Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Speläologisches in Deutschland


Höhlenlinks Deutschland


Am 18. Januar 1871, also vor 150 Jahren, wurde das Deutsche Kaiserreich im Spiegelsaal von Versailles nach einem gewonnenen Krieg gegen Frankreich, obwohl es ja zuerst nur gegen "Preussen" ging, öffentlich aus der Taufe gehoben. Erst seitdem gibt es eigentlich so etwas wie "Deutschland", auch wenn das inzwischen mehrmals schon die Gestalt wieder gewechselt hat. Vor gar nicht so langer Zeit wurde hier noch ganz eifrig: "Von der Maas bei an die Memel, von der Etsch bis an den Belt" gesungen und mit Waffengewalt versucht durchzusetzen. Glücklicherweise hat sich das wieder normalisert und nach der Vereinigung mit der ehemaligen "DDR" ist ja eine gewisse Ruhe hoffentlich eingekehrt. Wir werden auch nicht mehr von einem Kaiser regiert, die Könige sind verjagt, eine Republik ist ausgerufen und bleibt hoffentlich. 

Dieses Deutschland soll hier anhand einiger Daten, hier einmal mit den französischen Werten verglichen kurz dargestellt werden:

  Deutschland Frankreich
Fläche 357 000 km²                                  632 000 km²
Bevölkerungszahl 83 Mill². 67 Mill. 
Bevölkerungsdichte 233 Einwohner pro km² 106 Einwohner pro km²
Politische Gliederung 16 Bundesländer Einheitsstaat
Ballungsgebiete/Agglomeration Berlin 3,6 Mio, Hamburg 2,8 Mio, München 2,2 Mio Paris 12, 5 Mio, Lyon 2,3 Mio, Marseille 1,7 Mio.
Wirtschaftsleistung 4,6 Bil USD 3,2 Bil USD
Höchster Berg Zugspitze 2963 m ü. NHM Mont Blanc 4.810 m ü. NHM

Speläologisch gesehen ist Deutschland nicht in der Topliga unseres Heimatplaneten zu verorten. Etwa 12 % der Gesamtfläche sind als Karstgebiet anzusprechen. Laut der Darstellung auf der Webseite des deutschen Höhlen- und Karstforscherverbands sind inzwischen 11.000 Höhlen katastermäßig erfaßt. Die wichtigsten Gebiete sind:

Daneben gibt es auch weitere isolierte Gebiete etwa in Bad Segeberg, im Vogtland bei Syrau, in Rüdersdorf bei Berlin.

Auch in anderen Gesteinen sind inzwischen schon namhafte Höhlen erkundet worden: im Granit, im Sandstein, im Gips, in vulkanischen Gesteinen, in Konglomeraten und sogar im Schnee/Eis.

Die Längsten (lt. https://www.vdhk.de/hoehlen ) Januar 2021

1 Riesending (BY)22.400m
2 Blauhöhlensystem (BW)15.265m
3 Fuchslabyrinth (BW)14.136m

Die Tiefsten:

1 Riesending (BY)-1.149m
2 Fledermauscanyon (BY)-891m
3 Geburtstagsschacht (BY)-698m

Die Längsten (lt. Chabert, Atlas des grandes cavités mondiales) 1986

1 Salzgrabenhöhle (BY) 7.797 m
2 Fuchslabyrinth (BW) 6.000 m env.
3 Kluterthöhle (NW) 5.700m
Die Tiefsten:

1 Geburtstagsschacht - 698 m
2 Ze-Schlinger - 595 m
3 Kargrabenhöhle - 447 m

Eine sehr kurze historische Darstellung:

Die frühen Menschen, die auch bei uns mit den Höhlen in Kontakt kamen, haben Spuren dort hinterlassen, Spuren, die weltweit bedeutsam sind. Nirgend woanders hat man mobile Kunst in Höhlen gefunden, die ein so hohes Alter und eine künstlerische Qualität aufweist, als in einigen Höhlen der Schwäbischen Alb.

Einer der frühesten noch schriftlich erhaltenen Berichte einer Höhlenbefahrung stammt aus dem Jahre 1535, als sich 25 Amberger Bürger in die Breitenwinner Höhle aufmachten. 

Als 1757 die "Enzyclopedie", das wichtigste Werk der Aufklärung in Frankreich erschien, wurde nur die Baumannshöhle im Harz als einzige deutsche Höhle unter dem Stichwort "grotte" genannt, ein Jahr nachdem von Alvensleben den ersten Höhlenplan einer deutschen Höhle gezeichnet hatte, was ein Zeichen für den Bekanntheitsgrad damals war. 

Ab 1771, als der Uttenreuter Pfarrer Esper erstmals die Zoolithenhöhle in der Fränkischen Schweiz besucht hatte, wurde sie zum Magneten für die führenden Wissenschaftler der Zeit, weil die dort gefundenen Knochenberge längst ausgestorbener Tiere, die bis dahin hochgehaltenen Vorstellungen von der der Entwicklung der Welt und des Menschen (die "Sintflut", das "Diluvium") ins Wanken und schließlich zum Einsturz brachten. Die Religion trat zurück, die Wissenschaft nach vorne. 

Um 1800 kommt es zu einem richtien Bücherboom über Höhlen, die hohe Auflagen erzielten: Rosenmüller und Tilesius (1799 und 1805), Carl Lang (1807) und Bertuch (ab 1801). 

1889 wurde als einer der ersten Höhlenvereine der Welt der Schwäbische Höhlenverein gegründet. 

1922 bildete man einen ersten Dachverband,  den "Hauptverband Deutscher und Österreichischer Höhlenforscher". 1955 wurde in Donauwörth der "Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher" aus der Taufe gehoben, in dem die rund 2000 Höhlenforscher Deutschlands organisiert sind.

Einzeldarstellungen.

Bayerischen Alpen, Landschaft und Höhlen in den, Bayern
Frankenalb (und weitere Gebiete in Nordbayern), Landschaft und Höhlen der, Bayern
Schwäbischen Alb, Landschaft und Höhlen der, Baden-Württemberg
Baden-Württemberg, verschiedene Höhlen und Höhlengebiete in
Rheinland-Pfalz, Landschaft und Höhlen in
Hessen, Höhlen in 
Sauerland, Landschaft und Höhlen im, Nordrhein-Westfalen
Eifel, Landschaft und Höhlen in der, Rheinland-Pfalz
Harz, Landschaft und Höhlen im, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hessen
Saarland, Landschaft und Höhlen im 
Thüringen, Ein Streifzug durch die Höhlen in
Sachsen, Höhlen in
  Bayerische Alpen

Steinernes Meer 

Eisbodenhöhle

 
     
Fränkische Alb

Bei Krottensee

Höhle im Wellucker Wald

Schwäbische Alb

 

 

Trockental bei Sontheim

 

 

 

Wollenloch

Hohenloher Ebene
Harz

Blick vom Bielstein

 

 

Jettenhöhle

Sauerland

Felsenmeer bei Hemer

 

Malachitdom

 

 

Sächsische Schweiz

Blick vom Pfaffenstein

Schwedenlöcher

Pfälzer Wald

Höhlen sind keineswegs nur geologische, biologische, chemische "Und-.so-weiter-Phänomene", sondern auch anthropozentrische. Schließlich ist die Idee bei vielen durchaus noch populär, daß es eine Höhle nur "dokumentationswürdig" ist, wenn  auch ein Mensch hineinkommt. Da er das ja oft nur in Ausnähmefallen tut, manchmal tun muß, spielt auch die soziale Seite eine große Rolle. Viele sind in Höhlenvereinen organisiert und dort spielt sich für viele ein Großteil ihres sozialen Lebens ab. 

Es gibt jede Möglichkeiten sich zu spezialisieren. So mancher fitte Forscher sieht durchaus Veranlassung, sich etwas in der Höhlenrettung zu engagieren und macht da mit. Manche wissen um die Bedeutng guter organisatorischer Arbeit und stellen sich auch für Positionen in den Vereinen und im Verband zur Verfügung. Und manche entwickeln ganz besondere Spezialrichtungen.

Weitweit einzigartig sind unsere HÖPHOs, das jährliche Treffen aller an Höhlenphotographie (und -film) Interessierten. Es besteht seit 1980 und wurde seither jedes Jahr durchgeführt. Es wird immer im 2-Jahres-Rhythmus abgewickelt - ein Ort wird für 2 Jahre ausgewechselt und der Organisator - dann wechselt es wieder an einen anderen Ort in Deutschland. So waren wir schon im Harz, in der Sächsischen Schweiz, im Allgäu, in der Fränkischen Schweiz, auf der Schwäbischen Alb usw.... Wer interssiert ist, der sollte sich kurz melden, weil heutzutage ja niemand mehr weiß, ob das, was man geplant hat, auch wirklich so passieren wird (siehe Corona!) 

Einige Jahre später gründete sich eine kleine Gruppe von Interessierten, die sich mit dem beschäftigt, was es alles im Verhältnis von Mensch und Höhle zu entdecken gibt. Ihr Name: HÖHLE-RELIGION-PSYCHE, kurz HÖREPSY. Auch hier wäre die Absicht, sie jährlich einmal abzuhalten, aber das klappt nicht immer. Wir waren auch schon 4 mal im Ausland, 3x Österreich (Graz, Lamprechtsofen, Salzburg) und 1x in der Schweiz (bei Basel). Wenn sich genügend Teilnehmer finden, dann führen wir auch diese Gruppe weiter - solange es geht. 


Deutschland aus französischer Sicht (aus: CR-CREI No27-2018):


 

Literatur:

Bahl, Jürgen Die Schauhöhlen der Deutschen Demokratischen Republik, in: Karst und Höhle 1981, Beiträge zur Höhlenforschung in Deutschland, Blaubeuren 1981
Becker, Hans Karl Die Deutschen Höhlen, 1922
Courbon, Paul, Chabert, Claude ATLAS DES GRANDES CAVITÉS MONDIALES, UIS 1986
Hövel, Heinz Den Höhlen auf der Spur / Die Karst- und Höhlenlandschaften in Deutschland, in: Rosendahl, Wilfried, Krause, Elmar-Björn, hrsg. von, Im Reich der Dunkelheit - Höhlen und Höhlenforschung in Deutschland, 1996, 15-21
Kempe, Stephan (Herausgeber) Höhlen in Deutschland, Hamburg 1982
Kempe, Stephan (Herausgeber) Welt voller Geheimnisse - Höhlen, Hamburg 1997
Kratzer, Hans Redeschlacht mit Spätfolgen, SZ Nr. 14, 19.1.2021, R10
Rosendahl, Wilfried, Krause, Elmar-Björn, hrsg. von Im Reich der Dunkelheit - Höhlen und Höhlenforschung in Deutschland, 1996

Links:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/deutschland-455500

https://www.vdhk.de/

https://www.unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/hoehlen-und-eiszeitkunst-der-schwaebischen-alb

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