Franz Lindenmayr / Mensch und Höhle
Erdställe
/ Schrazellöcher
und verwandte
unterirdische Bauwerke
Das "Erdstall-Lied" von Dorothée Kleinmann 2005 bei der Tagung in Kloster Strahlfeld gesungen! Klug spiegelnd, was wir heute wirklich "wissen" darüber!
Besondere Erdstallausstellung:
Am Samstag, den
17. April öffnet die Sonderausstellung "Erdställe,
rätselhafte unterirdische Anlagen" im Freilichtmuseum
Glentleiten ihre Tore. Um 14:00 Uhr findet in der gerade neu
wieder aufgebauten "Zollinger" Halle im Gelände des
Freilichtmuseums die Eröffnungsveranstaltung statt. Es sprechen
Josef Meder (Bezirkstagspräsident), Dr. Monika Kania - Schütz
(Museumsdirektorin), Dieter Ahlborn (Arbeitskreis für
Erdstallforschung).
Die Ausstellung läuft vom 17.
April bis zum 11. November 2010.
"...ein (en)..... zu
durchqueren, und sei es nur ein einziges Mal, verändert für
immer das Bewußtsein."
Diese Behauptung hat Jacques Attali
für Labyrinthe formuliert, aber gilt sie nicht auch für die
Erdställe?
- ein Annäherung an
die Lösung des Erdstallrätsels?
Erdställe, in die Erde hineingebaute Rätselformen? Rational
betrachtet, vollkommen unsinnig. Sich allen vernünftelnden
Erklärungsversuchen glatt entziehend. Vielleicht eine andere
"Dimension" suchend, die "Transzendenz",
Zugang zu einer "anderen Welt" vermittelnd - und wenn
es nur die andere Seite der Wand ist, vor der man vorher noch
gestanden hat?"
Man hat es schon ""rational"/"vernünftig"" versucht - sie zum Beispiel als Fluchtraum zu interpretieren, hat sich tagelang hineingesetzt und geschaut, wie es einem dabei ging dabei.... Wozu sollte sich denn sonst ein Mensch "vernünftigerweise" das antun, einen künstlichen Hohlraum unter der Erdoberfläche mühsamst zu graben? Fragezeichen haufenweise, keine wirklichen Antworten....denn es ist ein großer Unterschied zwischen Nutzung und Erschaffung...
Es gibt ein rätselhaftes Phänomen in unserem Untergrund: Erdställe werden sie unter "Kennern" genannt. Es gibt sie, aber keiner kann sie so richtig "erklären". Seit vielen Jahren beschäftigen sich Menschen damit, herauszufinden, was sie denn eigentlich "bedeuten". Für die Spezies der "Wissenschaftler" sind sie bislang noch nicht so richtig "interessant" geworden. Zu wenig hard facts, zuviel software, sprich Nichts. Leere Räume im Wald, unter Wiesen, unter oder neben Häusern, in Friedhöfen und sonst wo. Aber es gibt eine Menge Menschen, die sie "erkunden", "begehen", oft auch "bekriechen", sie vermessen, fotographieren, darüber nachdenken, warum so ein "verrücktes" Phänomen existiert.
In Deutschland haben sie sich im Arbeitskreis für Erdstallforschung organisiert, in Frankreich gibt es die SFES, die ähnliche Forschung betreibt. Ihrer Arbeit ist es heute hauptsächlich zu verdanken, daß den "Erdställen" bei uns, den "Souterains" in Frankreich, den... in anderen Ländern wenigstens ein bißchen Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wenn bei Bauarbeiten plötzlich so ein "Loch in der Erde" sich auftut, dann ist es oft genug in der Vergangenheit einfach wieder nur schnell zugefüllt worden, weil so eine Entdeckung im Grunde nur den "Fortschritt" behindert hat. Der Respekt vor den Zeugnissen unserer Altvorderen fehlt da einfach. Zu stark ist wohl immer da noch das hoffentlich längst desavouierte Kriterium "Schnelligkeit". Je schneller - desto besser! "Die wichtigen Dinge sind die langsamen." (Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit). Unsere "modernen" Bauten stehen oft nur auf den Zeugnissen der Vergangenheit, die da erneut "durchkommt". Nehmen wir doch das an, was da aus ca. 1000 Jahren Entfernung irgendwie zu uns spricht. Nur was ist die "Botschaft"?
Sie uns ein bißchen besser zugänglich zu machen, das ist eine wunderbare Aufgabe für die Zukunft. Sie liegt vor uns...
Eine gute Zusammenfassung des heutigen "Kenntnisstandes", der ja eher noch ein Unkenntniszustand ist, findet sich in:
"Tore zur Unterwelt" von Heinrich und Ingrid Kusch. http://www.buecherquelle.at/Buchshop/Neuerscheinungen/Tore-zur-Unterwelt::2130.html
Der "Arbeitskreis für Erdstallforschung" hat eine eigene Web-Adresse: www.erdstall.de
Die nächsten wichtigen Treffen finden/t am / in statt:
| 17. - 19. September 2010 | Erdstalltagung im Waldviertel/A |
| SFES-Treffen |
Berichte von früheren Treffen (weitere finden sich online auf der offiziellen Webseite des Arbeitskreises und in den gedruckten Heften):
| 18.-20.9.2009 | ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 3.-6. 10 .2008 | ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 22.-24.9. 2006 | ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 23. - 25.9.2005 | ERDSTALLTAGUNG im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 3.- 5..9.2004 | Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung in Großkrut/Niederösterreich |
| 26.- 28.9.2003 | Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 27.-29.9.2002 | Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 20.-22.7.2002 | SFES-Treffen in St.Remy-sur-Durolle, F |
| 22.-24.9.2001 | Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 22.-24.9.2000 | Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung im Kloster Strahlfeld bei Roding |
| 24.-26.9.1999 | Bericht vom Treffen des Arbeitskreises für Erdstallforschung in Röhrnbach / Bayerischer Wald |
| In München gibt es einen monatlichen Stammtisch der "Erdstallforscher". An jedem letzten Donnerstag im Monat ab 19.30 Uhr ist das in Gasthof Alter Wirt zu Ramersdorf - Info, Anfahrt und Lage zum Gasthof Alter Wirt siehe: http://www.alterwirt-muenchen.de/index.html |
Ein Erdstall, so Monika Löffelmann, ist
"eine Stelle unter der Erde, ein künstlich geschaffenes unterirdisches Gangsystem. Es ist gekennzeichnet durch diverse typische bauliche Merkmale, oft durch eine hervorgehobene Lager innerhalb der Ortschaft oder der Landschaft, in der sich der Erdstall befindet: Zentralität oder Exponiertheit wären hier zu nennen. Als weiteres Erkennungsmerkmal eines Erdstalles kann darüberhinaus der lokale Sagenbezug gelten, der noch lange nach einer Zerstörung von der einstigen Existenz der Gänge berichtet. Unmittelbar mit dieser Überlieferung verbunden sind die örtlichen Dialektbezeichnungen, die die Erdställe, den Sagen entsprechend, typisieren, z.B. Schrazelloch, Zwergerlloch, Rätlesloch, Erdleitlloch, Alraunhöhle, Alrunenloch, Erdweiblschluf und vieles mehr."
(Löffelmann, Monika, Erdställe und ihre Bedeutung in Kult, Religionsgeschichte, Überlieferung, DER ERDSTALL Nr. 23, Roding 1997)
Typischstes bauliches Merkmal, so Josef Weichenberger, sind die Schlupfe und Schliefröhren.
Weitere Merkmale sind die unterirdischen Gänge, meist niedrig und eng, und Kammern, die meist abgerundet, manchmal aber auch spitzbogenförmig ausgehauen sind. Es gibt öfters Seiten- bzw. Nebenkammern und geräumigere Schlußkammern, die fast ausnahmslos mit ausgehauenen Sitz- oder Liegebänken ausgestattet sind.
Schlußkammer
An vielen Stellen gibt es Nischen, Trittnischen, Wandnischen, Sitznischen. Immer wieder findet man Stufen, Säulen, Trockenmauern. Sehr charakterisch ist die Fundarmut der Erdställe.
Warum wurden diese unterirdischen Anlagen geschaffen? Zwei Hauptantworten werden heute gegeben:
Es ist Zeit, weiter zu denken und neue Hypothesen zu entwickeln und zu überprüfen......
Wer mehr über diese noch heute sehr rätselhaften Anlagen erfahren möchte, der kann sich an den
"Arbeitskreis für Erdstallforschung"
wenden.
Neue Kontaktadresse: Dieter Ahlborn, Graß 12, 85653 Aying / Graß
Dort gibt es auch die ausgezeichneten Jahreshefte:
Einige Erdställe in Bayern:
| Rabmühle, Opf. | ||
| Viechtach, Opf. | ||
| Paitzkofen, Ndb. | ||
| Reichertsdorfer Gänge, Obb. | ||
| Altnußberg, Oberpfalz | ||
| Kühried, Oberpfalz | ||
| Waffenbrunn, Oberpfalz | ||
| Oberviechtach, Oberpfalz | ||
| Untervierau, Oberpfalz | ||
| Götzlhof, Oberpfalz | ||
| Schloss
Egg, Niederbayern |
||
| Wutzldorf, Oberpfalz | ||
| Mitterschneidhart, Obb. | ||
| Templerhöhle im Tal der Weißen Laaber | ||
| Erdstall Klessinger in Hausruck/ Saldenburg |
||
| Erdstall Kleinwiesen |
Österreich
| Röschitz, Niederösterreich | ||
| Kleinzwettl, Niederösterreich | ||
| Wilhelmsdorf/Folda, Niederösterreich | ||
| Neusiedl, Niederösterreich | ||
| Frauenhöhle, Steiermark | ||
| Althöflein, Niederösterreich |
Unterirdische Anlagen, die wohl kein Erdstall sind:
| Bruderloch, Thurgau, CH | |
| Heidenhöhlen bei Zitzenhausen, D |
"Aus der Enge rief ich das
Göttliche (was immer das ist), und es antwortete mir im freien
Raum."
(Viktor E. Frankl, ...trotzdem
Ja zum Leben sagen. ein Psychologe erlebt das Konzentrtionslager,
dtv, München, 18. Aufl. 1999, S. 79)
- eine andere Antwort auf das Rätsel der Erdställe?
Matthäus 7,13f: Das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.
Links:
Literatur:
| Karner, L. | Künstliche Höhlen aus alter Zeit, Wien 1903 |
| Schwarzfischer, K. | Zur Frage der Schrazellöcher oder Erdställe, Weiden, 1968 |
| Löffelmann, Monika | Der Erdstall / Kult - Religionsgeschichte - Überlieferung, Heft des Arbeitskreises für Erdstallforschung, Roding 1997 |
| Kusch, Heinrich und Ingrid | Tore zur Unterwelt - Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit, V.F.Sammler-Verlag, Graz 2009 |
| DEPINY, Adalbert (Hrsg.): | Heimatgaue. Zeitschrift für oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde. 4. Jahrgang. Linz, R.Pirngruber-Vlg., 1923. Erdställe im Mühlviertel |
| Saumande, Pierre | L'exploration des caités souterraines artificielles, Spelunca n°43, p 42 |
| Bernstein, Martin | Sechs Meter unterm Hier und Jetzt, Fürstenfeldbrucker SZ Nr. 193, 24. August 2009, Seite R 2 |
| Falkenberg, Hans | Die Erdställe - Zwischenbilanz einer rätselhaften Unterwelt in Oberösterreich, Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 1982, Heft 3/4, S. 179ff. |
| Attali, Jacques | Wege durch das Labyrinth, Europäische Verlagsansstalt, Hamburg 1999 |
| Wimmer, Herbert | Erdställe oder Schrazellöcher, DER SCHLAZ 45-1985, S. 31ff. |
| Ahlborn, Dieter | Geheimnisvolle Unterwelt - Das Rätsel der Erdställe in Bayern, 2010 |
| und viele viele Artikel in den Heften des Arbeitskreises... |
YouTubefilme:
Gonzo´s Sommertour - Erdställe Bad Hall |
A | |||
Erdstall Schloß Egg |
D | von Franz Lindenmayr |
Erdstall Unterstetten in Oberösterreich / der unterirdische Verlauf des Erdstalls wurde hier an der Oberfläche durch abgesteckte Flächen einmal exakt markiert
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