Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

HöRePsy 2012

21. Treffen der Interessengemeinschaft Höhle-Religion-Psyche



"Das meiste dessen, was dem menschlichen Leben Bedeutung und Sinn verleiht, entsteht durch Wiederholung und Differenz."
Karlheinz A. Geißler


Es hat wieder einmal stattgefunden, unser jährliches Treffen von HÖREPSY. Und es war wieder ein voller Erfolg. Alles hat gestimmt: die Teilnehmer, der Ort, das Wetter, die Themen. Und am Ende es hat doch wieder Lust gemacht, doch weiterzumachen. Aller Voraussicht nach wird es also auch ein HÖREPSY 2013 geben!

Der harte Kern der Teilnehmer bestand aus 5 Personen, zeitweise erweitert um 1 bzw. 2 Mitglieder der Bergwacht Sigmaringen. Je mehr dabei sind, desto mehr Stimmung und Atmosphäre kommt auf, wenn es allerdings zu viele dann werden, dann spaltet sich alles wieder in Gruppen und Grüppchen auf, und das ist gelegentlich überhaupt nicht mehr beitragend zum Erfolg so einer Veranstaltung.

Als Ort hatte ich diesmal Dietfurt im Oberen Donautal ausgesucht, das zwischen Sigmaringen und Beuron liegt. Warum das Treffen ausgerechnet hier stattfand, war überhaupt kein Zufall. In dem kleinen sehr dominant das Ortsbild bestimmenden Felsen mit der Burg obendrauf befindet sich die Burghöhle. Sie ist schon ein ganz besonderes Geo-, Bio- und nicht zuletzt auch Psychotop, ein Aspekt, der mir bislang allgemein noch viel zu kurz zu kommen scheint. Manches Ereignis ist von sehr langer Hand vorbereitet. So war es auch hier. 2002 war ich einmal bei einem Speläo-Südwest-Treffen in der Gegend. Zum Abschluß gab es die Gelegenheit, über die Bergwacht Sigmaringen bzw. Walther Paape, der die Führung dann tatsächlich machte, auch die Burghöhle Dietfurt zu sehen. Speläohistorisch gibt es nur wenige Höhlen, die eine ähnliche reiche historische Bedeutung in unterschiedlichsten Kontexten hat. Schon damals erwähnte ich unsere Interessengemeinschaft dort - und, 10 Jahre später, als ich ihn anschrieb, ob wir nicht dort eine Tagung abhalten könnten, schrieb er zurück, daß er sich noch immer an meine Anmerkungen von damals erinnern könne.

Er war auch äußerst behilflich bei der Beschaffung einer entsprechenden Unterkunft, was angesichts der Verhältnisse aus der Ferne zwar nicht so einzuschätzen war, aber wenn man dauernd vor Ort ist, vollkommen klar ist. Es gibt ja nur eine einzige Gaststätte dort und die bietet auch Zimmer an: das Gasthaus "Mühle". Gleich daneben ist die Hütte der Bergwacht Sigmaringen. Mangels weiterer Ortskenntnisse hoffte ich, daß wir in der Gaststätte unser Treffen abhalten können würden, mangels offensichtlicher Alternativen. Aber dann klärte sich alles vor Ort aufs Allerbeste. Und die Lösung war ganz einfach, dank Walther Paape. Wenn so etwas passiert, dann kann man sich einfach nur freuen und dankbar sein. Ich buchte per Internet 5 Übernachtungsplätze, vorsichtshalber nur so viele. Falls wir noch mehr Teilnehmer werden würden, dann könnten wir hoffentlich noch ein paar Plätze dazu buchen, aber wenn es weniger würden, dann würde es halt vom Überlasser der Räume ab, wie kulant er wäre.

Wie viele Teilnehmer würden wir werden? Zeitweise sah es sehr gut aus. Der Besuch bei der Erdstalltagung in Roding weckte bei einigen das Interesse auch hierher zu kommen. Das war ja in der Vergangenheit ja erfreulicherweise schon mehrmals der Fall gewesen. Würden wir 13 am Ende sein? Als es aber ernst wurde, das bröckelte und bröckelte es. Glücklicherweise war ich ins Muotathal gereist, zum Nationalen Kongress der Schweizer Höhlenforscher. Dort erzählte mir Martin Heller, "Vater" von "TOPOROBOT", (im Internet hab ich folgenden Text gefunden: Ein Betriebssystem, sie zu knechten, sie alle zu finden,<br>Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden<br>Im Lande Redmond, wo die Schatten drohn.<br>(frei nach J. R. Tolkien)<br>) von seinem Interesse und wurde natürlich von mir ermuntert zu kommen. Und er kam tatsächlich. Viele Jahre vorher war ja auch schon Pali Berg einmal bei unseren Treffen gewesen, es scheint eine gewisse Affinität in der Schweiz mit diesem Thema zu geben, aus Österreich hat sich da fast noch nie jemand gemeldet, bis auf die Kuschs.

Freitag nachmittag fuhr ich zum Bahnhof in Ulm, um Wilfried Lorenz dort abzuholen. Mit der Eisenbahn war er angereist, wir hatten unser Treffen kurzfristig verschieben müssen um eine Stunde, denn plötzlich hatte man in meiner Werkstatt beim Winterreifenwechsel festgestellt, daß die Spurstange an meinem gereiften GOLF inzwischen gebrochen war. Ein kleine Reparatur und los konnte wieder es gehen. In Ulm, auf einmal, Tropengewitter. Es schüttete badewannenweise Wassermassen vom Himmel. Die Straße war ein kleiner Fluß und irgendwie schwammen darin die Autos durch die Stadt. Wilfried wartete unter einem weißen wilden Architektengebilde vor dem Bahnhofsgebäude. Über das Handy bekamen wir Kontakt, und er fand mich dann tatsächlich auf einer Nebenfläche neben dem offiziellen Taxistand. Nur weg, weg, weg von diesen Zuständen.

Tatsächlich besserte sich auch das Wetter. Die sunny spells wurden immer mehr. Je weiter wir von den Zentren menschlicher Zivilisation wegkamen, desto passender wurde es wieder für uns. Und hinter Sigmaringen, auf einem Parkplatz unterhalb den Felsen beim "Gebrochenen Gutenstein", da schien tatsächlich auf einmal wieder die Sonne. Die typischen Kalkfelsen wurden ins Abendlicht getaucht, was für ein Anblick! Keine McDonalds-Werbeschilder mehr, keine Werbung für ein Reifen- oder Autohaus, sondern der Blick freiwerdend auf eine uralte Burgruine hoch oberhalb von uns. Aber bis der Fotoapparat bereit war, diese Szene aufzunehmen, da war das Lichtspektakel schon wieder vorbei.

Weit war es nicht mehr zu fahren, dann zeigte ein Straßenschild nach links, nach Dietfurt. Direkt am Fluß steht ja das nicht zu übersehende Mühlengebäude und in ihm ist das Gasthaus "Zur Mühle". Wir meldeten uns dort, bekamen unsere sehr sauberen und ordentlichen Zimmer und schauten dann mal bei der Bergwachthütte vorbei. Dort saß schon Walther Paape und bereitete uns sofort einen sehr gastfreundlichen Empfang. Sofort klärten sich alle Unsicherheiten. Wir konnten den großen Gastraum abends voll für uns in Anspruch nehmen, was ideal für die Vorträge und Gespräche war, da wir dort ungestört waren. In einem anderen Raum war der Getränkevorrat und in der Küche die Gläser. Sogar den Holzofen konnten wir einheizen.

Dann ging es erst einmal ins Gasthaus, wo wir ein ein gutes Abendmahl bekamen. Alle Tagungsteilnehmer waren eingetroffen. Ein Tisch genügte, aber wenn es die "Richtigen" sind, dann ist die kleine Zahl eher Glück, denn Nachteil. Hofbräubier aus München gab es zu trinken, was in der Schwabendiaspora besonders gut schmeckte. Bei einem blieb es nicht, denn die "Gurgel wollte geschmiert werden", denn es gab viel zu erzählen. Es war schon Nacht geworden, als wir endlich ins holzverkleidete Bergwachtheim hinüber wanderten.

Wir hatten alle notwendige Technik dabei und sie funktionierte diesmal schon nach wenigen Minuten, nicht erst wie früher öfters nach Stunden. Zum warming up begann ich mit einem Vortrag über Anthropospeläologisches aus Kuba. Und da die moderne Technik das ja möglich macht, war alles untermalt durch die Musik vom Buena Vista Social Club. Der Hintergrund dafür war ja meine Beteilung an der Bellamar-Höhlenexpedition 2012, wo ich drei Wochen drüben war. Die Höhlen als Rebellenversteck auf Photos mit Fidel Castro und Che Guevara, ein Höhlenrestaurant bei Vinales in einem Mogote, eine aufgehängte, inzwischen schon sehr verweste Katze in einer Höhle am Rio Yumuri und ein Voodoo-Püppchen im Eingang - alles starke Anknüpfungspunkte für antropospeläologisch interessierte Menschen.

Dann machte ich gleich weiter mit einem Vortrag über Alexander von Humboldt als Höhlenforscher. Angeregt war dieser Vortrag durch die Lektüre des sehr gut zu lesenden Buches "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlemann. Ein Kapitel heißt "Die Höhle" und es geht darin um den Besuch der Guacharohöhle in Venezuela. Wenn man z.B. im Internet irgendwo liest, daß Humboldt diese Höhle entdeckt hätte, dann ist das einfach nur Unsinn. Er selber hat das nie behauptet, und daß er dorthin kam, das war überhaupt nur dem Zufall zu verdanken, weil auf dem Schiff, auf dem er nach Kuba unterwegs war, eine ansteckende Krankheit ausgebrochen war, so daß er es plötzlich vorzog,  schon in Venezuela an Land zu gehen. Da Humboldt ein sehr breit gestreutes Interesse an Naturphänomenen hatte, kamen da auch gelegentlich die Höhlen ins Blickfeld, aber sie waren nur Randerscheinungen. So waren etwa Vulkane für ihn viel wichtiger, weil er an ihnen an einer kritischen Auseinandersetzung mit dem damals sehr stark vertretenen sog. Neptunismus in der Geologie, also daß z.B. die Erde einen festen Kern habe und die Vulkanausbrüche durch unterirdische Kohlefeuer verursacht würden, interessiert war. Unbedingt zu diesem Thema gehört auch das Eingehen auf den sog. "Knochenraub am Orinoko", wo Humboldt aus einer Begräbnishöhle, wo man 600 Skelette in Korbbehältern fand, mehrere Schädel mitnahm und das Skelett eines Mannes. Da stellt sich ganz deutlich die Frage der Forschungsethik, ob einfach alles erlaubt ist, um "Wissensfortschritte" zu erreichen, oder ob es nicht auch Grenzen dafür gibt.

Da war viel Stoff zum Diskutieren und das Gespräch riß nicht mehr ab. In unserem kleinen Kreis ging Wort und Antwort hin und her, es war spannend dabei zu sein, denn wir haben ja alle unterschiedlichste Hintergründe. Ein Arzt, ein Lehrer, ein Wissenschaftler, ein Banker, ein Kaufmann, Deutsche, Schweizer, Halbtschechen und und und. Auch unsere speläologischen Lebensläufe sind vollkommen unterschiedlich und unsere damit verbundenen Wünsche, Interessen, Traumatas und Träume. Hier passierte genau das, weshalb man als Nichtdabeigewesener nie mehr mitbekommen wird, was da "gelaufen" ist. Es gibt zwar z.B. diesen kurzen Bericht und ein paar Zusammenfassungen von den wesentlichen Inhalten der Vorträge, aber die sind nur ein blasser Abglanz von dem lebendig Vorgetragenen und den Reaktionen von den anderen darauf. Um nur drei angesprochene Themen kurz zu erwähnen: Präkognition von Höhlenunfällen, Geistererscheinungen in Höhlen, der Einsatz der Wünschelrute bei der Entdeckung neuer Höhlen.

Es war schon nach Mitternacht, als sich unser Kreis auflöste und wir unseren unterschiedlichen Schlafstätten zustrebten. Zu nah aufeinander zu sein, das ist nicht anzuraten. Ein Teilnehmer rettete sich vor den Schlafgeräuschen seines Zimmermitbewohners fluchtartig nachts mit der Matratze ins geflieste Badezimmer nebenan.

Der nächste Morgen war neblig, herstlich. Wir strebten dem Frühstück in der "Mühle" zu, das uns uppigst angenehm überraschte. Professionell war das alles und noch bezahlbar. Um 9 Uhr wollten wir an der Bergwachtshütte wieder sein, denn dort sollte es das ortsgebundene highlight der Tagung geben: Walther Paape erzählte uns vom Neutemplerorden und seinen Verbindungen zur Burghöhle Dietfurt. Es gibt heute niemanden, der das ähnlich fundiert und eloquent machen könnte. Die Geschichte ist ja inzwischen auch schon in gedruckter Form nachlesbar, weshalb ich mich hier aller Details enthalte.

Anschließend hatten wir die Gelegenheit, das Areal zu besichtigen. Einen wichtigen Haken gab es: die Burghöhle. Die fällt, wie "leider" auch so viele andere Hohlräume unter die momentan geltende Fledermausschutzverordnung. Und laut der darf man nach dem 1. Oktober eines Jahres keinen ihrer Behausungen mehr aufsuchen. The times are changing - sang schon Bob Dylan. Mit der groß angelegten Weltveränderung durch die Menschheit, erlebbar z.B. inzwischen durch die Erderwärmung, ändert sich ja längst auch schon der sog. "Winterschlaf" der Fledermäuse. Der beginnt inzwischen schon immer später, so daß die Festlegung auf den 1. Oktober ja längst höchst obsolet geworden ist. Aber einmal eingeführte rechtliche Regelungen, auch wenn sie auf vollkommen unfundierten Annahmen beruhen, wie z.B. die Praxisgebühr beim Arzt, deren nachgesagte "Steuerungskraft" längst als Schmarrn enttarnt ist, aber noch immer zu bezahlen ist, gewinnen ein Eigenleben und leben halt weiter. Wenn es nur glaubwürdig wäre, daß die Fledermäuse das menschliche Auftauchen in einer Höhle immer als "Störung" ansehen. Wer kann das wirklich wissenschaftlich "beweisen", daß das so ist? Oder ist das auch so eine Art "Neptunismus", die halt eine gewisse Zeit hindurch "gelten" und von allen als sog. "Wissenschaftler" anerkannt sein wollender Mensch dann nacherzählt werden muß, um "dazu zu gehören". Wir haben uns auch darüber unterhalten und viel "Stoff" ausgetauscht. Jedenfalls blieb die Tür zu und wir gingen einen Etage höher, zum Burgturm. In die dicken Außenmauern wurde eine weiter unten liegende Öffnung inzwischen gebrochen. So muß man keine luftige Klettertour auf irgendeiner Leiter mehr unternehmen. Dieses Geschehen ist nun ins Innere verlegt. Es sollen noch die Originalleitern aus Eisen sein, die dort stehen und Stock um Stock geht es höher. Schließlich landet man auf dem Dach und der Blick von dort ist wirklich "breathtaking". Die Donau schlängelt sich da durch die Erdoberfläche, einen Mühlkanal hat man geschaffen, um das Wasser besser nutzen zu können, ein Bahnlinie gibt es zu sehen, eine eiserne Eisenbahnbrücke, die Straßen, ein paar Häuser zu Füßen der Burg, die Bergwachthütte, auch die Neutempler haben sich sicherlich hier auch versammelt, was die wohl in ihren Köpfen/Schädeln hatten? Die "richtige Gesäßform", das Ariertum, die Hervorgehobenheit, die "Botschaft des Blutes in ihren Adern rauschen hörend"?

Die "Zeitlosigkeit" hatte hier für kurze Zeit ihren Wohnsitz, aber gleich mußten wir auf unsere Uhren blicken. Es ging wieder nach unten, die Leitern hinab, die inzwischen ja sogar schon mit gelben Handgriffen versehen sind. So wird jedes Gefühl von "Ausgesetztheit" und "Unsicherheit" endgültig zivilisiert. Wir erreichten alle heil den Parkplatz und strebten neuen Zielen zu.

Einem Tip (ich folge der alten "Rechtschreibung") von Walther Paape folgend wanderten wir von Fridingen nach Kloster Beuron durch das Donautal. Zwei Autos waren dazu nötig, kein Problem. Unterwegs spielte ich Helmut Qualtingers Rezitation aus "Mein Kampf" über seine Jugendzeit. "This hit the nail right on the head". Auf den Vortrag vom Vormittag erfolgte hier die nicht mehr zu "toppende" Reaktion. "Idealismus", hinausgepreßt durch die enge Luftröhre des nachgemachten Hitlers, unglaublich. Auf dem Weg durch das Donautal konnte uns ja Dieter, der noch das Ende des sog. Dritten Reiches ja persönlich mitgemacht hat, wieder erzählen, wie das in seiner Erlebniswelt gewesen war. Ein echter Zeitzeuge, um dessen Erzählungen wir nur dankbar sein konnten.
Bei der "Donauversickerung" sahen wir auf der anderen Seite ein Gebilde, das erst einmal verwirrte. Der "Haufen" aus weißen Säcken stellte sich dann als "Kunstwerk" heraus, assoziativ natürlich verbunden mit den vielen Steinhütten in Südeuropa, wo sich früher die Hirten aufgehalten haben. Es war "zuviel" Wasser gerade da. Von einem trockenen Donauabschnitt bekamen wir nichts mit. Die Ziegelhütte bot einen idealen Platz, um sich mittäglich zu stärken. Schweizer Wurstsalat war der Favorit, aber auch anderes ging die menschlichen Schlünde hinunter. Geschichten wurden da erzählt am Tisch, wirklich bald unglaublich. Auf einmal war gefragt, sich den Grand Canyon vorzustellen, eine kleines Loch in der flachen Hochfläche, das 1000 Meter senkrecht hinunterführt, man seilt sich ab, und hängt vor einem großen, von oben vollkommen unahnbaren Höhleneingang, dann Pendeln und Hineinschwingen. Und dort finden sich dann kleine Kultfiguren der Indianer. Was? Diese "Untermenschen", diese "Ureinwohner", diese niederen Schichten, die waren da schon vor "uns"? Wir "Weißen", wir "Arier" sind doch die Weltveredler! Die Grenzenverschieber! Und da waren dieser "Primitiven" längst schon vor uns da, wo wir, leider später, nur hingekommen sind. Ferne Nachüberlegungen zu meinem Humboldtvortrag und zu den Neutemplern.

Rund 10 km ging es entlang der Donau, meist auf einem geschotterten Weg, weit weg vom Rest der Zivilisation. Nur einmal schob sich das Postauto an uns vorbei und dann noch eine Karawane von Pkws, wohl Gäste des Jägerhauses. Der Wirt muß auch von etwas leben. Danach wurde der Weg richtig schmal, nur noch von Fußgängern und Kinderwagenschiebern zu machen. Über die Donau hätte auch eine Trittsteinreihe geführt, aber diese Passage lag nicht auf unserem Weg. Auf einmal war rechts vom Weg, etwas oberhalb, ein richtiger Höhleneingang zu sehen. Die Lampen wurden hervorgeholt, Willi zog sogar seinen Petzlhelm hervor und hinein ging es in die von uns schon so reich durchtheoretisierte Unterwelt. Aber typischerweise wurde aus dem Traum von der großen Höhle, die sich hier öffnen könnte, nichts. "Erbärmlich" niedrig wurde die Erdöffnung, und selbst ein Auf-den-Bauch-Legen und vorwärts kommen hätte schon maulwurfsartige Reaktionen erfordert. Schnell ein paar Photos und die Sache war "abgehakt". Ein Blick hinauf auf ein schwarzes Portal oberhalb einer Felsstufe. Fachmännisch stellten wir fest, daß man sich da besser von oben per Abseilen hinbewegen müßte. Für heute war das auch nichts. Wir gingen weiter. Im Probstfelsen war dann auch noch ein Felsüberhang auszumachen, in den immerhin noch zwei Tagungsteilnehmer empor kletterten. Auf der gegenüberliegenden Talseite war auf einmal viel Wasser auszumachen, das wohl aus einer großen Karstquelle kommt. Das war gleich einmal spannend, wo das herkam, aber der Wasserlauf der Donau ohne Überbrückung hätte zum Schwimmen gezwungen. Da verzichteten wir auf eine Klärung. Es waren noch Kilometer bis zum Kloster Beuron und dem Parkplatz, wo wir das andere Auto zurückgelassen hatten, aber alles lief reibungslos ab.

Abends trafen wir uns wieder in der "Mühle", speisten genüßlich "Kässpatzen", "Maultaschen", "Kutteln" und sonst noch was. Dann wurde es Zeit für die Abendsession. Wir hatten noch einen Gast von den Bergwachtlern, den Franz, und der blieb bis zum Ende. Das war schon ein Risiko, denn keiner von uns wußte wirklich, wie es werden würde. Einen bunter Strauß von Vorträgen gab es im Abendprogramm: Willi Adelung brachte seinen Zyklus über die Höhle im Griechischen Theater zu Ende, setzte seine Reihe über "Körperhöhle" mit der "Mundhöhle" höchst eindrucksvoll fort, Wilfried Lorenz berichtete von Geheimnisvollem im Tessin und von der Eifel, auch mit Bildern aus natürlich/künstlichen Höhlen. Dann machte Dieter Hein weiter, der von den Höhlenmotiven im Ring des Nibelungen von Richard Wagner berichtete. Es war noch etwas Zeit. Der Vormittag wabberte noch sehr in uns nach. Eine "Geheimgesellschaft" hatte sich da vor nicht einmal 100 Jahren hier an diesem Ort zusammengefunden, um Zielen nachzustreben, die uns heute vollkommen verschroben vorkommen - mit einem starken Höhlenbezug. Die Höhle als Psychotop, noch kaum erforscht, wenig bekannt, aber höchst spannend. Wir machten da weiter. Schließlich hatte Dieter und ich eine ganz besondere Erfahrung gemacht. Der "Kulturverlag Polzer" aus Salzburg hatte mich angeschrieben wegen der Aignerparkhöhle in Salzburg. Schließlich war 2012 Schikaneder-Jahr und die Verwendung des Eingangsmotivs der Aignerparkhöhle im Bühnenbild der Zauberflöte im Libretto war höchst aktuell. Ein Artikel in der SAISON, der jährlichen Zeitschrift anläßlich der Salzburger Festspiele stand an. Ich nahm gleich Dieter, als unser Opernexperte mit Höhlenperspektive, mit ins Boot. So fuhren wir nach Salzburg, trafen die Akteure beim Aignerpark in Salzburg, insbesondere den "Chefredakteur Franz Zoglauer", besuchten die Höhle, machten Bilder, filmten Statements, schrieben Artikel - und das Ende vom Lied? Zoglauer schickte einen weiteren Fotographen ins Loch, um ihm gemäße Bilder zu kriegen, verfaßte zwei Artikel, unter anderem "Mozart im Hexenloch", und das war es. Bis heute haben wir noch nicht einmal Exemplare des Magazins mit den Artikeln zugeschickt bekommen. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan...  Stehen solche Leute für das heutige "System"? Aussaugen, wegwerfen, "hoffentlich kommt keiner drauf", Scheiß drauf.


Aignerparkhöhle/Cobenzlhöhle

Dieter hat seinen damals geschriebenen Text vorgetragen, was ihm einfach eine neue "Wirklichkeit" gibt. Er ist nicht in den Schubladen irgend eines Redakteurs verschwunden, sondern war, für uns zumindest, akustisch wieder zugänglich. Und im Tagungsband wird er auch abgedruckt. So lebt er wenigstens auf diese Weise weiter. Bei dieser Art von historischer "Forschung" hat auch Willi im Internet allerhand aufgetan. Insbesondere wurde klar, daß genau in diesem Zeitraum die Geheimbündelei eine Hochkonjunktur hatte und, erstaunlicherweise, sich auch in "Höhlen" niederschlug. Zwei Orte haben wir schon ausgemacht. Eichstätt und Wien. Ich zeigte noch Bilder von unserer Exkursion in die Cobenzlhöhle in Eichstätt, die Höhle im Cobenzl bei Wien steht in der Zukunft noch auf dem Programm.

Es wurde spät und später. Aber einen kleinen Beitrag, der in erster Linie aus Bildern bestand, und der leicht "rein ging", den leistete ich dann doch noch. "Kulthöhlen in Laos". Er war eine Frucht meiner Reise im Februar/März 2011 nach Thailand und Laos. Um nicht alle Grenzen zu sprengen, beschränkte ich mich auf diesen wunderbaren Teil der Erde, der von den Amerikanern nicht viele Jahre zuvor noch in die "Steinzeit zurückgebombt" werden sollte. Die Narben sind noch immer überall zu sehen. Es ist schon erstaunlich, was da zu sehen ist - wenn man ein Auge dafür hat. Das hat nichts mit großartigen "Neuentdeckungen" von kilometerlangen Karsthöhlen zu tun. Es genügt schon in einen x-beliebigen Tempel zu gehen. An dem Wänden, in den Bilderfriesen, da lugt auf einmal wieder so eine Höhle hervor: der Guru in der Höhle, umgeben von seinen "disciples", die verführerischen schönen Frauen, die den In-sich-Ruhenden mit erotischer Anziehungskraft "vom rechten Weg" abbringen sollen, den possierlichen Tierchen, die aus einer Baumhöhlen herausschauen, wer Augen hat zu sehen, der sieht.


Pak Ou-Höhlen am Mekong / Ho Phra Bang in Luang Prabang

Wir waren satt am Ende, verließen erfüllt den warmen Raum, strebten zu Bette.

Nach 10 Uhr war eine Exkursion angesagt. Wir hatten noch Zeit. Um 8 Uhr Frühstück. Ab 9 Uhr, ich schlug es vor und es passierte dann auch so, "Elias in der Höhle". Das passte einfach zum Sonntag. Rekurs auf die Bibel, aber als ich die Geschichte, die eine der Grundlagen für meinen Vortrag war, in der "SCHULBIBEL" suchte, da stand sie überhaupt nicht darin. Weggekürzt! Zufall, Schlampigkeit oder, wohl eher, Absicht. Die unangenehmen, heiklen Stellen einfach weggelassen. War Elias überhaupt ein "Christ", sofern es ihn überhaupt gegeben hat? Er konnte so etwas überhaupt nicht sein, denn er lebte ja schon Jahrhunderte vor seiner Geburt.

Wer dieses Thema anschaut, der sieht daß es sich um einen "hot spot" handelt. Explosiv bis in die eigene Existenz. Wie ist man darauf gekommen, daß es nur "einen Gott gibt"? Wo alle anderen, rundherum, nur viele Götter für wirklich halten. Und man erschlägt, je nach Übersetzung, bis zu 1000 Priester der "falschen Religion", selber oder durch andere. Straffrei, aber dann mit der Angst versehen, daß einem die Rache ereilen könnte. Man eilt in eine Höhle, die weit entfernt ist. Und kommt dann wieder. "Elias, was machst du hier?" Und am Eingang der Höhle, dann der entscheidende Moment. Die alten Naturphänomene zeigen sich: Wolkenbrüche, Erdbeben. Früher waren das die Zeichen von Naturgöttern. Elias macht hier keine Gotteserfahrung. Dann kommt der Moment.

Kinderbilder von "Elias" in Imst, 2005

Wir mußten umziehen, weil die Bergwachtbereitschaft den großen Aufenthaltsraum am Vormittag einfach für ihre Aufgaben brauchte. Alles war abzuschalten und im Besucherraum wieder neu zu installieren. Es war schon sehr spannend für mich. Es gab da den hebräischen Ursatz und die verschiedenen Übersetzungen. Wir alle konnten uns Gedanken dazu machen, was wohl die gelungenste Übersetzung für uns wäre.

Die Exkursion stand an. Wir fuhren ins Schmeietal und sahen uns ein paar Karsterscheinungen an. Mehr schreibe ich nicht darüber. Das ist ja auch ein Problem der "Wahrheitspriester", die nach uns kommen. Die haben dann nur noch, was wir geschrieben haben. "Gesiebte Wahrheit" - oft erzwungen durch die gerade geltenden "Gesetzes"-Vorschriften. Oft, leider, in Worte gekleideter Unsinn. Und die Gerichte, die dann die Aufgabe haben, Fälle zu entscheiden, werden daran gebunden. "Sicherheit" ist so ein Stichwort. Wann ist die gegeben? Erste Vermutung: Fahrpläne. Tatsächlich: Ausnahmen. Die nimmt man erst zur Kenntnis, wenn sie passieren. Das war bei uns nicht der Fall.

Am Ende trafen wir alle uns zum Mittagessen in der Mühle, inzwischen innig verschmelzt mit den Bergwachtlern von Sigmaringen. Auf einmal tauchte ein neues Wort aus: Bergwachteln. Ein wenig chauvinistisch klingend, aber es war halt auf einmal da. Und wurde verdaut.

Wilfried Lorenz hat sich bereit erklärt, das nächste Treffen zu organisieren. Und das Thema, das er vorgeschlagen hat, ist einfach Spitze: "Humor und Höhle". Als HÖREPSY-Urgestein murmle ich, das ist nicht Neues, das hatten wir schon einmal, aber gute Themen sollten einfach immer wieder kommen!

Wir haben schon festgestellt, daß der Nachwuchs leider fehlt. Unser Durchschnittsalter war über 60, hauptsächlich bezahlt die "Rentenkasse" für unseren Lebensunterhalt. Das Sein bestimmt das Bewußtsein. Wir können uns schon solche Lebensexkursionen leisten. Aber sie sind kein unnützer Luxus, denke ich. Sie sind höchst lebensnotwendig, insbesondere wenn wir an das denken, was der englische Philosoph Edmund Burke als "pact between the dead, the living and the unborn" bezeichnet hat.

Zu Füßen der Burg Dietfurt im Bergwachtsheim fand der größte Teil der Tagung statt

Die Freitagabendsession

Samstagmorgen - die Burg im Frühnebel

 Blick aus der Hütte

Während des Vortrags über die Neutempler in deren ehemaligem Versammlungsraum - der große Eichentisch in der Mitte und die Wappen an den Wänden sind inzwischen entfernt

 Lanz von Liebenfels

Aus einer östereichischen Verfilmung des Stoffs

 Titelbild eines Ostarahefts

Obskure "Wissenschaftlichkeit"
 

Am Aufstieg zur Burg

Vor der verschlossenen Burghöhle

Aufstieg in den Burgturm, die Eisenleitern sind noch "original"
Großartiger Fernblick vom Burgturm

Auf der Wanderung durchs Donautal von Fridingen nach Beuron
Am Samstagabend in der geheizten Bergwachthütte beim Vorträgeverfolgen

Unterwegs auf Excursion durchs Schmeietal
Abschiedsessen in der "Mühle"

 

 


 

Text vor dem Treffen:

In der Ausgabe vom 11. Oktober 2012 stand auf Seite 3 der Text eines Interviews mit der deutschen Schauspielerin Martina Gedeck unter dem Titel "Nicht zu fassen". In ihm charakterisiert sie unter anderem das "Selbstverständnis" von Schauspielern aus anderen Ländern. Über die Deutschen heißt es: "Wir sind die Experten für ein bestimmtes Gefühl: Wir wissen, dass die Dinge nicht unbedingt so sind, wie sie aussehen. Wir sind das Land, das sich in den letzten 200 Jahren am meisten geändert hat, wir haben uns selber unserer Traditionen beraubt, durch unsere Kulturgeschichte geht ein Riss. Deswegen gibt es hier auch eine andere Art von Erschüttertheit. Das heißt nicht, dass wir ängstlich sind. Trotzdem können wir es abrufen: das unterschwellig ständige Gefühl, keinen Boden unter den Füßen zu haben."

Auch mit dieser Aussage kann ein höhlenerfahrener Mensch etwas anfangen, ist ihm doch die Situation z.B. in einem Schacht sehr vertraut.

Small is beautiful - das gilt wohl diesmal das beste Motto, weil so viele abgesagt haben. Sie pflegen gerade ihren Fuß oder bauen gerade irgend etwas am Haus ihrer Mutter oder sonst noch etwas. Ganz neue Teilnehmer sind diesmal angesagt, das verspricht eine Menge. Ich freue mich auf die nächsten Tage.

Die Grundidee von "Höhle-Religion-Psyche" ist ganz einfach: Was macht die "Höhle" mit uns und was machen wir mit der "Höhle". Die Wechselwirkung von "Außen" und "Innen" und von "Innen" mit "Außen". Mit all ihren unendlich vielen komplexen Verästelungen. Physis und Psyche - einmal vereinfacht geschrieben.

Seit 1990 trifft sich nun schon ein kleiner Kreis von Menschen, der sich von diesem Themengebiet angesprochen fühlt, zu einer jährlichen Tagung. Er ist inzwischen leider sehr klein geworden, aber es geht noch immer weiter. Solange die Protagonisten halt noch nicht vom Herzinfakt, vom Schlaganfall oder von sonst einer knackigen Krankheit befallen worden sind.

Vielleicht hält sie ja die Befassung mit diesem Themenkreis ja auch noch am Leben. Die negativen  Nachrichten kommen immer näher. Aber überwältigen uns nicht. Die "Lebensfreude" scheint mir das wesentliche Moment zu sein. Und die pflegen wir. Ein höchst kritischer Moment, aber ich hoffe, daß wir ihn trotzdem gut meistern werden.

Vielleicht ist es ja ein Negativum, daß es nichts kostet! Außer dem Aufenthalt, den halt jeder selber bezahlen muß. Da ist dann wieder die wirtschaftliche Seite des Lebens berührt. Aber ist halt nicht "alles", geschweige denn, das Wichtigste, im Grunde umsonst? Das Leben, der Tod, die Liebe -  Look on the bright side of life.

Wann: Freitag, 12. Oktober 2012 - Sonntag, 14. Oktober 2012
Wo: Gasthaus Mühle in Dietfurt >
Mühle Dietfurt

Geplante Themen:

- Rulaman - ein Klassiker der Höhlenliteratur
- Kulthöhlen in Laos
- Opern und Höhle - Teil 3 Richard Wagner
- Anthropospeläologisches aus den Höhlen Kubas
- Der Prophet Elias und die Höhle
- Die Mundhöhle
- Alexander von Humboldt und die Höhlen
- Die Burghöhle Dietfurt und ihre historischen Bezüge
- Das Höhlenmotiv im griechischen Theater Teil 2

im Hintergrund:

- Chiron - der erste "Arzt" und der erste "Lehrer", unserer abendländlischen Überlieferung nach - ein Höhlenbewohner!
- Zarathustras Höhle
- Geheimnis und Höhle
- Aladdin und die Wunderlampe

Meldet Euch, wenn ihr euch für dieses Gebiet interessiert.

Ob ihr dann auch zu diesem Kreis paßt, das zeigt sich schon. Gesucht sind natürlich Leute, die auch etwas beitragen, nicht nur mitheimnehmen wollen. Bringer, nicht nur Nehmer. Aber es gibt halt mehr von dieser Sorte und die sind natürlich auch willkommen. Und, wie die Geschichte zeigt, wird das schon.

Anmeldung möglich und erwünscht (weil wir ja bei der Unterkunft genügend Plätze frei haben wollen) bei mir:

hoehle3-lindenmayr@web.de

Literatur:

Casati, Rebecca Nicht zu fassen, Süddeutsche Zeitung Nr. 235, 11. Oktober 2012, S. 3
Lorenz, Wilfreid HöRePsy 2011, Der Fränkische Höhlenspiegel, Heft 59, 2013, S. 80f.

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