Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle


S t a d t s p e l ä o l o g i e

am Beispiel M ü n c h e n s



Museen und Sammlungen in München mit Höhlenbezug

Kunst/Galerien und -ausstellungen in München mit Höhlenbezug

Kommerzielles in München mit Höhlenbezug

Historisches aus der "Höhlenstadt" München

"Löcher" im Münchner Untergrund

Verein für Höhlenkunde in München

Münchner Höhlenforscherstammtisch / im Moment keinen Treffen


Zu den ersten Erfahrungen des Menschen mit Höhlen zählte sicherlich in südlichen Zonen unserer Erde, daß man dort Schatten und Kühle finden konnte, im Norden, daß Höhlen Schutz vor den Unbilden des Wetters wie Regen, Schnee und Wind bieten konnten.

Mit dem Fortschreiten der Kulturentwicklung des Menschen verstand er es immer mehr, sich von den ursprünglichen Gegebenheiten der Natur zu lösen und selber günstige Bedingungen für sein Dasein zu schaffen. So entstanden zuerst Mauern, dann Häuser, schließlich Dörfer, heute unsere Städte.

Ist in der modernen Stadt noch etwas von den Ursprüngen in den Höhlen zu merken? Ich bin dieser Frage am Beispiel meines Wohnorts, der Stadt München, nachgegangen und bin auf Erstaunliches gestoßen. Dem kundigen Blick taten sich verblüffende "künstliche Höhlen" auf. Es lassen sich richtig einige Phasen erkennen, wo die Höhle/Grotte eine stärkere Bedeutung im Bau und bei der Ausgestaltung von Städten hatte als zu anderen Zeiten. Wir scheinen gerade wieder, wegen unseres Erlebnishungers und dem Drang nach Abwechslung, in einer Blütephase zu leben. Erkennbar ist auch, daß die Phänomene unheimlich schnellebig sind und oft nach kurzer Zeit gleich wieder vollständig verschwunden sind. Ihre Spur aufzuzeichnen war auch Anliegen einer Arbeit, die in der "Tagungsmappe 1996 - Künstliche Höhlen" des Arbeitskreises "Höhle-Religion-Psyche" erschienen ist

Für alle, die gerne selber ein paar Stellen aufsuchen möchten, ein paar Hinweise:

Wer aufmerksam durch die Stadt wandert, der kann sogar schon an einigen Hausfassaden Tropfsteinmotive ausmachen: Kardinal-Faulhaber-Straße 10, Prinzregentenstraße 3, Lenbachplatz 3, Elisenstraße 1a, Thierschstraße 7

  Thierschstraße

Neurenaissance, Ende 19. Jht.
Bernheimer Palais,
Lenbachplatz 3
Justizpalast

Stalaktitendekoration von Friedrich 
von Thiersch, 1890-97

Nationalmuseum
    Eingang "Höllentor" in die 
Burg Schwaneck

Ganze Gebäude oder Gebäudeteile:

    Grottenhof in der Residenz 

Erbaut von Wilhelm V 1581-86 durch Friedrich Sustris

 
Ludwig II ließ sich auf dem Dach der Residenz einen Wintergarten nach 1864 anlegen. "Nahe dem Eingang gähnte eine Tropfsteingrotte, ein Wasserfall plätscherte im künstlichen Mondlicht...Nach 1886 wieder aufgegeben." Görl, Im Traumland R2 Dachgarten auf der Residenz
Magdalenenklause im 
Nymphenburger Schloßpark

Erbauung 1725-28 als Scheinruine duerch Joseph Effner
Wintergarten König Ludwigs II in der Residenz, Entwurf August Dirigl, zerstört im 2. Weltkrieg
Grotte unter der Restauration im Volksgarten Nymphenburg (1889/90), Entwurf August Dirigl

Kirchen  

St. Michaelskirche in Berg am Laim

Deckengemälde (das Hauptwerk unter allen süddeutschen Rokokokirchen) von J.B. Zimmermann. Sie stellen die 3 Erscheinungen (Appartitio I, II und III) des Erzengels auf dem Monte Gargano dar (die letzte passierte der Überlieferung zufolge am 8. Mai 492). Das Grottenheiligtum wird zentral in die Mitte gerückt. Die Entstehung eines "neuen Monte Gargano" sollte von den Kölner Kurfürsten und Erzbischöfen Josef Clemens und später Clemens August, Konkurrenten um die Macht in Bayern, gefördert werden. Ein Mitglied der Michaelsbruderschaft, Baron Karl de Simeoni, unternahm eine Pilgerfahrt zur Monte Gargano und brachte 1699 eine "reliquiengleiche Michaelsfigur" mit, die erst für die Bruderschaftskapelle bestimmt war und später in den Kircheneubau übertragen wurde.

Literatur: Stalla, Robert, Berg am Laim, Münchner Universitätsschriften - Neue Münchner Beiträge zur Kunstgeschichte Band 1 Weißenhorn 1989 (insbesondere S. 124ff.)

Brunnen:  

 

Groteskes am Friedensengel

Brunnennischen von Adolf von Hildebrand, Fertigstellung 1899

Finanzgarten
Heinrich-Heine-Brunnen  
in einer "Grotte"
2016
Dianabrunnen am Kufsteiner Platz in Bogenhausen
2016

1908 eingeweiht, stammt von Matthias Gasteiger

http://www.nordostkultur-muenchen.de/architektur/dianabrunnen.htm

http://www.jagd-bayern.de/fileadmin/_BJV/Jagd_In_Bayern/jib_2007
_01/JiB_1_07_Dianabrunnen_Mond.pdf

 

Grottenbrunnen am Neutor
2016
Grottenbrunnen beim Schwabinger Krankenhaus

Entwurf Maximilian Schachner, eingeweiht 1911

 

Faunbrunnen am Deutschen Theater
1896 nach einem Beckenentwurf von Alexander und Josef Rank

Immer wieder stößt man bei den Betrachtungen zur Stadtspeläologie auf die Vergänglicheit aller Bauten. Besonders deutlich wird das in Geiselgasteig, dem großen Filmgelände. 
Da wird nur für eine Produktion etwas aufgebaut und danach meist gleich wieder abgerissen. Und auf der WIESN. Kaum da, schon wieder weg.

Geiselgasteig

Die "Feuchte Grotte" neben den Kulissen
für die "Unendliche Geschichte"......

 
Wiesn 
2003
 und weitere
Tuffsteingrab auf dem Südlichen Friedhof in München mit den 
Steinen in Querlage

Oft wurden die Steine dafür aus früheren Höhlen geholt.

 


Ein eigener riesiger Bereich sind die Bauten unter der Erdoberfläche. Man könnte sie alle auch als "Künstliche Höhlen" anschauen, geschaffen von einem Wesen, das sich gerne als außerhalb der "Natur" stehend gesehen hat oder noch sieht, dem Menschen. Aber ist er wirklich mehr als "Staub" aus dem er gemacht ist und zu dem er wieder wird?

Das Thema beginnt mit der Kanalisation, über die Wasserleitungen und die Straßentunnels bis zur U-Bahn. Aber für so manchen Penner ist ja auch eine Isarbrücke ein steinernes Dach über dem Kopf, von der manchmal von der Natur, bei Hochwasser, bzw. von der Polizei immer wieder vertrieben wird.

Inzwischen läuft auch schon Film über die Szene im Untergrund in einer Streaming-Serie: "KATAKOMBEN". Siehe: SZ 13./14.03.2021, R6 "Die im Dunklen sieht man doch", von Josef Grübl


Ein ganz neues Höhlenkapitel wurde aufgeschlagen, als entdeckt wurde, daß es auch natürliche Höhlen unter dem Stadtgebiet Münchens gibt!
Momentan noch ziemlich unerreichbar für uns als Person sind die großen Hohlräume in den Kalkschichten 2000 Meter unter uns.Über Bohrlöcher sind sie bislang zugänglich und passende Kameras haben sogar Bilder daraus geliefert! Und die dort reichlich vorhandene Wärme wird bereits genutzt! Die Energie wird nicht aufwendig aus Sibirien oder von sonst einem weit entfernten Fleck der Erde geholt, sondern aus dem nahen Untergrund in Geothermieprojekten!

https://www.swm.de/energiewende/oekostrom-erzeugung


Literatur zur Stadtspeläologie:

Abel, Gustave Frühe Faltbootfahrten in Höhlen, in: Die Höhle 2-1969, S. 61
Anlauf, Thomas Im Gedärm der Stadt - Münchens Abwasserkanäle sind besonders, sie nutzen den Regen und die Schwerkraft, Süddeutsche Zeitung Nr. 70, 24./25. März 2018, MÜNCHEN, R5
Anlauf, Thomas Ab in den Untergrund, Süddeutsche Zeitung Nr. 224, 27. September 2019, R2
beka In der Höhle erfroren, Süddeutsche Zeitung Nr. 83 / Seite 49,12. April 2010
Berger, Julia Grotten-Interieurs der Gastronomie, Beitrag aus: Archiv für Kulturgeschichte 96.2/2014, 369-404
Bernstein, Martin Rätselhaftes Loch im Lehel, Süddeutsche Zeitung Nr. 38, 14. Februar 2019, München-Fürstenfeldbruck-Bayern, S. 1
Bernstein, Martin Reise in eine fremde Welt (Die Ausstellung "Lascaux" in der Kleinen Olympiahalle, Süddeutsche Zeitung Nr. 92, 18./19. April 2019, R4 München
Dirigl, August Künstlicher Grottenbau. Neues patentiertes Verfahren bei Herstellung künstlicher Grotten, Tropfsteinhöhlen und Felsentheile, erschienen zur Internationalen Elektricitäts-Ausstellung in München 1882
Fuchs, Florian Bodenlos - Das sechs Meter tiefe Loch in einem Haidhauser Gehweg, das plötzlich unter einem Spaziergänger aufbrach, stellt Fachleute vor ein Rätsel. Ob an anderer Stelle ähnliche Gefahren drohen, ist noch unklar, Süddeutsche Zeitung R1, Nr. 16, 21.01.2014
Goede, Wolfgang C. Heizkessel in 2400 Meter Tiefe, SZ Nr. 246, 23.10.1980, S. 21
Goedl, Monika, hrsg. von Museen in München - Ein Führer durch 44 öffentliche Museen, Galerien und Sammlungen, Im Auftrag des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, 2. aktualisierte Auflage, 1984
Görl, Wolfgang Im Traumland seiner Majestät, SZ Nr. 148, 1.07.2021, R2
Grill, Michael Großes Echo auf den Krater - Wie sah die Wiesn während des Krieges aus? SZ Nr. 28, 4.2.1999, S. L3
Grübl, Josef Die im Dunklen sieht man doch, SZ 13./14.03.2021, R6
Grundner, Hubert Zweites Leben - Dank der Kettensägen-Virtuosität von Richard Litzinger ist aus einer gefällten Pappel in einer Ramersdorfer Wohnanlage ein Kunstwerk geworden, SZ Nr. 136, 16. Juni 2020, Landkreis Fürstenfeldbruck, R7
Harms, Wiebke, Rahmsdorf, Inga Der Krater von Ramersdorf, Süddeutsche Zeitung, 17. April 2015, Nr. 88, R1
Heinzelmann, Steffen Die versiegten Lebensadern - Eine Wanderung im Untergrund: Oberbürgermeister Ude erkundet mit Mitgliedern des Kulturforums die unterirdischen Bäche der Stadt, Süddeutsche Zeitung, nachgedruckt im SCHLAZ 108-2006, S. 9
Lindenmayr, Franz Die "Münchner Höhlenvorgeschichte", unveröffentlichtes Manuskript, Gröbenzell 2000
Lindenmayr, Franz Höhlenstadt München, in: Arbeitskreis Höhle, Religion, Psyche, Gabi und Peter Hofmann (Hrsg.), Tagungsmappe 1996, München 1996
Lindenmayr, Franz Stadtspeläologie am Beispiel Münchens, in: DER SCHLAZ 57, 1989, S. 14ff.
Münster, Thomas "Heißwasser-Boiler" unter der Stadt - TU-Institut untersucht ungenutztes Energie-Reservoir, SZ, Nr. 280, S. 11
Obendorf, Fritzi und Jörg Höhlen und SPELEOTEK - unser Leben für 45 Jahre, Der Schlaz 132, März 2021^, S. 8ff
Oedl, Franz Robert (1969) Höhlenforschung vor einem halben Jahrhundert in Süddeutschland, Akten des 5. Speläologische Kongresses in Stuttgart, Band 3
Rott, Herbert W. Sammlung Schack, Katalog der ausgestellten Gemälde, herausgegeben  von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München 2009
Schnorbusch, Hannah Rot wie Blutstein, KULTUR & TECHNIK 1/2020, S.10-13
Schröther, Franz Volks-, Kur- und Biergärten einst und jetzt, in: Nymphenburg - 100 Jahre Münchner Ausflugsort und Vergnügungsviertel, 3. korrigierte und erw. Aufl. München 2003
Schubert, Dr. A., Rühle, Werner, Hamm, Joachim Geotherie - Malm - Karst / Die energetische Nutzung des Malmkarst - Tiefengrundwasserleiters am Beispiel des Geothermie-Projektes München-Riem, Der Schlaz 102-2004, S. 44ff.
Tholl, Egbert Fleisch am Knochen - Die Barishe Geisha trifft den Neandertaler, Süddeutsche Zeitung 23. Juni 2009, Seite 41
Triller, Dolfi Müncher Höhlengeschichte - Drei Jahrzehnte Verein für Höhlenkunde in München e.V., München 1982
Vogel, Evelyn Im Darmtrakt eines Ungeheuers, Süddeutsche Zeitung Nr. 269, 21. November 2019, R19
Weisser, Jürgen Zwischen Lustgarten und Lunapark. Der Volksgarten in Nymphenburg (1890-1916) und die Entwicklung der kommerziellen Belustigungsgärten, München 1998
Wiedenmann, Christoph Das Geheimnis der Kellergrüfte - Die Katakomben der Münchner Residenz, Süddeutsche Zeitung 97, 13. April 2006
Wimmer, Susi Abgrund unterm Gehsteig - 62-jähriger Mann verletzt sich leicht, als in der Inneren Wiener Straße eine Bodenplatte einbricht. Der 15 m tiefe Schacht ist wahrscheinlich ein vergessenes Relikt der alten Brauerei, Süddeutsche Zeitung R3 Nr. 15, 20. Januar 2014
ZIR Höhlenmalereien im Olympiapark, Süddeutsche Zeitung Nr. 44, 21.02.2019, R 18

Links:

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