Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

HÖPHO 2002


Am Abend vor dem Haus


Time present and time past
Are both perhaps present in time future

T.S. Eliot, Four Quartets


Noch während das HÖPHO 2001 in den Räumen des Spötzlhofes bei Wasserburg in Südbayern passierte, da wurden bereits die Entscheidungen fürs nächste Jahr gefällt. Andreas Schober übernahm die Aufgabe, das 2002er Treffen der deutschen Höhlenfotographen und -filmer zu organisieren, tatkräftig unterstützt von.Gaspard Magarinos und Jens Römer.

Sie taten es erfolgreich, und so hat es tatsächlich stattgefunden, bei bestem Wetter vom 5. bis zum 7. April 2002, nur ein bißchen kalt wars noch. Bis zu 35 Personen füllten den Aufenthaltsraum im Römersteinhaus in der Nähe von Donnstetten auf der Schwäbischen Alb. Der Höhepunkt war am Samstag abend erreicht. Nach und nach waren die Teilnehmer an den Exkursionen wieder eingetroffen, die "Starken" hatten sich in den Todsburger Schacht abgeseilt, die "Fotographen" waren in die Falkensteiner Höhle geschlüpft und die "Rentner" hatten die Möglichkeit genutzt, die H-Höhle mal anzugucken.

Bequem war sie, weil sie direkt neben einer Fahrstraße liegt, man direkt mit dem Auto hinfahren kann, nur einen verschlossenen Deckel lupfen muß, auf Eisenkrampen dann in einen Kanalschacht hinabsteigt, sich mal kurz auf alle Viere bequemen muß und dann in einen schön versinterten Raum kommt. Hier kann man wieder stehen, ein bißchen herumknipsen und dann gleich wieder hinaus ins helle Tageslicht zurückkehren, da keine großen Fortsetzungen mehr vorhanden sind. So stelle ich mir eine richtige "Rentnerhöhle" vor, und dreimal könnt Ihr raten, zu welcher Gruppe ich mich gesellt habe. Schließlich gehöre ich schon zu den Gruppe von Menschen, der man kein größeres Kompliment macht, als wenn man sie noch als "junger Mann" bezeichnet... Gleich beim Eingang steht auch noch eine neu erbaute Pizzeria, die zu annehmbaren Preisen gute Pizzas machte, so daß wir auch aus Sicht von "Karst und Küche" bestens versorgt waren.

Der Höhepunkt des Treffens begann mit einem feinen Essen, das das prima funktionierende Organisationsteam, hauptsächlich bestehend aus Mitgliedern der ARGE Grabenstetten, hervorgezaubert hatte. Man hatte Leberkäs und Hühnerschlegel besorgt, Kartoffelsalat und so eine Art Nudelspätzle, feine Soßen für die Salate angerührt, jede Menge Ökosalate vorbereitet, präsentierte angebratene Auberginen und Advocadostücke. Alle wurden satt, keiner mußte hungrig dem Diamarathon des Abends folgen.

Dieses Treffen hatte einen ganz besonderen Akzent, weil wir Gäste diesmal aus Montpellier hatten, Philippe Crochet und Annie Guiraud, allen SPELEO PROJECTS-Kalenderbesitzern z.B. bestens bekannt, wegen ihrer exzellenten Fotos. Sie waren eigens für unser Treffen angereist, 1000 km nordwärts. Philippe kam gleich mit 3 Flaschen feinen Weins daher und sagte, daß, wenn man schon jemand aus Frankreich dabei habe, dann müsse schon Wein zum Essen auf den Tisch. So vereinigen wir Europa!

Philippe und Annie hatten als unsere Gäste natürlich die Gelegenheit, als Erste Bilder in der großen Abendsession zu zeigen. Sie hatten ihr ganzes Equipment mitgebracht, transportable Lautsprecher, Mischpult, drei Karussellprojektoren und hervorragende Diaporamen. Darin sind sie Meister und das bekamen wir alle im vollgepackten Aufenthaltsraum gleich zu sehen. Dreimal am Abend hatten sie ihren Auftritt. Ein Diaporama über die Vertikalität und das Wasser, dann eine Geschichte von der Erschaffung der Welt durch Gott und eine Art "Jugenddummheit", in dem er nämlich den Menschen erschuf, der sich als völliger Fehlschlag herausgestellte, und eine Schau mit dem Titel Erde und Himmel. Wunderbare Naturaufnahmen über und unter der Erde, ausgefallene, oft jazzige Musikuntermalung, das bekannteste Stück für mich war noch "Take Five" von Dave Brubeck, und eine rasante Choreographie, waren die wesentlichen Kennzeichen dieser absoluten Highlights unseres diesjährigen Treffens.

Da noch mit unseren Fotos mithalten zu wollen, das war schwierig. Ich hörte durchaus den Kommentar eines "Aktiven": "Da kann ich ja gleich meine Bilder wieder einpacken." Entmutigen sollte man sich durch solche "Superschauen" nicht lassen. Die HÖPHOs waren nie als Konkurrenzunternehmen angelegt, sondern hier sollte immer das Kooperationsprinzip den Vorrang haben. Jeder soll seine Dias mitbringen und zeigen können. Für den Fall, daß wirklich sehr viele da sein sollten, dann sollte "aussortiert" werden, am besten vorher.

Was wir an diesem Abend noch zu sehen bekamen, das war aber durchaus konkurrenzfähig. Die durch unsere französischen Freunde gelegte Latte wurde immer wieder getroffen, ob "übertroffen", das ist immer Geschmackssache.

Andi Schober präsentierte ein weiteres Highlight - Landschaft und Höhlen in Neuseeland. So weit war bislang noch keiner geflogen und von dort haben wir noch nie etwas auf den HÖPHOs gesehen. Traumlandschaften, so noch nie gesehene Höhlenformen, wie eine spindelförmige Steinformation, es war einfach ungeheuer lohnend, die Augen hier mal aufzumachen und nicht zu schließen.

Ich zeigte dann den zweiten Teil meines im Vorjahr begonnenen Vortrags über "Sehsinn und Höhle". Er war ein spin-off meiner Arbeit bei HÖREPSY über die menschlichen Sinne. Im Spötzlhof hatte ich die Aspekte "Bewegung" und "Raum" als Grunddimensionen des Sehens zu zeigen versucht, diesmal waren es "Form" und "Farbe". Die "Textur" als fünfte mögliche Dimension erwähnte ich nur noch, obwohl auch sie faszinierende, die Wahrnehmung sehr öffnende Aspekte bietet. Hier war endlich mal die Möglichkeit, ein bißchen ins persönliche Schatzkästlein zu greifen und Bilder herauszuholen, die sehr "sensibel" sind. Es ging ja nur um die Formen und Farben und nicht um die Örtlichkeiten, wo sie sind.

An einen Abendvortrag erinnere ich mich noch besonders. Tom Fürtig zeigte ausgesuchte Höhlenbilder aus Frankreich. Er arbeitet ja schon seit vielen Jahren am Thema Ausleuchtungstechnik von Höhlenfotos und hier sahen wir die Ernte. Ein Grundproblem war natürlich stark spürbar. Es waren immer nur die gleichen zwei Personen auf den Bildern präsent, Tom und Angie, egal, ob es nun die Goule de Sauvas, die Cocalière, die Chateau-de-la-Roche oder eine andere Höhle war. Stark zeitlich verortet hat Tom diese Bilder, da er uns erzählte, daß sie alle um den "11. September 2001 herum" aufgenommen worden waren.

Um Mitternacht war für mich Schluß. Günther begann gerade, aus seinen Riesenbeständen noch etwas herauszuholen... Ich fühlte mich schon vollgepumpt und floh ins Dachgeschoß.

Was war sonst noch? Am Freitag abend (ich bleibe bei der "alten" Rechtschreibweise!) wurden schon traditionellerweise erstmal Bilder vom 2001er Treffen im Spötzlhof gezeigt. Das war so prima gewesen, daß überhaupt kein Grund bestand, diese Tage einfach "abzuhaken". Was da gewesen war, das rief wohl bei den meisten der damals Dabeigewesenen schon heftige Nostalgiegefühle hervor - und die Idee, daß wir da gerne mal wieder hinwollen, in ein paar Jahren, wenn das HÖPHO-Karussell wieder einmal Richtung alpinen Raum zeigt, hat einfach Substanz.
Günther Forstmeier hatte natürlich die neuesten Bilder von der 2002er Eiskogelhöhlenfototour dabei, die uns zeigten, daß es noch immer hervorragende Eisformationen dort gibt.
Andi Schober hatte sein Diaarchiv dabei und konnte noch Belieben prima Bilder hervorholen. Lokale Schönheiten waren genauso dabei (Falkensteiner, Mordloch, Hülben) wie südfranzösische Schönheiten. Überhaupt ist zur Zeit die Südfrankreichfraktion sehr stark. Früher war es mal die Sardinienabteilung, der Französische Jura, Slowenien. Da sind so richtige "Modetrends" zu beobachten.
Ich setzte da einen Gegenpol, in dem ich Bilder von einer Tour in den Mährischen Karst zeigte. Das war im Grunde "old school". Da waren schon unsere Väter und Großväter dort gewesen. KuK-Geruch. Aber die Zeit vergeht so schnell. Schon erscheinen einem, wenn man dorthin fährt, der Kommunismus mit seinen Auswirkungen nur noch wie ein längst vergangenes Relikt aus fernen Zeiten - mit Auswirkungen bis auf heute. Denn warum schlafen z.B. so viele junge Leute dort in Höhlen, auch heute noch? Weil sie kein Geld haben, ganz einfach. Die Leute waren auf meinen Bildern zu sehen, das Geld nicht, denn die haben ja keines, noch.
Jeden hier aufzuzählen, der Bilder gezeigt hat, das kann ich nicht mehr. Es ging bis 2 Uhr in der Frühe. Diesen Freitagabend müssen wir noch mehr "aufwerten"!

Am Samstag morgen wurden keine Bilder gezeigt, außer vom Beamer hervorgerufenen Fotos. Andi hatte es geschafft, so ein teures Gerät zu besorgen. Vielen Dank. Angeschlossen an die Computer ging es los - für den kleinen Kreis, der Leute, die damit heute schon was machen, aber die wohl in Zukunft schnell mehr werden werden. Wie sollen wir denn die vielen digital geschossenen Fotos sonst zeigen? Als Papierabzug vielleicht? Wer weiß! Im kleinen Kreis hatte ich da vor dem Bildschirm so ein Schlüsselerlebnis, was uns allen in Zukunft bevorstehen wird. Bildchirurgie, "Siliconbusen" für versaute Höhlenfotos. Ein "nicht ganz optimales" Höhlenfoto wurde "gerade gerichtet". Das Bild von Andi war absolute Klasse, ein Sinterröhrchen mit unglaublich vielen fraktalen Aragoniten daran, es hatte nur einen Fehler. Das Röhrchen hing "schief". So richtete man (das "man" hat einen Namen: Jochen) es gerade, die "Arbeitsfläche" wurde stufenweise gedreht, ein neuer Ausschnitt gewählt, das Bild ausgeschnitten und fertig war die neue, absolute Schönheit. Steht uns da in Zukunft der gleiche "Kampf" bevor, den die Bildende Kunst schon vor vielen Jahren ausgefochten hat - der Konflikt zwischen Idealismus und Naturalismus?

Noch vor dem Abendessen schob ich kurz ein paar Bilder ein. Seit 3 Jahren gibt es eine neue Einrichtung: die HÖPHO-Fototouren. Die letzte ging in die längste Höhle Österreichs, die Hirlatzhöhle. Genau davon zeigte ich die Ergebnisse, was durchaus spannend war, weil ich die neuen Fotos mit solchen aus dem Jahre 1972 kontrastieren konnte. Gibt es eine "Entwicklung" in der Höhlenfotographie oder nicht? Jeder konnte sich ein Bild davon machen.

Der Sonntagmorgen war Jochen Duckeck vorbehalten, der uns in die Möglichkeiten der modernen Bildbearbeitung mit dem Computer einführte. Offenbar ist das aber nur für wenige Leute ein packendes Thema. Jochen kennt sich einfach hervorragend aus, drückt sich so einfach, wie es die Materie überhaupt zuläßt, aus, bringt treffende Beispiele, mehr konnten wir uns nicht wünschen. Die Zukunft zeigt sicherlich, daß dieser Bereich immer wichtiger werder wird und daß da ein Bereich liegt, der eigentlich zum Leitthema des 2002er HÖPHOs gehört hätte: Neue Ideen in der Höhlenfotographie.

Das ist nämlich vollkommen untergegangen. Der Protagonist davon, Stefan Lang, war nicht dabei diesmal, ich hatte zwar was dazu vorbereitet, aber angesichts der Überfülle anderer Angebote, nahm auch ich davon Abstand. Auch vom zweiten Leitthema: Meine ersten Höhlenfotos, war nur wenig zu sehen. Außer Jochen zeigte nur noch ich ein paar uralte Bilder.

Charakteristisch für dieses Treffen war, daß ein paar der "cornerstones" der HÖPHOs diesmal fehlten. Tradierte Erscheinungen wie die von Reinhard Kieselbach hingezauberten HÖPHO-Essen fehlten genauso ein wenig den HÖPHO-Puristen wie die Musik nach den Diaschauen. Aber es zeigt sich Neues, Anderes, das auch gut ist.

Zum Abschluß vielleicht noch ein Statement von Annie. Sie zeigt den Blick von außen, aus französischer Sicht. Es sei schade, daß es so etwas wie die HÖPHOs nicht in ihrem Teil Europas gäbe. Das Gemeinsame zu betonen vor der Konkurrenz. Und man erkenne schnell an den Fotos die unterschiedlichen Fotographen. Das ist schon erstaunlich. Eigentlich ist da ja für alle die selbe Höhle, da ist viel Technisches, das das Bild macht, Kamera und Film, und doch, am Ende spürt man ganz stark das ganz Persönliche wieder heraus. Pflegen wir das!

Nach der Gruppenfotozeremonie am Ende des Treffen setzten wir uns noch mal im Aufenthaltsraum zusammen und beratschlagten, wie es weitergehen sollte. Die Organisatoren waren sehr zufrieden, da war es nicht schwer, sie zum Weitermachen aufzufordern. Ich glaube, wir alle freuen uns darauf und haben allen Grund dafür, auch nächstes Jahr uns dort zu treffen. Erfolgskontrolle: Philippe und Annie hat es auch so gut gefallen, daß sie, wenn es geht, wiederkommen werden! Und die haben wahrlich einen weiten Weg. In einer Rückmeldung von ihnen stand: "We definitely think we should do the same in France." Das wäre Klasse, denn dann könnten wir auch mal dorthin fahren, um die Fotos der Franzosen zu Gesicht zu bekommen.

Am Spätnachmittag
vor der Hüttn
Die Sonne geht auch
hier im Westen unter
Andi Schober bei seinem
Vortrag
Philippe Crochet und
Anni Guiraud
Im Gespräch
Fasziniertes Schauen
Das Publikum
Fotograf beim
Fotographieren
Blick aus der
Küchenzeile
Nachmittags ein
Spaziergang auf die Alb
Ein Höhepunkt:

das Abendmenü

Beim Essenfassen
Im Speisesaal
Sonntagmorgen
- Jochens Werk

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