Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Die Internationalen Höhlenphotographentreffen / Rencontres Internationales des Photographes Du Monde Souterrain / International Meeting of Cave Photographers / Incontro Internaziolale dei Fotografi del Mondo Sotteraneo...
- 2011 bis ......


Es gab einmal eine Zeit, da glaubten Philosophen, die Weltläufe schlüssig erklären zu können. Es wurde behauptet, daß alles in Ursache-Wirkungszusammenhängen geschehen würde und daß man deshalb letztlich auch alles rational erklären könne. Man müsse nur lang genug forschen und Wissenschaft betreiben - dann gäbe es am Ende keine "Geheimnisse" mehr, sondern nur noch, wahrscheinlich nur noch mittels mathematischer Formeln Ausdrückbares. "Widersprüchliches" und "Zufälliges" seien Phänomeneigenschaften, die vollkommen verschwinden würden.

Inzwischen denken viele verständige Menschen anders. Die Naturwissenschaft hat natürlich ihren Platz, aber sie deckt bei weitem nicht alles ab, was es auf diesem Planeten und weiter draußen gibt. Zu Details: "Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte" von Herbert Pietschmann. Wie kann es zum Beispiel sein, daß zwei Menschen praktisch zum gleichen Zeitpunkt an verschiedenen Orten denselben Gedanken haben: Wir wollen, daß sich interessierte Höhlenphotographen aus vielen Ländern einfach einmal begegnen, um sich kennenzulernen und sich auszutauschen. Im Frühjahr 2010 passierte der Initiationsmoment, als Philippe Crochet Michel Renda anrief und ihm sagte: "Michel, we think that, together, we could organize an international meeting of cave photographers, what about it?" Und Michels Antwort war: "Are you kidding? I was thinking exactly the same thing and I was about to call you!" Wir sagen wohl, daß einfach die Zeit dafür reif war, aber das genügt nicht. Es braucht auch sog. Protagonisten, Leute, die mutig vorangehen, etwas initiieren, auch Zeiten der Unsicherheit, der großen Unsicherheit, auszuhalten vermögen - und dann durch die Geschehnisse entweder bestätigt werden oder "durchfallen".

Ein Jahr später war es soweit. Die Geburtsstunde der Internationalen Höhlenphotographentreffen schlug im Sommer 2011 in Olargues im Süden Frankreichs. Philippe und Michel hatten noch 3 wichtige Unterstützer in Gestalt von Marie Renda, Annie Guiraud und Daniel Chailloux gewonnen, die dann den organisatorischen Kern bildeten. Über die Geschehnisse dort wurde schon an anderer Stelle ausführlich berichtet und eine schöne Pubikation ist darüber erschienen, weshalb darauf hier verwiesen wird. Insgesamt waren 78 Personen beteiligt, davon 31 Photographen.

> 2011 ICPM in Olargues / F

2013 ging es weiter. Antonio Danieli aus der Gegend um Venedig war wesentlicher Motor für das nächste Treffen, das im Raum Triest/Slowenien stattfand, und auch wieder ein schöner Erfolg war. Ich war nicht dabei, weil für mich der Zeitpunkt nicht paßte. Die Idee, die Höhlenphotographentreffen an die UIS-Kongresse anzuhängen ist gut, aber paßt halt nur, wenn man nicht andere Gelegenheiten, die so eine Zusammenkunft bietet, wahrnehmen will. In diesem Fall war das bei mir so. Einmal im Leben in die Höhlen der Ukraine zu kommen - ein Traum für mich. Der bestand auch für mich bis zur Grenze zur Ukraine. Das wurde klar, auch mir, daß ich keinen Reisepaß dabei hatte, was hieß - zurück. Alles umsonst. Heute zeigt sich, was das für ein einmaliger Moment gewesen war. Insgesamt waren 90 Personen beteiligt, davon 26 Photographen.

> 2013 ICPM in Triest

Wie würde es weitergehen? Langsam stellen sich tiefgehende Organisationsprobleme und die Frage nach dem Selbstverständnis der Internationalen Höhlenphotographentreffen. Es war klar, daß beim ersten Treffen die Initiatoren und das LaSalle-Team wesentlich das Treffen bestimmte. Aber wie geht es weiter. Ein kleines Vorkommnis zeigte das schnell. Es gab zwei Kandidaten für das 2015er-Treffen: Spanien und die Türkei. Wer würde entscheiden, welches Land infrage käme? Verschiedene Ideen tauchten auf: Jeder Photograph, der auf einem oder bei beiden Treffen dabei war, würde eine Stimme bei einer Abstimmung haben - oder sollte nicht pro Land nur ein Sprecher bestimmt werden, so daß eine gewisse Dominanz von "stark vertretenen Ländern" verhindert würde. Dann müßten sich ja erst einmal die einzelnen "Nationen" entsprechend organisieren! Auch das wäre nicht einfach zu bewerkstelligen - man sehr sich doch nur die Zustände im politischen "Europa" an! Im Moment ist das ICPM ja so eine Art "frei fliegender Haufen", nirgends an irgend etwas angeschlossen. Eine Möglichkeit wäre, sich als Teilgruppe der UIS anzuschließen. Dann bräuchte es einen "chairman (oder chairwoman)" und einen Stellvertreter - und der Rest ließe sich wohl auch hinbekommen. Mir scheint, daß die Vulkanspeläologen uns da Vorbild sein könnten. Die Interessierten treffen sich beim jeweilig letzten Treffen, und "karteln aus", wer weitermacht. Bislang hat das funktioniert. So machen wir das bei den deutschen HÖPHOs schon immer.Wir dürfen alle darauf vertrauen, daß es gut weitergehen wird. Ich wünsche mir ja, daß es auch einmal auf andere Kontinente gehen wird. Die Welt ist ja viel größer als nur Europa. Mit der Türkei ist da ein erster Ansatz schon gewählt. Insgesamt waren 

https://www.youtube.com/watch?v=KZ_Y0nfhAj0

Das 2015er-Treffen fand in Pinarbasi der Türkei statt, und schon zeigten sich Spaltungserscheinungen. 70 Personen beteiligt, davon 21 Photographen. Es war ein wunderbares Treffen, das uns wegen der großartigen Gastfreundschaft der Türken immer bestens in Erinnerung bleiben wird.

In Pinarbasi zeigte sich am Ende, daß man einem eigenen Konzept folgen will, dessen Erfolgschancen sich schon noch zeigen werden. Um die Stimmendominanz einzelner Länder zu verhindern, in dem einfach viele Teilnehmer aus einem Land zu einem Treffen kommen, die dann alle stimmberechtigt sein sollen, bei der Wahl des nächsten Ortes, will man ein Nationenprinzip einführen: 1 Land, eine Stimme. Scheinbar einfach, aber doch voller Fallstricke. Wer soll für ein Land sprechen? Wie kommt einer zu solcher "Ehre"? Wer bestimmt das? Eine demokratische Runde? Vorschläge im Internet mit Negativklausel? Alles nur ein Scheingefecht? Was ist, wenn sich zwei Personen für Vertreter ihrer Nation halten? Die UIS liefert dauernd Beispiele dafür, daß das kein theoretischer Diskurs nur ist.

Es gab ja viele sehr produktive Vorschläge für künftige Veranstaltungsorte von ICPM: Puerto Rico, der Carlsbad Caverns National Park, Iran, Ungarn, Australien! Das war der Favorit, weil er mit dem nächsten UIS-Kongreß zusammenfiel, aber am Ende wurde halt ein Treffen für eine kleine Gruppe in Neuseeland daraus, organisiert von Phill Round in Waitomo vor dem Kongreß.

Eine Ausrichtung der Veranstaltung wird deutlich: Angesprochen werden die Photographen und deren Helfer. Das Publikum ist nicht die Zielgruppe.

Und ein weiterer Trend zeigt sich: Die Photographen aus dem Land, in dem gerade das Treffen organisiert wurde, sind weitestgehend ausgeschlossen. Das war schon in Frankreich so, von Triest kann ich nichts sagen, weil ich nicht dabei war, aber auch in der Türkei haben die Organisatoren das so gehandhabt. Ich finde das sehr problematisch. Sie seltene Gelegenheit, auch mit türkischen Höhlenphotographen als Photograph zusammenzukommen, das war praktisch ausgeschlossen. Sie waren unsere Führer, unsere Helfer und Modelle. Aber von ihren Werken haben wir nichts mitbekommen. Oder habe ich das übersehen?

Die Welt dreht sich dauernd weiter. Die obigen Gedanken wurden früher geäußert. Die Szene ändert sich, permanent. Ein einziger Stein auf dem Weg genügt. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht mit uns. 

2018 war es wieder etwas, diesmal in Amerika, genauer im Carlsbad National Park in New Mexico. Großes war da geplant und man durfte sich darauf freuen. Dieses Mal waren es insgesamt 55 Personen, 17 davon waren Photographen.

Und der nächste Termin stand auch schon fest: 2019 ging es nach Japan auf das Akiyoshi-day Plateau. Klang sehr spannend und war es dann auch, das 5. Internationale Höhlenphotographentreffen, JapDan 2019. 45 Teilnehmer hatte die Veranstaltung laut Statistik, davon waren 15 Photographen.

Auch für 2021 gab es schon einen Plan. Philippe Crochet hatte einen Vorschlag für eine Woche an der Ardèche, aber angesichts der vielen Vorbereitungsarbeit für den nächsten UIS-Weltkongreß in Lyon hat er wieder Abstand davon genommen. Die Angelegenheiten der Höhlenphotographen sollen nach Möglichkeit bei den Tourenangeboten berücksichtigt werden, aber das ist natürlich kein ICPM. Andere Ideen und Vorschläge gab es auch. 

Nun: der Libanon 2020. Chadi Chakr hat die Initiative ergriffen und traut sich was, der Mann auf dem Felsen. Hoffen wir, daß etwas daraus wird. Niemand weiß das heute. Es braucht sich ja nur die politische Lage gefährlich zuspitzen!
Aber voll Vertrauen, daß das nicht passieren wird, ist jetzt ein Termin bekanntgegeben: 25. September - 2. Oktober 2020. >> https://icpm2020.speleoliban.org/

Leider hatten sich die Verhältnisse so in die ungünstige Richtung verändert, daß am Ende nichts mehr aus dem Libanonevent geworden ist. Aber vielleicht findet da nächste ICPM halt ein Jahr oder zwei später dort statt. Corona ist dann hoffentlich nur noch eine Erscheinung, mit der die Menschheit zu leben gelernt hat und die sie nicht substantiell angreift. Die politischen Verhältnisse im Libanon sind dann vielleicht auch lebbarer für alle geworden. Auch für Besucher aus dem Ausland. 

Nun treffen sich hoffentlich viele der interessierten Höhlenphotographen bei UIS-Kongress in Frankreich im nächsten Sommer. Dann wird gemeinsam entschieden, wie es weitergehen wird.

Als Option für ein nächstes ICPM habe ich für "Obertraun" in Österreich ins Spiel gebracht. Die Idee, sich grundsätzlich an die UIS-Tagungen anzuhängen und sich vorher oder hinterher zu treffen, hat ihre Befürworter und Ablehner, und läßt sich nicht für alle Zeiten und alle Orte beantworten. 

Die "Hallstätter" haben darüber auf ihrer Jahresversammlung diskutiert, durchaus nicht gleich zustimmend. "Was bringt das dem Verein?" war z.B. eine der aufgeworfenen Fragen. Wie soll man darauf eine Antwort geben? Einige örtliche Höhlenforscher haben ihre Kooperationsbereitschaft signalisiert, es gibt auch schon erste Vorstellungen vom Programm. Man hat ja auch schon wichtige Erfahrungen mit der Organisation von Großveranstaltungen, z.B. bei EUROSPELEO in Ebensee gesammelt.Weltklassehöhlen gibt es rundum, viele wären in erträglichen Anmarschzeiten erreichbar. 

"Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mache einen Plan" - ein polnisches Sprichwort, das überall paßt. Auch hier. Vielleicht erlebe ich es ja noch.


Literatur in Buchform:

Albukrek, Metin, Egrikavuk, Murat, Gürbüz, Ilker, Keskin, Ali Ethem Third International Meeting of Cave Photographers, Istanbul 2018
Crochet, Philippe, Renda, Michel Premières Rencontres Internationales des Photographes Du Monde Souterrain, Olargues 2011, Edizioni Stimmgraf 2012

Links:

2011 Olargue, F

2013 Triest / I, SLO

2015 Pinarbasi / Türkei

2018 4. Internationale Höhlenphotographentreffen im Carlsbad Caverns NP, USA

2019 Das 5. Internationale Höhlenphotographentreffen  auf dem Akiyoshi-day Plateau, Japan

2020 Das 6. Internationalé Cave Photographers Meeting im Libanon >> https://icpm2020.speleoliban.org/ abgesagt

202. in the making

 

Die neue Webseite: http://icpm-su.1gb.ru/

Die alte Webseite: Home - welcome to the website of international meeting of cave photogrphers


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