Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle

Erdställe / Schrazellöcher
und verwandte unterirdische Bauwerke


 

"...ein (en)..... zu durchqueren, und sei es nur ein einziges Mal, verändert für immer das Bewußtsein."

Diese Behauptung hat Jacques Attali für Labyrinthe formuliert, aber gilt sie nicht auch für die Erdställe?

- ein Annäherung an die Lösung des Erdstallrätsels?

Erdställe, in die Erde hineingebaute Rätselformen? Rational betrachtet, vollkommen unsinnig. Sich allen vernünftelnden Erklärungsversuchen glatt entziehend. Vielleicht eine andere "Dimension" suchend, die "Transzendenz", Zugang zu einer "anderen Welt" vermittelnd - und wenn es nur die andere Seite der Wand ist, vor der man vorher noch gestanden hat?"

Man hat es schon ""rational"/"vernünftig"" versucht - sie zum Beispiel als Fluchtraum zu interpretieren, hat sich tagelang hineingesetzt und geschaut, wie es einem dabei ging .... Wozu sollte sich denn ein Mensch "vernünftigerweise" das antun, einen künstlichen Hohlraum unter der Erdoberfläche mühsamst zu graben? Fragezeichen haufenweise, keine wirklichen Antworten....denn es ist ein großer Unterschied zwischen Nutzung und Erschaffung...

Spannende, recht "neue" Ideen, was auch immer "neu" auf unserer alten Erde ist, enthalten für mich das Buch "GOTT 9.0" von Marion und Werner Küstenmacher und Tilmann Haberer. Es könnte recht fruchtbar sein, mal nicht die Lösung des "Erdstallrätsels" in einer immer "genaueren" Erfassung der Erdställe zu suchen, sondern mal zu schauen, ob nicht andere, "höhere" Stufen mehr Klarheit vielleicht bringen könnten..... statt Dualitäten Trinitäten zulassen...und so weiter und so fort, in der Sprache der Küstenmachers, von ORANGE auf GRÜN, auf ... bis KORALLE hochsteigen. Ich habe versucht, ein Erdstallurgestein mal zu einem Vortrag von denen mitzunehmen - und bin gescheitert.


Es gibt ein rätselhaftes Phänomen in unserem Untergrund: Erdställe werden sie unter "Kennern" genannt. Es gibt sie, aber keiner kann sie so richtig "erklären". Seit vielen Jahren beschäftigen sich Menschen damit, herauszufinden, was sie denn eigentlich "bedeuten". Für die Spezies der "Wissenschaftler" sind sie bislang noch nicht so richtig "interessant" geworden. Zu wenig hard facts, zuviel software, sprich Nichts. Leere Räume im Wald, unter Wiesen, unter oder neben Häusern, in Friedhöfen und sonst wo. Aber es gibt eine Menge Menschen, die sie "erkunden", "begehen", oft auch "bekriechen", sie vermessen, fotographieren, darüber nachdenken, warum so ein "verrücktes" Phänomen existiert.

In Deutschland haben sie sich im Arbeitskreis für Erdstallforschung organisiert, in Frankreich gibt es die SFES, die ähnliche Forschung betreibt. Ihrer Arbeit ist es heute hauptsächlich zu verdanken, daß den "Erdställen" bei uns, den "Souterains" in Frankreich, den... in anderen Ländern wenigstens ein bißchen Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wenn bei Bauarbeiten plötzlich so ein "Loch in der Erde" sich auftut, dann ist es oft genug in der Vergangenheit einfach wieder nur schnell zugefüllt worden, weil so eine Entdeckung im Grunde nur den "Fortschritt" behindert hat. Der Respekt vor den Zeugnissen unserer Altvorderen fehlt da einfach. Zu stark ist wohl immer da noch das hoffentlich längst desavouierte Kriterium "Schnelligkeit". Je schneller - desto besser! "Die wichtigen Dinge sind die langsamen." (Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit). Unsere "modernen" Bauten stehen oft nur auf den Zeugnissen der Vergangenheit, die da erneut "durchkommt". Nehmen wir doch das an, was da aus ca. 1000 Jahren Entfernung irgendwie zu uns spricht. Nur was ist die "Botschaft"?

Sie uns ein bißchen besser zugänglich zu machen, das ist eine wunderbare Aufgabe für die Zukunft. Sie liegt vor uns...


Eine gute Zusammenfassung des heutigen "Kenntnisstandes", der ja eher noch ein Unkenntniszustand ist, findet sich in:

"Tore zur Unterwelt" von Heinrich und Ingrid Kusch. http://www.buecherquelle.at/Buchshop/Neuerscheinungen/Tore-zur-Unterwelt::2130.html

und in Ahlborn, Dieter, Geheimnisvolle Unterwelt - Das Rätsel der Erdställe in Bayern (2010).


Der "Arbeitskreis für Erdstallforschung" hat eine eigene Web-Adresse: www.erdstall.de

Die  nächsten wichtigen Treffen finden/t am / in statt:

21.-23. September 2012 Erdstalltagung im Kloster Strahlfeld bei Roding
27. - 29. April 2012 SFES-Treffen in Villeneuve sur Lot / F

Berichte von früheren Treffen (weitere finden sich online auf der offiziellen Webseite des Arbeitskreises und in den gedruckten Heften):

16.-18. September 2011 Arbeitskreis für Erdstallforschung in der Oststeiermark
15.-17. Juli 2011 SFES-Treffen in Haguenau, F
17.- 18. September 2010 Erdstalltagung in Raabs an der Thaya / A
18.-20.9.2009 ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding
3.-6. 10 .2008 ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding
22.-24.9. 2006 ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding
23. - 25.9.2005 ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding
3.- 5..9.2004 Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung in Großkrut/Niederösterreich
26.- 28.9.2003 Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding
27.-29.9.2002 Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding
20.-22.7.2002 SFES-Treffen in St.Remy-sur-Durolle, F
22.-24.9.2001 Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding
22.-24.9.2000 Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding
24.-26.9.1999 Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung in Röhrnbach / Bayerischer Wald

In München gibt es einen monatlichen Stammtisch der "Erdstallforscher". An jedem letzten Donnerstag im Monat ab 19.30 Uhr ist das in Gasthof Alter Wirt zu Ramersdorf - Info, Anfahrt und Lage zum Gasthof „Alter Wirt“ siehe: http://www.alterwirt-muenchen.de/index.html  

Ein Erdstall, so Monika Löffelmann, ist
"eine Stelle unter der Erde, ein künstlich geschaffenes unterirdisches Gangsystem. Es ist gekennzeichnet durch diverse typische bauliche Merkmale, oft durch eine hervorgehobene Lager innerhalb der Ortschaft oder der Landschaft, in der sich der Erdstall befindet: Zentralität oder Exponiertheit wären hier zu nennen. Als weiteres Erkennungsmerkmal eines Erdstalles kann darüberhinaus der lokale Sagenbezug gelten, der noch lange nach einer Zerstörung von der einstigen Existenz der Gänge berichtet. Unmittelbar mit dieser Überlieferung verbunden sind die örtlichen Dialektbezeichnungen, die die Erdställe, den Sagen entsprechend, typisieren, z.B. Schrazelloch, Zwergerlloch, Rätlesloch, Erdleitlloch, Alraunhöhle, Alrunenloch, Erdweiblschluf und vieles mehr."
(Löffelmann, Monika, Erdställe und ihre Bedeutung in Kult, Religionsgeschichte, Überlieferung, DER ERDSTALL Nr. 23, Roding 1997)


Typischstes bauliches Merkmal, so Josef Weichenberger, sind die Schlupfe und Schliefröhren.


Weitere Merkmale sind die unterirdischen Gänge, meist niedrig und eng, und Kammern, die meist abgerundet, manchmal aber auch spitzbogenförmig ausgehauen sind. Es gibt öfters Seiten- bzw. Nebenkammern und geräumigere Schlußkammern, die fast ausnahmslos mit ausgehauenen Sitz- oder Liegebänken ausgestattet sind.

Schlußkammer

An vielen Stellen gibt es Nischen, Trittnischen, Wandnischen, Sitznischen. Immer wieder findet man Stufen, Säulen, Trockenmauern. Sehr charakterisch ist die Fundarmut der Erdställe.


Warum wurden diese unterirdischen Anlagen geschaffen? Zwei Hauptantworten werden heute gegeben:

Es ist Zeit, weiter zu denken und neue Hypothesen zu entwickeln und zu überprüfen......

Wer mehr über diese noch heute sehr rätselhaften Anlagen erfahren möchte, der kann sich an den

"Arbeitskreis für Erdstallforschung"

wenden.

Neue Kontaktadresse: Dieter Ahlborn, Graß 12, 85653 Aying / Graß

Dort gibt es auch die ausgezeichneten Jahreshefte:

 

 


Einige Erdställe in Deutschland - Bayern:

Rabmühle, Opf.
Viechtach, Opf.
Paitzkofen, Ndb.
Reichertsdorfer Gänge, Obb.
Altnußberg, Oberpfalz
Kühried, Oberpfalz  
Waffenbrunn, Oberpfalz  
Oberviechtach, Oberpfalz  
Untervierau, Oberpfalz  
Götzlhof, Oberpfalz  
Schloss Egg,
Niederbayern
 
Wutzldorf, Oberpfalz

 
Mitterschneidhart, Obb.  
Templerhöhle im Tal der Weißen Laaber  
Erdstall Klessinger in Hausruck/
Saldenburg
 
Erdstall Kleinwiesen  

Deutschland - Baden-Württemberg

Rot am See

 

Österreich

 

Röschitz, Niederösterreich  
Kleinzwettl, Niederösterreich
Wilhelmsdorf/Folda, Niederösterreich  
Neusiedl, Niederösterreich  
Frauenhöhle, Steiermark  
Althöflein, Niederösterreich  
Raabs an der Thaya, Niederösterreich  
Ulrichschlag, Niederösterreich  

 

Unterirdische Anlagen, die (wohl) kein Erdstall sind:

Bruderloch, Thurgau, CH
Heidenhöhlen bei Zitzenhausen, D
Souterrain südwestlich von Strasbourg
Souterrain in Hohatzenheim
Felsenkeller in Wattendorf
Mittelfranken

Matthäus 7,13f: Das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.


Links:

Literatur:

Karner, L. Künstliche Höhlen aus alter Zeit, Wien 1903
Schwarzfischer, K. Zur Frage der Schrazellöcher oder Erdställe, Weiden, 1968
Löffelmann, Monika Der Erdstall / Kult - Religionsgeschichte - Überlieferung, Heft des Arbeitskreises für Erdstallforschung, Roding 1997
Kusch, Heinrich und Ingrid Tore zur Unterwelt - Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit, V.F.Sammler-Verlag, Graz 2009
DEPINY, Adalbert (Hrsg.): Heimatgaue. Zeitschrift für oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde. 4. Jahrgang. Linz, R.Pirngruber-Vlg., 1923. Erdställe im Mühlviertel
Saumande, Pierre L'exploration des caités souterraines artificielles, Spelunca n°43, p 42
Bernstein, Martin Sechs Meter unterm Hier und Jetzt, Fürstenfeldbrucker SZ Nr. 193, 24. August 2009, Seite R 2
Falkenberg, Hans Die Erdställe - Zwischenbilanz einer rätselhaften Unterwelt in Oberösterreich, Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 1982, Heft 3/4, S. 179ff.
Attali, Jacques Wege durch das Labyrinth, Europäische Verlagsansstalt, Hamburg 1999
Wimmer, Herbert Erdställe oder Schrazellöcher, DER SCHLAZ 45-1985, S. 31ff.
Ahlborn, Dieter Geheimnisvolle Unterwelt - Das Rätsel der Erdställe in Bayern, 2010
Schulz, Matthias Irrgärten der Unterwelt, DER SPIEGEL Nr. 29, 18.7.11
Fritsch, Erhard Das unterirdische Andorf - Mythos, Überlieferung und Realität, Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in Oberösterreich 2004/1, S. 15ff.

 

YouTubefilme:

Gonzo´s Sommertour - Erdställe Bad Hall

A    

Erdstall Schloß Egg

D   von Franz Lindenmayr
Althöflein   http://www.youtube.com/watch?v=WP4cyjy_cSU&feature=related    
Ein humorvoller Beitrag zum Thema "Erdstall", und damit ganz Wesentliches zeigend: das "Erdstall-Lied" von Dorothée Kleinmann 2005 bei der Tagung in Kloster Strahlfeld gesungen! Klug spiegelnd, was wir heute wirklich "wissen" darüber!      
Wutzldorf bei Nittenau   http://www.youtube.com/watch?v=__HLt5ssH9M&feature=related    

 

 

 

Erdstall Unterstetten in Oberösterreich / der unterirdische Verlauf des Erdstalls wurde hier an der Oberfläche durch abgesteckte Flächen einmal exakt markiert

 


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