotel" in Atapuerca |
| In Atapuerca |
|
Literatur:
| Bollnow, Otto Friedrich | Mensch und Raum, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1963 |
| Coelho, Paulo | Auf dem Jakobsweg, Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela, Diogenes-Verlag, Zürich 1999 |
| Erlenwein, Peter | Reise in die Mitte des Kreuzes, Verlagsgemeinschaft Anarche, Inning 1993 |
| Kerkeling, Hape | Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg, München 2003 |
| ohne Verfasserangabe | CHEMIN DE COMPOSTELLE - le retour en grâce, écoute 8/2011, S. 18-19 |
| Schulte-Kellinghaus, Martin | Jakobswege durch Deutschland und die Schweiz, Würzburg 2010 |
| Stone, James | The Cult of Santiago. London, Longmans, Green & Co, 1927 |
| Vetter, Michael | Die Psychologie der Seinserfahrung, Lüchow-Verlag, Freiburg i. Breisgau 1997 |
Links:
http://www.spain.info/conoce/grandes-rutas/caminodesantiago/index.html?l=de
http://www.jakobsweg.ch/de/schweizer-jakobsweg.html
Wir pilgern auf dem Jakobusweg
| [ Index ] | [ Englisch version ] | [ Höhlen und Höhlengebiete ] | [ Kunst ] |
| [ HöRePsy ] | [ Höhlenschutz ] | [ VHM ] | [ Veranstaltungen ] | [ Links ] |